"Migranten aus der Türkei assoziiert man mit Döner-Kebab"

Güler Alkan, 15. Februar 2010, 12:04
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    foto: güler alkan

    Sowohl TrainerInnen als auch die KursteilnehmerInnen sind bei Bilcom ethnisch bunt gemischt.

Eren Kilic, Geschäftsführer des Weiterbildungsinstituts Bilcom, erzählt über seinen Weg zum Kleinunternehmer in Favoriten

daStandard.at: Warum haben Sie sich nach dem Studium dazu entschieden, ein Weiterbildungsinstitut zu gründen?

Kilic: Eigentlich wollte ich nach meinem Wirtschaftsinformatik-Studium nicht in Österreich bleiben, sondern für ein bis zwei Jahre ins Ausland fahren, nach England oder Frankreich, um danach mit verbesserten Sprachkenntnissen zurückkehren. Zwei Studienkollegen haben mich aber überredet, mit ihnen gemeinsam ein Unternehmen im Bereich Hard- und Software-Consulting zu gründen, das hat aber nicht wirklich funktioniert. Ich habe dann die Firma alleine weitergeführt und bin auf den Bereich Weiterbildung umgestiegen. Seit 2005, nachdem ich den Weiterbildungsbetrieb klein aufgebaut habe, wurde der Ein-Mann-Betrieb immer größer, mittlerweile beschäftige ich 25 Mitarbeiter.

Woran lag es, dass das Konzept des Hard- und Software-Consulting nicht aufging?

Kilic: Das Problem ist: Wenn Migranten mit türkischem Hintergrund zu dir kommen und wissen du sprichst Türkisch, dann verhalten sie sich anders als bei einer österreichischen Firma. Sie denken, sie können es sich bei ihren "Landsmännern" leisten, weniger oder nicht rechtzeitig zu zahlen. Es ist auch so, dass die erste Generation geistiger Arbeit nicht genug Wertschätzung entgegenbringt. Wir wurden einmal von einem Unternehmer beauftragt, das Grafik-Design zu gestalten. Als es dann um die Rechnung ging, hat er gemeint, das wäre ziemlich viel für ein bisschen Tippen auf der Tastatur. Nur weil du keine Mauern einreißt oder Fliesen legst, hat deine Arbeit dann keinen Wert.

Wie verlief dann die Umstellung auf die Weiterbildungsbranche?

Kilic: Wir haben uns sehr bemüht, anerkannte Zertifizierungen zu erhalten, um unsere Qualität zu bestätigen. Zuerst erhielten wir die ECDL-Zertifikate, das ging ziemlich rasch. Beim ÖSD (Österreichisches Sprachdiplom Deutsch) gab es Startschwierigkeiten, obwohl alle unsere TrainerInnen Germanistik studierten und die DaF-Ausbildung absolviert hatten, also an der Qualität der TrainerInnen hat es nicht gelegen. Wir wurden vom ÖSD dreimal abgelehnt, mit der Begründung, es gäbe bereits genug ÖSD-Anbieter in Wien. Letztendlich haben wir auch diese Zertifizierung erhalten.

In Österreich werden ja Jungunternehmer sowie Klein- und Mittelunternehmer besonders gefördert. Gab es Förderungen, die Sie nach der Neu-Positionierung des Unternehmens in Anspruch nehmen konnten?

Kilic: Ich habe von der WKO eine Förderung bekommen, aber die war minimal, verglichen mit meinen Ausgaben. Ich hatte ja auch die alte Firma inklusive Schuldenberg übernommen, galt daher auch nicht als Jungunternehmer. Außerdem war die Förderung auch daran gebunden, einen Bürgen aufzutreiben, was nicht sehr einfach war. Ich finde, dass man diese Forderung nicht stellen sollte. Die Wirtschaftskammer sollte selbst bürgen, die Förderung ist ja auch kein Geschenk, sondern eigentlich ein Kredit ohne Zinsen. Heute machen meine steuerlichen Abgaben monatlich mehr als das Dreifache dieser Förderungssumme aus, bringen dem Staat und unserer Wirtschaft also sehr viel ein.

Hier im 10. Bezirk sind viele Unternehmen speziell auf Migranten und sogar bestimmte Migrantengruppen ausgerichtet, werden quasi von Migranten für Migranten betrieben. Wie schaut es mit dem so genannten Migrationshintergrund ihrer Mitarbeiter und der Kursteilnehmer aus?

Kilic: Wir haben österreichische, ungarische, kroatische TrainerInnen, wir haben Kurden und Türken, eine Chinesin, eine Polin, es ist also gemischt. Zur Hälfte mit, zur Hälfte ohne Migrationshintergrund, würde ich sagen. Auch bei den Kursteilnehmern ist es sehr bunt gemischt. Bei den Deutsch- und Alphabetisierungskursen sind es zu neunundneunzig Prozent Migranten. Bei den Englisch-Kursen gibt es auch viele Kursteilnehmer ohne Migrationshintergrund, bei den EDV-Kursen sind es mehrheitlich Nicht-Migranten.

Welche Reaktionen gibt es seitens der "österreichischen" Kursteilnehmer auf Ihren Migrationshintergrund bzw. den der Trainer?

Kilic: Österreicher sind das nicht so gewohnt. Migranten aus der Türkei assoziiert man ja mit "Döner-Kebab". Und da steht eine Person mit Migrationshintergrund, die ihnen etwas beibringen möchte, das ist etwas Neues, dem sie begegnen. Es gibt immer wieder Reaktionen, genug positive und genug negative. Das ist normal und menschlich. Ich finde das gut, denn es gibt ja dann meistens einen Einstellungswechsel.

Zum Schluss die übliche Frage nach Ihrer Herkunft. Welche Bedeutung hat Ihr Migrationshintergrund für Sie?

Kilic: Ich bin seit 15 Jahren in Österreich. Als ich nach Österreich kam, habe ich zwei Identitäten gehabt: Ich bin Kurde und ich bin Türke gewesen. Diese beiden Identitäten waren im Kampf miteinander. Die kurdische Identität war irgendwann mal dominant, aber jetzt denke ich, dass ich eine kurdische und eine türkische Seite habe. Seit 15 Jahren bin ich auch ein Österreicher, habe auch eine österreichische Seite in mir. Als ich als Austauschstudent in Schweden war, hab ich nicht unbedingt Dersim (Region im Osten der Türkei, Anm.) vermisst, ich habe Wien vermisst.

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15 Postings
charles darwin
12
23.3.2010, 22:51
"Migranten aus der Türkei assoziiert man mit Döner-Kebab"

sorry, aber die nuklearphysik kommt mir nicht in den sinn.

chocolate cookie
01
11.4.2010, 09:50
Aha

3x darfst du raten womit man Österreich im Ausland in erster Linie assoziiert.

Zitronenbaum
00
23.2.2012, 12:46

Kommt aufs Land an:
In den USA (dank "The Sound of Music"): Lederhosen, Schuhplattler, Edelweiß

Sonstwo: Wiener Schnitzel.

josefa maier449
01
12.4.2010, 19:33
womit ?

auch mit Döner-Kebab?

Blogger007
00
18.2.2010, 17:21
oba ans is sicha...

de bestn döna kennan wirki nua de tirkn. i kenn kan wiena wirschtl-mau, der a gscheids döna mocht.
des is ebn da tirkische kultur-export. do sans wödmasta...

Der Waehlerwille
 
00
20.3.2010, 14:14
technisch gesehen ist das was man in österreich unter döner-kebap versteht..

.. übrigens in deutschland entstanden. und hat mit "döner" aus der türkei sehr sehr wenig zu tun.

das ganze grünzeug und die sossen wurden von einem findigen deutschen türken eingeführt.

guter mann btw.

Blogger007
00
21.3.2010, 11:11
do sicht mas wieda...

de deitschtürkn...do was ma nie was ma se damit eifongt. kaum glaubt ma, des is echt, scho faungans au wieda a linke zdran. sogoa beim döna muaß ma scho aufpassn...
oba gsinda is des a net, des sog i da.
do bleib i liaba beim hämbörga, weu do is wenigstens a solot drin.
und des fleisch is sicha ka ziagn...

Rautha
00
17.2.2010, 16:26
Förderung

weil er meinte er konnte keine Jungunternehmerförderung beantragen: Hätte er sehr wohl können, denn es handelte sich dabei um eine Betriebsübernahme. Das wird ungefähr ähnlich gehandhabt.

meine güte1
04
16.2.2010, 08:18
Willkommen in unserer Marktwirtschaft

Dass man als Unternehmer monatelang, manchmal sogar jahrelang auf sein Geld warten muss, hat nichts - aber auch gar nichts mit der Herkunft zu tun.

Mit diesem Problem, das gerade die Anfangsphase so schwierig macht, kämpfen wir alle.
Ein bisserl einfacher wäre es für Unternehmer, wenn man nicht auch noch die Kammerfunktionäre miterhalten müsste und nicht Steuer für Geld zahlt, das man noch gar nicht verdient hat (Einkommenssteuervorauszahlung). So schrammt man gerade in der Startphase oft knapp am Bankrott vorbei.

E Pie
17
15.2.2010, 23:34
Migranten

ich 55 Österr. arbeite mit 8 Türken die Anfang der 80er Jahre nach Österreich eingewandert sind und habe auch Kontakt zu ihren Familien. (ich war einmal Trauzeuge). Doch wenn ich auf ihren männlichen Nachwuchs sehe denke ich oft ich bin im falschen Film. Die Töchter hingegen machen ihren Familien alle Ehre als Akademikerinen. Leidet der männl./türkische Nachwuchs an einer Identitätskrise?

Fritz094
 
12
17.2.2010, 10:24
Jugendliche Migranten

Ich würde da gar nicht so weit gehen - die türkisch-österreichischen Jugendlichen leiden da unter dem selben Phänomen wie die österreichischen auch.
Gruppenzwang, Leistungsdruck. Gewisse Vorgaben die man erfüllen muss, um cool zu sein.
Das haben wir überall, allerdings vermute ich doch dass bei Migranten besonders stark ausgeprägt ist.

Hier kommen noch Klischees dazu, die aus den meist rückschrittlichen HEimatländern mitgebracht und teilweise leider bewahrt werden: Der starke Mann und die fügsame Tochter...

Muro
43
17.2.2010, 00:30
nicht kollektiv urteilbar

Bin selbst türkischer Akademiker und kenne sehr viele männliche Studiengänger. Ihre Behauptung beruht meines Erachtens nach auf subjektive Wahrnehmung und spiegelt nicht die Realität wider.

sigrigel
12
12.4.2010, 18:48
Die Realität ist eine andere...

Doch, die Realität mit den männlichen türkischen Jugendlichen ist so, wie es E Pie beschrieben hat ich bin Trainerin der Erwachsenenbildung - habe im Kurs sehr viele von ihnen sitzen - kann das voll und ganz unterschreiben - meist wenig Allgemeinbildung u. Ausbildung, Identitätskrise... machohaftes halbstarkes Gehabe in d. Gruppe, dass es oft ärger nimma geht
Die Mädels hingegen wissen viel mehr, was ihre beruflichen Ziele sind. Bis hin zur FH oder Studium (obwohl sie gerade Matura nachholen, neben dem Kurs)
Erwartungen der Eltern sind oft zu groß, manche träumen (Eltern) davon, dass ihr Sohn Anwalt oder Arzt wird, obwohl Bewerber gerade mal den HS Abschluss schaffte / abgebrochene Lehre hat. Diesem Druck können viele nicht standhalten!

Blogger007
13
21.3.2010, 11:14
eine statistik der eu

sagt jedenfalls, dass der akademikeranteil bei türken und serben weit unter dem europäischen durchschnitt liegt...
somit stellt sich heraus. es gibt ein klassisches bildungsproblem in diesem bereich.
vielleicht etwas weniger koran, dafür mehr mathematik, deutsch und technik oder betriebswirtschaft.
wäre sicher gut für die jungs, müßten dan nicht alle am bau oder als putzkräfte arbeiten....

Katana79
00
17.2.2010, 17:02
ah Sie sind das!

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