Ein Brief, ein Land, ein Leben

Jasmin Al-Kattib, 26. Jänner 2010, 17:27
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    foto: jasmin al-kattib

    Seit 22 Jahren betreibt Surjit Singh Saini seine Pizzeria "Vesuvio da Mario" im 15. Wiener Gemeindebezirk.

Von der Wirtschaftsuniversität zur Pizzeria: Herr Mario über Heimatgefühle, Krisenzeiten und den Mut, alles für sein Glück zu versuchen

Der kurze Text ist mit einer Schreibmaschine getippt, der edle Briefkopf des wertvollen Papiers trägt den Schriftzug "Der Bundespräsident". In der festen Klarsichthülle einer schwarzen Ledermappe bewahrt Herr Mario sorgsam den Brief des früheren Staatsoberhaupts gemeinsam mit einer Kopie seines eigenen handschriftlichen Schreibens und den anderen Dokumenten auf. "Als ich damals in den Achtzigerjahren mein Visum samt Arbeitserlaubnis verlängern wollte, sagte man mir auf dem Amt, dass das nicht mehr möglich wäre. Nur der Bundespräsident könne mir das genehmigen. Also habe ich ihm einen Brief geschrieben." Der damalige Präsident Rudolf Kirchschläger schrieb prompt zurück, nahm die Argumente des jungen Inders, in Österreich zu bleiben, positiv zur Kenntnis und bewilligte ihm einen weiteren Aufenthalt.

Italien inspiriert

Herr Mario arbeitete bereits einige Jahre im Gastgewerbe, bis er genug Geld gespart hatte, um 1988 eine Pizzeria zu eröffnen. "Vesuvio da Mario", so nannte er sein langersehntes eigenes Restaurant nahe der Mariahilfer Straße im 15. Wiener Gemeindebezirk. "Ich war jung und hatte Freude daran, Herausforderungen anzunehmen. Ich sah keine Schwierigkeit darin, mich selbständig zu machen. Also habe ich das Restaurant aufgemacht, war selbst Koch und Kellner. Es lief gut und den Gästen gefielen das Essen und die Atmosphäre." Italienisch kochen lernte er über die Jahre von Kollegen in den Küchen verschiedener Restaurants. Infiziert von dem Temperament, der Sprache und dem Geschmack Italiens legte er sich schließlich auch einen adäquaten "Künstlernamen" zu.

Eigene Wege gehen

Denn Herr Mario heißt eigentlich Surjit Singh Saini und kommt aus Punjab in Nordindien. Nach seinem abgeschlossenen Wirtschaftsstudium gefiel ihm der Gedanke, in Europa mehr Geld zu verdienen. Er packte seine Sachen und ging zuerst für drei Jahre nach Deutschland. Zurück in Indien lernte er seine Frau kennen und heiratete. Doch Europa ließ ihn nicht los, und so beantragte er ein Visum für Österreich. Seitdem sind fast 30 Jahre vergangen. Seine vier Kinder studieren längst, drei davon Medizin, eines Sport und Englisch. "Meine Kinder helfen mir manchmal im Restaurant. Ich finde es aber sehr wichtig, dass sie ihren eigenen Weg gehen und alle eigenständige Berufe lernen." Und während seine Söhne und Töchter auf der Wiener Universität Vorlesungen besuchen, hat seine Ehefrau Usha in der zweiten Filiale der Pizzeria im 6. Bezirk, die Mitte der neunziger Jahre eröffnet wurde, die Chefinnenhosen an.

Durch Qualität überzeugen

"Momentan ist es in der Gastronomie generell schwierig, ich habe derzeit weniger Gäste als vor zwei Jahren." Und dann ist da noch eine benachbarte Pizzeria, die mit Dumpingpreisen allen anderen Gastronomiebetrieben im Grätzl Konkurrenz macht. Da muss Herr Mario mitziehen, um seine Stammkunden nicht zu verlieren, und bietet Mittagsmenüs um 3,80 Euro an. "Bei diesen Preisen weiß man aber nicht mehr, wie man alles bezahlen soll. Lebensmittel, Arbeitszeit, Strom, Gas, Steuern, Krankenkassa." Wenn er aber auf diese Weise neue Gäste von der Qualität seiner Küche überzeugen kann, läuft das Geschäft bestimmt bald wieder besser", so Herr Mario optimistisch.

Gleich zwei Liebeserklärungen

Wenn das Geld und die Zeit es erlauben, besucht Herr Mario seine Freunde und Bekannten in Italien, alle paar Jahre fährt er auch in sein ursprüngliches Heimatland Indien zu seinen Geschwistern. "Ich liebe Nordindien. Das Wetter ist immer gut, im Sommer, im Winter, auch die Monsunzeit ist schön. Und die Leute sind so sympathisch." Auch von der indischen Küche kann und will er sich nicht lösen. "Gegen Voranmeldung kochen wir auch indisch, obwohl es nicht auf unserer Speisekarte steht. Meine Frau kann das sehr gut," beteuert er. Die Verbundenheit zu seinem Herkunftsland steht allerdings keineswegs im Widerspruch zu den Gefühlen gegenüber seinem jetzigen Zuhause. Seine Augen leuchten, wenn er von Österreich spricht. "Am Anfang war es nicht leicht, hier Leute kennen zu lernen und ihr Vertrauen zu gewinnen, denn die Mentalität ist hier ganz anders. Aber ich liebe Österreich. Meine Familie und ich sind schon so lange hier, und Wien ist seit vielen Jahren meine Heimat" - die ohne Herrn Marios Mut und ohne Herrn Kirchschlägers guten Willen wohl nie seine Heimat geworden wäre.

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13 Postings
adonis 1983
 
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24.2.2010, 17:28
große Bereicherung für Österreich

große Bereicherung für Österreich
Das essen ist köstlich und man wird freundlich behandelt.

Familie Saini ist eine große Bereichernug für Österreich.
3 Kinder Studieren Medizin, eines Englisch und Sport, und was man noch sagen muss helfen sie in der Pizzaria ständig mit!


Besonders beeindruckt war ich vom ältersten Sohn der Familie: Er ist nächstes Jahr mit seinem Medizinstudium fertig und somit ein Arzt, und zudem betreibt er nebenbei noch eine Schauspiel- und Modelkarriere!

Alpha Romeo
 
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So ist es

Man geht immer wieder gerne in die Pizzeria Mario. Ergänzend zu adonis 1983 muss noch gesagt werden, dass der älteste Sohn nicht nur eine Arzt-, Schauspiel- und Modelkarriere vor sich hat, sondern auch jederzeit als Sänger arbeiten könnte.

Doch auch die Karriere des zweiten Sohnes ist beeindruckend, auch dieser wird in naher Zukunft sein Medizinstudium abschließen, außerdem arbeitet er seit Jahren erfolgreich an seiner professionellen Bodybuilder-Karriere!

Gaze-a-lot
00
21.5.2010, 18:59
adonis, alpha romeo...

und hier bei uns im forum - wir fühlen uns geehrt.

naihoit
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23.2.2010, 10:40
Was geht in den Köpfen von Menschen vor,

die glauben, daß ein paar Glatzerte mit Springerstiefeln für Österreich wertvoller sind als solche "Kanaken"?

Der Waehlerwille
 
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ich glaube "nichts" ist als erklärung völlig ausreichend.

baol1160
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22.2.2010, 12:56
Lieber weiter lernen

Schön eine solche Erfolgsgeschichte zu hören, aber als gebürtiger Italiener muss ich dem Herrn Mario leider sagen daß sein "italienisches" Essen allerunterste Kanone ist.

Spaghetti alle vongole sind nicht ungesalzene verkochte Nudeln mit Tomatenmark und Dosenmuscheln!

War sehr enttäuscht von der Qualität des Essens dort- kein Wunder daß die andere Pizzeria mehr Geschäft macht...

adonis 1983
 
00
24.2.2010, 17:27
große Bereicherung für Österreich

Das essen ist köstlich und man wird freundlich behandelt.

Familie Saini ist eine große Bereichernug für Österreich.
3 Kinder Studieren Medizin, eines Englisch und Sport, und was man noch sagen muss helfen sie in der Pizzaria ständig mit!


Besonders beeindruckt war ich vom ältersten Sohn der Familie: Er ist nächstes Jahr mit seinem Medizinstudium fertig und somit ein Arzt, und zudem betreibt er nebenbei noch eine Schauspiel- und Modelkarriere!




Papadoc
00
22.2.2010, 21:23
MARIO! MARIO! MA!RIO!

Gossa ohne Glas, diese Pizzeria ist Kult!

Ostbahn Kurti forever
00
22.2.2010, 16:08

Mario, eine Gossa bitte.

KTHXBYE
00
22.2.2010, 12:04

Jössas, beim Mario war ich schon ewig nicht mehr essen. Note to myself: nachholen.

manuela9
03
19.2.2010, 18:03

Ich finde es ganz toll,dass es Leute wie Herr Mario gibt.Ich sage nur RESPEKT und Bravo

al.bert
14
22.2.2010, 11:42

Zustimmung. Allerdings: Wo finden sich heute noch Kirchschlägers?

Multivac, 2010-18-42, Donnerstag
00
22.2.2010, 14:30

naja, der fischer ist dem kirchi nicht unähnlich...!

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