Sprachen

"Je mehr Sprachen du sprichst, desto mehr bist du Mensch"

Jasmin Al-Kattib, 15. Februar 2010, 12:04
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    foto: jasmin al-kattib

    Manche Sprachen sind gleicher: Das Image ist entscheidend.

Mehrsprachigkeit wird im Allgemeinen als Vorteil gesehen. Doch dies gilt meist nur für eine kleine Auswahl an Prestige-Sprachen

Svitlana und die deutsche Sprache verbindet einiges. Deutsch war die erste Fremdsprache, die die junge Ukrainerin in der Schule lernte und heute studiert sie auch Deutsch an der Wiener Universität. Trotzdem weiß Svitlana ganz genau, welchen Stellenwert ihre Muttersprache in ihrem Leben einnimmt. "Die ukrainische Sprache wird von vielen vernachlässigt. Die Hälfte der Ukrainer spricht nur Russisch. Manche schämen sich auch für die Sprache, weil sie so klein ist und immer nur mit dem Russischen verglichen wird. Das Gefühl, dass mir meine Muttersprache sehr wichtig ist, ist in Österreich stärker geworden. Ich würde meine Sprache niemals aufgeben."

Deutschkenntnisse ist gleich Sprachkompetenz?

Svitlanas Mehrsprachigkeit ist ein wichtiger Teil ihrer Persönlichkeit. Neben ihrer Muttersprache Ukrainisch spricht sie perfekt Russisch, Polnisch und Deutsch. Momentan lernt sie noch Italienisch und Englisch. "Je mehr Sprachen du sprichst, desto mehr bist du Mensch", ein Sprichwort, das gut beschreibt, wie Svitlana ihre Mehrsprachigkeit erlebt. Sie sieht sich durch das Beherrschen der verschiedenen Sprachen anderen Kulturen gegenüber näher und offener als monolinguale Menschen.

Hierzulande wird Sprachkompetenz aber sehr gerne mit der Beherrschung der deutschen Sprache gleichgesetzt. "Im Kindergarten werden die Deutschkenntnisse der Kinder im Rahmen eines Verfahrens erhoben, das sich 'Erfassung der Sprachkompetenz' nennt", so Angelika Hrubesch vom Netzwerk Sprachenrechte. "So als wäre Deutsch die einzige Sprache. Ganz ungeachtet dessen, wie eloquent die Kinder vielleicht in ihrer Erstsprache sind. Daher fordern wir, dass Mehrsprachigkeit zum allgemeinen Bildungsziel wird", betont Hrubesch.

Keine Assimilation erzwingen

Das Netzwerk Sprachenrechte, das 2003 als Reaktion auf das Inkrafttreten der so genannten "Integrationsvereinbarung" gegründet wurde, tritt für das Grundrecht eines jeden Menschen auf Schutz und Förderung seiner sprachlichen Identität ein. Ein Grundrecht, basierend auf den UN-Menschenrechtspakten (1966) und der Allgemeinen Erklärung der Sprachrechte (1996), das Staaten beauftragt, die Sprachenrechte ihrer Minderheiten (Volksgruppen, Gehörlose, MigrantInnen, Flüchtlinge) anzuerkennen. Demzufolge dürfen keinerlei Maßnahmen gesetzt werden, die eine Anpassung an Sprache und Kultur der Mehrheitsgesellschaft, sprich Assimilation, erzwingen.

Als Lehramt-Studentin weiß Svitlana genau: "Man muss motiviert werden, um eine Sprache lernen zu wollen. Zwang ist nicht der richtige Weg. Dadurch entwickelt man höchstens eine Abneigung." Ebenso dürfe weder ein Verbot noch eine Unterdrückung der Muttersprache passieren, da die betroffenen Personen auf diese Weise einen Teil ihrer Identität und ihres Selbstwertgefühls verlieren.

Fragwürdige Wertigkeiten

In der öffentlichen Meinung wird das Beherrschen mehrerer Sprachen unbestritten als Vorteil gesehen, allerdings unterscheidet man hierbei oft nach "Spachprestige". Hrubesch: "Jede/r würde unterstützen, dass Englisch und Französisch und Spanisch und vielleicht auch Russisch an den Schulen unterrichtet werden, aber wenn es Türkisch, Tschechisch, Slowenisch und Polnisch sein soll, gehen plötzlich die Wogen hoch." Diese definierten Wertigkeiten bewirken, dass mehrsprachige Kinder zum Beispiel häufig ihre Sprachkompetenzen "zurückstecken" und dann eher sagen, "Ich spreche Deutsch und Englisch" anstatt hervorzuheben, "ich spreche Wolof und Mandinka und Deutsch und Englisch und ein bisschen Französisch".

Mehrsprachigkeit soll als Mehrwert angesehen und gefördert werden. "Das entspricht auch den europäischen Bildungsprogrammen, in denen es heißt, jede/r BürgerIn soll neben seiner Erstsprache mindestens zwei weitere Sprachen beherrschen," unterstreicht Angelika Hrubesch. "Das würde aber auch bedeuten, dass man die vorhandene Mehrsprachigkeit anerkennt, sichtbar macht und nicht - wie derzeit leider die gängigere Praxis - auf Englisch als erste und noch eine zweite (europäische) Fremdsprache abzielt."

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Posting 1 bis 25 von 101
1 2 3
A_Schläsinger_vu_Brassel
00
12.2.2011, 21:54

also da hier eh jeder Werbung für jene Zungen machet, die er gerade lernet:
Ich finde HINDI/URDU, PERSISCH und ARABISCH toll !!!

salzamt1
01
29.10.2010, 17:03
bei Slowenisch gehen die Wogen hoch

vor allem in Kärnten und der Steiermark!
ich liebe diese Sprache- und habe begonnen, sie zu lernen!

Graffzog Bellaugh von Kagkalanze
21
29.10.2010, 11:04
Je mehr Menschen Du frißt, desto mehr bist Du Mensch

sagte der Kannibale

knievel
05
25.2.2010, 09:33
nanu?

"desto mehr bist du Mensch"

würde ich behaupten ich wäre mehr mensch als ein zuwanderer der kein deutsch kann weil ich wenigstens zwei fremdsprachen beherrsche würde ich wohl vom standard (völlig zu recht) zum hirni des monats gekürt werden.

freeye
12
außerdem, warum mensch?

ich kann klingonisch, also bin ich sicherlich nicht mehr mensch als du, sondern mehr klingone als du!

wollnase
03
24.2.2010, 19:13
"Je mehr Sprachen du sprichst, desto mehr bist du Mensch"

was will mir der redakteur damit sagen?

etwa, dass migranten mehr mensch sind als ich?
sollte ich mich, wenn es nach dem schreiberling, geht jetzt schlecht fühlen?

eine dümmere aussage als diese hab ich glaub ich noch nie gehört ... ich kenn einige menschen mit sprachbehinderungen die mit sicherheit mehr mensch sind, als der tätiger dieser sinnbefreiten und durch und durch vorurteilsbehafteten aussage !!

Johannes Braunias
 
01
23.2.2010, 20:18
? Ukrainisch :-)

Ich liebe diese Sprache,
sie ist für mich die schönste,
und ich habe begonnen, sie zu lernen.

Meine Tipps als Bücher:
Ukrainisch für Anfänger und Fortgeschrittene von Ludmila Schubert
und
Colloquial Ukrainian: The Complete Course for Beginners von J. I. Press, Stefan Pugh, und Ian Press

Beide nur mit Audio-Material sinnvoll!

memoiyo
 
74
22.2.2010, 16:56
Sprachen sind Denksysteme

...deshalb sind Menschen, die in unterschiedlichen Kategorien denken und sich ausdruecken koennen, in aller Regel tatsaechlich reicher, ausgewogener, klueger und interessanter, als ihre monolinguistischen Artgenossen.

Ich denke manchmal, es wuerde vielleicht schon helfen, wenn Menschen mit auslaenderfeindlichen Tendenzen zur Heilung ihrer Hirngespinste verstehen lernen muessten - d.h., zwei oder drei Sprachen lernen, die ihnen die (ebenbuertige) Logik und die Werte von Menschen aus anderen Laendern nahebringen wuerde...

Das ist kein 100%-Erfolgsrezept - aber auf 80% Heilungschance rechne ich schon...

Der Waehlerwille
 
11
25.2.2010, 11:41
ich hatte in meinem ganzen leben noch nicht das vergnügen einen menschen kennenzulernen der tatsächlich ausschliesslich eine einzige sprache beherrscht

sie?

Frau Gscheit1
10
24.8.2010, 17:31
Ich schon.

Man gehe nach Frankreich, wo Fremdsprachen oft als nicht notwendig angesehen werden. Meine Grosseltern sprechen auch nur eine Sprache. Und eine Sprache beherrschen ist auch relativ-nur weil ich nach einem Restaurant fragen kann spreche ich noch kein Englisch. Es gibt genug Menschen die Fremdsprachenkenntnisse auf diese Saetze reduzieren.

salzamt1
00
29.10.2010, 17:01
das Klischee mit Frankreich stimmt schon lang nicht mehr

Madame Haram
17
22.2.2010, 20:35
Wie wäre es,

wenn Sie Ihre Belehrungen an jene sehr zahlreichen Migranten (vor allem mit bestimmtem Hintergrund), die bis heute die hiesige Landessprache nicht beherrschen, richten würden.
Denn etwas engstirnigeres und respektloseres als das Erlernen der Sprache des Landes, in welchem man - hoffentlich freiwillig - lebt, zu verweigern, gibt es wohl kaum.

Und ich muss Sie zudem enttäuschen: nicht alle Werte, Weltanschauungen, Sitten, Kulturen etc. sind gleich gut oder schlecht.
Und es besteht auch ganz bestimmt kein Anlass, z.B. dem klerikal eingefärbten Patriarchen aus Anatolien zu signalisieren, dass sein Wertesystem unserem westlichen, aufgeklärten Wertesystem ebenbürtig ist.

Nevim
42
23.2.2010, 09:23

Aha, und was für ein aufgeklärtes westliches Wertesystem meinen Sie genau? Sind klerikal eingefärbte Patriarchen aus Niederösterreich besser als klerikal eingefärbte Patriarchen aus Anatolien?

Und wie oft sprechen Sie eigentlich mit jenen sehr zahlreichen Migranten, dass sie so genau wissen, wer die Landessprache beherrscht und wer nicht? (Übrigens, ich lebe selbst gerade im Ausland und erlebe heir am eigenen Leib, wie verdammt schwer und langwierig es sein kann, eine Sprache zu lernen, selbst wenn man guten Willens ist! Dummheit können Sie mir von mir aus vorwerfen, aber Respektlosigkeit nicht.)

Madame Haram
15
23.2.2010, 12:31
"Sind klerikal eingefärbte Patriarchen aus Niederösterreich besser als klerikal eingefärbte Patriarchen aus Anatolien?": Nein, aber es gibt innerhalb der Gruppe der türk. Migranten einen weitaus höheren Anteil an klerikal eingefärbten Patriarchen als

es einen solchen innerhalb der Gruppe der Österreicher gibt.
So wie übrigens generell der Anteil an ewiggestrigen Frömmlern innerhalb dieser Bevölkerungsgruppe erschreckend hoch zu sein scheint. Ich darf Sie an die jüngste GfK-Untersuchung erinnern, die zutage beförderte, dass rund 50% der türk. Migranten es gerne sähen, wenn Elemente der Sharia ins österr. Recht einfließen würden.

Im übrigen muss ich nicht jeden Migranten persönlich kennen, um gewisse Misstände und Fehlentwicklungen erkennen und benennen zu dürfen.
Und wenn jemand seit Jahrzehnten hier lebt, oft schon Staatsbürger ist oder auch hier geboren wurde, und trotzdem keinen g`raden deutschen Satz herausbringt, interessieren mich die lächerlichen Ausreden einfach nicht mehr.

Nevim
51
24.2.2010, 03:02

Einfaches Experiment:
- Gehen Sie in ein Dorf in den Tiroler Bergen
- Zaehlen Sie die klerikal eingefaerbten Patriarchen
- Zaehlen Sie, wieviele "g'rade deutsche Saetze" sie hoeren.

Und wenn Ihnen dann noch ein bisschen Zeit bleibt, koennen Sie sich ja ein bisschen ueber die Sharia kundig machen. Sie werden feststellen, dass es da nicht ausschließlich darum geht, Ehebrechern die Hand abzuhacken. Im Bankwesen zum Beispiel oder bei der Schlichtung von Familienstreitigkeiten wuerde ich die Moeglichkeit, sich freiwillig (!) Scharia-basierten Regeln zu unterwerfen, durchaus begrueßen.

salzamt1
00
29.10.2010, 17:05
jegliches "religiöse" Recht hat in einer sekulären Demokratie nichts verloren

Religion und Staat zu vermischen ist schon per se gruselig, egal wie "human" das wäre

Der Waehlerwille
 
11
25.2.2010, 11:42
sie haben scheints wenig ahnung von tirol ..

Madame Haram
16
24.2.2010, 10:58
Dass in Tiroler Dörfern oder sonst wo am Land Töchter von der Sippe bewacht werden u. ihr Leben riskieren, wenn sie vor der Ehe ihre Jungfräulichkeit verlieren, hätte ich noch nicht gehört. (Obwohl ein Teil meiner Verwandschaft in einem steirischen

Dorf mit nur ein paar hundert EinwohnerInnen lebt.)

Aber so ganz überzeugt scheinen Sie von Ihrem geistreichen Argument (à la "bei uns geht`s ja genau so religiös-fanatisch zu") ohnehin nicht zu sein. Sonst hätten Sie nicht sicherheitshalber noch die eigentlich ungeheure Aussage, dass die Sharia eigentlich eh ganz nett ist (genau, vor allem in Familienstreitigkeiten!), nachgeschoben.

Da man aber weder Logik noch Achtung der Menschenrechte erwarten kann, wenn sich in einem Gehirn Multikulti-Wahn und Kulturrelativismus ein Stelldichein geben, verbleibe ich mit besten Grüßen, aber nicht ohne Sie darauf hinzuweisen, dass das Kommunizieren in einem österr. Dialekt in keinster Weise mit gebrochenem Deutsch gleichzusetzen ist.

salzamt1
00
29.10.2010, 17:08
Kulturrelativismus ist Menschenverachtung!

sehr geehrte Frau Madame Haram, ich beobachte seit längerer Zeit Ihre klugen Postings und lese sie mit Genuss!

täglich murmelt das grüßtier
00
25.2.2010, 15:23

sche' gsogt!

Kantojyrsin
10
22.2.2010, 18:14

Verzeihen Sie mir, dass ich jetzt klugscheiße, aber es heißt "monolingual" ;) .

re flexion
22
22.2.2010, 13:16
Naja

"Je mehr Sprachen du sprichst, desto mehr bist du Mensch"

Mit diesem Satz wird immer indirekt angenommen, dass zusätzlicher Spracherwerb immer nebenbei erfolgt und nie auf Kosten von anderem Wissenserwerb geht. Tatsächlich wird aber bei Spracherwerb viel Energie verwendet, die ein anderer halt in den Erwerb von anderem Wissen steckt (Recht, Naturwissenschaft, Wirtschaft, ...).

Insofern ist die Frage, warum jemand mit 5 Sprachen mehr Mensch ist als jemand, der nur 2 Sprachen beherrscht aber dafür ein breiteres Wissen in Chemie, Biologie, Astronomie, Philosophie, ... hat.

Den reinen Sprachfetischisten sei gesagt: Ihr habt zwar von wenig eine Ahnung, aber das könnt ihr dafür in 10 Sprachen ausdrücken!

Nevim
20
23.2.2010, 09:24

Ja eh, Sie sind eh super.

concept of the enemy
12
22.2.2010, 11:59
Heißt das im Umkehrschluss, dass mein 11 Monate alter Sohn, der noch garkeine Sprache spricht, kein Mensch ist?


Bin ich, als 3sprachiger Mensch, mehrwert als ein 2sprachiger oder - Gott bewahre - gar 1sprachiger?

Simplicius Simplicissimus
30
22.2.2010, 08:13
Da lernt man eine Fremdsprache, ...

... um den ewig gleichen Blödsinn in anders klingenden und geschriebenen Worten zu erfahren!? Zeitverschwendung und überbewertet.

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