"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt"

Eva Zelechowski, 19. Februar 2010, 12:05
  • Artikelbild
    foto: eva zelechowski

    Seit 1995 erscheint in Wien "Polonika", die Monatszeitung für die polnische Community

Slawomir Iwanowski ist Chefredakteur von "Polonika", einer monatlichen Zeitschrift für die polnische Community in Wien

daStandard.at: Wann und wieso sind Sie nach Österreich gekommen?

Iwanowski: Das ist jetzt 20 Jahre her. Ich bin damals aus einer ganz anderen Welt gekommen. Als ich Polen verlassen habe, fiel gerade das kommunistische Regime, aber ich wollte nicht weitere Jahre darauf warten, bis ich in einem normalen Land leben konnte. Schon als Jugendlicher wusste ich, dass woanders eine "normale Welt" existiert, wo Meinungsfreiheit herrscht, wo es keine verbotenen Bücher gibt, und wo man sich für seinen Lohn die Dinge kaufen kann, die man im Alltag auch benötigt. Vor allem wollte ich mich frei bewegen und andere Länder bereisen.

Seit 1995 gibt es die "Polonika". Wie kam es dazu?

Iwanowski: Purer Zufall würde ich sagen. Ich habe nie geplant, eine Zeitschrift herauszugeben. Vor 15 Jahren bat mich ein Bekannter um einen Gefallen: Ich sollte ihm bei Werbe-Flyern helfen. Auf einem DIN A4 Blatt habe ich vier miteinander nicht konkurrierende Firmen platziert. Das war sozusagen die erste Ausgabe der "Polonika" - einige Werbeschaltungen auf einem Blatt Papier, das umsonst verteilt wurde. Die Werbung zeigte ihre Wirkung, also habe ich das nach einer Woche wiederholt. Es kamen immer mehr Schaltungen dazu, von Unternehmen, aber auch von privaten Personen. Die habe ich nach einiger Zeit mit Informationen ergänzt, um die Publikation attraktiver zu gestalten.

Wie sieht das Heft heute aus?

Iwanowski: Heute ist die "Polonika" eine Zeitschrift, die monatlich erscheint, mit einem Umfang von etwa 36 Seiten. Und einem Absatz von ungefähr 4000 Stück im Monat.

Sie geben auch das Faltblatt "Kontakt" heraus.

Iwanowski: Ja, seit drei Jahren haben wir auch dieses Wochenblatt im Programm. Das ist so das Pendant zum österreichischen "Bazar" - nur in Faltblatt-Größe. Darin enthalten sind Anzeigen im Bereich Dienstleistungen, Wohnungsmarkt sowie Arbeitssuche und -angebote. Die Nachfrage nach privaten Schaltungen, die ständig aktualisiert werden müssen, ist groß. Deshalb sind sie für ein Monatsheft nicht geeignet. Man kann sagen, dass ich wieder zur ursprünglichen Form - dem Wochenblatt - zurückgekehrt bin, wobei die "Polonika" weiterhin bleibt.

Haben Sie in Polen auch schon redaktionell gearbeitet?

Iwanowski: Nein, in Polen war ich nie als Redakteur tätig. Ursprünglich habe ich Psychologie studiert und arbeitete als Psychologe in einer Praxis.

Vermissen Sie Ihren alten Beruf nicht?

Iwanowski: Absolut nicht. Mittlerweile kümmere ich mich lieber um meine eigenen Probleme, als um die anderer Menschen. Und das sind nicht wenige: Als Chefredakteur der "Polonika" muss ich viele Angelegenheiten alleine bewältigen: Sei es die Themenfindung, das Anschreiben der Redakteure, das endgültige Bearbeiten der Texte bevor sie in Druck gehen, Layout-Fragen und nicht zuletzt das Gewinnen von Werbe-Kunden.

Der Redaktionsalltag einer fremdsprachigen Zeitschrift in Österreich weist somit kaum Unterschiede zu einer österreichischen auf. Wo häufen sich denn Ihre größten Probleme an?

Iwanowski: Das würde ich so nicht sagen, denn der große Unterschied und gleichzeitig mein größtes Problem ist, dass ich nicht genug Redakteure habe. Die Werbe-Anzeigen sind ihrerseits eine konstante Herausforderung - davon kann man eigentlich nie genug haben. Bis jetzt habe ich es aber immer geschafft, den Drucktermin einzuhalten.

Wie ist Ihre Einstellung zur aktuellen Debatte der Migrationspolitik, wonach Einwanderer vorab einen Deutschkurs absolvieren müssen?

Iwanowski: Gott hat den Menschen verschiedene Sprachen gegeben, und das wird auch Herr Strache nicht ausbessern können. Der verpflichtende Deutschkurs grenzt für mich allerdings an Populismus. Das ist wohl das größte Problem, das derzeit die europäische Demokratie gefährdet. Allerdings ist für mich klar: Wer die Sprache nicht beherrscht, ist an den Rand der Gesellschaft gespült. Das sollte meiner Meinung nach Motivation genug zum Erlernen einer Sprache sein. Wie schon einer der hervorragendsten österreichischen Philosophen sagte: "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt."

Gibt es etwas, was Sie in Österreich vermissen?

Iwanowski: Natürlich hat jedes Land seine Vor- und Nachteile. Sieht man sich aber in der Welt um, muss ich zugeben, dass ich großes Glück habe, in einem Land wie Österreich zu leben. Da gibt's speziell nichts, was mich konkret stört. Außer vielleicht, da ich gerne segle, dass es hier keinen Zugang zum Meer gibt.

wer hat bambi geschwängert ???
11
23.3.2010, 08:20
blöd einfach blöd

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.