
Die "Frauenmaßnahme" bei UKI: Die Migrantinnen bekommen Sprachunterricht und besuchen Berufsorientierungskurse
"Wenn man körperlich beeinträchtig ist, ist es am Arbeitsmarkt nicht leicht. Wenn man dazu noch Ausländer ist und vielleicht die Sprache auch nicht gut beherrscht, ist es umso schwieriger", erzählt Manochehr Shahabi, Geschäftsführer von UKI (Unterstützungskomitee zur Integration von MigrantInnen), der Organisation die 1993 aus dem "Unterstützungskomitee für politisch verfolgte AusländerInnen" hervorgegangen ist.
Realistische Ziele
UKI nimmt MigrantInnen mit körperlicher Beeinträchtigung auf, die ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben können. Der "Grad der Behinderung" muss bei diesen Menschen mindestens 50 Prozent betragen, bei anerkannten Flüchtlingen sind es 30 Prozent. Das sind Fälle die beim AMS "schwerst vermittelbar" sind. Bei UKI wurde ein Projektmodell entwickelt um ebendiesen Menschen zu helfen. Zehn Monate lang besuchen sie bei UKI Sprach- und EDV-Kurse, Gesundheitsförderungstraining und arbeiten an individuellen, "realistischen Berufszielen", so Shahabi. Das "Ziel ist die Vermittlung in den Arbeitsmarkt. Die Zielquote beträgt 50 Prozent, eine Vorgabe, die "gerade bei unserer Zielgruppe, die ja mehrfach benachteiligt ist, extrem schwer zu erreichen ist, aber es gelingt uns", erklärt Judith Egemba, Leiterin der Berufsorientierungsmaßnahme.
Motivierung und Desillusionierung
"Wir haben es manchmal mit Personen mit hochqualifizierten Abschlüssen zu tun", erzählt Egemba, aber oft gelingt es dem Verein diese Menschen nur als Hilfskräfte zu vermitteln. "Wenn man hier als Flüchtling ist und arbeiten muss, um sich und die Familie zu versorgen, hat man weder Geld noch die Zeit, die notwendigen Prüfungen für die Nostrifizierung abzulegen", erklärt Shahabi. Er kann von einem Anwalt aus Bosnien berichten, "der froh war in Österreich Billa-Regale einräumen zu dürfen", um den Lebensunterhalt seiner Familie zu sichern. Oder die Geschichte eines Elektrotechnikers aus Afghanistan, der eine Hilfsarbeit annehmen musste und anfangs zu Fuß aus Niederösterreich nach Wien pendelte. "Solche Beispiele sind nicht selten", so Shababi. Es gibt aber auch Bespiele von Menschen, die in ihrem gelernten Beruf Fuß fassen, wenn sie die Kraft für die Nostrifizierung aufbringen. "Doch gerade bei Flüchtlinge ist es eine Gradwanderung zwischen Motivierung und Desillusionierung", erklärt Judith Egemba.
Eine Spitzenleistung
Das zweite Angebot bei UKI richtet sich an Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren, die noch keinen Hauptschulabschluss haben: Die Maßnahme richtet sich vor allem an Flüchtlinge und AsylwerberInnen, aber auch an Migrantenkinder der zweiten Generation, die "aus sozialen Gründen" keinen Pflichtschulabschluss geschafft haben. Einige der jugendlichen Flüchtlinge haben noch nie oder nur wenige Jahre eine Schule besucht. Der Kurs, den sie bei UKI besuchen, dient als Vorbereitungslehrgang für die Hauptschul-Externistenprüfungen und ist eigentlich eine "Spitzenleistung", erklärt UKI-Sprecherin Yordanka Weiss. In einem Zeitraum von zehn Monaten absolvieren die Jugendlichen einen Intensiv-Deutschkurs und lernen für die Haupt- und Nebenfächer. "Letztes Jahr hatten wir eine hundertprozentige Erfolgsquote", erzählt der UKI-Geschäftsführer. "Diese Erfolgserlebnisse sind gerade in diesem jungen Alter enorm wichtig. Diese Kinder haben sehr oft niemanden, sie sind ganz allein hier und brauchen etwas Positives für ihre Zukunft", so Shahabi.
Selbstbewusstsein stärken
In unserer dritten Maßnahme betreuen wir Frauen, die vom AMS Niederösterreich an uns vermittelt werden, erzählt Yordanka Weiss. Die Migrantinnen bekommen Sprachunterricht und besuchen Berufsorientierungskurse: Ganze 50 Prozent finden nach der UKI-Maßnahme eine Arbeitsstelle. Es ginge aber auch darum diesen Frauen, die oft sehr kurz in Österreich sind und sehr isoliert Leben, ihre neue Lebenswelt näher zu bringen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken.
Halt geben
Unterstützung jener Menschen, die oft unter traumatisierenden Umständen nach Österreich kommen und ihre Integration in die Arbeitswelt in Österreich, ist das oberste Ziel aller UKI-Maßnahmen. "Es ist extrem wichtig, dass die Menschen in den ersten Jahren gut betreut werden. Mann muss ihnen Halt geben, dann haben sie auch eine Zukunft in diesem Land", betont Shahabi, der durch das österreichische "Unterstützungskomitee für politisch verfolgte AusländerInnen" 1987 nach Österreich kam. Shahabi kam, nach einer erfolgreichen Karriere als Künstler und Wissenschaftler, wieder zu UKI, diesmal um Menschen die ähnliches Schicksal haben wichtige Starthilfe zu geben.
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