Meinung

Der Frustrationspegel steigt

Güler Alkan, 11. März 2010, 12:11

Womit die Mehrheit der Studierenden wirklich zu kämpfen hat

Anlässlich der heute in Wien beginnenden Feier zum Jubiläum der Bologna-Hochschulreform, kommt es zum Erwachen der studentischen Protestbewegung. Einigen hundert Studierenden ist es gestern gelungen einen Hörsaal im NIG zu besetzten, trotz der wachsamen Security-Truppe. Die Organisatoren des Alternativgipfels zu den Bologna-Feiern wollen damit nichts zu tun haben, der Hörsaal wurde heute morgen auch freiwillig von den Kurzzeit-Besetzern geräumt. Aber man sollte die StudentInnenbewegung dennoch nicht unterschätzen.

Studentenalltag

Das (Frustrations-)Potential für die nächsten Studentenproteste ist immer noch gegeben, und wird solange verschärft, bis man die studentischen Anliegen nur als utopisch oder nicht machbar ansieht. Solange man negiert, dass die Mehrheit der Studierenden (genau 62 Prozent laut Studierendensozialerhebung 2009) neben dem Studium erwerbstätig sind, um für Miete, Materialaufwand und Lebenserhaltungskosten aufzukommen; und auch noch mit einem Lehrveranstaltungsangebot zu kämpfen hat, das auf Arbeitszeiten nicht viel Rücksicht nimmt. Einen Überfluss an Seminarangeboten gibt es sowieso nicht an der Universität Wien, auch jene Studierende ohne Teil/Vollzeitjob verlieren ein bis zwei Semester, weil sie nicht in die notwendigen Lehrveranstaltungen reinkommen.

Soziale Selektion

Die Antwort der neuen Ministerin auf diese Probleme? Zugangsbeschränkungen einführen, um der Masse an Studierenden Herr zu werden. Dabei greift sie auf das Argument zurück, dass Studierende aus sozial benachteiligten Schichten bei Massenstudien nicht weiterkommen würden, da solche mit einkommensstarken Eltern "den längeren Atem haben".

Dieses Argument ist nicht falsch, hat aber einen Haken. Soziale Selektion fängt in der Schule an. Die SchülerInnen, deren Eltern es sich leisten können teure Nachhilfestunden zu zahlen oder selbst aus der bildungsaffinen Schicht stammen, haben bessere Startbedingungen und in der Regel auch größeren schulischen Erfolg. Diejenigen Kinder aus einkommensschwachen, bildungsfernen Familien werden dann in Zukunft noch mehr Schwierigkeiten mit der (Zentral-)Matura und Zugangsprüfungen haben. Höhere Bildung wird dann weniger mit (sozialer) Intelligenz als mit der Geldbörse (der Eltern) zu tun haben. Also alles wie gehabt, oder?

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