Asyl tilgt berufliche Qualifikationen

Mascha Dabić, 16. März 2010, 15:44
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    foto: apa/barbara gindl

    Wer denkt beim Thema Asyl an Diplome, Universitätsabschlüsse und andere akademische Qualifikationen?

Der Verein "ForscherInnen ohne Grenzen" hilft Asylwerbern und anerkannten Flüchtlingen, trotz widriger Lebensumstände ihre berufliche Identität zu bewahren

Von Flüchtlingen und Asylwerbern ist allerorts die Rede, aber wer denkt beim Thema Asyl an Diplome, Universitätsabschlüsse und andere akademische Qualifikationen? Solche Assoziationen sind angesichts der Realitäten am Arbeitsmarkt auch schwer zu knüpfen, denn Asylwerber sind erstmal zum Nichtstun verdammt, weil sie neben dem laufenden Asylverfahren über keine Arbeitsbewilligung verfügen. Wenn nach einer oft jahrelangen Wartezeit der heißbegehrte positive Asylbescheid ins Haus (bzw. ins Flüchtlingsheim) flattert, ist es für die anerkannten Flüchtlinge noch ein langer Weg bis zu einem Arbeitsplatz. Nur die wenigsten schaffen es, in ihrem früheren Beruf Fuß zu fassen. 

Kategorie "Asylwerber" tilgt Qualifikationen

Dass zugewanderte (eigentlich "zugeflüchtete") Fachkräfte nicht als Humankapital erkannt und gefördert werden, ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen, erzählt Judith Kröll, Wissenschaftssoziologin und Obfrau des gemeinnützigen Vereins "ForscherInnen ohne Grenzen": "Im Rahmen der Wissenschaftsausstellung 'Wahr/Falsch Inc.' im Jahre 2006 haben wir vom Kuratorenteam versucht, das Thema Flüchtling mit dem Thema Akademiker zu kreuzen und ein Schlaglicht darauf zu werfen. Wir haben begriffen, dass das eigentlich ein Tabu ist. Das öffentliche Bild der Asylwerber ist sehr stark vom Phänomen der Kriminalität geprägt." Neben sprachlichen Barrieren ist die Zeitlücke in der beruflichen Entwicklung, die durch Flucht und Asylverfahren entsteht, ebenfalls ein Problem für die adäquate Eingliederung am Arbeitsmarkt: "Ein Arzt, der jahrelang seinen Beruf nicht ausgeübt hat, wird es schwer haben, die neuesten Entwicklungen nachzuholen", so Kröll. 

Asylwerber werden gesellschaftlich häufig als eine homogene Gruppe wahrgenommen, was individuelle Qualifikationen und Berufserfahrungen weitgehend unsichtbar macht. "Diese Menschen kommen nicht aus Karrieregründen nach Österreich, sondern weil sie flüchten müssen. Hier verschwinden sie dann schnell in der allgemeinen Gruppe der Asylwerber. Die Kategorie Asyl stigmatisiert aber die Menschen und tilgt ihre beruflichen Qualifikationen", erklärt Kröll ihre Motivation zur Gründung des Vereins, der Asylwerbern mit akademischem Hintergrund eine Plattform bieten möchte. 

Kommunikation auf Augenhöhe

Im Anschluss an die Wissenschaftsausstellung war es dem Kuratorenteam ein Anliegen, die Arbeit mit den Asylwerbern fortzusetzen. So entstand der Verein "Forscher ohne Grenzen", der derzeit wie ein loses Netzwerk mit wechselnden Kooperationspartnern betrieben wird und auf Spenden und ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen ist. Zu den wichtigsten Partnern zählen die Kinderuni, die Technische Universität, die Alte Schmiede und eine Reihe von Unternehmen. Regelmäßig werden Deutschkurse angeboten oder Kursplätze vermittelt; die anderen Vereinsaktivitäten erfolgen eher spontan und bedarfsorientiert. 

Der Verein versteht sich dezidiert nicht als eine Hilfsorganisation: "Wir wollen nicht über die Menschen reden und sie wieder zum Objekt machen", erzählt Kröll. Ziel sei es vielmehr, ein Forum zu schaffen, in dem Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Berufskollegen ermöglicht wird. Die Bildung kontinuierlicher Gruppen gestaltet sich schwierig, berichtet die Obfrau: "Es ist nicht ganz einfach, an Menschen mit dem Profil Flüchtling und Akademiker heranzukommen, weil Menschen im Asylverfahren sehr prekär leben und sich nicht exponieren wollen. Die anerkannten Flüchtlinge wiederum müssen durchstarten und sich ganz selbständig organisieren, da bleibt wenig Zeit und wenig Interesse für Vereinsarbeit." 

Österreichische Geschichte der erzwungenen Auswanderung

Bei den Überlegungen zur Vereinsgründung spielte auch eine historische Facette eine Rolle, nämlich die erzwungene Auswanderung vieler Intellektueller aus Österreich in der Nazizeit. Kröll expliziert: "Die Auseinandersetzung mit der österreichischen Geschichte gab uns auch einen Anstoß. Zahlreiche Wissenschaftler, Forscher und Denker mussten auswandern und flüchten. Viele waren im Exil sehr erfolgreich, aber nach dem Zweiten Weltkrieg war es für Österreich offenbar nicht einfach, mit diesen Menschen umzugehen. Jene, die zurückkehren wollten, wurden nicht immer mit offenen Armen empfangen. Oft war das Gegenteil der Fall."

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11 Postings
wer hat bambi geschwängert ???
00
23.3.2010, 08:21
qualifikation ist total unwichtig

man muß nur bei 5 euro die stunde ja sagen und gerne unbezahlte überstunden machen auch im garten der manager am wochenende

Woyt'sa Vadshn?
 
15
17.3.2010, 12:09
Ein Beispiel:

Der Universitätsabschluss an der UNAM (Namibia) ist ungefähr so viel wert, wie der Abschluss der 6. Klasse Gymnasium in Österreich!

Und das ist immerhin ein Schwellenland!

Dass wir Diplome von der angolanischen Schafscherer-Universität nicht nostrifizieren, ist schon richtig so!

Cecil
 
00
18.3.2010, 20:08

Dafür hat der angolanische Arzt mit einigen Jahren Berufserfahrung Krankheiten gesehen und behandelt, davon haben die Ärzte hier ev. noch nicht mal während des Studiums gehört.

Universität ist großteils nur Theorie. Praxis ist wichtig. Aber in vielen Jobs schaffst du nach einigen Jahren erzwungener Pause den Anschluss nur mehr schwer, weil sich so viel geändert hat.

Und genau darum geht es in dem Artikel hier auch. Der Uniabschluß wird eigentlich nur im ersten Satz erwähnt.

Alina Zak
00
Arbeitsgenehmigung wäre das vernünftigste

aber man muß bei einer Anerkennung der Diplome leider auch vorsichtig sein, weil es eben doch Ausbildungsunterschiede gibt.
...und in Österreich gibt es zb einfach andere Krankheiten. wer viel Erfahrung mit Malaria hat, tut sich vielleicht schwer mit chron. Krankheiten, Krebs...
obwohl die österr. Ärzte auch nicht so top sind, hab ich mit nicht-europ.Ärzten noch weniger pos. Erfahrungen. die gehen oft weniger auf die Psyche ein, ...; TCM Experten sind aber interessant

Hrabal
12
17.3.2010, 11:38
@ fuchstritt - das ist schwachsinn

Nur weil irgendwo Bürgerkrieg, Revolten etc. passieren, ist man/frau deshalb noch lange kein schlechter Mediziner, Ingenieur, Sprachlehrer etc. Zumeist sprechen die Asylwerber mehr Sprachen, als so mancher Österreicher..diese pauschalierung ist auch historisch falsifiziert. Man denke nur an die Flüchtlinge aus Nazi-Österreich und Deutschland, die flüchten mussten. Da haben viele davon letztlich Nobelpreisehren errungen...

Alina Zak
01
wer diese Noberlpreis träger sind

soll man hier anscheinend nicht erwähnen; obwohl das nichts mit Ethnie sondern nur mit Geschichte/Soziologie zu tun hat (siehe Arthur Koestler), aber das wäre zu viel analyse für österreich

van.der.stiege
04
17.3.2010, 16:46
was aber so gesehen...

... wieder nur fuer die gute ausbildung in ö und d spricht :-))

fuchstritt
54
17.3.2010, 10:01

tendenziell ist das schon richtig aber ein uniabschluß eines landes wo die leute flüchten müssen ist halt leider qualitativ eher nicht so der renner.sorry leute, ist so

t_ERROR_ist aus Tschetschenien
01
langsam

Ein Beispielt. Tschetschenien. Die Leute die hier sind und eig. in dem Artikel gemeint sind sind so 40 Jahre oder älter gemeinte Menschen , also 1970 und früher geborenen. Der Kriegt began 1994.

Frage : Wieso ist der Uniabschluss eines '80 Jahre abgengers schlechtes als jenes in DE oder AT ?

Und nur darum geht es in dem Artikel .

MfG

Alina Zak
00
kommt auf das Fach an

es gibt Gebiete da unterscheidet sich die Lehre stärker als in anderen

MaGaLoKo
00
Lehre ?

Aber ich rede doch von Akademikern xD

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