daStandard.at-Reportage

Wie ein Asylwerber zu Geld kommt

Güler Alkan, 12. April 2010 09:39
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    Foto: Güler Alkan

    Sebastian Seidl und Kolporteur Eric

Seit Jänner 2010 gibt es das Kolportage-Projekt von SOS Mitmensch. Eric, einer der vielen Straßenverkäufer, erzählt über seinen Alltag als Kolporteur.

In den Büroräumlichkeiten von SOS Mitmensch herrscht an diesem Tag ein reges Kommen und Gehen. Sebastian Seidl, Leiter des Kolportage-Projekts, unterhält sich auf Englisch mit einem Inder, der Interesse an der Tätigkeit als Kolporteur des einmal im Quartal erscheinenden MO-Magazins hat. Hauptsächlich handle es sich bei den Kolporteuren um Asylwerber, vor allem aus Afrika, aber auch aus Ländern wie Georgien, erzählt Seidl.

Leben ohne Grundversorgung

Die Rekrutierung erfolgt über Mundpropaganda, meistens werden die angehenden Kolporteure von Freunden über das Projekt informiert. Auch Eric, der seit etwas mehr als einem Jahr in Österreich lebt, hat von einem Bekannten beim sonntäglichen Kirchenbesuch davon erfahren. Der 26-jährige Nigerianer ist dankbar für die Chance als Kolporteur einer regelmäßigen Tätigkeit nachgehen zu können und dabei etwas Geld zu verdienen. Pro verkaufter Ausgabe erhalten die Kolporteure einen Euro, also die Hälfte des Verkaufspreises.

Seit sein Asylantrag in der ersten Instanz abgelehnt wurde, und er in zweiter Instanz dagegen berufen hat, erhält Eric keine Grundversorgung mehr. Er hat daher keinen Anspruch auf organisierte Unterkunft bzw. Mietzuschuss und auf das monatliche "Taschengeld" in der Höhe von 40 Euro monatlich. Auch krankenversichert ist er nicht mehr.

Angst vorm schwarzen Mann?

Abgesehen von den vielen Erkältungen, den "witterungsbedingten Nebenwirkungen" des Alltags als Straßenverkäufer, gefällt Eric das Arbeiten als Kolporteur sehr. Anfangs fiel ihm das Verkaufen zwar nicht leicht: "Beim ersten Mal war ich sehr nervös", gibt er lächelnd zu. Mittlerweile habe er aber seine eigene Art zu verkaufen gefunden: grüßen, lachen, Hände schütteln, reden - "interacting with people" nennt Eric das. Nervosität gab es nicht nur bei Eric. Auch einige Passanten reagierten nervös auf ihn: "Oft haben Österreicher Angst vor mir, dem black man", erzählt der Nigerianer, der sich an ängstliche Blicke schon gewöhnt hat.

Viele seien auch verwirrt, weil er dem gängigen Bild des "drogendealenden Afrikaners" nicht entspricht. So warten manche Interessenten mit dem Kauf des Magazins erst einige Wochen, bis sie wirklich überzeugt sind und eine Zeitschrift kaufen. Polizisten, wenn auch nicht viele, gehören ebenfalls zu den Käufern der Monatszeitschrift. Anfangs waren die Exekutivbeamten irritiert: "Sie sind immer wieder gekommen und haben gefragt, warum ich das Magazin verkaufe. Sie kennen Nigerianer nur als Drogenhändler", erzählt Eric.

Doch es gibt auch positive Begegnungen und Gespräche. Wie die meisten Straßenverkäufer hat Eric seine Stammplätze, an denen er tagtäglich das Magazin an den Mann/die Frau bringen will. Viele Passanten kennen ihn mittlerweile gut, einige wollten ihn schon zu sich nachhause oder auf einen Kaffee einladen, "manche haben mir auch ihre Telefonnummer angeboten, für den Fall, dass ich mal Hilfe brauche", erzählt Eric mit strahlenden Augen.

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Posting 1 bis 25 von 60
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oyooful
01.05.2010 10:49

Mein Ex-Mann (gebürtiger Nigerianer) hat auch Zeitungen verkauft...und in seinem Nebenjob hat er als Drogendealer gearbeitet (leider bin ich zu spät dahinter gekommen).

Ernst Kratochwil
26.04.2010 10:20
Erhält man jetzt in Österreich tatsächlich keine Grundversorgung

mehr in der zweiten Instanz?

Dirty_Harry
14.04.2010 20:14
alles neu macht der mai
19.04.2010 12:02

ER ja offenbar nicht.

was ist übrigens mit den konsumenten? lauter echte schweizer schicki-mickis wohl ...

Andi van west
18.04.2010 21:50
wenigsten klauen die nicht!

van.der.stiege
14.04.2010 15:35
so standard....

... jetzt zeigt doch mal was "qualitätsjournalismus" und "recherche" bedeuten. immerhin gibts ja stimmen hier im forum die behaupten, dass man nicht einfach so aus der grundversorgung fallen kann nur weil man beruft (nachdem zuvor der antrag in der 1. instanz negativ ausfiel)

wuerde mir ueberhaupt so ein kleines "migrationslexikon" wuenschen in dem begriffe erklärt und man somit mehr einblick in den asylantragsablauf und das asylrecht bekommt.

dann gibts auch sicher mehr verständnis fuer asylsuchende wenn man solche meldungen wie "der muss was angestellt haben denn einfach so fällt man nicht aus der grundversorgung bzw. steht ohne sozialversicherung da" mit fakten entgegentreten kann!

Standarte
19.04.2010 10:11

Bin völlig der Meinung, dass sollte der Standard wirklich machen, super Idee!

Nashwin_Fuller
 
13.04.2010 15:54
"Wie ein Asylwerber zu Geld kommt"


Bei der Überschrift dachte ich zuerst, es ginge um die Georgier...

tunde0
15.04.2010 22:20
seit ihr neidisch

ich wünsche keine diese lage.manche könnten nicht einmal ein tag so leben.

Markus Berger5
13.04.2010 11:53
so süß

ich sehe eric regelmäßig beim ubahn ausgang... ein lächeln zum niederschmelzen. überhaupt sieht er ja ganz süß aus... und seine augen ????

sehr sympathisch und macht seine sache sehr gut:)!

Standarte
13.04.2010 11:14
Hallo???

Das ist ja unterste Schuhblade:
"Seit sein Asylantrag in der ersten Instanz abgelehnt wurde, und er in zweiter Instanz dagegen berufen hat, erhält Eric keine Grundversorgung mehr. Er hat daher keinen Anspruch auf organisierte Unterkunft bzw. Mietzuschuss und auf das monatliche "Taschengeld" in der Höhe von 40 Euro monatlich. Auch krankenversichert ist er nicht mehr." - das ist schlichtweg falsch! Niemand "fliegt" aus der Grundversorgung, weil er einen negativen Asylbescheid in 1. Instanz bekommt. Wenn jemand aus der GVS fliegt, dann weil er etwas angestellt hat oder die Betreuungsstelle freiwillig verlassen hatte- steht alles im Gesetz, einfach mal Grundversorgungsgesetz 2005 nachlesen! Und die medizinische Notfallversorgung erhält JEDER!

Dinyar Rabady
13.05.2010 16:05

natürlich wird man medizinisch versorgt, man verschuldet sich dann halt einfach beim jeweiligen krankenhaus. kannte jemanden, der nach einem schweren sturz ins AKH kam, hatte keine Versicherung und nach dem Aufenthalt etwa 240000€ schulden..

Standarte
13.05.2010 20:38

das war wohl kein asylwerber...

Dinyar Rabady
13.05.2010 20:42

nein, aber das tut für ein krankenhaus auch nichts zur sache. entweder man ist kranken- bzw. unfallversichert oder man zahlt selbst.

Standarte
13.05.2010 21:28

das stimmt grundsätzlich - aber nicht für Asylwerber, siehe die verschiedenen gesetzlichen Regelungen, unter anderem das GVS. Bzw. müsste man es wohl so formulieren: Sie sind versichert, wenn auch kein Krankengeld etc. bezahlt wird. Die Versorgung kriegen sie trotzdem.

kruno breisky
12.04.2010 22:42
bildunterschrift

wie genau sollen wir die bildunterschrift verstehen?

der herr links sos mitmensch mitarbeiter und der herr rechts der kolporteur?

gärtner
12.04.2010 21:16
mir wird auch nichts gezahlt obwohl ich ein ureinwohner bin


ich sollte euch mal erzählen wie sich die krankenkasse sträubt mir lebenswichtige medikamente zu bewilligen. laut wgkk habe ich keine krankheit sondern "nur einen zustand".

und das nach einem leben voller harter schufterei für das kapital, den ewig undankbaren staat und diese gekauften arbeiterverräter die ihn regieren.

Anna Purna
 
30.05.2010 13:40
Blau ist keine Farbe,

sondern ein Zustand.

kruno breisky
13.04.2010 11:30

und den "ureinwohner" glaube ich ihnen nicht. ich wette auf mindestens eine böhmische großmutter.

Rene Stangeler
13.05.2010 16:25
Als Behmen noch bei Estreich wor...

Herr und Frau Österreicher
 
13.04.2010 08:46

Was wollen sie uns damit sagen? Wenn es ihnen schlecht geht, soll es anderen zumindest genauso schlecht gehen?
Und eines ist auch klar: Die Arbeiterrverräter können uns am fabelhaftesten verraten, wenn wir ArbeiterInnen uns gegenseitig an den Haaren reisen! Der Arbeiter hat kein Vaterland, schon vergessen?!

Brel
13.04.2010 09:57
... und sie haben wohl vergessen ...

dass es die "klassischen" Arbeiter kaum noch gibt und wenn es sie gibt von Leuten wie Ihnen nichts wissen wollen!

Herr und Frau Österreicher
 
13.04.2010 10:19

Ich will also von Leuten wie mir nichts wissen? (-;

Was ist denn klassischer, was ein neoklassischer oder unklassischer Arbeiter?

ersilio
13.04.2010 14:57


wow, so spiegelverkehrt hab ich den Zwinkersmiley no nie gesehen!
(-; ;-)

Herr und Frau Österreicher
 
13.04.2010 16:49

Tut leid, habe erst einen Kommentarschreiber-Kurs auf der VHS belegt...

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