Mit Methoden des Theaters der Unterdrückten entsteht in Wien eine internationale Theaterperformance mit SchülerInnen
"Jeder Mensch ist ein Künstler" - unter diesem Motto von Augusto Boal treten am 29. April 2010 in Wien fünfzig JungschauspielerInnen aus acht verschiedenen Ländern auf: Österreich, Dänemark, Ungarn, Israel, Jordanien, Libanon, Niederlande und Türkei. Im Mittelpunkt steht der Dialog zwischen jungen Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft.
Kreativität als Sprachrohr
Nach den Methoden des Theaters der Unterdrückten begleiten die TheaterpädagogInnen Birgit Fritz (Österreich) und Chen Alon (Israel) die TeilnehmerInnen des internationalen Schulprojekts "ARTiculating Values" fünf Tage lang in einem kreativen Prozess. In Theater- und Schreibworkshops werden die eigenen Werte kritisch hinterfragt, Vorurteile abgebaut und gegenseitiger Respekt gefördert.
"Ich und Wir"-Denkmuster
"Gerade wir EuropäerInnen sehen uns gerne als Vorbild in Sachen Demokratie und Menschenrechte", meint Projekt-Koordinatorin Rebecca Zeilinger vom Interkulturellen Zentrum in Wien. "Dadurch laufen wir Gefahr - wenn auch wahrscheinlich mit den besten Intentionen - das einfache „Ich und Wir"-Denkmuster zu verfestigen."
Ein positiver Dialog setze aber die Annahme voraus, dass auch der Andere Recht haben könnte, so Zeilinger. "Bei so vielen beteiligten Länder und bei der ausbalancierten Gewichtung relativiert sich der eigene Standpunkt und erlaubt es den TeilnehmerInnen die 'nationale Brille' abzusetzen. Das trägt natürlich auch wesentlich dazu bei, dass aus einem bevormundenden Monolog ein befruchtender Dialog wird."
Globale Bildung
Am Projekt nehmen SchülerInnen von öffentlichen und privaten Schulen, aber auch Jugendliche und VertreterInnen von Minderheiten in den jeweiligen Ländern teil. Bisher gibt es wenige Schulprojekte, die sowohl EU-Mitgliedstaaten als auch Mittelmeerdrittstaaten einbeziehen, darum war es für das Interkulturelle Zentrum sehr wichtig, gute und verlässliche Partner in der Region zu finden sowie von anerkannten Organisationen wie der UNESCO unterstützt zu werden.
Zeilinger: "Die Erfassung des neuen Raumes war ein weiterer Schritt in Richtung grenzüberschreitender Zusammenarbeit, brachte aber auch neue Herausforderungen mit sich. Nicht zuletzt, weil die Eltern der SchülerInnen, die DirektorInnen etc. Bedenken hatten, ihre Kinder/SchülerInnen zu Gastfamilien nach Israel oder Jordanien zu schicken, weil das was man über die Medien aus diesen Ländern hört leider vorwiegend die Negativschlagzeilen sind."
"ARTiculating Values - EuroMed on Stage"
Donnerstag, 29. April 2010
Europahaus, Linzerstraße 429, 1140 Wien
Beginn 19.30
Im Anschluss an die Theaterperformance Livemusik mit Marwan Abado und Aliosha Biz
Eintritt frei, beschränkte Platzzahl, Anmeldung unter iz@iz.or.at
Die Veranstaltung ist Teil des Projekts "ARTiculating Values - Young people act in EuroMed", das vom Interkulturellen Zentrum in Wien koordiniert wird. Unterstützt wird es unter anderem von der Anna Lindh Stiftung für den Dialog zwischen den Kulturen, einem zivilgesellschaftlichen Netzwerk aus EU- und Mittelmeeranrainerstaaten.
ARTiculating Values
Anna Lindh Foundation