Zazaki – Eine bedrohte Sprache

Olivera Stajić, 16. Juni 2010, 08:35
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    foto: sobe tv

    In seiner OKTO-Sendung SoBe lässt Eren Kilic "einfach reden". Der Sprachpfleger bemüht sich um Dokumentation und Archivierung des Zazaki.

Über 600 Sprachen sind derzeit massiv vom Aussterben bedroht. Mit "Pflege und Dokumentation" wollen engagierte Zaza-Sprachpfleger ihre Muttersprache vor dem Vergessen retten.

Nach Einschätzung der UNESCO ist mehr als die Hälfte der weltweit über 6.000 Sprachen vom Aussterben bedroht. Im Laufe der letzten drei Generationen sind 200 Sprachen ausgestorben. Etwa 1.700 Sprachen sind derzeit ernsthaft gefährdet, über 600 Sprachen werden kaum noch gepflegt. Zur Gruppe der kaum gepflegten, massiv bedrohten Sprachen gehört Zazaki. Bekannt ist diese Sprache auch unter den Bezeichnungen Kirmanjki (Kırmancki) ooder Dımılki. Es handelt sich dabei um eine in Ost-Anatolien beheimatete Sprache, die der nordwestiranischen Gruppe des iranischen Sprachzweiges angehört. Derzeit wird die Sprache laut UNESCO von ca. zwei Millionen Menschen gesprochen. Ein erheblicher Teil von Ihnen lebt aber mittlerweile in Westeuropa. Vor allem in Deutschland und Schweden entwickelte sich in den letzten Jahren eine aktive Bewegung zur Erforschung und Pflege der Zaza-Sprache.

Sprachpolitik in der Türkei

Der Frankfurter Verein zu Förderung der Zaza- Sprache (Enstitüyê Zazaki e.V.) wurde 2004 von Zaza-Autoren, Sprachwissenschaftlern, Künstlern und "andere Menschen die in Sprachpflege tätig sind" gegründet, erzählt Mitbegründer Mesut Keskin, Doktorand an der Goethe-Universität Frankfurt (Vergleichende indogermanische Sprachwissenschaft). Der Verein biete Sprachkurse an und wolle ausschließlich in wissenschaftlicher und „kulturell-organisierter" Form die Sprachpflege intensiv betreiben, betont Keskin. "Wir wollen neutral bleiben und rein sprachwissenschaftlich agieren und nicht politisch werden. Wobei es natürlich davon anhängt, wie man 'politisch' definiert. Sobald man in der Türkei sagte 'Zazaki ist eine unabhängige Sprache' gerate man schon in die Politik, erklärt Keskin weiter und spricht damit die Assimilationspolitik an, die bis vor etwa zehn oder fünfzehn Jahren in der Türkei praktiziert wurde. Die repressive Sprachpolitik verbannte Kurdisch, Zaza und die Sprachen zahlreicher anderer Minderheiten in den privaten Gebrauch. Keskin und andere Sprachwissenschaftler betonen außerdem, dass das Zazaische aus sprachwissenschaftlicher Sicht kein kurdischer Dialekt ist, obwohl es in der Vergangenheit dahingehend vereinnahmt wurde.

Pflege und Anerkennung

Die Anerkennung als selbständige Sprache sowie Pflege und Dokumentation des Wortschatzes sind die wichtigsten Anliegen der "Zaza-Bewegung". Mittlerweile gibt es, vereinzelt in der Türkei, aber vor allem in Westeuropa, Zeitschriften, Publikationen sowie Radio- und TV-Sendungen in Zazaki. Bei uns wird im Freien Fernsehkanal Okto unter dem Namen SoBe einmal im Monat eine Sendung in Zazaki ausgestrahlt. Der Initiator der Sendung, Eren Kilic, hat schon seit zwölf Jahren bei Radio Orange eine Sendung, die er in Zazaki und Kurmanci gestaltet. Wichtiger Bestandteil beider Sendungen ist Musik, mit der sich auch die junge Generation identifizieren kann, betont Kilic. Ansonsten zeige er in SoBe "Inhalte, die einen normalen Fernsehzuschauer vielleicht langweilen würden". "Ich lasse oft einen interessanten alten Mann oder Frau einfach erzählen. Märchen oder etwas aus seinem oder ihrem Leben. Mir geht es vor allem darum die Sprache zu archivieren", erklärt Kilic sein Anliegen. (Olivera Stajić, daStandard.at, 16.6.2010)

Wann ist eine Sprache vom Aussterben bedroht? Laut UNESCO sind die Sprecherzahl sowie die Art und Qualität der Dokumentation ausschlaggebend. Ein weiteres Kriterium: Die Sprecher müssen ihre eigene Sprache wertschätzen. Relevant ist außerdem, in welchen Lebensbereichen die Sprache benutzt wird: Familie, Freizeit, Internet, Schule, Arbeit, Medien. Letztes Jahr hat die UNESCO einen neuen Atlas der bedrohten Sprachen herausgegeben. Er ist erstmals auch in digitaler Version im Internet verfügbar und wird regelmäßig aktualisiert. Der Atlas enthält Informationen zu mehr als 2.500 weltweit gefährdeten Sprachen.

Links:

Atlas der bedrohten Sprachen

Radio Dersim auf Radio Orange

SoBe auf Okto TV

Radio Zaza

Mehrsprachige Informationen über Zazaki und Zaza

Verein zu Förderung der Zaza- Sprache

Kommentar posten
24 Postings
Pierre d´Aubusson
01
21.11.2010, 14:55
Bavarian: endangered

Quelle: Unesco - Atlas der bedrohten Sprachen

Da sollten wir uns doch um das Naheliegende kümmern, odr?

Ndugu
00
Es soll ja auch Menschen geben,

die mehr als eine Sprache sprechen...

mehmetali erbil
150
16.6.2010, 22:53
Naja

"Ein erheblicher Teil von Ihnen lebt aber mittlerweile in Westeuropa."

Dann sollen sie erst einmal die Sprache von dem Land lernen in dem sie leben. Außerdem ist die Amtssprache in der Türkei halt Türkisch. Da braucht man kein Zuzu oder wie das heisst. Tot ist Tot. Da muss man nicht noch rumdoktern.

leaping frog
02
22.6.2010, 13:28
ich finde es auch super, dass alle türken in der zukunft nur deutsch sprechen werden können.

über 6 millionen sprechen schon heute deutsch und in 30 jahren werden es 50 mil sein.

keep up the good work (das war englisch)

Ava Tar
02
18.6.2010, 18:00

wenn ich das les dann denk ich mir
du bist ein schönes tro11eltier ;o)

a grünes stricherl
 
02
18.6.2010, 17:05
sie zeigen wiedermal deutslich wie schrecklich (auch) der türkische nationalismus sein kann ...

ethnische minderheiten werden teils mit roher gewalt vertrieben ... und dann spricht man ihnen auch noch das recht auf die eigene sprache ab.

gehen sie in sich.

Sperber
 
11
18.6.2010, 13:03

Also, wenn ich Ihren Kommentar lesen, muss ich sagen: Lernen Sie doch erst mal Deutsch.

A_Schläsinger_vu_Brassel
00

Etwas besseres fällt Ihnen nit ein?
Ich finde, er spricht recht gutes Deutsch.

Dass der Inhalt Schmarrn bleibt, sei dahingestellt.

Sperber
 
00
Wow! Sie haben mehr als ein halbes Jahr verspätet geantwortet.

Ich hoffe, Ihre Leitung ist nicht immer so lang. Gut, dass ich per Mail über Antworten informiert werde. Sonst hätte ich das verpasst.

zimistanooo
12
17.6.2010, 10:47
Sinnlose Beiträge seien lassen!

Anstelle anderen Menschen Ratschläge zu geben, sie sollten doch die Sprache des "Landes" lernen, in der sie beheimatet sind, solltest du besser Lesen lernen. Es heißt Zaza und nicht Zuzu.
Aber trotzdem danke für deinen interessanten Kommentar.

mehmetali erbil
50
17.6.2010, 16:33
Es kann

auch Susi heissen.
Spricht bald eh keiner mehr darüber.
Stirbt ja aus.

zimistanooo
00
17.6.2010, 21:21

s.o.

a grünes stricherl
 
13
16.6.2010, 21:29
grossartig

sprechen sind kulturelle schätze
und zumeist die ersten opfer der "national"staaten.

man kann es dieser kleinen sprache nur wünschen dass sie noch viele generationen überleben wird.

mehmetali erbil
70
16.6.2010, 22:55
Soso

"Ein erheblicher Teil von Ihnen lebt aber mittlerweile in Westeuropa."

Da der Großteil also in Europa lebt und auch dort bleiben wird, wird sich das Thema so oder so erledigen. Die dort geborenen Kinder sprechen wohl eher die Sprache des Landes in dem sie leben. Ohne Schulen gibts kein Zuzi oder wie das heisst.

A_Schläsinger_vu_Brassel
00

Was ist eigentlich Ihre Muttersprache?
Kurdisch? Türkisch? Deutsch?

Shiraneko
101
16.6.2010, 11:49
Was bringt das?

Wozu unnötige Sprachen am Leben erhalten? Gibt es hier etwas kulturell wertvolles? Wollen das die Leute überhaupt?

mehmetali erbil
30
17.6.2010, 16:35
Yo

genau meine Rede.
Warum so viel Arbeit reinstecken. Spricht eh fast keiner mehr Zozo.

Irene Hager
07
17.6.2010, 10:55
Jede Sprache

ist so wertvoll wie zumindest die Bibliothek von Alexandria, aus der ein einziges verloren gegangenes Werk zu besitzen, sich heute einige Menschen ziemlich viel kosten lassen würden. Sie würden daraus immens viel lernen. Aber was nicht mehr ist, kann nicht wiedergebracht werden. Deshalb ist es doch meist klüger, diese Dinge so lange als möglich zu pflegen und zu erhalten. Wir haben Menschen und Möglichkeiten genug, das zu tun und sind hoffentlich auch klüger als die Menschen des Frühmittelalters, die die letzten Philosophen, die noch eine Ahnung vom Wissen der Antike hatten, umgebracht und die Bibliotheken verheizt haben. Dann kam das Vergessen für mindestens 500 Jahre, das nur mühsamst zu überwinden war.

mehmetali erbil
40
17.6.2010, 16:35
??

"Sie würden daraus immens viel lernen."

Was denn zum Beispiel? Wie man Autos baut? Wie man Erdöl gewinnt? Wie man Raketen baut? Ein Automobil? Es liegt so viel Zeit zurück. Da kann man nicht alles glauben was irgendwo geschrieben steht.

leaping frog
03
22.6.2010, 13:31
dann sollten wir türkisch abschaffen, den daraus lernen wir auch nciht wie man autos baut.

Irene Hager
02
18.6.2010, 10:37
Was sie aufzählen betrifft ausschließlich

den Bereich der Technik. Es gibt aber auch wichtige und vielleicht noch wichtigere Dinge zu lernen abseits von Technik

Shiraneko
21
17.6.2010, 11:16
Woher beziehen sie diese Weisheiten?

Was soll ich bitte aus einer Sprache wie dieser lernen?
Und eine absolute Minderheiten-Sprache soll genausoviel Wert sein wie die Bibliothek von Alexandria?!

Oder war das von ihnen als Blabla getarnter Sarkasmus?

Irene Hager
05
18.6.2010, 11:00
Kein Sarkasmus,

und mit meinen Weisheiten bin ich durchaus nicht alleine. Versuch einer Erklärung: Eine Sprache bietet durchaus nicht nur die Ebene der oberflächlichen Information (z.B.: "habe Hunger - will Essen") sondern transportiert auf unzähligen Ebenen wertvollste - auch kulturhistorisch wertvollste Information. So können z.B. Indogermanisten allein aus den Sprachresten ein detailiertes Bild der Kultur der ursprünglichen indogermanistischen Völker zeichnen. Hätten wir diese Sprachreste nicht mehr, hätten wir jede Möglichkeit der Rekonstruktion verloren. Unsere Welt wäre ein Stück ärmer. Das ist nur eines eine Unmenge an Möglichkeiten aus einer Sprache etwas zu lernen. Die Kommunikationsmöglichkeiten die eine Sprache bietet sind eben sehr vielfältig.

Irene Hager
04
18.6.2010, 11:37
Kleine Ergänzung:

Natürlich kann man auch anhand von materiellen archäologischen Funden eine Kultur rekonstruieren, aber ohne mündliche/schriftliche (also sprachliche) Überlieferungen bleibt dies mehr oder weniger eine tote Sache (der geistige Hintergrund der Kultur fehlt dann).

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