Institutionalisierte Nachbarschaftshilfe

Meri Disoski, 8. Juli 2010, 14:56
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    foto: meri disoski

    Im markt_platz-Shop werden Unikate verkauft

markt_platz – so lautet der Name des neuen Projektes der Caritas für langzeitarbeitslose Menschen. Die Dienstleistungen sind am Brunnmarkt oder in ganz Wien buchbar

Untergebracht ist die neue Caritas Einrichtung, die insgesamt 21 Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose bietet, in der adaptierten Markthalle gegenüber der Brunnenpassage am Yppenplatz in Ottakring. Man wende sich vor allem "an Personen mit Migrationshintergrund", führt Michael Berger, Projektleiter von markt_platz, aus. Dieser Schwerpunkt ergebe sich "schon allein aufgrund der Örtlichkeit", weshalb das Konzept einen "ungefähr 60prozentigen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund" vorsehe, ergänzt er.

Verkauf ...

Erfahrungen sammeln können die am Projekt Teilnehmenden in den beiden Bereichen Verkauf und Dienstleistungen. Da sich markt_platz auf Marktgebiet befindet, muss gemäß der Marktordnung hier auch etwas verkauft werden. Das Angebot ist vielfältig und umfasst neben Lebensmitteln, die in anderen Caritas Einrichtungen produziert werden (wie zum Beispiel Vollkorn-Produkte, Marmeladen, Gewürzöle oder Pesto) auch „gute Weinchen und Bierchen, die in diversen Stiften produziert werden", sagt Berger. Besondere Aufmerksamkeit erregt nicht nur die lila verpackte Zotter-Schokolade "wunderhimmel". Auch die zum Verkauf angebotenen Unikate, wie die aus gebrauchten Planen gefertigten Taschen, und vor allem auch die bunten T-Shirts, deren Aufdrucke politische Botschaften transportieren, stechen schnell ins Auge.

... und Dienstleistungen

Der Hauptarbeitsbereich des markt_platz-Teams liegt bei den (Klein-)Dienstleistungen. Mit einem "Fokus auch das Brunnenviertel, aber auch in ganz Wien buchbar", bietet das Team Hilfe bei kleinen Reparaturen im Haushalt, Hilfe beim Transport schwerer Geräte oder auch Einkaufshilfe für gebrechliche Personen, erklärt der Projektleiter. Neben dieser "institutionalisierten Nachbarschaftshilfe" übernehme man aber auch verschiedene Arbeiten im Auftrag der Stadt Wien. Derzeit kümmert sich das markt_platz-Team beispielsweise um die Betreuung des Spielplatzes am Yppenplatz.

21 Plätze

Von den 21 Stellen ist "derzeit knapp die Hälfte" belegt - es hätte sich "schwieriger als erwartet" dargestellt, die vorhandenen Plätze zu füllen, führt Berger aus. Die Arbeitsplätze sind in zwei Gruppen unterteilt. Auf der einen Seite gibt es sieben Plätze, die für stundenweise Beschäftigungen im Rahmen der Geringfügigkeitsgrenze gedacht sind. Die übrigen 14 sind für Teilzeitbeschäftigung im Ausmaß von 20 bis 30 Wochenstunden vorgesehen. Bis zu sechs Monate können die bei markt_platz beschäftigten Personen in den Bereichen Verkauf und Dienstleistungen tätig sein. In manchen Fällen, "wenn die Finanzierung über's AMS funktioniert", auch ein ganzes Jahr.

Standort Brunnenmarkt

Mit dem für das Projekt gewählten Standort Brunnemarkt bzw. Brunnenviertel zeigt sich Berger prinzipiell zufrieden: "Natürlich ist der Brunnenmarkt fantastisch und sehr interessant", sagt er. Der Standort sei sehr bewusst gewählt worden, haben doch viele der Brunnenmarkt StandlerInnen und GastronomiebetreiberInnen "selbst einen Migrationshintergrund". Dementsprechend würde man "ein bisserl darauf hoffen, die bei uns Tätigen dorthin weiter vermitteln zu können", erklärt er. Auch wenn Berger die Wintermonate, in denen am gesamten Markt und im Speziellen in der neben dem markt_platz angesiedelten Lokalszene weniger los ist, etwas fürchtet, ist er sicher, dass sich das Projekt langfristig aufgrund seines Angebotes etablieren wird. Um seine Sichtbarkeit zu erhöhen, wolle man "im Winter ein Standl aufstellen, wo man Tee oder auch Punsch bekommt", so Berger. (Meri Disoski, 8. Juli 2010, daStandard.at)

markt_platz
Brunnenmarkt, Stand 49-51
1160 Wien

Öffnungszeiten
Mo, Mi, Do, Fr 11-18 Uhr
Di 12-18 Uhr
Sa 10-17 Uhr
Das Projekt wird von der Gemeinde Wien, dem AMS Wien und dem europäischen Sozialfonds gefördert.

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