Deutsch im Park

Jasmin Al-Kattib, 22. Juli 2010, 17:21
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    foto: lisa lenz

    Hier wird Deutsch für den Alltag in einer alltäglichen Situation gelernt.

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    "Kinder helfen oft spontan und können in der Muttersprache Unklarheiten übersetzen."

In den Wiener Bezirken Favoriten, Meidling, Ottakring und Floridsdorf wird vier Wochen lang gratis Deutsch in öffentlichen Parkanlagen unterrichtet

Große Taschen, gefüllt mit verschiedenstem Unterrichtsmaterial, tragen die TrainerInnen Katharina Kurzmann, Sanela Prašević und Johannes Benda dieser Tage dreimal die Woche in den Steinbauer Park in Wien Meidling. Sie sind auf dem Weg in den Deutschunterricht. Gemeinsam steuert das Dreierteam auf die Parktische in der Nähe des Spielplatzes zu. Hier findet vier Wochen lang ein außergewöhnlicher Deutschkurs statt.

Das Projekt

Seit Sommer 2008 gibt es das von der Volkshochschule Meidling initiierte Projekt "Deutsch im Park". Zielgruppe sind Erwachsene, die aus unterschiedlichsten Gründen den Weg in einen regulären Deutschkurs bisher noch nicht gefunden haben. Nach dem Erfolg im ersten Jahr wurde das Projekt fortgesetzt und dieses Jahr auf die Volkshochschulen Favoriten, Ottakring und Floridsdorf erweitert. Um den großen Unterschieden im Sprach- und Ausbildungsniveau der KursteilnehmerInnen gerecht zu werden, wird außerdem seit dem letzten Jahr nicht nur Deutsch-, sondern auch Alphabetisierungsunterricht angeboten.

Spontan mitmachen

Konkret laufen die vier Kurswochen folgendermaßen ab: Die TrainerInnen sprechen in öffentlichen Parks, die sich in der Nähe der jeweiligen Volkshochschule des Bezirks befinden, Männer und Frauen an, die Interesse an dem kostenlosen Kurs haben könnten und laden sie ein, spontan mitzumachen. Auf diese Weise bildet sich im Laufe einiger Tage eine kleine Gruppe, die in den folgenden Wochen ganz zwanglos unter freiem Himmel unterrichtet wird.

Mundpropaganda

"Ich muss sagen, dass der Start heuer so gut lief, dass die Leute auf mich zugekommen sind," erzählt Deutsch-Trainerin Katharina zufrieden über die Wirkung der Mundpropaganda der letzten beiden Jahre. Und Alphabetisierungstrainerin Sanela berichtet begeistert: "Dieses Jahr fand die Gruppenbildung schon in der ersten Woche, ja schon am ersten Tag statt.".

Ungewöhnlicher Lernort

Doch was ist im Park anders als im Kursraum? "Die Kursplanung läuft spontaner ab", meint Sanela und spricht damit die notwendige Flexibilität des gesamten Unterrichts an. Außerdem sind "die TeilnehmerInnen und die LehrerInnen dem Parkgeschehen und der Wetterlage ausgesetzt." Für Katharina gestaltet sich "das Unterrichten insgesamt natürlicher, es geht quasi nebenbei, im Gespräch mit Menschen auf einer Parkbank." Das kommt auch den Wünschen der Lernenden entgegen - sie können Deutsch für den Alltag in einer alltäglichen Situation lernen, bereits bekanntes üben und festigen, und Fragen stellen, die ihnen schon lange auf der Zunge liegen.

Scheu abbauen

Die Idee, den Sprachkurs aus dem isolierten Bereich der Unterrichtsräume in den Park zu verlegen, ist aufgegangen. Denn an einem Ort, in dem sich die TeilnehmerInnen im Alltag aufhalten, der gewohnt ist und an dem sie sich "zu Hause" fühlen, wird die Scheu vor dem Unbekannten, in dem Fall der Deutschkurs, leichter abgebaut. Auch die Thematisierung des Alphabetisierungsunterrichts ist sehr wichtig, da viele Menschen von der Existenz der entsprechenden Kurse für Erwachsene nichts wissen.

Familiäre Atmosphäre

"Die meisten KursteilnehmerInnen kommen mit Kindern, die derweil spielen oder mit am Tisch sitzen", erzählt Katharina. "Einige der Kinder haben untereinander schon Freundschaft geschlossen und spielen gemeinsam am Spielplatz." Sanela schätzt die Anwesenheit der Kinder sehr, denn sie helfen oft spontan und können in der Muttersprache Unklarheiten übersetzen. Außerdem mag sie die familiäre Atmosphäre, die auch Deutsch-Trainer Johannes begeistert: "Da es TeilnehmerInnen gibt, die immer fantastisches Essen mitnehmen, bekommt das ganze Picknick-Flair."

Mikrokosmos Park

Die Tatsache, dass das öffentliche Statement zum Sprachenlernen so schnell Akzeptanz gefunden hat, freut Trainerin Katharina besonders: "Letztes Jahr war es so, dass die Tische immer von ein paar Poker spielenden Jungs besetzt waren, die dann sofort aufgesprungen sind und uns die Tische überlassen haben. Ich finde es sehr nett, dass wir sofort im Mikrokosmos Park akzeptiert waren und die Leute das Lernen an sich wertschätzen."(Jamin Al-Kattib, 22. Juli 2010, daStandard.at)

Deutsch im Park findet noch bis Anfang August an folgenden Orten und Terminen statt:

Favoriten
Kursort: Arthaber Park (bei Regen: VHS Favoriten, 10. Bezirk, Arthaberplatz 18 , Raum 103)
Termine: 13. 7. - 5. 8. 2010; jeweils Di, Mi, Do von 14:00 - 17:00

Meidling
Kursort: Steinbauer Park (bei Regen: VHS Meidling, 12. Bezirk, Längenfeldgasse 13-15, )
Termine: 29. 6. - 29. 7. 2010; jeweils Di, Mi, Do von 14:30 - 17:00

Ottakring
Kursort: Park am Hofferplatz (bei Regen: VHS Ottakring, 16. Bezirk, Ludo Hartmann Platz 7, Raum 1 im Tiefparterre)
Termine: 12. 7. - 5. 8. 2010; jeweils Mo, Di, Do von 14:00 - 17:00

Floridsdorf
Kursort: Wasserpark (bei Regen entfällt der Unterricht)
Termine: 13. 7. - 5. 8. 2010; jeweils Di, Mi, Do von 13:00 - 16:00

Weitere Infos unter www.vhs.at oder 01 - 893 00 83

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 58
1 2
A_Schläsinger_vu_Brassel
00

Dorthin gehe ich nächsten Sommer auch und gebe mich als Urdu und Persisch sprechender Afghane (Paschto kann ich ja leider nicht) aus. Schwarze Haare und braune Augen habe ich ja - vielleicht lernt man ja auch nette Orientalinnen kennen?

Lolydolly
00
2.11.2010, 16:01

Sehr gute Idee das fördert die Integration! Ob es angenommen wird, ist ein ganz anderes Thema. Ich bin sehr Skeptisch mit dieser Aktion. Die meisten pflegen leider eine Mentalität die sich an folgendes Basier: „
Ich nix deutsch sprechen lernen! Nur was brauchen: Zuzug, Familienachzug, Kindergeld, Kindermachen, Sozialhilfe, Gemeindewohnung, Gratis, Freifahrt, wo Grillplatz, Hammel grillen, Moschee bauen, Krank-e-card borgen, AMS, Kopftuch aufsetzen, nix Arbeit, nix Schule, Tee trinken, Dummen-Österreicher soll arbeiten, hat du Problem? ich mach dich komplett kick box, oder gleich mit Messer geht besser“.

Leider ist die Realität so grauenhaft. Viel erfolg beim Deutsch lehren und lernen!

Lolydolly
00
2.11.2010, 18:56

erfolg ist nicht = Erfolg

Einfach nur eine Ironie...

Ich nix mehr richtig Deutsch schreiben wollen, ich mich passend Integrieren wollen und schreiben voll falsch.

Der Unkurze
03
27.7.2010, 14:24

gute idee das fördert die integration

andererseits ist es schon bedenlich, dass soetwas überhaupt notwendig ist, diese personen sind sicher schon ein weilchen hier und es scheint sehr an eigeninitiative zu mangeln..

konski
03
26.7.2010, 12:03
super

super aktion!

fuchstritt
21
25.7.2010, 20:29

ganz nett aber im großen u ganzen sinnfrei

christine g.1
21
25.7.2010, 16:08
es ist ein witz

und rausgeschmissenes geld einen deutschkurs anzubieten der nur 4 wochen dauert.

ausserdem wird er leuten angeboten, die zwar schon jahrelang/jahrzehntelang im land sind, zum teil die österreichische staatsbürgerschaft besitzen, aber nicht willens sind, deutsch zu lernen.

yoshi7
01
26.7.2010, 08:29

wenn dort leute sind die das angebot annehmen, sind sie noch immer nicht willens deutsch zu lernen? quark!

christine g.1
13
26.7.2010, 17:59
yoshi7

dann frag ich nich, warum sie bis jetzt nicht deutsch gelernt haben...

den quark schreiben schon sie, übrigens bei uns heisst es nicht quark sondern topfen, gell *fg*

salzamt1
00
29.10.2010, 17:33
aber jetzt lernen sie, also sind sie nicht unwillig

Ben Hemmens
00
20.8.2010, 19:01
übrigens heißt es bei uns nicht "gell",

sondern "waasteh", ollas kloar?

;-)

El Krocha
00
25.7.2010, 19:13
So viel

"rausgeschmissenes Geld" wird da wohl nicht dabei sein, denn die Deutsch-TrainerInnen werden gratis (PraktikantInnen, Studis) oder als sog. "freie" Dienstnehmerinnen arbeiten- nicht so sehr fürs Geld, sondern für die gute Sache versteht sich...
Was bringts? Positive Berichte über die super Integrationsmaßnahmen der Stadt Wien fast gratis im Zielgruppenmedium.

christine g.1
11
25.7.2010, 15:23
ein witz

und rausgeschmissenes geld, leuten 4 wochen deutsch zu lehren, die jahrelang/jahrzehntelang hier leben, zum teil die österreischische staatsbürgerschaft besitzen und absolut keinen wert darauf legen die sprache zu lernen.

Hamit_Hatemi
04
25.7.2010, 10:21

Im Grunde ist das ja eine sehr gute Idee und ich begrüße sie.

Allerdings können wir nicht darauf stolz sein, dass wir Zuwanderern Deutschkurse kostenlos aufzwingen müssen. Wandere ich in ein anderes Land aus, kann ich jene Sprache, die die Mehrheit dieser Menschen als Muttersprache spricht.

Außerdem finde ich es ungerecht, dass ich für Sprachkurse etwas zahlen muss, während disintegrative Ausländer diese kostenlos bekommen.

Madame Haram
04
24.7.2010, 23:05
Ginge es um irgendein Dritte-Welt-Land,

würde ich das Projekt nicht mal schlecht finden.

Wirtschaftshierbleiber
04
24.7.2010, 11:10

Gibt es irgendwo chinesisch oder türkisch im Park?
Wäre cool wenn die Ausländer auch etwas für die Inländer anbieten würden.

El Krocha
02
25.7.2010, 19:58
es gibt

sehr viele kulturzentren in wien. schau doch da mal vorbei!

Meslier
16
24.7.2010, 08:31
Unfreiwillig zeigt dieser Bericht

die Folgen einer völlig verfehlten Zuwanderungspolitik auf. Btw. Wo sind die Männer?

nina yankow
11
26.7.2010, 16:26

was glauben Sie, wer häuser baut, teller wäscht und in den fabriken am fließband steht?

ich hab in über 6 jahren (großteils als beschäftigte eines personalleasingunternehmens) in verschiedensten gastronomiebetrieben noch NIE einen österreicher an der abwasch gesehen - die abwäscher, die meist nur sehr gebrochen deutsch sprechen, stehen dort in der woche übrigens meist 60 std. und mehr - da bleibt nicht viel zeit, das deutsch zu verbessern (noch dazu in anbetracht dessen, dass niemand ein wort mehr als nötig mit den abwäschern redet, und das dann in "pseudo-ausländer-deutsch" oder breitestem dialekt)

Meslier
14
26.7.2010, 23:06

Die Menschen von denen Sie hier schreiben sind meist Saisonarbeitskräfte die wieder in ihre Heimatländer zurückkehren. Temporäre Hilfskräfte. OK. Die Menschen die in dem Bericht vorkommen sind lt. Foto - Moslems die hier leben wollen und das zu i h r e n kulturellen Bedingungen. Nicht OK.

duke box
11
26.7.2010, 11:27

am ams oder schon im wettbüro, hunderennen schauen.

el puño rojo
 
33
23.7.2010, 14:19
Ich glaub

da gibts jetzt aber wirklich nichts zum Lachen

grog
 
22
23.7.2010, 10:15
Hilft nur

wenn es jemand wirklich über einen langen zeitraum und sehr strukturiert in anspruch nimmt.

ich weiß nicht, so wie manche menschen (gebürtige österreicher) nie über einen bestimmten bildungsgrad hinauskommen, obwohl die chance dazu da wäre, so glaube ich auch nicht, dass jemand (zuwanderer) nach langer zeit der untätigkeit auf einmal wirklich gut deutsch lernt. in der regel kommen zufallsschülerInnen dann auch nur zufällig zu so einer einheit. wenn man von quasi 0 weglernt, braucht man als erwachsener mind. 2 Jahre um sich einigermaßen unterhalten zu können (wöchtenlich). geht aber nicht, weil sommer - anatolien.

bitte nicht gleich niederprodestieren, aber ich glaube das ist eher verlorene liebesmüh.

Kiembeni
00
23.7.2010, 14:54
Keine Angst

Keiner wird hier niederprodestieren.

brand
012
23.7.2010, 11:32

Wenn sie eine Sprache lernen, die sie sonst nie sprechen, dann mag ihre Einschätzung (2 Jahre mit wöchentlichem Unterricht) stimmen.

Wenn ich aber grundsätzlich ständig die Möglichkeit habe Deutsch "auszuprobieren" und sehr häufig damit konfrontiert werde (im Supermarkt, beim Arzt, etc.), dann kann nach ein paar Wochen bereits genügend Sprachkenntniss vorhanden sein, um sich mit anderen unterhalten zu können.
(Habe ich selbst im Spanischen erlebt)

Für das Schreiben einer Diplomarbeit reicht's natürlich nicht - doch das ist auch nicht das Ziel.

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