daStandard.at-Interview

"Die personifizierte Ausländerin"

Güler Alkan, 11. August 2010, 15:33
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    foto: güler alkan

    Zohreh Ali-Pahlavani ist Beraterin und Referetin in der Abteilung "Arbeitsmarkt" der Arbeiterkammer Wien

Die gebürtige Iranerin Zohreh Ali-Pahlavani spricht über ihren Arbeitsalltag in der Arbeiterkammer und den überholten Begriff "Integration“

daStandard.at: Wie sind Sie in der Arbeiterkammer gelandet?

Pahlavani: Aufgrund von Budgetkürzungen in der arbeitsmarktpolitischen Beratungsstelle, in der ich zehn Jahre als Beraterin tätig war, bin ich 2001 in die Arbeitkammer gekommen. Damals hat die Arbeiterkammer eine Karenzvertretung in der Abteilung "Arbeitsmarkt" für ein halbes Jahr gesucht, jetzt sitze ich immer noch da.

Inwiefern wurde das Thema Migration in der Abteilung "Arbeitsmarkt" behandelt?

Pahlavani: Die Abteilung "Arbeitsmarkt" hat auch alle Belange der Migrationspoltik mitbehandelt, wie Ausländerbeschäftigungs- oder Asylgesetz. Allerdings war es damals etwas strenger, es ist kein Geheimnis, dass Arbeiterkammer und Gewerkschaften dem Thema Migration eher negativ gegenüberstanden. Jahrelang war Integration kein Thema, das ist ja erst in den letzten vier, fünf Jahren zum Phänomen geworden.

Wie schwierig war es für Sie anfangs in den Gremien und Abteilungen mit dem Thema Integration und Migration Gehör zu finden?

Pahlavani: Das war sehr interessant. Mein Chef, Josef Wallner, ist in diesem Bereich sehr engagiert, er hat mich als Vertreterin der Abteilung in viele Sitzungen und Gremien hingesetzt. Das war dann hin und wieder auch ein Aha-Erlebnis für die Teilnehmer, ich hab das Gefühl gehabt, ich bin die personifizierte Ausländerin. Wann immer man von Ausländern gesprochen hat, gab es automatisch Blickkontakt zu mir.

Was hat sich seither geändert?

Pahlavani: Langfristig hat sich viel in der Kammer geändert, mittlerweile bieten wir auf unserer Homepage mehrsprachige Rechtsinformation an. Bei der Neugestaltung unseres Internetauftritts wurde darauf Rücksicht genommen, dass wir eine große Mitgliederzahl mit anderer Sprache und anderen Bedürfnissen, was die Rechtsinformation angeht, haben. Somit haben wir angefangen fremdsprachige Informationsmaterialien anzubieten.

Welche speziellen Bedürfnisse haben Migranten in der arbeitsrechtlichen Beratung?

Pahlavani: Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten oft in instabilen Arbeitsverhältnissen und Problemarbeitsfeldern, zum Beispiel auf dem Bau oder im Tourismus. Auf dem Bau gibt es zum Beispiel viel Betrug, Arbeiter werden nicht bezahlt oder falsch angemeldet. Ein Job in solchen Branchen bringt oft schlechte Arbeitsbedingungen mit sich, das endet häufig im Desaster für die Arbeitnehmer. Solche Jobs machen Inländer fast gar nicht, in der Reinigungsbranche beispielsweise gibt es kaum Österreicher. Die Forderung nach dem Zuzug von qualifizierten Arbeitskräften ist schön und gut, aber wer macht dann die anderen Jobs?

Wie schaut ihr Alltag als Beraterin aus?

Pahlavani: Die Abteilung hat den Schwerpunkt Arbeitslosenversicherung. Ich bin für die Beratung von Personen, die sich in diesen Belangen an die Kammer gewandt haben, zuständig. Das war dann anfangs sehr lustig, als die Menschen ins Zimmer hereingekommen sind, weil sie ja nicht gewohnt waren, dass eine Migrantin da sitzt. Sie sind hereingekommen, mit einem Schritt wieder zurückgegangen und haben sich vergewissert, dass die Türnummer stimmt. Heute wundern sich die Kunden nicht mehr über mich als Beraterin.

An welchen Projekten im Zusammenhang mit Migration arbeiten Sie momentan?

Pahlavani: Wir arbeiten derzeit ein Konzept zum Thema Diversität in der Arbeiterkammer aus. Also, wie die Arbeiterkammer langfristig mit Diversität umgehen soll, wie Diversität definiert wird. Wir meinen nicht, dass Diversität damit getan ist, wenn ein paar Menschen mit Migrationshintergrund angestellt sind. Das ist wie bei Genderthemen, es reicht nicht nur ein paar Frauen hinzusetzen und zu sagen wir haben die Frauenquote erfüllt.

Wie würden Sie denn Diversität beschreiben?

Pahlavani: Es gehört vieles dazu, wie eine Durchmischung nach Alter, Geschlecht, Herkunft und die Themen von verschiedenen Blickwinkeln aus zu betrachten. Wir haben jetzt durchmischte Beratungsteams. Früher war das anders, beispielsweise wurden Arbeitnehmer aus Ex-Jugoslawien von Kolleginnen mit serbokroatischer Muttersprache betreut. Mittlerweile gibt es multifunktionale und durchmischte Teams, was Alter, Geschlecht und Herkunft betrifft. Wenn es sprachlich nicht klappt, dann kann man sich immer noch innerhalb des Teams Hilfe organisieren. Ich finde, dass es gesellschaftlich sehr wichtig ist, auch Inländern sichtbar zu machen, dass Migranten qualifiziert sind, vor allem was öffentliche Institutionen angeht, um ein Signal nach außen zu setzen.

Was denken Sie über die aktuelle Migrationsdebatte in Österreich? Was gibt es noch zu tun in der Migrationspoltik?

Pahlavani: Das ist schwierig. Erstens wissen wir nicht, was Integration überhaupt heißen soll, es gibt keine Definition. Jeder redet davon, aber reden wir über dasselbe? Man redet über Integration von Menschen, die hier jahrelang leben und im selben Atemzug von Einwanderungsbeschränkungen und Bedrohungen durch Neu-Einwanderer. Da wird einiges vermischt, ohne dass jemand klarstellt was Integration bedeutet. Es wird in Österreich auch oft über Migranten, aber nicht mit ihnen geredet.

Was bedeutet denn Integration für Sie?

Pahlavani: Meiner Meinung nach ist jemand dann integriert, wenn man sich vom Gefühl her dazugehörig fühlt. Da wäre der Begriff Integration auch schon altmodisch, sondern eher der neue Begriff Inklusion. Um ein Teil der Gesellschaft zu sein, muss man inkludiert werden. Was mich besonders in der Diskussion um Integration ärgert, ist dass man Migranten als integrationsunwillig darstellt. Man muss die Leistungen, die Migranten bringen, anerkennen, wenn man schon allein an die kleinen ökonomischen Betriebe, beispielsweise in der Nahversorgung oder in der Handwerksbranche wie bei Schustern oder Schneidern, denkt. Das sind kleine Branchen mit wichtiger gesellschaftlicher Funktion - die gesamte Nahversorgung in Wien würde zusammenbrechen, wenn Migranten ihre Betriebe aufgeben würden. Wenn diese Leistungen nicht Anstrengungen in Richtung Integration sind, was sind sie dann?

 

Zohreh Ali-Pahlavani ist seit 2001 in der Arbeiterkammer beschäftigt. Die gebürtige Iranerin lebt seit 1980 in Österreich und hat an der Sozialakademie die Ausbildung zur Sozialarbeiterin absolviert. Vor ihrer Tätigkeit als Beraterin und Referetin in der Abteilung "Arbeitsmarkt" der Arbeiterkammer Wien war sie mehr als zehn Jahre im Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen, in der arbeitsmarktpolitischen Beratung, tätig.

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18 Postings
Hengstenberg´s Orig. Span. Sherry Essig España
00
24.8.2010, 11:06

Ich finde es wichtig und richtig, daß diese Frau mal auf die Verschrottung der Integration hinweist. Integration war ein Konzept Anfang der 70er, das tiefstmöglich verschlafen wurde und 80 quasi schon wieder irrelevant war. Daß das jetzige Inklusion heißt, ist mir, wie ich gestehe, neu.

sepp schilehrer
43
12.8.2010, 10:51

Aus Persien/Iran sind es eben die Eliten, die zu uns kommen - aus der Türkei die Unterschicht.

John Bello
02
22.8.2010, 00:49

stimmt leider.

aber eliten bzw unterschicht nicht unbedingt..
nur kommen aus der türkei eben nicht die weltlich gewandten istanbuler sondern die etwas weniger modernen anatolier. ob die jetzt die unterschicht sind weiß ich beim besten willen nicht

springflower
23
12.8.2010, 10:43
Ich finde das Argument, dass die Arbeit, die

in einem fremden Land geleistet wird, bereits als Integrationswilligkeit gilt, sehr dürftig. Arbeiten muss man ja überall, um zu überleben. Integrationswillig ist man in meinen Augen erst dann, wenn man die Sprache, die Kultur und die Werte des Gastlandes positiv bewertet und annimmt. Hier sehe ich gewaltige Defizite, besonders bei türkischstämmigen Mitbürgern!

Maria681
11
15.8.2010, 14:31
ist integration möglich?

"itegrationswilligkeit"gehört auf beiden seiten, auch auf der von aufnahmegesellschaft, sonst bleibt man "ein fremde" (oft über mehreren generationen), auch wenn man die sprache perfekt beherscht und die werte der aufnahmegeselschaft nicht nur gut kennt sondern respektiert oder übernimmt. so lange es sichtbar oder hörbar bleibt, dass man "anders" ist, wird man wiederholt mit der frage der herkunft konfrontiert und dannach oft neu bewertet. verstendlich, ja, aber wie lange? hat das ein ende?

wie viel "integration" erlaubt die aufnahmegeselschaft?
wie lange muss man "ein fremde" bleiben?
wann und wie "verdient" man es als gleichwertige aufgenommen zu werden?
ist das überhaupt möglich?
sind die unterschiede erlaubt?wenn ja - welche?

Ease up uno self!
10
23.8.2010, 17:28
integration vs. asimilation

leider wird allzuoft integration gesagt aber assimilation gemeint. wie das wort integration in seiner bedeutung ja schon sagt (definition duden: 1. Einheit, Ganzheit, Geschlossenheit, Verbundenheit, Vereinigung, Verschmelzung, Zusammenschluss; (bildungsspr.): Unität. 2. Aufnahme, Einbettung, Einbeziehung), bedarf es einer einbettung und einbeziehung des neuen (ich will nicht "fremden" sagen, weil das leider schon negativ in ganz wien plakatiert wird). nirgendwo steht dass integration die aufgabe von kultureller, religiöser oder sprachlicher identität verlangen sollte. in meiner diktion ist die integration von fremden eine chance für die aufnahmegesellschaft zum kennenlernen und lernen von neuem.

Der Beobachter3
203
11.8.2010, 20:44
Nicht schlecht!!

Einen JOB bei der AK würden auch einige Östereicherinnen gerne haben!! Abere so einfach ist es dort ja nicht, zumindest wenn man kein Vitamin P hat!! Tolle Leistung von der Dame ! Sie hat es geschafft!! Vieleicht könnte sie ein paar Tips zur Bewerbung für ihre österreichischen arbeitslosen Geschöechtgenossinnen geben!!

Maria681
10
15.8.2010, 14:46
unheilbar neidisch

sollen sie nicht die zeitung wechseln, lieber beobachter3? wenn sie hier weiter lesen kann es passieren, dass ihr selbstwert ernsthaft leidet und der neid sie frisst: hier lesen und schreiben, nämlich, einige denkende menschen die es, so wie frau pahlavani, geschaft haben, trotz geschlecht, herkunft oder "vitaminmangel"! ihre gesundheit zu liebe, verlassen sie diese seite!

Diversion
20
12.8.2010, 16:22
nicht nur unnötig, sondern auch blöd.

LSDBlue
13
12.8.2010, 14:53

Tipps? Gerne:
1. mal lernen, die Muttersprache fehlerfrei zu beherrschen
2. Ausbilung/Weiterbildung statt faul herumsitzen und "beobachten"
3. bei einer Bewerbung solche Themen eher nicht ansprechen

Dann klappst vielleicht auch bald mit einem Job!

legal eagle
 
06
12.8.2010, 10:58
du lieber himmel - wo kommen sie denn her?

und wenn sie bei bewerbungen so auftreten, wundert es mich nicht, dass man sie nirgends will.

wolkenberg
11
12.8.2010, 10:56

der neid ist ein hund, wie man an ihrem beispiel deutlich sieht.

Kurt Koller1
11
12.8.2010, 10:35
Wäre ja möglich

dass sie vielleicht nicht so faul ist wie die arbeitslosen ÖsterreicherInnen von denen Sie sprechen.

ilrio xxxxx
 
13
12.8.2010, 10:13
vitamin p anhänger

so viel borniertheit geht selten allein. intelligenz, gute schulbilding und ein wenig ehrgeiz hängen nicht von der herkunft, hautfarbe oder nationalität ab. es sind mehrere, die es geschaft haben. leider geist macht kein lärm nur hc strache macht lärm.

1116er
14
12.8.2010, 09:18
ein seltsames phänomen!

oft wenn intellekt oder kenntnisse nicht ausreichend bei der bewerbung für einen job sind, wird gerne aufs fehlende parteibuch, vitamin p, die falsche ethnie oder ähnliches verwiesen...

prfnatschek
01
12.8.2010, 09:38
ja so ist das

in Österreich :)

Ava Tar
13
11.8.2010, 22:01
Also ein guter Tip

gehen Sie auf http://www.akwien.at (oder je nach Bundesland)

dort unter "meine AK" finden Sie freie AK-Stellen

derzeit gesucht: DatenanalytikerIn

Viel Glück! Vergessen's Ihr Vitamin P nicht!^^

Ruediger Ploetz
02
12.8.2010, 01:34

zum thema proporz: mein vater hat vor kurzem einen job bei den wiener linien bekommen - der war vorher kleinunternehmer und övp-wähler.

soviel dazu

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