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"Ich habe aber nie anderswo gelebt, diese Kultur hat mich geprägt, hier bin ich zu Hause. Ich habe jedoch auch ungefähr 20 Prozent Balkan in mir."
Dragica Gačić wurde als jüngstes von fünf Kindern einer Gastarbeiterfamilie geboren. Ihre Eltern, Angehörige der serbischen Minderheitengruppe der Walachen, haben sich Ende der Sechzigerjahre in Schwechat niedergelassen. Mittlerweile sind sie in der Pension, die Gedanken an Rückkehr gehören längst der Vergangenheit an. Die Familie ist in ganz Europa verstreut: "Drei von uns Geschwistern leben in Österreich, eine in Frankreich und eine in Serbien. Wir sehen uns selten, aber der Zusammenhalt ist sehr stark", erzählt Dragica.
Der schwere Anfang
"Meine Eltern sind einfache und liebevolle Leute. Uns wurde allen viel Disziplin und Eigeninitiative beigebracht, aber Unterstützung in Schulangelegenheiten, hatten wir nicht", meint Gačić. Am Anfang ihrer schulischen Laufbahn hätte die junge Frau aber ebendiese dringend gebraucht: "In der Volksschule war ich sehr schwach. Ich war sehr eingeschüchtert und hab' mit meinen vielen dunklen Haaren so offensichtlich anders ausgesehen als andere. Ich war die einzige Fremde in der Klasse". Erst später, in der Sporthauptschule, wurde Gačić eine sehr gute Schülerin und schaffte den Sprung auf die Handelsakademie. Ihre hervorragenden Leistungen in der Hauptschule und ihr neues Selbstbewusstsein verdankt sie ihrer Lehrerin Ilse Dippmann: "Sie hat sehr an mich geglaubt und mich sehr unterstützt." Der Sprung auf die BHAK Wien 10 in der Pernerstorfergasse war dann einfacher. Hier gab es "eine sehr bunte Mischung" mit einem großen Anteil an SchülerInnen mit türkischem und ex-jugoslawischem Hintergrund. "Das hat meine Wahrnehmung darüber, ob ich jetzt wirklich zu einer Minderheit gehöre oder nicht, sehr verändert", erinnert sich Gačić.
Identitätsfragen
Das Nachdenken über die eigenen Identität und das Anderssein war damit aber nicht abgeschlossen. Obwohl sie als Vertriebs- und Marketingverantwortliche bei der Fluggesellschaft Emirates in einer sehr internationalisierten Branche arbeitet, wird sie oft nach ihrer Herkunft gefragt. Nach einem Vortrag, den sie vor wenigen Wochen in Graz auf Deutsch hielt, war ein Zuhörer offensichtlich "verwirrt": "Sie sprechen so ein schönes Deutsch, sind aber keine Österreicherin, oder?", fragte er erstaunt. Sie würde die Neugier der Leute teilweise auch verstehen, betont Dragica, denn ihr Nachname sei schwer auszusprechen und "der Vorname ist eben auch so typisch ". Doch im übrigen Europa hat sie andere Erfahrungen gemacht: "In London oder Paris kann dir das nicht passieren, dass die Leute dich fragen woher du kommst und dann auch noch deine Identität mit dir besprechen wollen".
"Du bist ja eh Österreicherin".
"Wenn man mich in Österreich kennenlernt und fragt woher ich komme und dann auch noch hört wie ich Deutsch spreche, höre ich meistens: 'Ach so, na dann bist du ja eh Österreicherin, mit denen hast du ja nichts zu tun‘". Eine Mischung aus unterschiedlichen Identitäten wird in Österreich noch immer nicht wirklich akzeptiert. "Ich fühle mich in erster Linie international. Ich habe aber nie anderswo gelebt, diese Kultur hat mich geprägt, hier bin ich zu Hause. Ich habe jedoch auch ungefähr 20 Prozent Balkan in mir. Diesen Teil meines Ichs möchte ich behalten und auch leben. In Österreich wird es einem schwer gemacht zu diesem Teil der Identität positiv zu stehen".
"Um die Einordnung zu erleichtern"
Das emotionalste Erlebnis in Sachen Identität war für Dragica die Einbürgerung. "Ich wollte die Staatsbürgerschaft endlich haben, weil ich dienstlich viel unterwegs bin und die Visa-Beschaffung wahnsinnig mühsam ist." Obwohl sie hier geboren wurde, musste sie trotz Matura noch einen Deutschtest machen. "Ich habe mich sehr, sehr seltsam dabei gefühlt", erklärt sie. Und noch seltsamer war das Telefongespräch, das sie anschließend mit einer Beamtin führte. "Zur Verleihung der Staatsbürgerschaft haben wir ein spezielles Angebot. Sie können gegen 28 Euro Ihren Namen ändern, damit sie ein einfacheres Leben bei uns haben", meinte die Mitarbeiterin des Magistrats in St. Pölten. "Diesen Satz werde ich nie vergessen", meint Gačić.
Dieses Angebot gibt es noch immer auf der Homepage des Bürgerservice St. Pölten: "...um die Einordnung in Österreich zu erleichtern", könne man eine Namenänderung vornehmen. Diese vermeintlich wünschenswerte "Einordnung" ist Dragica Gačić allerdings auch ohne Umbenennung bereits bestens gelungen. (Olivera Stajić, 12. August, 2010, daStandard.at)
Nach der HAK-Matura arbeitete Dragica Gačić bei der AUA, den United Airlines und anschließend bei Emirates, wo sie derzeit für Vertrieb und Marketing zuständig ist. Berufsbegleitend hat sie 2009 die FH für Business Administration, Marketing & Sales Management abgeschlossen.
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Ich bin im österreichischen Süden geboren, eine Dialektfärbung ist noch immer zu hören (Gott sei Dank ;-))
Jetzt arbeite ich in Wien - was glauben Sie passiert, wenn ich in der Firma mit neuen Abteilungen telefoniere, mit neuen Leuten spreche?!
Die erste Frage lautet: Sie san oba ka Wienerin. Wo kumman Sie eigentlich her?
Und: Ja, ich hab mich auch darüber manchmal geärgert.
ABER so ist der Österreicher. Der will halt wissen. Damit er drüber reden kann. Was glauben Sie wie oft ich schon die Vorzüge des Wörther See´s gepriesen habe oder wie oft ich mir schon Liebesbekundungen für die schönen Berge angehört habe.
"Der Österreicher" will wissen, fragen und drüber reden! Negativ?
Manchmal meint ers auch lieb! :-)
ich bin auch mit einer ausländerin verheiratet sie ist auch vom aussehen sofort zu identifizieren meine kinder auch. diese blöden angriffe gibts aber komischerweise nur hier in wien und umgebung in salzburg und der stmk haben wir das kaum erlebt. meine frau wurde vor allem in ihrer heimat ausgegrenzt, verfolgt und inhaftiert da ihr vater nur ein arbeiter war. dragica raus aufs land und weg aus der anonymen großstadt, denk daran kapfenberg und simmering sind auch durch welten getrennt, ein sterzi grüsst euch alle...
Dass jemand, der an einer österreichischen Schule maturiert hat, einen Deutschtest machen muss, ist idiotisch. Wenn die entsprechnde Schulbildung nachweisbar, ist der Test Geld- und Zeitverschwendung.
Das Angebot mit der Namensänderung sehe ich nicht so negativ. Wer nicht wegen des Namens dauernd nach seiner Herkunft gefragt werden will oder seinen für deutschsprachige unausprechlichen und schwer verständlichen Namen dauernd buchstabieren muss, dem ist mit der Möglichkeit einer Änderung geholfen. Man muss ja nicht, man kann.
warum man daraus schließen sollte, das sie offensichtlich anders sei. So dunkel sind die Haar nicht, sind ja nicht mal schwarz sondern nur braun wie bei jeder zweiten Österreicherin. Im Grunde könnte man sie überall in Mitteleuropa für eine Einheimische halten.
klar kann man von menschen über 60/70 jahren, die seit 30-40 jahren in österreich leben und damals noch kein einziges wort über integration gehört haben, keine schule in österreich besucht haben, nur unqualifizierte tätigkeiten ausgeübt haben wo sie eh wieder nur von ausländer umgeben waren - perfekte deutschkenntnisse erwarten!!! früher ist nun mal keiner (inkl. regierung) auf die idee gekommen, dass vielleicht auch der müllmann deutsch können sollte - jetzt regt man sich auf, wenn diese/-r frau/mann einen dolmetscher mit zu einem termin beim amt nimmt...
die subtilste beleidigung war: dafür sprechen sie auch ein schönes deutsch.
so nett es ist, hier zu leben: die kleinkarierte provinzialität werden die österreicher jedenfalls zu meinen lebzeiten nicht mehr ablegen.
lies mal das buch von deinem landsman sterman, jo, jo so sans die weana... lies mal ein bisserl altösterreichische literatur ... ich muß zugeben die marmeladinger haben mich immer ausnehmend zuvorkommend behandelt. z.bsp ein Polizist hat mich angehalten korrekt gegrüßt und mich aufgeklärt mir den kostenvoranschlag und die zahlungsmodalidäten erklärt und kassiert. in wien ein kiwara zu mir ohne gruß: "bist deppat burli bist aungsoffn", nach feststellung meiner kulturzugehörigkeit, "sterzinga posch oh sunst brennst die aus bei mia" und verschwand wieder ohne gruß und ohne inkasso...
hätten aufhören können, ihren Nachkommen einzureden, dass sie eh bald alle wieder in der Türkei leben werden - wenn sie andererseits dann doch zu feig oder bequem für eine Rückkehr waren; abgesehen davon kann man als Migrant auch ohne Druck seitens der Regierung Deutsch lernen - Eigeninitiative nennt sich das).
Wenn allerdings selbst hier geborene Jugendliche nur gebrochenes Deutsch sprechen und lieber mit der türk. Fahne wacheln, anstatt sich zu integrieren, wird`s brenzlig. Und das ist-vor allem bei bestimmten Migrantengruppen, wie etwa der Ihrigen - kein Randphänomen.
P.S.: Ich weiß ja nicht,wo in Ö Sie leben. Aber Wien kann`s nicht sein. Denn hier sind die Mistkübler fast ausschließlich Unsrige - also kein klassischer Migrantenberuf.
wenn Sie sich von Antwortpostings verfolgt fühlen, sollten Sie eher aufs Tagebuch schreiben umsteigen. Da gibt`s keine Widerworte u. man kommt nicht in die Verlegenheit, von anderen auf seine blühende Phantasie angesprochen zu werden.
Und bitte nicht die Abgehobene spielen. Es ist zwar erfreulich, dass Sie zu der Minderheit unter den türkischstämmigen Frauen gehören, die erwerbstätig sind. Dass Sie tatsächlich nur in gehobenen Kreisen verkehren (inklusive Dienstboten, die Ihnen Ihre Einkäufe in die Döblinger Villa liefern), nehm ich Ihnen aber nicht ab. Zumindest lässt Ihre Ausdrucksweise nicht darauf schließen.
Sie wollen halt einfach bestimmte Dinge nicht sehen bzw. reden sie schön.
...sie werden doch nicht vom Neidrabauken zum handzahmen schleimer werden oder?? ;-))
Interessant wie Menschen die eigene Meinung im nu als völlig "harmlos" und missverstanden interpretieren sobald sie direkt damit konfrontiert werden. :-O
sind eine deutsch-österreichische Spezialität.
Das geht so weit, dass ich manchmal von Menschen gedrängt werde, meine tatsächliche Herkunft preiszugeben, obwohl schon allle meine Urgroßeltern in Österreich geboren wurde und nichts darauf hindeutet, dass es anders sein könnte.
Diese Rasseschnüffler machen nach meiner Erfahrung zwar nur ein knappes Viertel der Östereicher aus, die sind aber extrem mühsam.
Ich hatte mal einen Arbeitskollegen der hat Popescu geheissen. Den habe ich mal auf seinen Nachnamen angesprochen weil er ja "typisch" rumänisch ist, er aber kein Rumäne war. Er hat mir erzählt das seine Urgroßeltern irgendwann in den 1920er Jahren nach Österreich eingewandert sind und der Name überlebt hat. Solche Geschichten finde ich hochinteressant und hat defintiv nichts mit "rasseschnüffeln" zu tun (abgesehen davon ist das ein grässliches Wort).
Wenn man betroffen ist, ist es schon mühsam.
1. will man nicht jeden seine Lebensgeschichte samt Familienbackground erzählen
2. Man will sie nicht IMMER WIEDER erzählen
Eigentlich ist es unhöflich, anderer Menschen Namen zu kommentieren und zu hinterfragen, außer im engeren Freudeskreis, da teilt man sowieso Familiengeschichten, da ist es OK.
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