Die intakte (Jung-)Frau

Meri Disoski, 22. August 2010 16:50
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Viele machen es, wenige reden darüber: Wiens Gynäkologen bieten – zu sehr unterschiedlichen Preisen – so genannte "Re-Virginisierungen“ an

Was vor wenigen Jahren nur hinter verschlossenen Türen besprochen und letzten Endes auch durchgeführt wurde, ist mittlerweile, so scheint es zumindest in der virtuellen Welt, längst kein Tabuthema mehr: Viele Gynäkologen informieren auf ihren Homepages über die Wiederherstellung des "Jungfernhäutchens", erläutern den Eingriff und weisen darauf hin, dass er auch in ihren Ordinationen durchgeführt wird. Trotzdem ist der Versuch, von den jeweiligen Ordinationen genauere Informationen - wie etwa über die Dauer des Eingriffes oder die damit verbundenen Kosten - zu erhalten, wenig erfolgreich. Man(n) hüllt sich hartnäckig in Schweigen, auch wenn das Thema auf den Ordinationsseiten noch so prominent präsentiert wird.

Heikles Thema

So bietet beispielsweise ein Gynäkologe auf seiner Homepage neben der Verkleinerung von Schamlippen, der Erweiterung bzw. Verengung der Scheide und der G-Punkt-Verstärkung auch die Rekonstruktion des "Jungfernhäutchens" an. Die Unterseite "Hymen Rekonstruktion" informiert die LeserInnen darüber, dass nicht nur der erste Geschlechtsverkehr, sondern auch Sport, Stürze und Unfälle das Hymen verändern können. Eine "Wiederherstellung" des Jungfernhäutchens sei jedoch mit "plastisch-chirurgischen Techniken" möglich. Am Telefon gibt sich die Sprechstundenhilfe bedeckt, sie könne "telefonisch keine Auskünfte" geben. Außerdem sei der Herr Doktor gerade nicht da, sie selbst könne dazu nichts sagen. Nichts dazu sagen kann man auch in den nächsten drei Ordinationen. Telefonisch würde er sich "zu diesem heiklen Thema sicher nicht" äußern, so ein Arzt.

"Können Sie das auch umgekehrt?"

Werner Grünberger hingegen, Gynäkologe und Gründer der ersten First-Love-Ambulanz, ist sofort gesprächsbereit. Die erste "Re-Virginisierung", wie die Wiederherstellung des "Jungfernhäutchens" im Fachjargon bezeichnet wird, habe er im Jahr 1986 durchgeführt, erinnert er sich. Während seiner Vorlesung habe er damals zu Anschauungszweckem bei einem Mädchen, dessen Gesicht mit einer Maske verdeckt war, das verschlossene Hymen mit einem Messer geöffnet. Nach der Vorlesung sei eine persische Studentin auf ihn zugekommen und habe gefragt: "Können Sie das auch umgekehrt?" Die Medizinstudentin stand kurz vor Abschluss des Studiums und der damit verbundenen Rückkehr nach Persien und hatte "in ihren Wiener Jahren ihre Jungfräulichkeit verloren" - Grünberger "gab sie ihr wieder".

"Jungfernmacher"

Insgesamt hat er den Eingriff "bei ungefähr 200 Mädchen und Frauen" gemacht, "niemals leichtfertig", wie er betont. Er habe, ganz im Gegenteil, die meisten Mädchen, die ihn wegen der Wiederherstellung ihres Hymens konsultiert haben, davon überzeugen können, den Eingriff nicht machen zu lassen. Operiert habe er lediglich in "einem von drei Fällen", wenn es triftige Gründe gegeben habe, wenn "aus kulturellen oder religiösen Gründen" das Leben der Patientin auf dem Spiel gestanden sei. Trotzdem sei er in den Medien "Jungfernmacher" genannt und als "geldgierig dargestellt" worden.

"Ein paar Hundert bis ein paar Tausend Euro"

Wie viel eine Re-Virginisierung heute kostet, kann Grünberger nicht genau sagen, da er selbst den Eingriff seit mehreren Jahren nicht mehr durchführt. Die dafür berechneten Preise würden jedoch enorm variieren: "von ein paar Hundert bis ein paar Tausend Euro". Die Frage, was den Unterschied zwischen den "paar Hundert" und den "paar Tausend Euro" ausmacht, kommentiert der Gynäkologe lachend. "Nichts", antwortet er schließlich - wer mehr habe, würde eben auch mehr dafür bezahlen.

Verdinglichung des weiblichen Körpers

In erster Linie würden sich jene Mädchen und Frauen, die in traditionellen Familien aus patriarchalisch geprägten muslimischen oder christlich-konservativen Gesellschaften leben, für den Eingriff interessieren, so Grünberger. In solchen Gesellschaften gilt ein intaktes Hymen zum Zeitpunkt der Eheschließung nach wie vor als Beweis für die Keuschheit der Frau.

Genau hier setzt die aus feministischer Perspektive formulierte Kritik ein: Die Rekonstruktion des Hymens reproduziere die Normierung und damit die Verdinglichung des weiblichen Körpers, so die türkische Soziologin Dilek Cindoglu. Der Eingriff diene letztlich dazu, den patriarchalischen Diskurs über den Körper und das Verhalten der Frauen fortzusetzen, was durch eine zutiefst patriarchalische Argumentation gerechtfertigt werde, indem betont würde, dass Man(n) der Frau mit der "Wiederherstellung der Jungfräulichkeit nur helfen und sie beschützen wolle. (Meri Disoski, 20. August 2010, daStandard.at)

 

Zum Weiterlesen:
Cindoglu, Dilek: "Virginity Tests and Artificial Virginity in Modern Turkish Medicine". In: Women and Sexuality in Muslim Societies, Hg. v. Pinar Ilkkaracan. Istanbul 2000, S. 215-228.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 100
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truly
28.11.2010 21:45
ich hatte immer angst vor dem ersten mal,

denn man wird ja gut darauf vorbereitet, dass das erste mal für eine frau auf jeden fall schmerzhaft und blutig wird. zu meinem glück gehörte ich zu den 10% aller frauen, die schon ohne hymen geboren werden. aber bis dorthin wusste ich das nicht. sowas haben wir in der schule nicht gelernt. und es hat mir auch keiner gesagt, dass man das hymen ganz einfach entfernen lassen kann - das hätt ich gleich gemacht. das hymen war für mich immer etwas unnötiges, angsteinflößedes. ein "heiliges" ding, das das sexleben kontrolliert.

relatio subsistens
15.11.2010 20:19
narrow girls for president

Der Traum von einer Jungfrau hängt vielleicht auch damit zusammen, dass ältere Frauen sehr oft sehr "weit" sind und damit einen nur geringen Spaßfaktor involvieren.

truly
28.11.2010 21:37

dass ältere frauen weit und junge frauen eng sind, ist wohl ein ammenmärchen. denn es ist eine kombination aus veranlagung und training. eine weite frau hat einfach einen schlecht trainierten beckenboden. und sowas können junge frauen genauso haben.

heinz strobl
 
27.10.2010 21:29
jungfräulichkeit- wozu??

Ich habe nie verstanden warum das orientalischen Männern so wichtig ist.Besagte Operation gab es schon imm alten Ägypten.Grundsätzlich denke ich mir, das doch kein Mensch so wahnsinning wäre sich von einem blutigen Anfänger am Herzen operieren zu lassen.Aber eine Ehefrau soll Jungfrau sein, ohne Erfahrung ?Mir erscheint dies verrückt.Ein Freund ist in sein islam.Heimatland gefahren im Glauben dort fände er seine Jungfrau.Dort müssen aber nur die armen Mädchen Jungfrau bleiben.Die Ärzte sind teuer.
Wenn die Liebe und die Freundschaft passt, sollte doch das Vorleben egal sein.

thewho
04.10.2010 21:47
ad absurdum

diese Operation führt diese archaisch-frauenfeindliche Einstellung ad absurdum. Darum ist sie gut.
Sollen die Mädels ihren Spaß haben, und dann als "jungfrau" in die Ehe gehen. Das ist Emanzipation auf dem Unweg.

Gusti Rentner
 
10.10.2010 16:43
SO IST ES !

Wenn kein Mann sich mehr sicher sein kann, ob er eine "Original-" oder "Second-hand"-Jungfrau vor sich hat, hört sich der unwürdige Kult um ein Hautfetzerl endlich auf.
Der ursprüngliche Sinn dessen, sicherzustellen, dass die Frau nicht womöglichschon von einem anderen Mann schwanger ist, besteht ja, DNA-Test sei Dank, heutzutage nicht mehr.

Vielleicht sollte auch jenen OP-s einmal eine ausführliche Betrachtung gewidmet werden, die an Frauen notwendig werden, deren Männer in einem entscheidenden Bereich "nicht hart genug" sind, um das Hymen ihrer erbeuteten, pardon, erheirateten Jungfrau auf natürlichem Wege zu durchdringen und auch in puncto "handwerklichem Geschick" dabei scheitern.

Galina Ulanowa
25.09.2010 23:33
Fr. Cindoglu hat recht mit dem patriarchalen Charakter

Aber es ist halt leider anscheinend in manchen Familien noch immer ein Problem. Natürlich wärs jetzt besser die Leute zur GruppentherapeutIn als zur GynäkologIn zu schicken, aber so ist das Leben...

Silvio Lackner
16.09.2010 16:46
Mir ist lieber,

sie sabbert farblos aus Vorfreude.
: )

Zbgenev Dnjetroskyonewiz
06.09.2010 10:41

alles patriachalischer druck. dann leht euch eben dagegen auf und macht nicht mit bei so einer sch*.

Henriette Loderer
 
25.08.2010 11:43
Lukratives Geschäft

Diese bei uns in Österreich neue Perversion hat ja nach der zunehmenden Islamisierung Österreichs kommen müssen da es so viele Jungfrauen wie gewisse Männer verbrauchen wollen eben nicht gibt.

Para Dox
25.09.2010 14:33

Das gleiche Problem haben Mädchen, die aus ländlichen Gegenden Ex-Jugoslawiens oder Griechenlands kommen auch. Hat mit dem Islam nur sehr sekundär etwas zu tun.

Lady Lane
24.08.2010 08:31
Von Ärzten über Nazis zu sexuellen Vorlieben

Welch' unterhaltsame Diskussion. Schön, dass es noch "Freigeister" gibt, die wahllos ihre überzogenen Meinungen in die Welt hinaus schreien...

Die einzige Frechheit, die ich an der Re-Virginisierung entdecken kann ist, dass es keinerlei Normen gibt, weil das Thema noch immer ein Tabu ist. Natürlich wollen die meisten Ärzte sich nicht öffentlich darüber äußern, da sie sofort an den Pranger gestellt würden, von Menschen, wie sie hier vertreten sind.
Eine Meinung ist noch lange nicht wertvoll, nur weil sie "neu" oder "anders" ist. Ohne Reflektion verliert sie an Sinn und wird gefährlich.

Es würde mich nicht wundern, wenn es bald heißt:
"Junger Frau wurde öffentlich der Blinddarm entfernt. Die obszöne Tat geschah freitags a. d. MedUni Wien"

Nitram1988
24.08.2010 01:46
Ich warte auf die 1. Klage wegen Betrug.

Heinz Anderle
 
23.08.2010 19:32
Da der Mensch für seinen Körper selbst verantwortlich ist,...

... gehörte dieser der medizinischen Ethik spottende Unfug genauso wie die "Beschneidung" = Verstümmelung verboten und ein Verstoß gegen dieses Verbot mit dem Verlust der ärztlichen Zulassung geahndet.

Dr. rer. nat. Heinz Anderle, radikalsäkularer Freigeist

twertwert
23.08.2010 19:45

Die religiöse "Zwangsbeschneidung", bitte.

Da ja, wie Sie blähten, der Mensch doch selbst für seinen Körper verantwortlich sei. Also wenn..., dann schon genau.

Abgesehen davon bezweifle ich, dass antireligiöse Seitenhiebe bei so einer (eigentlich medizinischen) Diskussion nicht passend sind.

Faktor I
23.08.2010 12:55
???

Was mich irgendwie erschüttert, ist, daß in keinem Posting hier die SChilderung des Arztes über den Eingriff in der Vorlesung auch nur irgendwie kritisiert wird. Hatte der gute Mann noch in den vierziger Jahren sein Studium bei irgendwelchen kranken Naziverbrecheren absolviert? Oder vielleicht versteh ich die Geschichte (Frau wird vor versammelter Mannschaft das Häutchen durch den lieben Onkel Doktor geöffnet) falsch???

Fisch^^Fisch
24.08.2010 14:07

Vermutlich hat er das Häutchen aus medizinischen Gründen öffnen müssen. Dass nach Einwilligung des Patienten, bzw. deren Eltern vor Medizinstudenten passiert ist immer wieder üblich. Schadet ja nicht wenn die angehenden Ärzte das nicht nur im Buch zu sehen bekommen.

Anyuser
 
23.08.2010 15:40

Typische Indikation für so einen Eingriff: Hymen imperforatus. Sagt Ihnen nix? Google hilft sicher.

Mediziner lernen oft mit Demonstrationen vor Publikum, sogar wenn sie keine Nazis sind.

Selbstverständlich muss der Patient damit einverstanden sein und kann eben z.B. eine Abdeckung oder Maske verlangen.

Berta von Hinnen heller von Sinnen
23.08.2010 14:33

kann ich nachvollziehen, schockieren, neben der absurdität dieses eingriffes überhaupt:

Während seiner Vorlesung habe er damals zu Anschauungszweckem bei einem Mädchen, dessen Gesicht mit einer Maske verdeckt war, das verschlossene Hymen mit einem Messer geöffnet.

shepherd
09.09.2010 01:02
*kopfschüttel*

was hätte er ihrer meinung nach tun sollen ?
sie auf "natürlichem weg" deflorieren ?

btw. wenn dort messer steht, dann ist werder das rostige taschenfeitl gemeint noch ein küchenmesser ;)

Heavyweather
23.08.2010 23:56

Manchmal gehts nur mit dem Messer...
Keine Ahnung was daran verstörend sein sollte?
Ist ein Standard Eingriff genau wie ein Frenulum breve.

sadfasd sdfasdfas
23.08.2010 13:40

jaja, Nazis wohin man nur blickt. !toidI

zb
23.08.2010 13:10

es gibt durchaus derart feste "häutchen", die bei einem gv nur unter größter anstrengung (und entsprechenden schmerzen) "zerrissen" werden können.
vielleicht wäre es in diesem forum möglich erst nachzudenken, bevor man mit der "naziverbrecherkeule" um sich schlägt!!!

Anyuser
 
23.08.2010 15:45

Das dichte Häutchen wird vor allem dann ein Problem, wenn das Menstruationsblut nicht abfließen kann.

Da hilft ein kleiner Schnitt.

anne manner
23.08.2010 14:58
und mit dem messer

geht es besser??? Noch dazu coram publico?

UNd dann wieder zunähen; hoffentlich diesmal aber kein "festes häutchen"????? Oder versteh ich da was falsch???

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