Unter dem Motto "Keep it simple and stupid“ setzt Alexander Segert seit Jahren rassistische Kampagnen "ins rechte Licht“.
Man sieht Minarette in den Himmel wachsen. Dann tauchen Muezzins auf. Auf beides kann man ein Stoppschild richten, um Punkte zu sammeln. Doch auch der eifrigste Verteidiger des Abendlandes kann nicht gewinnen, denn am Ende ist die Steiermark "voller Minarette und Moscheen". "Damit das nicht geschieht - FPÖ wählen", heißt es im Abspann. Simple and stupid (einfach und deppert) ist der österreichische Ableger des bereits im letzten Jahr in der Schweiz lancierten Online-Spieles "Minarett-Attack".
Mit der österreichischen Version "Moschee Baba" sollen "vor allem junge Wähler spielerisch an das Thema 'Moschee/Minarett' herangeführt werden, um sie zur Wahlbeteiligung zu motivieren", meint Alexander Segert, der Entwickler des Online-Spiels. Und wie es das Einmaleins der rechten Populisten gebietet, tritt man an den (jungen) Wähler am besten mit Angst schürenden Bildern, simplen Botschaften und scheinbar einfachen Lösungen heran.
Das Moscheen-Spiel ist nicht die erste rassistische und menschenverachtende Kampagne des deutschen Werbefachmanns. Segert stellte bereits "die Linken" als rote Ratten dar, die sich über die prallgefüllten Börsen der Schweizer hermachen. "Sicherheit schaffen" verkündeten seine Plakate für die Schweizerische Volkspartei (SVP) aus dem Jahr 2007. Diese propagierten, dass es für schwarze Schafe (Ausländer) keinen Platz unter den weißen Schafen (Schweizer) gibt. Die Raketen-ähnlichen Minarette für die Schweizer Anti-Moscheen-Kampagne aus dem Jahr 2009 sind ebenfalls das Werk von Segerts PR- und Werbeagentur Goal AG
Verhetzung, Provokation und Tabubruch durch menschenverachtende Sager und Bilder: Segert geht gerne an die ethischen und juristischen Grenzen, um die Botschaften seiner Auftraggeber unter das Volk zu bringen. Seit mehr als vierzehn Jahren setzt er rechtes Gedankengut werbetechnisch um und überschreitet dabei stets die Grenzen des guten Geschmacks. Rassismus-Vorwürfen begegnet er mit zynischen Kommentaren über Meinungsfreiheit und gesetzeskonforme "gelungene politische Kommunikation".
Für unsere erste Tomate gibt es trotz großer Konkurrenz keinen besseren Kandidaten. Obwohl in diesem Fall ein einsamer Paradeiser allzu bescheiden erscheint. (Olivera Stajić, 03. September 2010, daStandard.at)