Der Haus- und Hofdichter der auflagenstärksten Zeitung des Landes treibt seit über zwanzig Jahren sein gereimtes Unwesen und hat sich eine Tomate fürs Lebenswerk verdient
Wolfgang Martinek, alias Wolf Martin, simplifiziert, provoziert und teilt die Welt klar in Gut und Böse. Und das ist noch das Netteste, das man über den Dichter der Kronen Zeitung sagen kann. "Verbrechen an der Literatur" sagen jene, die sich anschicken den künstlerischen Wert der Poesiealbum-Verse zu ermitteln. "Er vergiftet Köpfe und Herzen" verurteilen jene, die sich mit den Inhalten seiner "Dichtung" befasst haben.
Täglich greift Wolf Martin in seiner Kolumne in Versform aktuelle oder aufgewärmte Themen auf. Vor seinen Reimen ist nichts und niemand sicher: Obwohl ehemals HOSI-Mitglied der ersten Stunde, wettert er Jahre später gegen die Love Parade und bezeichnet Homosexualität als "Abart" und "Irrtrieb", Migration ist für ihn "sanfter Holocaust" und die Leistungen von Jelinek und Turrini "penetranter Dreck".
Wessen Geistes Kind Martinek (geworden) ist, zeigt nicht zuletzt die Szene aus der Doku "Kronen Zeitung - Tag für Tag ein Boulevardstück", in der die Sammlung von Hitlers Reden im Bücherregal des Krone-Dichters gezeigt wurde. Berüchtigt ist auch sein Vers vom 20. April 1994, in dem er sich ereiferte "Ich feiere, wenn man mich läßt, / heut jenes Adolfs Wiegenfest", um in der letzten Zeile "aufzuklären", dass er den Bundespräsidenten Adolf Schärf meint.
Seine aggressive, menschenverachtende, vermeintlich volksnahe Einstellung kulminiert im "Gedicht" vom 26. April 2009: "Das Ostgesindel, ohne Frage / ist unsrer Städte große Plage. Ob sie nun Bettler, Räuber, Diebe, /ob frech im "Augustin"-Vertriebe - / es stellen gegen sie sich blind / Politiker, die ratlos sind / und volksverachtend, kaum verhehlt. / Kein Wunder, wenn man Strache wählt."
Ein echter (ost)österreichischer Paradeiser für die versgewordene Krone-Blattlinie Martin Wolf, der täglich zeigt, dass es immer noch simpler, verhetzender, depperter und aggressiver geht, als im Boulevard ohnehin üblich. (Olivera Stajić, 14. September 2010, daStandard.at)