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"Der Tod gehört zum Leben dazu"

Armand Feka, 23. September 2010, 10:02
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    "Ich denke, der Job des Totengräbers ist vielleicht ein wenig unterschätzt."

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    Der "auf der südwestlichen Seite von Hietzing, außer dem Orte" errichtete "Leichenhof", wurdem am 12. Februar 1787 feierlich geweiht.

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    Ursprünglich war der Friedhof als interkonfessioneller Friedhof für die Toten von Hietzing und dem Schloss Schönbrunn bestimmt.

Wie ein Zuwanderer aus Serbien als Totengräber seine Berufung gefunden hat

Der Friedhof Hietzing wirkt in der Spätsommersonne wie eine Oase der Ruhe im stressigen Großstadtlärm. Menschen verirren sich für gewöhnlich aber nur hierher wenn sie einen triftigen Grund haben. Als Dragiša Gajić Anfang der Neunziger Jahre seine alte Heimat Jugoslawien verließ, hätte er sich niemals erwartet einmal hier als Totengräber zu arbeiten. Der 39-jährige stämmige Mann aus Paraćin, einer Stadt in Serbien, lacht verhalten als er das sagt und erklärt, dass er zu Beginn seiner Zeit in Österreich die charakteristische Berufslaufbahn eines Zuwanderers eingeschlagen hat: Der ausgebildete Maschinenbauer heuerte zunächst in einer Schlosserei in Wien an. Vorrangiges Ziel bestand darin die Arbeits- und die damit verbundene Aufenthalterlaubnis zu erhalten.

Nur die Sprache zählt

"Da ich nur Österreicher als Kollegen hatte, musste ich schnell die Sprache lernen", erzählt Gajić im leichten Wiener Dialekt. Mit einem Wörterbuch bewaffnet brachte er sich zunächst die wichtigsten Begriffe, die er für die alltägliche Kommunikation brauchte, selbst bei. Mit der serbischen Community in Wien hatte er von Beginn an nur wenig Berührungspunkte, dann schon eher zu seiner Familie. Seine Eltern waren bereits in den Siebziger Jahren mit einer Gastarbeiterwelle nach Österreich gezogen und wollten eigentlich nur ein paar Jahre bleiben. Aus den wenigen Jahren sollten Jahrzehnte werden. Der Sohn musste in der alten Heimat währenddessen die Schule abschließen und sollte erst nach seiner Ausbildung nachfolgen. "Der Zusammenhalt in der Familie ist fast das wichtigste, das man in einem fremden Land zu Beginn haben kann", sagt Gajić, der seine Frau erst mit Verzögerung ebenfalls nach Österreich nachkommen lassen konnte.

Ein Zufall

Nach einer Phase der Eingewöhnung in Wien zwangen finanzielle Gründe den zweifachen Familienvater sich nach einem neuen Job umzuschauen. Er sollte schließlich in der Baubranche landen. "Die Bezahlung war gut und ich konnte meine Familie dadurch besser unterstützen", erzählt Gajić. "Auf der Baustelle waren die Kollegen aus allen möglichen Ländern und Altersstufen, aber ich habe auch dort schnell Freunde gefunden", sagt er entspannt. Für ihn ist der Charakter eines Menschen ausschlaggebend. Die Krise der heimischen Baubranche sollte auch an Dragiša Gajić nicht spurlos vorübergehen und so war er gezwungen sich vor fünf Jahren einen neuen Job zu suchen. Bei einem Gespräch mit einem türkischen Freund, der an einem Friedhof arbeitete, kam zufällig die Sprache auf eine offene Stelle. Der sonst zurückhaltende Mann aus Serbien zögerte nicht und bewarb sich sofort für eine Stelle am Friedhof Hietzing. "Es sollte zwei Monate dauern, dann rief mich eine Frau an und fragte, ob ich bei ihnen arbeiten wollte", erzählt Gajić. Auf diese Weise begann er seine ungewöhnliche Arbeit als Totengräber.

Der Tod und das Leben

Der städtische Friedhof in Hietzing ist nicht nur Ort der letzten Ruhestätte, sondern auch ein Platz der Trauer und Trauerbewältigung. Vor allem aber ein gepflegter Ort, der Ruhe ausstrahlt. Wenn die letzten Sommerstrahlen auf die frisch gemähten Wiesen innerhalb des Friedhofs streifen, weiß auch Herr Gajić dass er seinen Job gut gemacht hat. Die Pflege der Wege und das Rasenmähen fallen ebenfalls in seinen unmittelbaren Arbeitsbereich. Priorität hat aber dennoch das Ausheben neuer Gräber. Egal in was für einer Lage - damit ist die Tiefe des Grabes gemeint - oder Wetter. "Normalerweise brauche ich für ein Grab etwa drei bis acht Stunden, Zeit zum Ausruhen bleibt dabei kaum", sagt Gajić und blickt zufrieden auf seine Arbeit. Seine Familie war zunächst skeptisch über den neuen Job und konnte sich zunächst nicht viel darunter vorstellen. "Ich denke, in der Öffentlichkeit ist der Job des Totengräbers vielleicht ein wenig unterschätzt ", erklärt der kräftige Mann. "Die meisten Menschen spüren wohl auch ein  Gefühl des Unbehagens, wenn sie an Friedhöfe denken", mutmaßt er und sagt, dass "der Tod schließlich auch zum Leben dazugehört." Seinen Job nimmt er ernst, Berührungsängste darf er beim täglichen Arbeiten auf dem Friedhof keine haben. Exhumierungen - das Ausgraben eines bereits bestatteten Leichnams - und die darauffolgende Grabzusammenlegung fallen auch in seinen Aufgabenbereich.

Der mittlerweile eingebürgerte Österreicher Gajić ist glücklich über seine verantwortungsvollen Aufgaben. Der Friedhof ist immerhin auch Treffpunkt der Lebenden, die nach dem Verlust eines geliebten Menschen wieder Balance finden möchten. "Wenn es etwas gibt, das ich bereue", sagt er, "dann ist es der Umstand, dass ich nicht gleich zu Beginn meiner Zeit in Österreich begonnen habe hier zu arbeiten." (Armand Feka, 23. September 2010, daStandard.at)

 

Kommentar posten
10 Postings
der, die, das
00
12.12.2010, 22:26

Was bekommt man bezahlt?

isodora
30
23.9.2010, 18:53
Nun - es lebe der Zentralfridhof - und alle seine Leichen, mag schon sein. Aber: der Tod gehört natürlich NICHT zum Leben dazu. Leben ist leben.

Der Tod gehört natürlich NICHT zum Leben dazu. Leben ist leben.

Tot ist tot.
Und eben NICHT leben.

eze eze
 
00
30.10.2010, 04:30

Und jetzt denk mal weiter;Isodora: Was wäre Leben ohne den Tod?

meinrad
02
9.11.2010, 22:08

lang, vor allem

Experte für äh alles
91
23.9.2010, 12:34

Ein Serbe als Totengräber...

mitrovic dejan
11
23.9.2010, 22:42

Diesen Toten kanns du uns nicht als
irgenwelche kriegsverbrechen unterstelen.

ricko
18
23.9.2010, 11:50

ich kenne dragisa schon lange. habe ihn 3 jahre trainiert (wien 6). dragisa ist der archetyp eines sympatlers und ausserdem sehr sozial.

wenn die dastandard redaktion integrationsfaelle der 'anderen' art texten moechte, falls sie sich traut, so empfehle ich junge mosl migr aus der unterschicht zu interviewen.

ein heimatlicher sommerurlaub mit 15 und man ist verheiratet. oesterr. freunde nicht erwuenscht. sie leiden sehr unter dem diktat ihrer eltern, aber das ist gaengige praxis und bitte, es sind ALLES andere als einzelfaelle!

Jo eh...
51
23.9.2010, 23:29

Mein Gott, so ein unendlicher Schwachsinn. Glauben Sie eigentlich wirklich daran dass dieses Hirngespinst "gängige Praxis" unter jungen österreichischen moslemischen Einwandererkindern ist?! Ich glaub das glauben ja nicht mal Sie. Übrigens wars ein Türke der Dragisa auf den Job aufmerksam gemacht hat! Ein böser Moslem! Oh Schreck, oh weh!

ricko
00
28.9.2010, 01:36

boeser moslem? was unterstellen sie mir?

Exile
01
23.9.2010, 11:20
Eigentlich ein cooler Job,

man ist an der frischen Luft. Etwas unromantisch vielleicht, aber sicher nicht alltäglich. Ich denke wenn jemad aus dieser Berufssparte zu seiner "Berufung" steht, muss es nicht mal zwangsläufig dazukommen zu vereinsamen.

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