Der erste Biobauer Jugoslawiens

Armand Feka, 27. September 2010, 16:00
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    foto: armand feka

    Željko Jovanović (re.) und sein Geschäftspartner Manfred Wuits

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    Im Rahmen des derzeit laufenden Kunstprojekts "Gazebo" wurde die benachbarte Wand von einem brasillianischen Künstler besprüht

Der Geschäftsführer des "WerkzeugH", Željko Jovanović und seine Vorliebe für das Außergewöhnliche

Moderne Biergartenromantik mit neongelben Tischen prägt den Vorhof des "WerkzeugH", eines von Wiens angesagtesten Lokalen. Ein kleines gepflegtes Gartenhaus, das scheinbar zufällig im Vorhof steht bildet dabei den Eingang und zugleich einen kleinen Vorgeschmack auf das, worauf sich der Besucher in der Schönbrunnerstrasse 61 einstellen kann: außergewöhnliche, von Architektur und Kunst beeinflusste Atmosphäre. Mitten drin im kreativen Zentrum sitzt der Geschäftsführer Željko Jovanović, ein gebürtiger Serbe, der das "WerkzeugH" mit seinem Partner Manfred Wuits seit 2006 leitet. Seither ist das Lokal eine der ersten Anlaufstätten in Margareten für Kreative, Laptop-Jünger und solche die es noch werden wollen.

Eine serbisch-deutsche Geschichte

Als Einzelkind einer Romafamilie verbrachte Jovanović einen großen Teil seiner Kindheit in Belegiš, einem kleinen Dorf vierzig Autominuten von Belgrad entfernt, bis seine Eltern dem Ruf der Fremde folgten und sich in Deutschland niederließen. "Als ich zehn war zogen meine Eltern mit mir nach Ravensburg ins Schwabenland, um als Gastarbeiter zu arbeiten", erzählt Jovanović mit einschlägigen deutschen Akzent. Dort sollte er auch seine restliche Jugend verbringen. Die Eltern wollten eine klassische Ausbildung und so schloss er in der damaligen Bundesrepublik die Lehre zum Kaufmann ab bis ihn die Einberufung zum Militärdienst der ehemaligen Sozialistischen Republik Jugoslawien wieder in die alte Heimat holte. "Eineinhalb Jahre verbrachte ich im heutigen Slowenien und leistete meinen Dienst ab, bis ich wieder nach Ravensburg zurückkehren konnte", erklärt der Mann mit den auffälligen blauen Haaren. Wieder in Deutschland angekommen, stellte sich aber auch keine dauerhaften "Heimatgefühle" ein. Nach nur ein paar Wochen fasste Jovanović den folgenreichen Entschluss in sein Heimatdorf ins damalige Jugoslawien zurückzukehren.

Selbstversorger Bauernhof und eine Idee

"Vielleicht liegt es daran, dass ich schon immer ein wenig anders war. Der Mut ungewöhnliche Entscheidungen zu treffen wurde mir aber auch durch meine Mutter in die Wiege gelegt", erklärt Jovanović und beschreibt eindrücklich wie sie als junge Frau im stockkonservativen Dorf der Sechzigerjahre es wagte Hosen anzuziehen. In Belegiš zurück zog Jovanović mit seiner Familie einen Selbstversorger Bauernhof auf. Eine andere Lebensweise, der klassische Anbau ohne Verwendung von schadstoffreichen Düngermittel und das Halten von Geflügel sollte bald der Lebensmittelpunkt der ganzen Familie werden. „Ich war wohl schon Biobauer, als den Begriff in Jugoslawien noch niemand kannte." Während die Nachbarn großflächige Agrarwirtschaft mit all seinen Vor- und Nachteilen betrieben, konzentrierte sich der innovative Biobauer auf eine kleine Versorgungsstruktur und auf natürliche Freilandhaltung. "Selbst den Hühnern musste ich das natürliche Brüten wieder beibringen", erzählt der Endvierziger. Erst das Ausbrechen des Jugoslawien-Krieges Anfang der Neunziger Jahre veranlasste Jovanović seinen persönlichen Traum vom Biobauernhof auf Eis zu legen.

Eine österreichisch-serbische Freundschaft

Ursprünglich auf dem Weg zurück in die schwäbische Heimat, "strandete" der gescheiterte Biobauer schließlich in Wien, das er nur als Zwischenstation betrachtete. Schwierigkeiten bei dem Erhalt eines Visas für Deutschland sollten ihn dazu veranlassen seine Zelte dauerhaft in Österreich aufzuschlagen. "Die Integration" in der Hauptstadt Wien fiel ihm aufgrund seines offenen und freundlichen Gemüts nicht sonderlich schwer. Die ausgezeichneten Deutschkenntnisse waren dabei auch sicherlich hilfreich, wie er offen zugibt. "Nur selten gab es Kommunikationsschwierigkeiten, dann aber eher weil bestimmte Dinge im bundesdeutschen einfach anders heißen", erzählt Jovanović. Nach ein paar Gelegenheitsjobs trat er Mitte der Neunzigerjahre eine Stelle im AKH an. Dort lernte er auch seinen heutigen Geschäftpartner Manfred Wuits kennen. "Er arbeitete damals als Zivildiener dort und wir kamen sofort ins Gespräch, weil er sich so wie ich sehr für die kreative Szene und die Architektur interessierte." Aus der Zufallsbekanntschaft sollte sich eine Freundschaft entwickeln, die bis heute Bestand hat und im gemeinsamen Führen eines Lokals ihren Höhepunkt gefunden hat. „Wir haben uns lange überlegt ein Lokal zu gründen, weil wir beide eine Beherbergung für das Ausführen unserer kreativen Ideen und Ausstellungen gesucht haben", erzählt der Mann der seine Haarfarbe jeden Sommer ändert und fügt hinzu, dass ihr Projekt nur in Kombination mit einem gastronomischen Betrieb funktionieren konnte: Nur von Kunstförderungen wollten sie nicht abhängig sein.

Nach monatelangem Suchen wurde man schließlich im fünften Wiener Gemeindebezirk fündig. Das ehemalige "Huber-Werkzeug"-Haus, das viele Jahre leer stand, beherbergt nun eines von Wiens kreativsten Lokalen. Aus dem Namen des Werkzeughändlers leitete sich auch der Name "WerkzeugH" ab. Bereut hat er seine Entscheidungen, seinen Lebensmittelpunkt öfters an neue Orte zu verschieben niemals, sagt der mittlerweile eingebürgerte Österreicher Jovanović. "Nur einmal bin ich bei einem Treffen des sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes im Hotel Intercity, aufgrund meines Aussehens hinausbefördert worden", erzählt der gebürtige Rom. Er ist einem Verantwortlichen negativ aufgefallen, seine Kleidung soll nicht dem Dresscode entsprochen haben." Trotz vorhandener Einladung und Eintreffen des Veranstalters ließ sich die Situation nicht auflösen. "Manchmal würde ich mir vielleicht ein wenig mehr Zivilcourage wünschen", erzählt er. "Dennoch ist Wien eine tolle und liebenswürdige Stadt, die ich nicht eintauschen würde. Das lasse ich mir auch durch diesen Einzelfall nicht wegnehmen."

 

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Posting 1 bis 25 von 29
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h.huber
12
28.9.2010, 21:51
Irreführung

In dem Artikel wird der Eindruck vermittelt im WerkzeugH bekommt man Bioqualität serviert.
Aber weit gefehlt!
Ich war vor einiger Zeit dort Frühstucken:
Die Eier zum Selber-Spiegeleierbraten stammten aus KÄFIGHALTUNG, was unschwer an der Kennziffer 3 auf der Eischale zu erkennen war!
Auch das Jogurth war eindeutig nicht Bio und wahrscheinlich alles andere auch nicht...

Das einzige was man dort als Bio durchgehen lassen könnte ist, dass seit Jahren kein Fensterputzmittel verwendet wurde...

Tschuri Cazzino
 
01
29.9.2010, 18:43
Würde mich interessieren, wo diese Käfighaltungseier bezogen werden.

In Österreich wohl nur unter dem Ladentisch einer Tierquälermafia, denn Käfighaltung ist in Österreich verboten.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

Schnabeltierfresser
11
30.9.2010, 00:50
Schon mal überlegt,

dass man Käfigeier aus dem Ausland beziehen könnte? Welthandel, EU, Sie wissen schon. Der Verkauf ist nämlich keinesfalls verboten. Ich weiß schon, dass es bei Billa keine gibt, aber schon mal bei Metro gewesen?

KnoedelTroedel
10
29.9.2010, 07:34

und?

Tschuri Cazzino
 
14
29.9.2010, 10:46
Dem ist nichts hinzufügen.

Ich bin aber dankbar für das Post, von Huber, da man nun weiß, dass hier unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Kunden angelockt werden.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

trollvottel
00
30.9.2010, 17:07

Wo siehst du hier irgendeine Vorspiegelung? Von Bio steht da nix.

Wenn ein "Tschuri Cazzo" Halluzinationen hat und nicht richtig lesen kann, kann doch der Wirt nix dafür.

Tschuri Cazzino
 
00
30.9.2010, 22:35
"Von Bio steht da nix. "

Aha, also nicht mal die Überschrift gelesen!

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

Exile
02
29.9.2010, 11:14
Es geht um den Typen und seine Geschichte und

nicht über das nicht vorhandene Bioessen (das nicht mal angesprochen wird). Wenn von dem Lokal gesprochen wird, dann in anderer Weise, als kreativer Treff. Wo lesen sie hinaus, dass dort bio gekocht wird?

Tschuri Cazzino
 
00
30.9.2010, 22:44
Es geht um einen Typen, der vorgibt Biobauer

zu sein und in seinem Lokal Eier aus Legebatterien verkauft.

Das ist klassische Doppelmoral. Aber dabei finden Sie wohl nichts, da selbst Vegana mit Jadgschein?

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

h.huber
11
29.9.2010, 11:52
werbung

der artikel dient wohl auch das lokal zu promoten, sehen sie meinen eintrag deshalb als ergänzung, da man wirklich einen falschen eindruck bekommen könnte.

ich finde das lokal eine absolute bereicherung für den platz und meine kritik wird hoffentlich konstruktiv aufgenommen.

wenn man zwischen 10 und 15 euro für brunch ohne kaffe verlangen möchte sollte man auch dementsprechende qualität bieten

joseba beloki
00
29.9.2010, 16:43

meines wissens liegen "überlebensfähige materialkosten" in der gastronomie bei maximal einem drittel des preises, darüber zu liegen bedeutet konkursgefahr.
mich würde das als gast auch nicht freuen, aber eine 10-15 € entsprechende qualität dürften sie erhalten haben.

canis major
04
28.9.2010, 02:15
menschen die sich gesund ernähren

erkennt man an ihrer haarfarbe.

Drago+
00
27.9.2010, 22:56
Da könnten aber viele Landwirte

in Serbien den Anspruch für sich nehmen, die ersten Biobauern gewesen zu sein;)

Da gefallen mir die mehr, sind aber auch Holländer und Deutsche...
http://www.novosti.rs/vesti/nas... ve-seljake

Biodynamische Nahrung, keine Ahnung was das sein soll..

R.Verner
25
27.9.2010, 19:17
Bin ich froh...

dass laut Standard Jugoslawien offensichtlich noch existiert...

armerschwarzerkater
00
29.9.2010, 16:45

erst lesen dann schreiben :P

Tschuri Cazzino
 
13
27.9.2010, 19:57
Nicht laut Standard, sondern einzig laut Ihrer Fehlinterpretation

eines Standardartikels. Lesen's den Artikel nochmal.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

Petar K
00
28.9.2010, 17:06

Meinen Sie Karl-Heinz Grasser oder Johann Farnleitner ? Die Subventionierung von BIO-Bauern ist eine großartige Idee, nur man fragt sich woher das Geld kommt.

1010001010001010010
04
27.9.2010, 19:39

wie immer gilt: wer lesen kann, ist klar im vorteil.

er war jugoslawiens erster biobauer. zu einer zeit als jugoslawien noch existiert hat.

Tschuri Cazzino
 
74
27.9.2010, 16:59
Mir reicht der Umstand, dass sich ein Biobauer

umweltschädliche Chemikalien in die Haare schmiert und ziemlich ungesund ernährt aussieht, um mir die Lektüre dieses Artikels zu ersparen.

Ich fröhne lieber weiter meiner umweltschonenderen und gesünderen Lebensweise mit Genfood.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

valtheWU
00
29.9.2010, 10:09
ein biobauer hat gefälligst einen erdäpfelsack anzuziehen!

Tschuri Cazzino
 
00
29.9.2010, 10:37
Da spricht zwar auch einiges dafür, weil er damit nur unwesentlich

schlechter gekleidet wäre als bisher, aber eigentlich geht es darum, dass die Leute, die bei einem Biobauern einkaufen zumeist erwarten, dass er auch in seinem persönlichen Lebensstil auf die Umwelt rücksicht nimmt.

Aber wie die über mehrere tausend Kilometer und unter enormen Energieaufwand herangekarrten "BIO"Bananen in den Supermärkten beweisen, gibt es eh genug Deppen, denen man mit dem Bioschmäh alles reindrücken kann.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

Veni Vidi Luris
00
1.10.2010, 02:23

Sie nörgeln sehr gern,dann dürften Feinkostangangestellte nur Wurst essen. Wie viele Bio-Bauer gibt es wohl die,die Umwelt in jedem Aspekt beachtet?

Tschuri Cazzino
 
00
1.10.2010, 08:39
Kein zivilisierter Mensch, ausser Ihnen, wenn man Sie überhaupt dazuzählt,

erwartet von einem Feinkostverkäufer, dass er nur Wurst ißt, andere Dinge hingegen sehr wohl: z.B. dass er sich oft die Hände wäscht, ein Gesundheitszeugnis hat etc.
Von einem Biobauer hingegen erwartet sich fast jeder, dass er von der Idee der biologischen Lebensmittelerzeugung so überzeugt ist, dass er selbst ausschließlich solche konsumiert und vertreibt.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

pick dame
00
27.9.2010, 23:16

wenn sie nur die bildunterschrift gelesen hätten wüssten sie (theoretisch), dass der biobauer die haare nicht gefärbt hat.

Tschuri Cazzino
 
31
27.9.2010, 23:30
Und wenn Sie wüssten wo links und rechts ist, wüssten Sie

aufgrund der Bildunterschrift, dass der Biobauer der mit den blauen Haaren ist.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

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