Ausländer-Flut, Ausländer-Angst, Ausländer-Überfremdung. Die Anbiederung an den FPÖ-Sprech ist höchst fahrlässig
"Die Wiener Wähler haben ihre Gemeinderatswahl nicht zu einer Abstimmung über die Stadt - sondern zu einem Protestvotum gegen Polit-Frust und gegen Ausländer-Überfremdung gemacht." Das ist kein Auszug aus Straches Siegesrede am Abend des Wahlsonntags und auch kein Satz aus der vom Triumph beflügelten FPÖ-Wahlanalyse nach dem "blauen Montag". Mit dem oben zitierten Satz leitete gestern einer der bekanntesten Journalisten des Landes seinen Kommentar zum Ausgang der Wiener Landtagswahl ein.
Dass der FPÖ-Sprech im Boulevard ungefiltert übernommen wird und hier oft auch seine semantisch und ideologische Heimat und Ursprung hat, überrascht niemanden mehr. Dass man aber noch "eins draufsetzt" und neben Ausländer-Flut oder Ausländer-Angst (ohne Anführungszeichen!) auch die aberwitzige Konstruktion Ausländer-Überfremdung unterbringt, ist auch in der boulevardesken Aufbereitung eines Meinungsartikels mehr als fahrlässig. Der Kommentar liest sich wie eine sprachliche Anbiederung - nicht nur an die verängstigte und von der vermeintlichen Flut gebeutelte Leserschaft. Es ist Katzbuckeln vor den Hetzern und eine Legitimation des verhetzenden (Wahlkampf)Vokabulars. Ein weiterer Beweis, dass man sich in einigen Redaktionen dieses Landes die Kritik der ECRI dringend zu Herzen nehmen sollte.