Anleitung, Erlerntes zu verlernen

Jasmin Al-Kattib, 15. Oktober 2010, 10:16
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    foto: apa/dpa rainer jensen

    Der Workshop kann als Anstoß dienen und die PolizistInnen dazu anregen, ihr eigenes Handeln zu reflektieren und selbstkritisch zu beobachten.

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    foto: barbara sahab

    Mag.a Barbara Sahab ist seit 1999 bei der Anti-Defamation League tätig. Nachdem sie anfangs für das Monitoring von rassistischen Vorfällen in Mittel- und Osteuropa zuständig war, übernahm sie später die Koordination des Programms "A World Of Difference" in Österreich. Seit 2006 arbeitet sie als A World of Difference®-Trainerin, u. a. bei Workshops für die Polizei.

Wie österreichische Polizisten und Polizistinnen in Sachen Anti-Diskriminierung und Abbau von Vorurteilen unterrichtet werden

"Vorurteile sind etwas, was nicht unbedingt ausgesprochen werden muss, sondern was man zuallererst einmal fühlt." Für Barbara Sahab, Anti-Diskriminierungs-Trainerin für Polizei-Seminare in Wien, und die Anti-Defamation League, für die sie arbeitet, ist es ein Commitment, Vorurteilen aller Art in der Gesellschaft entgegenzuwirken.

Anti-Diskriminierungs-Workshops

Seit 2001 läuft in Österreich das A World of Difference® Programm der weltweit agierenden Menschenrechtsorganisation Anti-Defamation League, das in Kooperation mit dem Innenministerium österreichische Polizisten und Polizistinnen dazu verpflichtet, an einem Anti-Diskriminierungs-Training teilzunehmen. Die praxisorientierten Workshops sollen zum Abbau von ethnischen, religiösen und sozialen Vorurteilen beitragen. Das Programm ist mittlerweile nicht nur integrativer Bestandteil der Grundausbildung für PolizeibeamtInnen, auch bereits lange im Amt befindliche PolizistInnen sollen und müssen nach und nach alle den Workshop besuchen.

Erfahrung des Einzelnen

"Am ersten Tag beschäftigen sich die TeilnehmerInnen sehr viel mit sich selbst. Da geht es sehr viel um die eigene Identität," erläutert Barbara Sahab den Einstieg in den dreitägigen Workshop, in dem die Trainerin eine zurückhaltende Moderatoren-Rolle übernimmt. "Die PolizeibeamtInnen sind dann ganz erstaunt, dass es um sie selbst und nicht um die anderen geht." Die Methodik, die persönliche Erfahrung des Einzelnen in den Mittelpunkt zu stellen, verfolgt das Ziel, durch das Bewusstmachen der eigenen Identität auch eine fremde Identität besser zu verstehen.

Vorurteile verlernen

Besonders bei einer Berufsgruppe wie der Polizei, die von außen mit vielen Klischees und Stereotypen besetzt ist, sei es nicht schwer, einen Umkehrschluss zu machen. "PolizistInnen spüren nämlich sehr oft am eigenen Leib, wie es ist, Vorurteilen ausgesetzt zu sein," weiß Sahab aus ihrer Trainertätigkeit mit der Exekutive. Einer der Grundsätze des Programms lautet, dass Vorurteile oft Bestandteil unbewusst erlernter Verhaltensmuster sind, die man sich bewusst machen und wieder "verlernen" kann. "Das ist spannend zu sehen, wie die Leute dann ein Gefühl dafür kriegen, was für Auswirkungen Vorurteile haben, wie sie die Kommunikation und die Beziehung miteinander stören, und was die Konsequenzen sind."

Kein Waschzettel

"Viele kommen zum Seminar und wollen Rezepte haben. Die gibt es natürlich nicht," stellt Barbara Sahab klar. "Es gibt kein Rezept dafür, wie ich einen türkischen Mitbürger beamtshandeln soll. Ich schlage nicht eine Seite auf und habe sofort einen Waschzettel, wie was zu machen ist." Denn der respektvolle Umgang mit Anderen muss aus einer persönlichen Haltung heraus passieren, wie man selbst durch die Welt geht, die man - wenn auch in einem schrittweisen und langfristigen Prozess - erlernen kann.

Ganz einfache Dynamiken

Zum Thema Mehrheiten/Minderheiten kann die Männer-Frauen-Aufteilung innerhalb des Workshops gut als Beispiel herhalten. Sind nur ein oder zwei Frauen in einer 20-köpfigen Gruppe, unterscheidet sich deren Meinung über diverse Frauenthemen innerhalb der Polizei oft gar nicht von der ihrer männlichen Kollegen, so die Trainerin. Ganz anders verhält es sich aber, wenn genauso viele Frauen wie Männer im Seminar sitzen, wie es bei Barbara Sahab erst kürzlich der Fall war: "Eine große Frauengruppe pocht viel eher auf die eigenen Rechte, widerspricht sehr viel eher und schließt sich auch viel eher zusammen, wenn es um die gleichen Bedürfnisse geht. Das sind ganz einfache Dynamiken, die in der Gesellschaft genauso funktionieren."

Perspektivenwechsel

Klarerweise kann ein dreitägiger Workshop keinen Menschen und seine Haltung und Sichtweisen komplett verändern. Er kann aber als Anstoß dienen und die PolizistInnen dazu anregen, ihr eigenes Handeln zu reflektieren und selbstkritisch zu beobachten. Nicht immer, aber meistens bekommen Trainerin Barbara Sahab und ihre KollegInnen sehr positives Feedback. "Viele TeilnehmerInnen sind nach den drei Tagen sehr motiviert und möchten mehr über diesen Perspektivenwechsel erfahren, möchten weiter an ihrer Empathie arbeiten und sind dankbar für unsere Angebote." Deshalb gibt es auch - leider nur einige wenige jährlich - Follow-Up Seminare, bei denen es immer mehr Anmeldungen als Plätze gibt. (Jasmin Al-Kattib, 15. Oktober 2010, daStandard.at)

 

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14 Postings
Sternchen100
30
28.1.2011, 12:39

Schön. Und wer bringt den Moslems bei, keine Vorurteile uns westlichen Ungläubigen gegenüber zu haben????

S.Dhalli
 
00
29.6.2011, 07:26
und was hat das bitte mit diesem artikel zu tun?

???????

Cet
01
1.12.2010, 10:42
Unglaublich, dieser Rassenhass in diesen Kommentaren!

Schämt euch. Und Schande über den (die?) Foren-ModeratorIn, welcheR nur rassistische Kommentare durchlässt.

noricum82
30
22.11.2010, 21:11

World of Difference - klingt vernünftig!

Wenn man die Menschen jedoch wild durcheinander mischt, bleibt am Ende nur noch eine amorphe, identitätslose, leicht regier- und korrumpierbare Masse.

trollvottel
00
25.2.2011, 15:59

Hältst du dich für eine amorphe Masse?

"Rassereinheit" ist eine haarsträubend ahistorische Wunschvorstellung, eine Wichsvorlage für Kriegstreiber und Massenmörder, aber abgesehen vielleicht von ein paar Bergdörfern mit jahrhundertelanger Inzesttradition ist JEDER Europäer ein buntes Gemisch.

noricum82
00
25.2.2011, 20:27

Mit "amorpher Masse" habe ich inhomogene, identitätslose Populationen/Gruppen gemeint.
Ein Individuum kann Vorfahren unterschiedlichster Herkunft haben, aber als Individuum selbstredend niemals eine Masse darstellen. Auch ich nicht ; )

Richtig ist das homogene Gruppen, bei falscher politischer Führung, leichter zu Kriegen aufwiegelbar sind. Gleichzeitig haben solche Gruppen tendenziell aber auch eine geringere Kriminalitätsrate und größere Solidarität.

Natürlch haben praktisch alle heutigen europäischen Völker Einflüsse von anderen, relativ nahe verwandten, europäischen Völkern. Von einem "bunten Gemisch" zu sprechen trifft aber nicht die Realität!

Lux Perpetua
13
18.10.2010, 10:29
Da kann die gute Dame Seminare abhalten, so lange sie will, ...

...nach dem ersten Schwarzafrikaner, der den Polizisten bei einer simplen Ausweiskontrolle an die Gurgel springt, sind alle 'Vorurteile' wieder dort, wo sie waren.

Heiner Bussy
11
15.10.2010, 15:41
Vorurteile dienen der Rationalisierung

Wer sie nicht hat, muss dasselbe täglich von neuem entdecken.

stopfgm
01
15.10.2010, 19:26

während stereotype durchaus auch sinnvoll sind, um sich zurecht zu finden und auf bereits bekanntes zurück zu greifen, ist der begriff des vorurteils definiert durch die negative komponente.

Eine Kreatur
21
15.10.2010, 13:59
wäre vielleicht nicht schlecht, diese seminare ..

auf die beamtInnen in den behörden - speziell den bereichen asyl, zuwanderung usw. auszuweiten .. denn diese schreibtischtäterInnen sitzen ungestört, unhinterfragt und unkritisiert hinter ihren tischen in büros und leben in ihrer eigenen welt ..

ordy
00
19.5.2011, 16:02

Die Unwilligkeit Abschiebungen durchzuführen ist ein Problem.

Sun Zi
67
15.10.2010, 12:12
Wir machen die Welt zu einem Ponyhof!

Eine Kreatur
24
15.10.2010, 14:00
wie lange mussten sie überlgen ..

um den dümmst-möglichen kommentar zu einem elementaren thema abzugeben?

kruno breisky
02
15.10.2010, 13:53

DON ´T FEED THE TROLL!!!!!!!!!

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