Buchtipp

Muslim Girls

Meri Disoski , 22. Oktober 2010, 16:48
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    foto: eichborn

    Sineb El Masrar: Muslim Girls. Wer wir sind, wie wir leben. Frankfurt am Main: Eichborn 2010.

Kritische Auseinandersetzung mit den gängigen Klischees über Muslime

„Da sind wir also! Diese Horde dahergelaufener Terrorismus-Sympathisantinnen. Die sich mit ihren muslimischen Männern wie die Karnickel vermehren, ein Kopftuchmädchen nach dem anderen produzieren ..."

Mit dieser Passage, die über Muslime herrschende Klischeevorstellungen gewaltig auf's Korn nimmt, beginnt Sineb El Masrars „Muslim Girls". Das in flottem Ton verfasste und von Ironie und Witz gespickte Buch möchte gegen gängige Vorurteile, die das Bild junger Frauen aus muslimischen Kulturkreisen maßgeblich prägen, anschreiben. Ein wichtiges und ambitioniertes Anliegen - nicht nur, weil Thilo Sarrazins Aufregerbuch „Deutschland schafft sich ab" nach wie vor durch die Medien geistert.

Klischeebehaftetes Halbwissen 

In „Muslim Girls" beklagt El Masrar den Umstand, dass klischeebehaftetes Halbwissen über Muslime in Deutschland (aber nicht nur dort) allgegenwärtig sei. Auch werde ein völlig verzerrtes Bild von muslimischen Frauen entworfen, indem diese als immerwährend von Gewalt und Unterdrückung betroffen imaginiert würden. „Humor und Freude, innerer und äußerer Reichtum, Kreativität und starker Wille - das sind Vokabeln, die mit muslimischen Frauen kaum bis gar nicht in Verbindung gebracht werden", so die Autorin. Einen wichtigen Grund für diese stark stereotypisierte Wahrnehmung muslimischer Frauen bringt El Masrar kurz und prägnant auf den Punkt: „In der Regel wird nicht mit uns geredet, sondern gerne über uns."

„Ein Stück Stoff"

Da in der öffentlichen Auseinandersetzung über muslimische Frauen das Kopftuchthema die Debatte dominiert, vermag es nicht zu verwundern, dass sich auch El Masrar diesem Thema widmet. El Masrar erklärt die Unterschiede zwischen Niqab, Burka, Hidschab und Tschador und legt ihre Befürchtung, dass Burka-Verbotsgesetze zur Stigmatisierung der Muslime beitragen werden, dar. Sie räumt ein, dass man durchaus geteilter Meinung über „alle diese Kleidungsstücke" sein könne. Letztlich seien sie jedoch „ein Tei der Lebensrealität von Muslimas, die sich darin durchaus wohlfühlen" und folgert: „Uns Muslim Girls ist das Stück Stoff offenbar sehr viel weniger wichtig, als der Rest der Welt denkt."

Systematische Ausgrenzung

Deutlich wichtiger als das Kopftuchthema sind der Autorin die schlechteren Chancen von SchülerInnen mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem. El Masrar führt aus, dass vor allem in den ersten Jahren des Zugangs so genannter GastarbeiterInnen nach Deutschland LehrerInnen mit deren Kindern überfordert gewesen seien, „weil die Kulturministerien keine Konzepte für diese neue Schulsituation" entwickelt hatten. Jahrzehntelang seien die Kinder der GastarbeiterInnen vom deutschen Schulsystem „systematisch ausgegrenzt" worden, beispielsweise indem man ihnen nach Absolvierung der Volksschule trotz guter Noten eine Empfehlung für die Hauptschule, nicht aber für das Gymnasium ausgesprochen habe.

Bunte Medienwelt?

Systematische Ausgrenzung von MigrantInnen ortet El Masrar jedoch nicht nur im Bildungswesen. Auch der deutsche Medienmarkt, die „angeblich so bunte Medienwelt" habe MigrantInnen lange Zeit ignoriert. Die Autorin folgert: „Aber im Spiegel der Medien - in den Printmedien, im Radio und im Fernsehen - wurden wir genauso wenig als Teil dieser Gesellschaft angesehen wie im wahren Leben oftmals auch." Die mangelnde Präsenz von MigrantInnen in den Medien sowie die unausgewogene Berichterstattung über MigrantInnen in so genannten Mehrheitsmedien haben Sineb El Masrar dazu motiviert, ihr eigenes Magazin auf den Markt zu bringen. Seit 2006 erscheint die „Gazelle", die von einem multikulturell besetzten Redaktionsteam produziert wird; ein „deutsches Frauenmagazin für deutsche Frauen - die eben heutzutage oft auch ausländische Wurzeln haben!"

Lesenswert

Mit „Muslim Girls" liefert Sineb El Masrar ein flott geschriebenes, gut recherchiertes und informatives Buch. Kritisch setzt sich die Autorin mit gängigen Klischees über Muslime auseinander, sucht diese unter Bezugnahme auf wissenschaftliche Studien zu widerlegen und setzt ihnen zudem ihre eigenen Erfahrungen als Muslima entgegen. Auch wenn der Titel etwas irreführend sein mag, weil es in „Muslim Girls" nicht vorrangig „nur" um Frauen geht und auch wenn man in einzelnen Punkten (Kopftuch) die Meinung der Autorin nicht teilen kann: Lesenswert. (Meri Disoski, 22. Oktober 2010, daStandard.at)

Zur Person: 

Sineb El Masrar wurde 1981 als Tochter marokkanischer Einwanderer in Hannover geboren und wuchs in der niedersächsischen Provinz auf. 2006 gründete sie das multikulturelle Frauenmagazin „Gazelle". Sie saß 2006 in der Arbeitsgruppe „Medien und Integration" der Integrationskonferenz im deutschen Kanzleramt und ist heute Teilnehmerin der Deutschen Islam Konferenz. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 51
1 2
Iran
01
mir hat das buch leider gar nicht gefallen...

ich hatte mir das buch gekauft, und dann nach den ersten paar seiten + querlesen brachte ich es meinem buchhändler zurück und bat darum, es austauschen zu dürfen.
es hat mir überhaupt nicht gefallen, schade. der titel ist super, das thema total spannend und wichtig, aber wenn dann jeder satz nur beschreibt, wie dies und jenes klischee aussieht, und im prinzip dann aber selbst klischees produziert, dann wird es fad. denn (für mich) zeigte es nicht die realität verschiedener "muslim girls" sondern ist ein appell zum politisch korrekten denken und sprechen. und ich find das ist weder sonderlich spannend noch hilfreich (hilfreich für ein antirassistsiches engagement, meine ich, oder auch feministisches handeln, etc.).

meinrad
21
7.11.2010, 09:25
mir ist die religion eine frau wurscht.

solang sie hübsch ist, passts.

emanze c
04
3.11.2010, 10:22

„ein Teil der Lebensrealität von Muslimas, die sich darin durchaus wohlfühlen"

Nicht ganz unproblematisch als so hingeknallte Aussage. v.a. weil ein großer Teil der Mädchen, wenn sie auf Wunsch von (meist männlichen) Verwandten in der ohnehin schwierigen Zeit des Frau-werdens nicht begeistert ist, wenn ihnen plötzlich noch mehr Anders-sein durch Kleidung aufgedrückt wird. Die Geschichte von Frau Gül, die sich "weinend im Zimmer eingesperrt hat", ist eine, die in vielen ("geboren" muslimischen) Frauenbiographien so und ähnlich vorkommt. Wie Frau Gül sehen viele davon ein, dass das Kopftuch gut für sie ist und verteidigen es später als "freiwillig".

an der Wahrheit bin ich natürlich sehr interessiert
11
19.11.2010, 12:26

ich hab mich auch als teenie oft weinend im zimmer eingesperrt, weil ich nicht bis vier uhr früh in die disco gehen durfte oder ähnliches. im nachhinein kann ich aber schon verstehen, warum meine eltern mir das verboten haben und es sogar gut finden. in welcher biografie gibt es solche reibungen nicht?

ich will ja echt nicht gewalt an frauen verunglimpfen, aber nur weil wir es nicht verstehen ist es nicht automatisch gewalt.

Oida Na Ned Scho Wieda
20
7.11.2010, 08:50
wie sieht das denn mit Schminke

Minirock und Stöckelschuhen aus hm ?

Und da wird gejammert, daß die Füße weh tun oh mein Gott aber man muss ja...

Sowas Böses aber auch...

salzamt1
02
16.11.2010, 21:21
so ein Blödsinn- niemand "muss".

Kaum eine wird Mini und High Heels aus religiösen oder Identitätsgründen tragen. Beide Kleidungsstücke haben allerdings mit Hidjabs, Türban etc gemeinsam, dass sie Frauen sexualisieren.

an der Wahrheit bin ich natürlich sehr interessiert
11
19.11.2010, 13:18

schon mal als Frau mit kurzen Hosen und unrasierten Beinen in der Öffentlichkeit gewesen? Also ich versuche tunlichst mir die angewiederten Blicke (vor allem von Frauen) zu ersparen. In jeder Kultur gibt es Zwänge, die eigenen werden nur nicht so oft hinterfragt.

an der Wahrheit bin ich natürlich sehr interessiert
31
29.10.2010, 14:09

wow, hat einer von euch hier im Forum schon mal mit einer Muslima geredet?

Eure Vorurteile sind euch anscheinend unheimlich wichtig. Na ja, auch eine Form von Kultur. Leider.

salzamt1
00
16.11.2010, 21:05
Ja, hab ich

ich bin sogar mit einer befreundet. Sie ist tiefreligiös, aber ein Kopftuch trägt sie nur beim Beten.

an der Wahrheit bin ich natürlich sehr interessiert
20
19.11.2010, 12:19

und bist du auch der Meinung, dass der Islam die schlimmste Religion überhaupt ist und ALLE Frauen ganz sicher zu allem gezwungen werden? das scheint ja hier der Tenor zu sein.

paul poll
01
6.11.2010, 14:28

....wow, hat einer von euch hier im Forum schon mal mit einer Muslima geredet?....

Darf Mann als Ungläubiger das überhaupt?

witchdoctor
013
24.10.2010, 19:01
Alice Schwarzer lesen!

Besser wäre eine Empfehlung des Buches von Alice Schwarzer "Die grosse Verschleierung".

Dort kommen nicht nur MigrantInnen zur Sprache, sondern auch Muslima aus den Taliban-Hochburgen.
Deren Realität schaut noch viel trauriger aus und wird totgeschwiegen.

Als nächstes kommt dann eine Initiative: Muslim girls für die Scharia!

Nick Tameer
10
29.1.2011, 08:02
Der gute Tipp für den Ideologie-Haushalt

Der Schmuck jedes Ideologie-Haushalts sind schöne Vorurteile. Will man an ihnen ein Leben lang Freude haben, ist sachgemäße Behandlung wichtig. Selbstbewusstes Vor-sich-Hertragen und Ablehnung von Abdisputiererei sollten selbstverständlich sein -gib Differenzierung keine Chance! Sogenannte abweichende Erfahrungen sind eine tückische Quelle von Erschütterungsgefahr. Am besten meidet man sie durch großräumiges Umgehen. Bei unerwartetem Auftreten ist konsequentes Ignorieren erforderlich. Bei regelmäßigem Ansetzen von geistigen "Schotten dicht!"-Übungen sollte es im Ernstfall zuverlässig klappen.

Wie leicht können sonst unersetzliche Weltbilder und ganze Teile unseres Kulturerbes zerstört werden!

Uns braucht man nix zu erzählen!

maxbz
06
24.10.2010, 19:40

Eine kritische Auseinandersetzung wird es wohl unter daStandard kaum geben. Eher Schönfärberei, aber dafür wissen dann alle den Unterschied zwischen Niqab, Burka, Tschador usw..

Was kommt als nächstes:
"Muslimdoctors"
Untertitel: Fachgerechte Amputationen nach Scharia-Art.

(http://derstandard.at/128709987... amputiert)

Bonafide1
29
24.10.2010, 08:55
Die Autorin irrt

"Sie räumt ein, dass man durchaus geteilter Meinung über „alle diese Kleidungsstücke" sein könne."

Nein, kann man nicht, da unter der Scharia (und das WEISS sie mit 100%iger Sicherheit), sind ALLE Frauen gezwungen, eine Kapuze zu tragen. Dies wird sogar ,it einer Religionpolizei kontrolliert. Ergo, Frau Disoski lügt.

"Letztlich seien sie jedoch „ein Tei der Lebensrealität von Muslimas, die sich darin durchaus wohlfühlen""

Die Fanatikerinnen, die solche wahhabitische/salafi Fetzen verteidigen reden sich immer mit der "Freiheit der Wahl"-, geschweige denn "Identität"-Ausrede. Unter der Scharia existiert weder die Freiheit noch eine Identität (man verkommt zur Sexobjekt, das die Männer antörnt). Ergo, Frau Disoski lügt.

einerlei
00
5.11.2010, 16:55
;)

Lernen Sie lesen! Anführungszeichen markieren Zitate aus dem besprochenen Buch. Wie kann die Autorin dieser Rezension also lügen, indem sie Zitate aus dem Buch anführt? ;)

emanze c
01
3.11.2010, 10:26

Nicht "die Scharia" verlangt das Tragen des Hijab. Sie kann relevant werden, wenn der Mann das Tragen verlangt, die Frau sich widersetzt und dann im Familienrecht als "ungehorsame" Frau Nachteile hat. Aber "die Scharia" selbst, abgesehen davon, dass sie kein abgeschlossenes und endgültiges Gesetzeswerk ist (wobei es natürlich viele unwiderlegbare Konstanten aus Koran und Sunna gibt zum Ehe-, Erb-, Strafrecht), verlangt nicht das Tragen des Schleiers. Er ist Glaubenspflicht für Frauen, wie beten, den Eltern Respekt entgegen bringen, keine Vergehen/Sünden begehen etc etc. Aber wie diese Dinge ist er grundsätzlich eine Wahl, für die frau "Punkte" fürs Jenseits sammeln kann.

Dass "Islamische Republiken" diese Gesetze haben ist wahr.

salzamt1
01
16.11.2010, 21:09
zeig mir die Sure, wo der Schleier verlangt wird!

selbst die Hadith, auf die sich die Verteidiger/innen des Schleiers berufen, ist nicht gesichert. Darin heißt es allerdings, von einer anständiegn frau dürfe man nur das Gesicht und die Hände sehen. Daher sind Burka und Niqab unislamisch!

an der Wahrheit bin ich natürlich sehr interessiert
50
29.10.2010, 14:17

Man kann also nicht geteilter Meinung über dieses Thema sein?
Haben Sie schon einen Antrag wegen Missachtung ihrer Meinung bei der Welt eingebracht?

Ergo, ich bewundere Ihr Selbstvertrauen und bemitleide Sie weil Sie's anscheinend wirklich nicht besser wissen.

prusiner
116
23.10.2010, 17:01
höchste Zeit

dass endlich die feinen Unterschiede zwischen Niqab, Burka, Tschador usw. erklärt werden, das ist wirklich eine eminente Bildungslücke;

.. es ist schon erstaunlich, wie man sich Dinge schönreden kann ..

das ist fix
05
23.10.2010, 20:37

einer der die dinge nicht schönredet:

http://www.youtube.com/watch?v=R... embedded#!

nachtschatten
21
31.10.2010, 20:25
lol, ich bitte sie

sie zitieren hier einen verrückten rechtsradikalen, der glaubt mit der weiterführung von huntington's clash of civilizations seiner rassistischen ideologie ein akademischer mantel umhängen zu können.

haben sie das video überhaupt verstanden? ist ihnen auch aufgefallen, dass er dort erwähnt, dass "wir" bereits in der vergangenheit uns gewalttätig gegen fremde elemente gewehrt haben und er dies deshalb auch für die zukunft prophezeit?

eine,r der die dinge nicht schönredet: "die" sollen ihre koffer nehmen und nach hause fahren. ist das auch ihre idee von dinge nicht schönreden?

und sowas bekommt grüne striche? 21. jahrhundert - oder fängt das 20. gerade noch einmal von vorne an?

xxxx1xx1xx11x1x
 
322
22.10.2010, 21:29
Ist es auch Klischee, dass eine Muslima keinen Nicht-Muslim heiraten darf?

Es stimmt doch, dass eine Muslima einen Andersgläubigen niemals heiraten bzw. mit ihm verkehren darf, oder?

emanze c
10
3.11.2010, 10:26

Ja.

an der Wahrheit bin ich natürlich sehr interessiert
31
29.10.2010, 14:06

ist das nicht auch bei Juden und Hindus so?
Ist es nicht so, dass Christen keinen Sex vor der Ehe haben dürfen?

Ist doch so, ha ha, eine Tatsache.

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