Wer sind Tezcans Türken?

Güler Alkan, 12. November 2010, 19:17

Der Diplomat und seine Botschaften polarisieren nicht nur die Österreicher sondern auch die türkischen Einwanderer

Neben der berechtigten Kritik am sicherheitsdominierten Integrationskonzept Österreichs und der Pauschalisierung der türkischen Einwanderer als integrationsunwillig, sind es vor allem Tezcans einseitige Schuldzuweisungen, die eine starke Polarisierung verursachen.

Tezcan agiert wie die von ihm kritisierten österreichischen Rechtspopulisten, er spricht von "seinen Leuten", und vereinnahmt damit alle türkischstämmigen Bewohner Österreichs. Er spricht von "unserer islamischen Philosophie" und markiert dabei einen Gegensatz zum Christentum, das seiner Meinung nach merkantilistisch ausgeprägt sei und attestiert seinen Landsmännern und Religionsbrüdern damit gleichzeitig die Unfähigkeit kaufmännisch handeln zu können. Auch nicht grade ein Kompliment.

Kermes, Feste fürs Volk?

Wer sind denn nun "seine Türken"? Die, die Traditionen bewahren, die, die ein Kopftuch tragen, die, die bei dem Wort Folklore nicht gleich die Flucht ergreifen? Im viel zitierten Presse-Interview erwähnt der Botschafter einladende Kermes-Feste, die von Türken an öffentlichen Orten veranstaltet werden und an denen keine Österreicher teilnehmen wollen.

Solche Kermes-Festivitäten werden in der Regel aber von Moscheen oder religiösen bzw. kulturellen Vereinen organisiert. Mal abgesehen von den türkischstämmigen Migranten, die kein Kermes-Fest besuchen, weil ihnen die üblichen Folklore-Auftritte peinlich sind oder der türkische Teil ihrer Identität keine überdimensionalen Fahnen und übersteigerte Religiosität zum Überleben braucht. Warum sollte sich ein Einheimischer, der schon die eigene Volksmusik nicht unbedingt mag und auch nicht auf jeden Kirtag geht, so etwas antun?

Kermes-Frau

Außer Folklore-Darbietungen gibt es auf einem Kermes-Fest üblicherweise auch Spitzendeckchen oder Tischdecken, selbst handgearbeitet von den Frauen, zu kaufen. Wenn es sich um eine religiöse Gemeinde handelt, gibt es auch Koran-Ausgaben und Kopftücher im Angebot. So bleibt die Frau in ihrem traditionellen Rollenbild, zuständig für das häusliche Einrichten, Putzen und Kochen. "Hausfrau zu sein ist auch ein Job", lautet die persönliche Meinung des türkischen Botschafters. Ein unbezahlter Job, nebenbei bemerkt. Damit teilt Tezcan mit der FPÖ ein Frauenbild, das sich vorrangig rund um Heim, Herd und Kindererziehung dreht.

Kultur und Integration

Tezcan und Strache argumentieren auf dieselbe Weise, um eine sich ähnelnde Klientel zu erreichen: Hauptsächlich national-konservativ. Sind diejenigen, die nicht auf ein Kermes-Fest gehen, keine vertretungswürdigen Türken? Was ist mit denen, die weniger religiös und/oder weniger patriotisch sind, die nicht in eine Moschee gehen, also keiner Moscheegemeinde angehören, wie beispielsweise die Aleviten oder die christlichen Aramäer aus der Türkei, oder denen, die der kurdischen Minderheit angehören?

Solange man erfolgreiche Integrationspolitik mit der Förderung von Kulturvereinen und kulturellen Veranstaltungen, die oft ins Religiöse oder Traditional-Nationale driften, verwechselt, solange werden die Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen in Österreich weiter aufrecht erhalten und gepflegt. Auch das ist ein integrationspolitisches Problem, das Pochen auf kulturelle Eigenheiten.

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zombie69
 
00
29.4.2011, 10:22
Bedauerlich das nur

ein paar wenige kriminelle Migranten und Verweigerer das Zusammenleben in A derart stören können. Es wäre an der Zeit diese des Landes zu verweisen da die anderen sehr wohl zusammen leben können ohne ständig behindert zu werden von Kriminellen und Verweigerern.

Hossam Hassan
01
10.12.2010, 13:49
Toller Kommentar

Die halbwegs vernünftigen Menschen sollten den Weg zwischen Strache und Teczan wählen.

Lopovluk
01
1.12.2010, 13:35
Vielen Dank an Güler Alkan

Ein im wahrsten Sinne hervorragender Kommentar in einer Zeit voller Überfluss an Sinnlosigkeiten. Sowohl Österreicher als auch Türken können sich von Ihnen etwas abschauen. Vielen Dank!

graziano dorizzi
 
00
17.11.2010, 15:08

Servus nach Oesterreich,

In der Schweiz haben wir auch das leidige Problem, denn, wenn man die Kleinkinder ab dem 4ten Altersjahr
ins Kindergarten schicken würden und gleichzeitig die
Mutter die Schriftsprache erlernen müsste, wäre die Integration sprachlich gar nicht so schlecht. Aber wir
reden immer von Integration, wer von den Ausländern
gehts abends zum Sprachunterricht. Integration wird erst ab der 2ten Generation vollbracht sein. Uebrigens, wie wäre wenn diese zu integrierenden Leute das ORF oder CF-Fernsehen schauen würden, damit wüssten sie was im Lande politisch und
kulturell passiert. Nein, man hat eine "Empfangsbüchse" auf dem Balkon. Damit werden sie
auch noch vom eigenen Herkunftsland beeinflusst.

JoEhrlich
20
17.11.2010, 13:14
die asylpolitik

ist meines erachtens schuld an dieser misere. man läßt personen die keine asylanten sind sondern bestenfalls wirtschaftsflüchtlinge ohne irgend einer bildung (analphabeten) einreisen. die feststellung ja/oder nein braucht ungerechtfertig zu lange und aufgrund des drucks von winkeladvokaten und sogenannten gutmenschen wird das aufenthaltsrecht ausgesprochen. wie kann man eine mitteleuropäische erziehung der kinder von türkischen analphabeten erwarten. damit nimmt das unglück seinen lauf, in allen fasetten (menschenrechte, ehrenmorde, zwangsverheiratung u.v.m). dann kommt der bootschafter und gießt noch brandbeschleuniger ins feuer.

a) botschafter indiskutabel - retour
b) wirtschaftsflüchtlinge - retour
c) migrationsverweigerer - retour

black jack
00
21.11.2010, 19:10
???

Türkisch-stämmige Einwanderer sind in der Regel keine Asylanten!

Die kamen bzw kommen ganz legal aufgrund von Arbeitsbewilligungen. Viele kommen auch unter dem Titel der Familienzusammenführung. In der Regel kommen unter diesem Titel auch viele "zwangs"verheiratete. Zwang deswegen in Anführungszeichen, weil Familien aus der Ursprungsregion noch Kontakt zu emigrierten Familien haben und versuchen ihren Töchtern und Söhnen auf diesem Weg ein besseres Leben in Europa zu ermöglichen. Photos werden verschickt und auf Türkeibesuchen des Brautwerbers bzw der Bräutigamwerberin aus Europa wird die eine bzw der eine unter ein paar Kandidaten ausgesiebt.

So wächst die türkische Gemeinde und sie wächst legal.

Alina Zak
00
28.6.2011, 22:16
es gibt aber auch viele türk. Asylwerber

ca 300 pro Jahr

Galina Ulanowa
00
14.11.2010, 21:27
Am meisten nerven mich

die gegenseitigen Schuldzuweisungen:

"Ihr tut euch nicht integrieren"
"Aber Ihr wollt uns ja gar nicht da haben"

Es gibt ganz reale Probleme, eines davon ist, dass Menschen weder gescheit Türkisch noch Deutsch sprechen, ein anderes das 75% der Kids aus türkischen Familien nur einen Hauptschul Abschluss machen.

Was tun wir dagegen? Zweisprachige Schulen? Ganztages Schulen? Gratis Nachhilfe Unterricht und Deutschkurse? Weniger Segregation/Auftrennung beim Wohnen, Lernen und Arbeiten?

nemo sander
00
14.11.2010, 18:33
wieder einer, der die überwundenen inntertürkischen

differenzen nach österreich reimportiert. was in deutschland schon vor jahren begonnen hat: sozial aufgestiegene minderheiten aus der türkei, die als neue bürger deutschlands als kronzeugen wider die türkei und türken wettern.
in letzter zeit findet man sie sogar beim schimpfen über "neue ausländer".

Lila Panther
02
14.11.2010, 14:23
Es ist sehr zu begrüßen, dass sich auch eine Stimme der integrierten und vielleicht sogar säkularisierten Migranten mit türkischem Hinteregrund zu Wort meldet.

Man sollte es vermeiden, von den "Türken" zu sprechen, denn sie sind natürlich keine homogene Gruppe. Der Botschafter spricht für eine bestimmte Klientel hier, nämlich die nicht integrierten und fortschrittsresisten Migranten, die es sich hier in einer Nische sehr bequem gemacht haben. Dabei von hier nicht akzeptierten, nicht integrierten Türken zu sprechen, ist eine Verallgemeinerung, die sich die hier z.T. mit, aber auch ohne österr. Staatsbürgerschaft zu europ. Werten Bekennenden und gerne hier Lebenden nicht gefallen lassen können. So gut wie in jedem Betrieb, in jeder ges. Schicht gibt es diese. Eine offene Disk. über jene, die gerne und willentlich in der real existierenden Parallelgesellschaft leben, ist ohne Scheuklappen notwendig.

forever52
11
14.11.2010, 13:15
Danke Güler Alkan für dir Aufklärung !!!

gonzalo guerrero
13
14.11.2010, 12:53
ich bin erfreut!

ein wirklich angenehmer artikel, in dem auf klare weise nachgedacht wird. das ist das niveau, das ich mir für die integrationsdebatte in allen ihren aspekten wünschen würde. dank an güler alkan.

oidagrantscherbn
11
14.11.2010, 11:19
Bravo!

Auf den Punkt getroffen!

omar chamra
19
14.11.2010, 11:12
Man stelle sich die Empörung vor, würde der israelische Botschafter in Wien

von meinen Juden sprechen. Doch wenn das der türkische macht, dann katzbuckelt man und lobt dessen Mut und Intelligenz.
Erinnern wir uns, eine der immer wieder wiederholten Behauptungen über Israel, es spreche für alle Juden.
Doch das tut Israel nicht. Wohl aber spricht der türkische Botschafter für alle Türken, auch die über 100.000 die längst integriert sind und einen österr. Pass haben.
Wie immer man zu Frau Fekter steht, sie hat es auf den Punkt gebracht, als sie in einem Interview sagte, die Würde der Frau steht über die Ehre des Mannes. Im übrigen würden sich die in der Türkei befindlichen Ausländer - sie erhalten besondere Autokennzeichen - freuen, würde man sie so behandeln, wie Österreich Türken behandelt.
.

M K
 
00
16.11.2010, 15:47
Nicht "man"!

"Man" hat nicht gekatzbuckelt!

Das haben benennbare Personen und Personengruppen getan.
Eine davon, die allerschlimmste in meinen Augen, das sind die selbsternannten Intellektuellen, Nischen- und Elfenbeinturmbewohner!

Ich nenne hier als Einzelperson den kaum mehr erträglichen Misik!

nemo sander
00
14.11.2010, 18:37
die rechte fekter hat das über den botschafter gesagt

was notwendig war, um ihn zu als "typischen türken" zu denunzieren, wie das mit der "Ehre des Mannes".
Da trifft sie bei Dir und Gesinnungsgenossen natürlich auf ein offenes Gehör.

M K
 
00
16.11.2010, 15:49
Denunzieren?

Ich habe bei Fekters Antwort nichts vom "Denunzieren" gemerkt.

Denunziert hat mich der türkische Botschafter!

Frau Fekter hat ihm nur eine gebührende Antwort auf seine anmaßende, falsche und äußerst unhöfliche Verallgemeinerung gegeben.

erinnye
 
00
14.11.2010, 14:22
stimme Ihnen absolut zu

aceFruchtsaft
12
14.11.2010, 12:51

Er hätte höchstens von "meinen Israelis" sprechen können, denn nicht jeder Israeli ist Jude und umgekehrt. Tezcan sprach ja auch nicht von "seinen Muslimen".

So viel Differenzierungsvermögen sollte man schon haben.

Nennt mich Loretta
 
00
14.11.2010, 12:13
Einen österreichsichen Pass zu besitzen, bedeutet nicht, dass die betreffende Person integriert ist.

anders and
 
00
14.11.2010, 15:21

gilt natürlich auch umgekehrt....

Nennt mich Loretta
 
00
14.11.2010, 15:31
Und da sehen wir schon vor welchem Problem wir stehen.

NIEMAND scheint halbwegs seriös ermitteln zu wollen, von welchen Größenverhältnissen wir sprechen. So kann jeder nur nach seinem eigenen Bauchgefühl urteilen.

Ich bezweifle außerdem, dass der Botschafter für alle integrierten Türken spricht, wenn er z.B. meint, dass diese damit zufrieden sind, was Gott ihnen gegeben hat.

Das gilt wohl für KEINEN Migranten. SONST WÄR ER NICHT AUSGEWANDERT!

morgen war gestern
11
14.11.2010, 11:44

in erster linie hat tezcan ungewollt aufgezeigt, dass österreicher und türken sich im grunde sehr ähnlich sind - beides sind absolute hardcore-nationalisten.

palmström
04
14.11.2010, 01:31
monsieur le botschafter ad bullytum türk. jugendlicher

"Wenn etwas nicht zu Ihrer Kultur gehört, haben Sie dann das Recht zu sagen, Sie wollen diese Menschen nicht? Das ist eine andere Kultur, ein anderes Parfum, eine andere Folklore. Ihr müsst damit leben."

müssen wir?

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