LehrerInnenbildung neu

Niveau- und Qualitätsverlust?

Meri Disoski, 22. November 2010, 20:03
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    foto: apa/harald schneider

    Geht es nach der ExpertInnengruppe, sollen Lehramtsstudierende künftig bereits nach erfolgreichem Abschluss des Bachelors in den Lehrberuf einsteigen können.

Reform der LehrerInnenbildung: Die vorliegenden Vorschläge werden stark kritisiert

Anfang 2009 setzten Unterrichtsministerin Claudia Schmied und der damalige Wissenschaftsminister Johannes Hahn eine ExpertInnengruppe, die zentrale Eckpunkte für eine moderne Ausbildung für Lehrerinnen und Lehrer erarbeiten sollte, ein. Im Dezember desselben Jahres präsentierte diese Gruppe ihre Vorschläge für das Projekt "LehrerInnenbildung Neu. Die Zukunft der pädagogischen Berufe", seit März 2010 liegt der 92seitiger Endbericht vor. Unter BildungsexpertInnen und jenen Institutionen, die LehrerInnen ausbilden, sorgt er für rege Diskussion - und viel Kritik.

Nachhaltige Verbesserung?

Außer Frage steht, dass eine Reform der LehrerInnenbildung nicht nur erwünscht, sondern dringend nötig ist und die Ausbildung der nächsten LehrerInnengeneration auf ein hochwertigeres Niveau gehoben werden muss. Ob die von der ministeriell eingesetzten ExpertInnengruppe ausgearbeiteten Empfehlungen eine nachhaltige Verbesserung in der Ausbildung zukünftiger LehrerInnen - und somit auch eine Qualitätssteigerung im Unterricht - bewirken werden, wird jedoch von vielen Seiten angezweifelt.

Niveau- und Qualitätsverlust?

Geht es nach der ExpertInnengruppe, sollen Lehramtsstudierende künftig bereits nach erfolgreichem Abschluss des Bachelors in den Lehrberuf einsteigen können. In welchen Bereichen diese „AssistenzlehrerInnen" mit dem akademisch niedrigsten Abschluss eingesetzt werden sollen, wird im Endbericht jedoch nicht weiter konkretisiert. Im Vorhaben, die Berufsfähigkeit für LehrerInnen der Sekundarstufe (die Sekundarstufe beginnt nach Abschluss der Volksschule) bereits mit dem Bachelor-Abschluss zu erteilen, orten das Fachdidaktische Zentrum Deutsch und das Institut für Germanistik der Universität Wien "einen eklatanten Rückschritt gegenüber der derzeitigen LehrerInnenbildung", wie es in einer gemeinsamen Stellungnahme heißt. Sie befürchten einen „Niveauverlust in der LehrerInnenausbildung", der auch einen "Qualitätsverlust im Unterricht" zur Folge hätte. "Anstatt das Niveau der bestehenden LehrerInnenbildung durch verkürzte Studiengänge und rasche Studienabschlüsse zu senken, halten wir einen Master-Abschluss für alle LehrerInnen der Sekundarstufe für unbedingt notwendig", betont Stefan Krammer, der das "Fachdidaktische Zentrums Deutsch" leitet.

Kurzstudien wegen LehrerInnenmangel?

In dieselbe Kerbe schlägt die Kritik der uniko, der österreichischen Universitätenkonferenz (wie sich die österreichische Rektorenkonferenz seit 2008 nennt), die sich ebenfalls gegen die Verkürzung von Lehramtsstudien ausspricht. Die uniko warnt davor, aufgrund des prognostizierten LehrerInnenmangels - zwischen 2012 und 2025 werden ungefähr 60.000 LehrerInnen in Pension gehen - eine politische Entscheidung zu treffen, die "den BA-Abschluss für das Unterrichten an einer Schule als ausreichend definiert".

Personalkosten einsparen?

Hinter dem Vorhaben, Studierende nach Abschluss des Bachelors als "AssistenzlehrerInnen" im Turnusmodell einzusetzen, ortet die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) in erster Linie die Bestrebung, Personalkosten im Bildungsbereich einzusparen. Kürzungen bei den Bildungsausgaben seien jedoch "der falsche Weg, um defizitäre Staatshaushalte zu sanieren", so Barbara Römisch, Referentin für pädagogische Angelegenheiten der ÖH-Bundesvertretung. Und der Vorstand der ÖFEB, der Österreichischen Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen, hält fest, dass die Schaffung zweier LehrerInnentypen (Assistenz- und Volllehrkräfte) die Gefahr eines Niveau- und Lohndumpings mit sich bringe.

Sinnvolle Zusammenlegung?

Für massive Kritik sorgt auch der im ExpertInnenbericht ausgeführte Vorschlag, wonach künftig die Universitäten und die Pädagogischen Hochschulen die Ausbildung angehender LehrerInnen der Sekundarstufe zusammen verantworten sollen. VertreterInnen der Unis fürchten, dass es durch die Zusammenlegung beider Institutionen zu einem enormen Qualitätsverlust in der fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Ausbildung künftiger LehrerInnen kommen könnte. "Weit mehr, als es die Pädagogischen Hochschulen leisten können, bieten wir sowohl in fachlicher als auch in didaktischer Hinsicht eine profunde theorie- und forschungsgeleitete Ausbildung künftiger LehrerInnen", sagt Stefan Krammer, Leiter des Fachdidaktischen Zentrums Deutsch und fordert, dass die künftige LehrerInnenausbildung für die Sekundarstufe "noch stärker als bisher" an den Unis verankert werden muss. (Meri Disoski, daStandard.at, 22. November 2010)

 

Kommentar posten
23 Postings
magicjeanny
00
23.3.2012, 10:16
Lehrer/innenausbildung - wo?

Der Vergleich von Lehrern mit Medizinern und Juristen hinkt in meinen Augen.
An der PH gibts sicher viel Praxiskontakt und angehende Lehrer/innen merken schnell, ob sie das Richtige vorhaben oder nicht.
An der Uni wars zumindestens lang sehr fern von der Praxis - und die Lehrer/innen dann entsprechend entsetzt, wenn sie nach einigen Jahren Studium nicht wirklich mit der Situation zurecht kamen.

Stefan Bugl
00
27.11.2010, 10:11
PH im Vormarsch!

Wer sagt dass das Niveau der UNI höher ist als das der PH? Bin hier anderer Meinung. Kenne beide Seiten und bin der Überzeugung, dass die Ausbildung an der PH qualitativ höher ist. Vergleichbar mit einer Fachhochschule. Geringere Studentenzahlen - es kann einfach detailierter auf die Studierenden eingegangen werden. Auf der UNI ist man meiner Meinung nach nur eine "Nummer", was auf der PH ganz anders ist und dadurch auch das Bildungs- und Ausbildungsniveau anhebt.

mountaineer
03
24.11.2010, 15:09
Nachgefragt...

Wer würde sich von einem Bachelor der Medizin operieren lassen?

Wer würde sich von einem Bachelor der Rechtswissenschaften in Rechtsstreitigkeiten vertreten lassen?

Aber für unsere Kinder, da tuts auch eine Schmalspur-PH-Ausbildung, gell?

lehrer
30
24.11.2010, 20:59
so viel nonsens....

ein magisterstudium dauerte 8 semester..ein bachelor sechs semester...und in einem jahr sind die leute dann umso viel besser ausgebildet..das ist doch ein blödsinn!!
ich hab anfang der 80er jahre studiert.....mag. phil. lehramt, anglistik, romanistik/ital.....vergleich mit heutigen studienplänen zeigt eher gegenteil...viel intensiver....!!
ich versuche grade bachelor zu machen...spanisch..viel intensiver als 1987: mein abschlussjahr uni graz.....

http://www.familienbeihilfe.org/
01
26.11.2010, 22:29

Lehramt Diplomstudium sind derzeit 9,5 Semester in Wien. (in Graz sinds teilweise z.B. 10 Semester)
Der Bachelor der Expertenkommission sind jedoch nur 6 Semester. Es sind also in etwa 2 zusätzliche Jahre für den Master! Und das ist üblich bei der Mehrheit der Studienrichtungen.

ride my pimp
01
25.11.2010, 16:41
Von der Leichtigkeit des Seins...

Na, dass es Germanistik nicht war, sieht man ja an den Tempus- und anderen grammatischen Lapsi, die Ihren Text schier unverständlich machen.

Im Übrigen können Sie die Mindeststudiendauer + einjähriges Praktikum = mindestens fünf Jahre universitäre und universitätsnahe LehrerInnenbildung nicht mit der Pädak = PH vergleichen. Denn mit der ist man nach exakt drei Jahren fertig, während in der Normalzeit (und die hält kaum jemand ein) die universitäre Lehrerausbildung genau doppelt so lange dauert, mehr Eigenständigkeit erfordert und insgesamt ein höheres Niveau der Absolventen erbringt.

Und aus.

natural born runner
00
26.11.2010, 17:05

"Ein Lapsus (lateinisch, Plural: lapsus mit langem u) ist ein (oft geringfügiger) unwillkürlicher Fehler." (wiki...)
Sie sehen, das zusätzliche Ausbildungsjahr schützt auch davor nicht!

lehrer
64
23.11.2010, 11:36
kein niveauverlust

seit ende der sechziger jahre werden lehrer in sechssemestrigen studien (früher pädak, jetzt pädagog hochschulen) ausgebildet....das war eine gute praktische ausbildung!
gerade von den unis kamen nach 9 semestern viele lehrer, die wenig kenntnisse vom umgang mit kindern hatten...dafür aber altenglisch lernten ....für die oberstufe eh sinnvoll....aber für bis 15 jährige reicht eine solide sechssemestrige ausbildung locker!
p.s.
die neu angedachte ausbildung ist sicher ein quantensprung, wenn vorteile von PH und UNi zusammengeführt werden...
pp.s ich weiß wovon ich spreche..hab sowohl pädak ausbildung als auch uni abschluss..ahs..

ride my pimp
00
25.11.2010, 16:42

Genau, WEIL der Hauptschullehrer keine Kenntnisse in Altenglisch hat und der Gymnasiallehrer aber schon (wie überhaupt höhere fachliche Kenntnisse - Ausnahmen bestätigen die Regel), deshalb schicken die Eltern ihre Kinder heutzutage lieber an die Gymnasien als an die Hauptschulen!

schweinebucht
00
21.1.2011, 16:42
Nachfrage

Was hat der 13-jährige von Altenglisch? Ich als Maths-Lehrer unterrichte ja auch nicht die Funktionen des Rechenschiebers?

Sternchen100
32
24.11.2010, 10:36

Diese HS-Lehrer beherrschen ihre eigenen Fächer nicht (Deutsch, Englisch, Mathematik, Chemie usw.), haben von Oberstufe-Inhalten sowieso keine Ahnung und betreiben statt Stoffvermittlung offenbar pädagogische Spiele. Oder warum sonst kommen immer mehr Analphabeten und Nieten aus diesen Schulen raus?

Wer nur im geringsten von der Qualität des Unterrichts einen Pädakler mit einem Uni-Absolventen vergleicht, hat echt keine Ahnung. Sollte sich vielleicht mal in Gymnasien setzen und dort einfach nur beobachten. (Aber bitte nicht in die von Wien.)

Das einzige Ziel der "Reform" ist es doch, billigste Schulen mit billigsten Lehrern und geringstmöglichsten Unterricht für Schüler zu machen, die keine reichen Eltern haben für Privatschulen.

ride my pimp
21
24.11.2010, 15:07

da ist Wahres dran. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten: Die Abschlussprüfung in Literaturwissenschaft für das Fach Deutsch an der PH ist bei weitem einfacher als das Proseminar "Einführung in die Literaturwissenschaft" an der Uni. Das ist leider kein Witz.
In Zukunft wird es das Diplom (Bakk.) sogar noch billiger geben.

Ich gehe jede Wette ein, dass ein Maturant noch vor zehn Jahren mehr auf dem Kasten hatte als heute ein Pädak (PH-) -abgänger!

Sche
12
24.11.2010, 12:43
Sorry...

...aber dieses Statement ist letztklassig!!!

ride my pimp
10
25.11.2010, 16:43

Hauptschullehrer?
Nichts für ungut!

Sche
02
26.11.2010, 19:58
Richtig...

...gelernter HS-Lehrer und seit zig Jahren an einer PTS.

Und ja, ich fühle mich bei solchen Aussagen persönlich angegriffen, vor allem, wenn man, wie Sternchen100 glaubt, dass Fachwissen mit Unterrichtsqualität gleichzusetzen sei.
Logisch, dass ich in der PTS nicht ein Semester "Faust" zum Inhalt meines Unterrichts mache, aber wenn ich z. B. sehe, dass meine Kinder (beide AHS) mit Deutschschularbeiten nach Hause kommen, in denen der "Professor" offensichtlich noch nie etwas von der neuen Rechtschreibung gehört hat und Fehler anstreicht, die keine sind, kann ich von der "Überlegenheit" der Uni-Absolventen nicht viel erkennen.

Kurz: Pauschalurteile bin ich in diesem Forum gewohnt - aber nicht von LehrerInnen!!!

lehrer
11
24.11.2010, 10:55
blödsinn

dir dürfte wohl entgangen sein, dass jeder lehrer maturiert hat..also zumindest eine oberstufe besucht hat..und darauf wird ja wohl bei jeder ausbildung aufgebaut..uni und PH

tux
00
24.11.2010, 07:43
...

darf ich fragen welche studienrichtungen sie studiert haben?

mountaineer
00
23.11.2010, 19:06

... und was vor fünfzig jahren gut war, das muss jetzt - im informationszeitalter, in dem sich wissensinhalte rapide dynamisieren, für österreich auch reichen, oder etwa nicht?

ride my pimp
13
23.11.2010, 18:58

das ist ein quantensprung - zurück auf die bäume
das ist eine sparmaßnahme und verpolitisierung zugleich.
mich hat die pädak-politfreunderlwirtsch. immer gestört.
und auch ich kenne sowohl die pädak als auch die uni von innen.
ich muss sagen, das uni-lehramt ist der ph um lichtjahre voraus. praxis hat man mittlerweile auch zur genüge.

Sternchen100
16
23.11.2010, 09:52
Die Kinder und Jugendlichen sind diesen neoliberalen Fatzges total egal

Man will krampfhaft versuchen, ein Berufsfeld für den Bachelor zu schaffen, der als Abschluß nur Clo-Papier ohne Wert ist. Warum? Weil man die Studenten nicht mehr bis zum Master finanzieren will, darum.

Die neueste PISA-Studie soll für Österreich vernichtend sein, die Schuler können nicht lesen (katastrophale Bewertung) und sind in Mathematik und Naturwissenschaften absolut im untersten Drittel. Dank Gehrers Stundenkürzungen, die auf 8 Jahre hochgerechnet ein ganzes gestrichenes Schuljahr ergeben. Und dank dem pädagogischen Spiele-Firlefanz, den Padak-Lehrer statt qualitativem Unterricht veranstalten. Ja, und nur weiterhin alle Schuler mit mehreren Nichtgenügend aufsteigen lassen, hebt das allgemeine Niveau in Klassen SEHR.

lehrer
00
24.11.2010, 11:17
ja früher

da war alles besser..die ewige leier....!

Sche
06
23.11.2010, 14:00
Korrekt...

...ein Toilettenpapier mit zwei Seiten: Der OECD kann man stolz vermelden, dass die Akademikerquote in Österreich angehoben wurde, gleichzeitig wird der Bachelor im öffentlichen Dienst nicht als akademischer Grad anerkannt.

Sternchen100
01
24.11.2010, 15:01

Fehlt nur noch der Bachelor in Jus und in der Medizin als Zulassungsvoraussetzung für den Beruf.

Die Jus-Bachelor stellen dann den Finanzminister und die in Medizin die Chirurgen.

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