Dastandard

Gesundheit! Çok yaşa!

Eva Zelechowski, 10. Dezember 2010, 15:23
  • Artikelbild
    vergrößern 500x328
    foto: apotheke zum papst

    In der Apotheke zum Papst in Ottakring arbeiten insgesamt 19 Personen. Fünf davon sprechen Türkisch und zwei Bosnisch/Kroatisch/Serbisch.

Wenn PatientInnen mit Migrationshintergrund in Apotheken Verständigungsprobleme haben, werden mehrsprachige pharmazeutische Angestellte unverzichtbar

Immer wieder kommt es vor, dass PatientInnen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, Medikamente falsch einnehmen. "Solche Missverständnisse lassen sich natürlich auch bei österreichischen PatientInnen nicht vermeiden", meint Selda. Die junge Frau ist pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte, kurz PKA, in der Apotheke zum Papst in der Neulerchenfelderstrasse in Ottakring und eine von fünf Angestellten, deren Muttersprache türkisch ist. Von den insgesamt 19 MitarbeiterInnen sprechen fünf Türkisch und zwei Bosnisch/Kroatisch/Serbisch. Trotz dieser Vielfalt können nicht alle sprachlichen Variationen abgedeckt werden: "Manchmal verlangt eine Patientin nach mir, da sie von mir weiß, dass ich türkisch spreche: Sie kommt aber aus Bulgarien, spricht ein regional gefärbtes Türkisch und kann mich kaum versteht", erklärt Selda.

"Viele warten bis eine von uns da ist"

"PharmazeutInnen und PKAs mit Migrationshintergrund sind für uns inzwischen unverzichtbar geworden, insbesondere in einer Gegend wie hier beim Brunnenmarkt", meint die Inhaberin der Apotheke, Elisabeth Bauer-Soos. Sie hat bereits vor 30 Jahren das enorme Potenzial im Personal mit Migrationshintergrund entdeckt.

"Das entwickelte sich eher aus einem Zufall heraus, als ein Mädchen mit türkischen Wurzeln bei uns ihre Lehre zur PKA anfing. Wir haben dann schnell gemerkt, dass die nicht-deutschsprachigen PatientInnen es sehr schätzen, eine muttersprachliche Ansprechpartnerin im Beratungsgespräch zu haben", erzählt die Inhaberin von den Anfängen ihres mehrsprachigen Personalkonzeptes. Bauer-Soos hat damit nicht nur ihr Team auf die Bedürfnisse der PatientInnen abgestimmt, auch sie selbst schätzt die kulturelle Vielfalt, die die MitarbeiterInnen im Arbeitsalltag einbringen.

Fatma ist 38 Jahre alt und stammt ebenfalls aus der Türkei: "Viele möchten nur von uns bedient werden und warten manchmal eine halbe Stunde, bis eine von uns da ist." Für die zweifache Mutter sind vor allem die günstigen Arbeitszeiten ein Segen, denn sie erlauben ihr, einer Teilzeitbeschäftigung an zwei Tagen in der Woche nachzugehen. "Gerade für Frauen, die Beruf und Familie unter einen Hut bringen möchten, bieten Apotheken mit der Teilzeitmöglichkeit ein ideales Arbeitsmodell", so Bauer-Soos.

Von elementaren bis zu speziellen Bedürfnissen

Dass in Arzneimitteln kein Alkohol enthalten sein darf, zählt zum wesentlichsten Kriterium bei der Vergabe von Medikamenten, weiß die Inhaberin der Apotheke aus ihrer Beratung mit vielen muslimischen PatientInnen zu berichten. Selda, die als Vollzeitmitarbeiterin quasi als Daueransprechpartnerin für viele türkische PatientInnen fungiert, wird zuweilen auch für Anfragen ganz anderer Belange zu Rate gezogen. "Einige bringen uns Briefe ihrer Verwandten, weil sie selbst nicht lesen können", lacht sie und meint weiter: "und weil wir wollen, dass unsere KundInnen zufrieden sind, nehmen wir uns die Zeit. Sie warten dann geduldig, bis wir Zeit für sie haben."

Hoher MigrantInnenanteil bei den PKAs

"Der Bedarf an PharmazeutInnen und PKAs, die über Sprachkenntnisse aus den Hauptmigrationsländern wie der Türkei, Serbien oder Polen verfügen, steigt zunehmend", erklärt Bauer-Soos. In den 1.233 öffentlichen Apotheken Österreichs sind 13.800 MitarbeiterInnen angestellt (Stand: Jänner 2010). Der Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, Heinrich Burggasser, sagt dazu: "Von den 5.100 ApotherInnen haben 528 - also über zehn Prozent - Migrationshintergrund. Ein Großteil davon kommt aus Deutschland und Italien, aber vereinzelt sind auch Länder wie Guatemala, Burundi oder Vietnam darunter. Bei den PKAs ist der Anteil der MitarbeiterInnen mit Migrationshintergrund erheblich höher. Am stärksten vertreten sind dabei die Türkei und die Balkanländer."

Mehrsprachige Beipackzettel

Nach den ÄrztInnen stellt die Apotheke die wichtigste Anlaufstelle für Menschen mit Gesundheitsfragen dar. Neben der richtigen Dosierung wird in der Beratung häufig auch geklärt, ob ein Arztbesuch ratsam ist. "Wir würden uns auch sehr über KollegInnen mit zum Beispiel arabischen Sprachkenntnissen freuen, das wäre oft sehr nützlich", meint Johanna Beichl, ebenfalls Mitarbeiterin in der mehrsprachigen Apotheke. "Wir müssen manchmal mit Händen und Füßen erklären, zu welcher Tageszeit oder durch welche Körperöffnung die Arznei eingenommen werden muss", ergänzt Fatma. In der Apotheke berichten manche dann von diversen Nebenwirkungen, wie beispielsweise Schaum im Mund nach oraler Einnahme von Zäpfchen. Medikamente mit Beipackzettel in mehreren Sprache gibt es nur eines: vorbeugendes Kopflausmittel für Kinder.

Das Wohl der PatientInnen zählt

Dass es überhaupt zu sprachlichen Verständigungsproblemen zwischen PatientInnen und MedizinerInnen bzw. ApothekerInnen kommt, mag so manchen KritikerInnen in der Integrationsdebatte sauer aufstoßen. "Geht es aber um heikle Medikamente, deren Dosierung strikt eingehalten werden muss, zählt nur die Gesundheit und das Wohl der PatientInnen", erklärt Beichl. (Eva Zelechowski, 11. Dezember 2010, daStandard.at)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2
Granny
12
14.1.2011, 13:17
Soso!

DerStandard - pardon, daStandard - veröffentlicht mal wieder einen Artikel über das Fortschreiten von Parallelgesellschaften und freut sich noch darüber.

Besonders entlarvend ist aber folgender Satz:
>>Fatma ist 38 Jahre alt und stammt ebenfalls aus der Türkei: "Viele möchten nur von uns bedient werden und warten manchmal eine halbe Stunde, bis eine von uns da ist."<<

Man stelle sich vor, eine österreichische Apothekerin hätte das über österreichische Kunden gesagt, die nicht von Türken bedient werden wollen - die linksgrünen GutmenschInnen wären außer sich!

das brett vorm kopf
30
14.1.2011, 16:24
ihre intelligenz ...

... scheint der des in ihrem nick anklingenden apfels zu entsprechen. unglaublich zu welchem stuß manche fähig sind.

knievel
02
13.12.2010, 10:30

ottakring, der all-inclusive-bezirk.
in brunnenmarktgegend täte die frau bauer-soos gut daran jemanden einzustellen der auch des bobo-ischen mächtig ist...

der, die, das
00
12.12.2010, 18:06
Mehrsprachiges Personalkonzept, das ich nicht lache.

"...erzählt die Inhaberin von den Anfängen ihres mehrsprachigen Personalkonzeptes."

Wie funktioniert dieses Konzept? Ist doch klar, dass gerade in Ottakring ein bestimmter Migrantenanteil höher ist, als z. B. in der Inneren Stadt. Logisch arbeiten dort Menschen mit Migrationshintergrund.

Was wäre ohne Konzept passiert, hätte man gezielt Migranten ausgeschlossen? Wo liegt hier das Konzept? Türksich und Serbokroatisch gehören schon lange zu Wiens meistgesprochenen Sprachen.

"Wir würden uns auch sehr über KollegInnen mit zum Beispiel arabischen Sprachkenntnissen freuen, das wäre oft sehr nützlich"

Und da kann man nicht inserieren oder einen Zetteln an die Apothekentür hängen? Oder sucht man die Arabischsprachigen händeringend?

post-ironic
00
13.12.2010, 15:46

nur weil etwas auf der hand liegt, heißt das noch lange nicht dass man rechtzeitig richtig handelt. in diesem fall hat die inhaberin schon vor 30 jahren damit begonnen auf die befürfnisse ihrer kundInnen einzugehen und muttersprachliche beratung anzubieten. klingt für mich schon nach einem personalkonzept.

ihr 2. punkt ist natürlich schon richtig - in all den jahren hätte man mittlerweile auch arabischsprachige angestellte finden können...

Mann oder Frau? Was darfs sein?
00
13.12.2010, 16:03
Ich bin es, mit neuem Account, da meine Posts immer langsamer durchkommen.

Schade, dass sie in den 30 Jahren nicht erkannt hat, dass auch Männer ein gewisses Potenzial haben. Schauen Sie sich mal das Foto an! Oder will kein Mann in einer Apotheke arbeiten? Ich sehe auch keineN SchwarzenN.

Und Zuwanderer gab es schon vor mehr als 30 Jahren. Ich meine Österreich, war praktisch immer schon international.

Die arbeiten im 16. Bezirk, da ist es normal, dass mehr Menschen mit dem selben Migrationshintergrund dort tätig sind, als im 1. oder 19. Da braucht es keine Konzepte.

Und wie ich auch schrieb: "Was wäre ohne Konzept passiert, hätte man gezielt Migranten ausgeschlossen?" Es werden sich doch auch ohne Konzept Migranten um Jobs bemühen?

Also ich weiß nicht, aber wenn sie es so sagt, wirds wohl so sei

Alles andere is primär oder irreregulär
11
12.12.2010, 12:14
"...meint die Inhaberin der Apotheke, Elisabeth Bauer-Soos"

So funktioniert Integration in Öst.Chef sind nur die Öst. selber. Obwohl das Angstellte mit Migrationshintergrund eine Ausbildung zur PKA machen ist hier zu Lande ja auch schon ein Fortschritt.
Sind lustig die Öst. ,reden und fordern die ganze Zeit Integration aber wenn man sich integriert wie ich also als gebürtiger Wiener gut Deutsch kann ,studiert hat, Job hat und nach den Regeln/Gesetzen in Öst. lebt etc lassen sie einen nicht integrieren.Türke bleibt Türke.

der, die, das
10
12.12.2010, 17:45

Sie sind halt überqualifiziert. Sobald man was im Hirn hat, haben die Anderen Angst, entblößt zu werden und/oder bangen um ihren Job.

Sagen Sie halt niemanden, dass Sie studiert haben und stellen Sie sich blöd, kann dürfen Sie sich in einem österr. Lager als Arbeiter integrieren.

Aber ich als Wiener, der ja auch Mirgrationshintergrund hat, teilweise, denn wer ist schon reinrassig, habe die selben Probleme. Nur mir sieht man das rumänisch-polnische Blut aus 4. Gen. nicht an. Ich kann auch nur Dt., Engl. und was ich studiert habe - Jap.

Wie soll man sich in eine Gesellschaft von Vollkoffern integrieren? Einmal ist man un-, einmal überqualifiziert, einmal männlich, statt weiblich, einmal zu alt, einmal zu gscheit ...

der, die, das
20
12.12.2010, 00:36

Schade, dass man dem Artikel kein Stricherl verpassen kann.

SohnderGurke
10
12.12.2010, 16:43
acha

und was für eins? Finde ihn jetzt nicht schlecht eigentlich.

der, die, das
10
12.12.2010, 17:38

Was kümmert es mich, wie Sie den Artikel finden? Muss ich ihn jetzt auch "nicht schlecht" finden?

SohnderGurke
00
12.12.2010, 17:57
haha

natürlich nicht. Aber schön ruhig bleiben ;) War ja nur eine Frage

der, die, das
00
12.12.2010, 19:09
Mehrsprachiges Personalkonzept, das ich nicht lache. Und nur 1 Mann unter so vielen Frauen!!!

"...erzählt die Inhaberin von den Anfängen ihres mehrsprachigen Personalkonzeptes. "

Was für ein Personalkonzept? Wo viele Migranten wohnen, arbeiten auch mehr von ihnen. Was wäre ohne Konzept, hätte man die Migranten ausgesperrt und nur reine Österr. eingestellt?

Welches Konzept? Türkisch und Serbokroatisch gehören schon lange zu den meistgesprochenen Sprachen hier.

"...auch sie selbst schätzt die kulturelle Vielfalt, die die MitarbeiterInnen im Arbeitsalltag einbringen."

Zwei Hauptsprachen (die Balkanspr. sind sehr ähnlich) und die tun so, als wäre das ein Übersetzungsinstitut.

"Wir würden uns auch sehr über KollegInnen mit zum Beispiel arabischen Sprachkenntnissen freuen..."

Und die findet man nicht, weil? Inserieren, bitte!

der, die, das
00
12.12.2010, 18:09

Ich werd's versuchen. Lesen Sie, wenn Sie wollen, mal mein neuestes Posting zu diesem Artikel, sobald es freigeschaltet ist. Dann sehen Sie, was ich so schlimm an diesem Blödsinn finde.

Sollte es nicht freigeschaltet werden, was ich nicht glaube, schreibe ich es nochmal und poste es direkt unter einen Ihrer Beiträge.

Next Gen User
00
11.12.2010, 19:40

- *Hatschiii

- Geber

;-)

Träume sind Schäume..
39
11.12.2010, 15:55
Also, in der Türke haben mir auch viele deutschsprachige Türken geholfen

Mit einem Unterschied:
Ich war dort nur ein paar Wochen als Interrail Tourist.

Türkinnen, Serbinnen usw. die jahrelang in einem Land leben und sich nicht mit der Mehrheit der Menschen verständigen können sind ein Problem.

Und ein typisches Produkt von linker Einwanderungs und Integrationspolitik.
Zwar ist es in diesem Fall richtig und notwendig das die Information über Medikamente korrekt rüberkommt, EGAL in welcher Sprache.

Noch wichtiger sind aber Deutschkurse und Teilhabe am Alltagsleben und Arbeitsprozess damit man schnell binnen Monaten wichtige Altagsbegriffe selbst entziffern kann ;)

Frau Trude
72
12.12.2010, 14:36

in welcher sprache jemand in einem freien land spricht, geht sie überhaupt nichts an. finden sie sich damit ab.

wenn ein unternehmen zielgruppenspezifische maßnahmen betreibt um den umsatz und die kundenfrequenz zu erhöhen, dann ist das das prinzip der freien marktwirtschaft und geht sie ebenfalls nichts an.

dr. satanas
04
12.12.2010, 17:10
in welcher sprache jemand in einem freien land spricht, geht sie überhaupt nichts an.

prinzipiell richtig.
aber wenn wer dann probleme z.b. mit der medikamenteneinnahme hat, weil der deutschen spreche nicht mächtig, dann gehts mich auch nix an!

Next Gen User
51
11.12.2010, 18:26

Sind wir nicht alle Touristen auf dieser Welt?

dr. satanas
01
12.12.2010, 18:05

nein, nur diejenigen, die irgendwohin auf urlaub fahren, sind touristen.

maxbz
19
11.12.2010, 17:22
Völlig richtig.

Bei weiterer Einwanderung sind deshalb die Deutschkenntnisse vor Einwanderung sehr wichtig.

Problematisch ist auch, das gerade die Türken inzwischen alles rein auf türkisch erledigen können und so überhaupt kein Druck mehr vorhanden ist, deutsch zu lernen. So funktioniert Integration nicht.

Dirty Dancing
20
13.12.2010, 14:17
Integration fängt bei den Einheimischen an...

...falls dieser funktioniert, steht der Integration nichts im Wege.

Frau Trude
52
12.12.2010, 14:40

randgruppenmenschen wie sie einer sind, integrieren sich auch nicht in eine aufgeschlosse, moderne lebensform. tja, damit muss man leben.

dr. satanas
03
12.12.2010, 18:10
aufgeschlosse, moderne lebensform

als immigrant die jew. landessprache nicht zu beherrschen, gilt bei dir also als aufgeschlossen und modern?
naja ...

Finditout
14
12.12.2010, 11:48

ich verstehe nicht, wieso man solche programme fördert. spricht ja total gegen eine erfolgreiche integration! ist echt ein problem, dass vorallem türkischstämmige alles in türkisch erledigen können, das ist falsch! Ps. ich bin selber migrant und verstehe es trotzdem nicht! gott sei dank wurde ich in eine schule gezwungen, in der nur 2 migranten in meiner klasse waren und ich mit viel schmerz die sprache lernen musst - und nun stehe ich kurz vor meinem uniabschluss, danke österreich! so soll es sein und nicht umgekehrt...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.