Die Welt der Sprachen wird ärmer

20. Februar 2011, 22:49

Die UNESCO nimmt den Internationalen Tag der Muttersprache am 21. Februar zum Anlass, an die - schwindende - sprachliche Vielfalt zu erinnern

Heute werden weltweit etwa 6.000 Sprachen gesprochen. Noch. Den laut Einschätzung der UNESCO ist die Hälfte davon vom Verschwinden bedroht und wird vermutlich bis zum Ende dieses Jahrhunderts in Vergessenheit geraten. Alle zwei Wochen geht eine Sprache verloren und damit auch kulturelle Vielfalt und uraltes Wissen. Gedichte, Legenden, Sprichwörter und Scherze geraten mit dem Verschwinden einer Sprache in Vergessenheit. Jede Sprache bedeutet eine einzigartige Sichtweise, zeigt, wie eine Gesellschaft ihre Probleme löst und sich innerhalb der Welt verständigt. Sie demonstriert die Art und Weise, wie eine Gesellschaft Gedanken formuliert, verleiht Lebensphilosophien ausdruckt und zeigt, wie die Welt betrachtet wird. Sprache bewahrt die Kultur von Völkern, oft auch noch nach ihrem Untergang. Das Verschwinden von Sprache bedeutet also in dem meisten Fällen den unwiederbringlichen Verlust von Kultur und Wissen.

Dramatisches Sprachensterben

Sprachen entstehen und verschwinden seit tausenden von Jahren - allerdings war es bis vor 300 Jahren ein langsamer Prozess. Mittlerweile hat das Aussterben von Muttersprachen dramatische Auswirkungen. 3.000 Sprachen sind gefährdet, stark gefährdet oder im Verschwinden begriffen. Viele weitere Sprachen, die zur Zeit noch relativ weit verbreitet sind, zeigen ebenfalls Anzeichen, schon bald in die Kategorie "gefährdet" zu wechseln.

Die UNESCO erinnert am 21. Februar an die Vielfalt der Sprache und auch daran, wie wichtig es ist, dieses kulturelle Erbe der Menschheit zu bewahren. Um die Muttersprachen zu fördern, investieren UNESCO-Mitgliedsstaaten in Programme und Maßnahmen, was beispielsweise in Spanien für den Erhalt des Katalanischen und in Frankreich für den Erhalt des Bretonischen sorgte.

Über 500 Sprachen weltweit sind akut bedroht

Die am Meisten von zunehmender Verarmung sprachlicher Vielfalt betroffenen Länder liegen in Nord- und Südamerika, Südostasien, Ozeanien und Afrika. 572 Sprachen sind weltweit akut bedroht, ein großer Teil davon liegt in den erwähnten Regionen. Sehr anschaulich wird die weltweite Sprachverarmung im "Atlas der bedrohten Sprachen" gemacht, wo rund 2.473 Sprachen nach Name, Bedrohungsgrad und Region angeführt sind. Darunter finden sich auch 230 Sprachen, die seit 1950 verschwunden sind. 

Ein häufige Ursache für das Verschwinden einer Sprache ist die simple Tatsache, dass die Kinder ihre Muttersprache einfach nicht mehr lernen. Die drei Hauptauslöser für das Sterben einer Sprache sind allerdings die gewaltsame Zerstörung von Sprachgemeinschaften. Kriege, Vertreibungen und Stigmatisierungen sind Gründe dafür, dass Muttersprachen immer weniger oder gar nicht mehr gesprochen werden. Aber auch Migration und Vermischung von Sprache beeinflussen die weltweite sprachliche Vielfalt. Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche, Fluten, Feuer, Epidemien bzw. immer noch das Einschleppen von Krankheiten sind ebenfalls am Aussterben von Sprache beteiligt.

Eine Sprache, die von vielen gesprochen wird, hat mehr Überlebenschancen. Die UNESCO macht daher vor allem auf jene Sprachen aufmerksam, die nur noch von weniger als 10.000 Menschen gesprochen werden.

Nicht zuletzt sind es auch die modernen Medien, die einen wesentlichen Einfluss auf die Sprachenvielfalt haben. Sie fördern den weltweiten Einfluss einzelner großer Sprachgruppen, und hier vor allem das Englische.

Sprachenvielfalt als Kulturretter

Ein wichtiger Lösungsansatz zum Erhalt der Sprachenvielfalt sind bi- oder multilinguistische Gesellschaften. Immer noch ist es nämlich das aggressive Verhalten stärkerer Kulturen, das die kulturelle Vielfalt gefährdet. Die Vorstellung, die eigene Kultur anderen aufzwingen zu müssen, ist eine der wesentlichen Ursachen für das Verschwinden von Sprache und Brauchtum. In bi- oder multilinguistischen Gesellschaften bleibt Raum, die eigene Identität zu pflegen. Allerdings streben die meisten Gesellschaften nach wie vor monoliniguistische Ziele an.

In Österreich gibt es zur Zeit fünf Sprachen, die als zumindest gefährdet bezeichnet werden können: Bairisch, Jiddisch, burgenländisches Kroatisch, Alemannisch (in Vorarlberg) und das von Roma und Sinti gesprochene Romani. In Deutschland gibt es sogar 13 Regional- oder Minderheitensprachen bedroht, unter anderem Nord- und Saterfriesisch, Ost-, Rhein- und Moselfränkisch sowie Niedersächsisch und Limburgisch-Ripuarisch. Auch hier gehören Jiddisch und Romani zu den gefährdeten Sprachen. (ham/derStandard.at)

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Vor dem Turmbau zu Babel haben alle die selbe Sprache gesprochen,

wenn wir das wieder erreichen könnten wäre das ein wirklich immenser Fortschritt.

Die gleiche Sprache verbindet, unterschiedliche Sprachen trennen.

Wenn österreichische Mundart (Bairisch) als gefährdet gilt, dann finde ich das schon ein bissel übertrieben.

Außerhalb Wiens, seinem Umlande und vielleicht noch Graz und Linz sprechent ja auch die Bildungsbürger Mundart, oder zumindest dialektnahe Umgangssprache.
Bairisch sehe ich deswegen nicht wirklich gefährdet.

Der ging aber daneben, mein lieber Scholli. ;-)

Was Sie meinen und Hören ist Hochdeutsch mit Lokalkolorit. Und Letzteres zeichnet sich durch Sprichwörter, Aussprache und Einzelnwörter aus die man nur im geographisch begrenzten Raume vorfindet.

Aber das (!) hat nichts mit der Sprache "Bairisch" zutun. Würden Sie heute noch jemanden finden der Bairisch könnte, den würde weder ein Bayer bei Uns, noch ein Österreicher verstehen können. *lach*

Mundard <> Bairisch

Es scheint sie sind sich nicht bewusst das Mundart nichts mit Dialekt/Bairisch zu tun. Das in den meisten Gegenden noch Mundart gesprochen wird ist korrekt, doch Bairisch wird leider wirklich kaum noch wo gesprochen.

Der Hauptunterschied zw. der Mundart und Bairisch ist in kurzen Worten wohl das Mundart die Grammatik und die Wörter des Hochdeutschen verwendet und die Wörter "verbairischt". Zusätzlich kommen noch ein paar Wörter aus dem Dialekt.
Der Dialekt/Bairisch hat viele eigene Wörter und vor allem(der größere Unterschied) eine eigene Grammatik die sich teils dramatisch von Hochdeutsch unterscheidet.

Deswegen gebe ich da dem Artikel recht das Bairisch wirklich ernsthaft bedroht ist, die Mundart sehe ich noch ungefährdet.

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