Eines der eingereichten Projekte: Zehn Gebote - neu interpretiert.
Im Rahmen des Creative Muslim Contest waren muslimische Jugendliche aufgerufen, ihre Sichtweisen der "Integration" kreativ umzusetzen
"Für mich gilt der Grundsatz: Teilnehmen an Wettbewerben zum Thema Integration, um irgendwann nicht mehr an Wettbewerben zum Thema Integration teilnehmen zu müssen". Dies ist ein bezeichnender Auszug aus dem, von Marawan Mansour eingereichten Siegerwerk in der Kategorie "Text".
Aus etwa 60 Einsendungen kürte die prominent besetzte Jury - darunter Simon Inou, Gründer von M-Media, Sängerin und Autorin Hülya Kandemir, Fernsehmoderatorin Arabella Kiesbauer, Grafiker und Fotograf Fatih Öztürk sowie Kabarettist Dirk Stermann - jeweils ein Projekt in den Kategorien Text, Bild, Musik, Video und Alternativ zum Sieger.
Der Saal im Etap Veranstaltungszentrum am Abend des 26. Februar ist bis auf den letzten Stuhl besetzt. Etwa 500 Gäste sind eingetroffen, um der Abschlussveranstaltung des Creative Muslim Contests 2011 beizuwohnen. "Die Idee zum Kreativprojekt entstand etwa vor einem Jahr, als die Integrationsdebatte in Österreich wieder aufloderte. Wir wollten Jugendlichen eine Chance geben, selbst zu sprechen und auf eine konstruktive Art und Weise ihre Sichtweise und Ideen zum Thema Integration zu präsentieren", erklärt Saime Öztürk, eine der OrganisatorInnen des Projekts der Muslimischen Jugend Österreich (MJÖ). Die zentrale Frage war: Was bedeutet es für Dich, in Österreich zu Hause zu sein?
"Ich will an der Gesellschaft teilnehmen!"
"Für junge Menschen, die entweder in Österreich geboren oder aufgewachsen sind, ist die Forderung nach Integration oder der Begriff selbst schon sehr diffus. Wird Integration an Faktoren wie einem Pass oder der Sprache festgemacht, fragen sich viele: Wo soll ich mich denn noch integrieren? Ich möchte an der Gesellschaft teilnehmen! Gerade aber auf kreativer Ebene können Jugendliche sehr viel schaffen, weshalb für uns die Rahmenbedingungen zur künstlerischen Freiheit so flexibel wie möglich gesetzt waren", so Saime Öztürk.
Fanatisch auf der Suche nach Integration
Süreyya Kocca, Gewinnerin in der Kategorie "Alternativ", kreierte eine digitale Bildergeschichte über ein kleines Mädchen, das beinahe besessen "auf der Suche nach Integration" ist. Sie versucht Integration zu trinken, zu essen, sie zu fangen. Bis sie merkt, dass der richtige Weg über das Erlernen der Sprache (in der Zeichnung humoristisch mit einem "oida" dargestellt) und die soziale Interaktion mit den Mitmenschen führt. Die 19-Jährige ist mit ihrer Familie vor einem Jahr aus Deutschland nach Wien gezogen, da die Mutter in Österreich eine Stelle als Erzieherin fand, die ihr das Tragen des Kopftuchs erlaubt. "Generell ist die Atmosphäre für muslimische Bürger hier viel entspannter als in Deutschland", sagt Süreyya und erklärt, dass sich die gesamte Familie sehr wohl in Wien fühlt.
Land der Töchter und Söhne
Durch den Kreativwettbewerb sollen Jugendliche selbst zu Wort kommen, denn die so genannten "Integrationsprobleme" treffen für sie nicht mehr in dem Maße zu wie für ihre, vor Jahrzehnten eingewanderten Eltern oder Großeltern. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und der Problematik ist also gefragt. Öztürk spricht die nächste Entwicklungsstufe nach der Integration an: "Was kommt danach? Ich kann mich nicht ewig mit meiner Herkunft beschäftigen." Ein Identitätsproblem entsteht erst, wenn die Herkunft zum alleinigen und dominanten Wesensmerkmal eines Individuums wird.
Die Wurzeln seien ohne Frage von großer Bedeutung, aber wenn Migranten und Migrantinnen der ersten Generation sich inzwischen in Österreich zuhause fühlen, wie sieht es dann erst in ihren Töchtern und Söhnen aus? Österreich als Heimat großer Töchter und Söhne wird auch in der 2010 neuinterpretierten Bundeshymne besungen. Diese hat die 19-Jährige Nurdan Şimşek für ihr persönliches Statement in einen Rap gepackt. Mit ihrem Beitrag "Landesrap" heimste sie den ersten Preis in der Kategorie "Musik" ein.
"Kanake mit Schnitzeldöner"
Auf der Bühne wird so mancher Gewinner und Gewinnerin unter tosendem Applaus von Gefühlen übermannt, während sie ihren Award und den gigantischen Scheck - mit Preisen wie iPhone, Laptop oder Digitalkamera - entgegennehmen und sich für die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren zu können, bedanken. So auch Marawan Mansour, der mit seiner Geschichte "Kanake mit Schnitzeldöner" den Bewerb im Genre "Text" für sich entschied. Die Geschichte handelt vom Ateliersbesitzer M., der mit der Skulptur "Kanake mit Schnitzeldöner" eine heftige Integrationsdebatte auf einer Vernissage entfachen möchte.
To bee integrated
Im Animationsfilm "To bee integrated" wird die Hauptrolle von einer ambitionierten Biene gespielt, die sich in einem Vier-Schritte-Programm die Skills zur Honigproduktion aneignet und so erfolgreich den Integrationsprozess im Bienenvolk absolviert. Der Grafikstudent Ömer Yürekli hat damit in die Kategorie "Video" für sich entschieden. "Das gesamte Projekt hat etwa zwei bis drei Monate gedauert, wobei ich erst einen Stil finden musste und das Generieren der Inhalte die meiste Arbeit ausmachte."
Keine Integration, sondern Inklusion
In der Kategorie "Bild" landete der Mediendesign-Student Serkan Zararsiz mit seinem Integrationsmarathon auf Platz eins. Er fotografierte mit einer 20 Jahre alten Kamera Menschen, deren Eltern nach Österreich eingewandert sind. Nach mehr als zwei Jahrzehnten hat sich, wie er in seinem Projekt beschreibt, die Lage nicht im Geringsten entspannt, worauf der 23-Jährige mit der Analog-Fotografie verweisen möchte. Diese soll eine Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart spannen. Seine Botschaft ist die Forderung, den spröden Begriff "Integration" hinter sich zu lassen und eine "Inklusion" der muslimischen Gesellschaft zu forcieren.
Gerade solche Projekte seien ein erster Schritt in Richtung eines gelungenen multikulturellen Zusammenlebens.
Großes Interesse macht den Bedarf sichtbar
Seit im Dezember 2010 die ersten Flyer und Plakate zum Wettbewerb von Vorarlberg bis ins Burgenland verteilt waren, und der Contest über Webseiten und soziale Plattformen wie Facebook beworben wurde, trudelten zahlreiche Emails und Briefe bei den OrganisatorInnen und MitarbeiterInnen des MJÖ ein. "Mithilfe eines entsprechenden medialen Echos werden die Jugendlichen nicht nur gefördert. Sie können außerdem aus eigener Kraft etwas Tolles schaffen, worauf sie stolz sind", macht Öztürk das Potenzial des Wettbewerbs deutlich: "Es entstand ein regelrechter Hype und wir merkten, der Bedarf bei den 13- bis 30-Jährigen ist enorm. Sie drängen regelrecht danach, zu Wort zu kommen."
Du Schmarotzer, ich Nazi?
Schlussendlich ist unabhängig von Genre und Ausdrucksform, eine Vielzahl an originellen Arbeiten entstanden. Wie zum Beispiel ein Foto, das auf humorvolle Art die verkorkste Kommunikation und Integrationsdebatte innerhalb der österreichischen Gesellschaft zeigt: Eine Wurstsemmel und ein Kebab sprechen gemeinsam das Wort "Integration" laut aus, während sich die Wurstsemmel jedoch "Schmarotzer" denkt und über dem Kebab das Wort "Nazi" in einer Comic-Gedankenwolke geschrieben steht. (Eva Zelechowski, 28. Februar 2011, daStandard.at)
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integriert ist man wenn man perfekt deutsch spricht und außer dem äußeren nichts auf die herkunft hinweist
dass man sich zusätzlich auch in der ursprünglichen kultur und mentalität perfekt zurechtfindet ist dann wunderbar zum vorteil aller
stolz und verweigerung tragen negative früchte und bringen niemandem was...
die türkei ist nicht besser als ö, türken sind nicht besser als ösis und an der zumutung, dass ihr türken hier leben müsst sind nicht wir ösis schuld...
für mich sind "ösis", die glauben sie seien aufgrund ihrer herkunft die krone der schöpfung und daher besser als "zuagraste" oder menschen aus anderen erdteilen der welt, eine zumutung.
ausgeprägter nationalstolz verbaut ein miteinander, egal von wem er geäußert wird.
Der Murat und ich, mir hätten fast auch am Integrationswettbewerb teilgenommen!
Ist der Schurl aufgregt zum Ständl gejappelt gekommen, mit dem Bericht in der Hand. "Und, hätterts was gwonnen?" hat der blade Franz nachgefragt. Ich, der King ham auch geruht, Neugier zu zeigen, denn was ham sich der Murat, unser Dönernachbarking und unser depperter Schurl da wohl ausdacht?
Integriertes Wirtengehen, hat der Schurl erklärt. Der Murat und ich san in 12 Wirtshäuser gwesen, aber im 13. hams uns desintegriert weil mir schon so zu warn. Fast hättn mirs gschafft! Selber schuld, hat der blade Franz beleidigt gmeint, hätts euch bei mir am Ständl integriert und ihr hätts mei alte 1,2 Megapixel Digitalkamera ham können. 4 Raki fürn Murat und 12 Eistee für dich, und ihr wärts integriert gwesn.
Ja, echt schad, hat der Schurl gsagt.
"...Die Hälfte der Türken pflegt laut Studie zudem keine häufigen Kontakte zu den Deutschen. Der Großteil der Italiener und der Migranten aus dem früheren Jugoslawien gab hingegen an, mehrmals in der Woche freundschaftliche Kontakte zu Deutschen zu haben
....Die Türken haben demnach die größten Integrationsprobleme: Jeder fünfte spricht nur mangelhaft oder gar kein Deutsch....
Eine ad hominem attacke statt einer antwort ist ein bisschen zu plump ;) Man könnte natürlich noch viel mehr analysieren, aber das foto ist ja schon mal sehr aussagekräftig.
Ich war weder auf der Veranstaltung, noch bin ich Muslim, noch mag ich Muslime, noch mag ich Ausländer. (Nur um Vorurteile im Vorhinein auszuschließen)
Was ich mich frage ist, warum Nicht-Muslime nicht teilgenommen haben? Ich meine es stand doch nirgendwo, das man nicht nicht teilnehmen darf?
Wieso nahmen keine mitglieder der kommunistischen jugend am ausdruckstanzworkshop der katholischen jugend teil? Ich meine, stand da irgendwo, dass man nicht teilnehmen darf? Und letztens beim fahrradausflug, waren kaum skater dabei. Wieso denn bloß? War das etwas nicht erwünscht? Haben die womöglich sogar etwas gegen vierrädrige? Und warum nimmt beim song contest niemand mit musikalischen können teil? Stand da irgendwo, dass das unerwünscht ist? Oder wissen das eh alle? ...
interessant daß nur muslimische jugendliche integrationsprobleme haben...chinesen, inder, migranten aus osteuropa scheinen da weniger probleme zu haben..
Ich würde es eher so sagen, das man den muslimischen
.... Migranten Integrationsprobleme andichtet. Diese "Integrationsprobleme" von denen jeder redet sind nur irgendwelche irrationalen Bauchgefühle unzufriedener Menschen.
Ich sehe tagtäglich Menschen mit Kopftuch die auch türkisch miteinander reden und mir würde beim besten Willen nicht einfallen, das als Integrationsproblem zu sehen.
Ich habe mit meinem Bruder jahrelang in Amsterdam gelebt und was glaubens wohl in welcher Sprache wir beide miteinander gesprochen haben? Einem Holländer wäre nie eingefallen uns als integrationsunwillig zu bezeichnen.
Diese Integration von der jeder spricht ist nur eine argumentatorische Luftblase um zu hetzen. Die Leute müssen sich an die Gesetze halten. Das ist mehr als ausreichend.
dass es ein Bildungsproblem ist (da in Asien Bildung und Aufstieg unmittelbar als miteinander verbunden gelten). In asiatischen Familien ist es nicht unüblich dass selbst aus eher ungebildeten Familien gebildete Kinder hervorgehen (im Gegensatz zu etwa hiesigen "Arbeiterfamilien" oder Unterschicht-Milieus).
Und Osteuropa erklärt sich vermutlich dadurch dass die durch die Nähe (und Geschichte Österreichs) viel näher sind.
Aber idealisieren Sie es nicht: auch Osteuropäer und Asiaten haben mit Integrationsunwilligkeit seitens der Inländer zu kämpfen!
Viele Österreicher verstehen gar nicht dass ein Asiat auch ein waschechter Österreicher sein kann, z.B. Aufgrund der Hautfarbe ist für viele ein Asiat auch immer "Ausländer".
interessant ist vielmehr, dass sie offenbar mit muslimischen jugendlichen mehr probleme haben, als mit nicht-muslimischen.
vielleicht sollten sie sich darüber einmal gedanken machen.
integrationswilligkeit ist eine bringschuld eines einwanderers..migranten aus muslimischen länder haben die meisten probleme, hiezulande, in deutschland, in grossbritanien..triste tatsache..
Hörens doch endlich mit diesem Integrationsgeplärre ..
. auf. Die Leute haben sich an die Gesetze zu halten. Das wars. Alles andere von Religion, Kleidung bis hin zu Sprache oder kulinarischer Vorlieben ist Privatsache und geht uns einen feuchten Kehrricht an.
hören SIE auf mit ihrem geplärre, meier. das wort "integration" haben sie nicht kapiert. integration hat nichts mit dem aufgeben kulinarischer vorlieben usw. zu tun.
Probleme werden die (chinesen, inder, migranten aus osteuropa) wohl auch haben (bzw. werden ihnen gemacht werden)
aber ich vermute, das sind Minderheiten, deren Probleme erst gar nicht wahrgenommen/beachtet werden. Die Anzahl der muslimischen Jugendlichen hat aber anscheinend eine Größenordnung erreicht, die man nicht mehr einfach so übergehen kann.
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