Ein Punschkrapfen zu viel

Armand Feka
28. Februar 2011, 17:15
  • Es heißt dass der Österreicher viel Überzeugungsarbeit braucht, um seine Traditionen im Namen der Modernisierung an neue Entwicklungen anzupassen.
    foto: apa

    Es heißt dass der Österreicher viel Überzeugungsarbeit braucht, um seine Traditionen im Namen der Modernisierung an neue Entwicklungen anzupassen.

Ein Reisebegleiter der etwas anderen Art stellt sich der Herausforderung die österreichische Mentalität mit einem Schuss Ironie zu erklären

Der große österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard hatte bekanntlich nur wenig für seine eigene Heimat übrig. Unzählige literarische und verbale Angriffe auf Österreich sind überliefert. Sein berühmtestes Zitat nimmt sich dem Nationalismus seiner Landsleute an. "Die Mentalität der Österreicher ist wie ein Punschkrapfen: Außen rot, innen braun und immer ein bisschen betrunken." Dass Bernhard in seiner künstlerischen Freiheit mit der Analyse der österreichischen Geisteshaltung zur Heimatliebe etwas über das Ziel hinausgeschossen ist, scheint jedoch naheliegend. In dieselbe generalisierende Kerbe schlägt auch der "Xenophobe´s Guide to the Austrians". Ein ungewöhnlicher Reisebegleiter, der sich mit einer Brise schwarzen Humors und einer unnachahmlich geradlinigen Beschreibung des Österreichers liebster Leidenschaft widmet: "Hypochonder sorgen sich um ihre Gesundheit, Österreicher um ihre Identität".

Österreichische Sorgen um die Identität

Der Analyse der "österreichischen Mentalität" wird die größte Aufmerksamkeit geschenkt. Mal werden die Österreicher als eigentlich unnahbar und unhöflich beschrieben. Dann wiederum als weltgewandt und offen, ein Volk der Künstler und Literaten, die sich ungleich ihren deutschen Nachbarn im Norden einen Hauch Gemütlichkeit bewahrt haben. Der paradoxe Charakter der Österreicher mischt gleichzeitig zutiefst konservative Haltungen mit einem seltenen Gespür für Innovation und Erfindung. Diese kreative Spannung führt in der Regel zu guten Ideen, manchmal aber auch eher zum Gegenteil. So wird im „Xenophobe´s Guide" das Beispiel vom Kaiser Josef II. erwähnt, der wiederverwendbare Särge mit Klappen auf der Unterseite einführen ließ, um die begrenzten Friedhofskapazitäten besser auszunutzen. Die Bevölkerung war empört, ein Sturm der Entrüstung erfasste das stolze Land. Der Kaiser war daraufhin zum Rückzug des Gesetzes gezwungen und erbost über die verschwenderische Haltung seiner Untertanen. Die österreichische Identität, so der Grundtenor des Buches, liegt irgendwo zwischen längst vergangener imperialen Geschichte und engstirnigen Loyalitäten. So wird gleich am Anfang erwähnt, dass in anderen Ländern Dynastien lediglich Episoden in der Geschichte einer Landesbevölkerung sind, im Habsburger Reich jedoch ist die Landesbevölkerung eine mühsame Erschwernis in der Geschichte der Dynastie.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Weiter heißt es im "The Xenophobe's Guide to the Austrians", dass der Österreicher viel Überzeugungsarbeit braucht, um seine Traditionen im Namen der Modernisierung an neue Entwicklungen anzupassen. Er zieht das Bekannte und Bewährte, etwas Neuem in jeder Hinsicht vor. Das liegt zu einem großen Teil auch am Grundton seines Charakters. Der österreichische Humor z.B. ist aus einer hochkultivierten Art der Selbstzerfleischung entstanden. Er klammert sich heftig an der Überzeugung, dass die Dinge schlecht ausgehen werden, auch wenn nichts darauf hindeutet. Ein defensiver und trockener Humor ist fester Bestandteil der österreichischen Mentalität, ihrem wehmütigen Blick auf die Welt und ihrem eigenen Platz darin. In dem schamlosen "fremdenfeindlichen" Reisbegleiter wird ebenfalls erklärt, dass der österreichische Galgenhumor als notwendiger Balsam für die Wunden der kleinen und großen Niederlagen in der Geschichte des Landes entstanden ist. So ist sich der "Österreicher" immer eines bewusst: Die Lage mag hoffnungslos sein, aber sie ist nie ernst. Das lässt ihn in den Augen der Welt zwar etwas behäbig, aber auch irgendwie sympathisch erscheinen. Dabei lässt sich laut dem Buch aber keine simple kollektive Analyse auf die Österreicher anwenden. Die Widersprüche in ihrem Charakter scheinen dafür zu manifest.

Manche sagen sie seien vergnügungssüchtig und genial, während wieder andere behaupten sie seien mürrisch, opportunistisch und etwas bösartig. Sie können in der Tat beides gleichzeitig sein. Wer eine etwas andere und durchaus hämische Sicht auf die Österreicher werfen möchte, ist mit dem "Xenophobes´s Guide", der sich übrigens auch andere Völker in einer ähnlich beißend-ironischen Art vornimmt, gut bedient. (Armand Feka, 28. Februar 2011, daStandard.at)

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8 Postings
"Thomas Bernhard hatte bekanntlich nur wenig für seine eigene Heimat übrig"

Das ist so falsch wie nur irgendetwas falsch sein kann.

Thomas Bernhard hat Österreich über alles geliebt. Die Landschaft, die Dörfer, die Gebäude, die Trachten, ja selbst die Menschen(!).

Nur die weit verbreitete Restmentalität aus deutschnationalen Zeiten die oft damit einher geht, DIE hat er gehasst bis aufs Blut (verständlicherweise.

Er hat sich der Thematik auf die einzig gangbare Weise genähert. Trage Lederhosen und verlache diejenigen die meinen die Lederhose sei "deutsch".

Wer der Meinung ist, Thomas Bernhard sei "in seiner künstlerischen Freiheit mit der Analyse der österreichischen Geisteshaltung zur Heimatliebe etwas über das Ziel hinausgeschossen", der hat keine Ahnung, wovon er redet.

Die Punschkrapfen-Metapher...

... stammt von Gerhard Fritsch aus dessen nachgelassenem Romanfragent "Katzenmusik".

Dr. Heinz Anderle, freigeist

das ist uuur alt

bin 32, und unser englisch lehrer hat uns das in der 6. klasse mal gebracht. das war '96

Dein deutsch lehrer hat allerdings offenbar ein bisschen ausgelassen.

so unnötig wie ein kropf, dein posting.

Wenn ich dem Link folge,

finde ich Sätze, die ich auch in meinem Englisch Buch damals in der Schule fand. Diesem Thema wurde eine ganze Unit gewidmet und ja, alles entspricht der Wahrheit ;)

Wenn man lange genug sucht, findet man auch bei einem selbst einiger dieser Charakterzüge, die ja nicht alle schlecht sind...

Kann ich bestätigen..

wobei das meißte natürlich etwas abgedroschen ist. Was in dem Buch beschriebenen Geiz der Österreicher betrifft, kann ich mich jedenfalls nicht wiedererkennen..

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