"Du bist eh eine von uns"

Olivera Stajić, 3. März 2011, 15:50
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    foto: matthias cremer

Liebe MitbürgerInnen, ersparen Sie mir in Zukunft bitte diese Art von Komplimenten!

Eine offenbar ortsunkundige, etwas ratlose ältere Dame kommt hastig über den Zebrastreifen auf meine Straßenseite. Ob ich ihr helfen kann, sie suche seit einer halben Stunde diese Gasse und keiner konnte ihr bisher helfen. Ich kann und tu es auch gerne. In wenigen Sätzen ist der Weg erklärt, sie bedankt sich überschwänglich und legt nach: "Gott sei Dank, endlich eine Einheimische, die ganzen Tschuschen hier können nicht mal g‘scheit Deutsch."

Jeder kennt diese Situationen im Leben, in denen man sich überrumpelt gefühlt hat und gerne eloquent und gescheit reagiert hätte. "Nun, ich muss Sie leider enttäuschen, ich bin auch ein 'Tschusch'. Ich kenne zufällig den Weg und Deutsch kann ich auch. Das ist allerdings kein Zufall und auch keine Ausnahme". Das ist es was ich eigentlich am liebsten gesagt hätte. In Wirklichkeit habe ich milde gelächelt und bin weiter gegangen.

Wenn man für hiesige Verhältnisse kein besonders "exotisches" Erscheinungsbild hat, keinen Dialekt spricht, oder sprechen möchte und seinen Akzent auch nicht liebevoll pflegt, bekommt man von verblüfften und offensichtlich überforderten Gesprächspartnern nicht selten zu hören: "Du siehst aber gar nicht so aus", oder "Du sprichst aber gut Deutsch". Im weiteren Verlauf des Gespräches wird dann oft nachgelegt: "Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber...". Was danach kommt, sind unappetitliche Tiraden, die sich zwischen offenkundiger Xenophobie und anbiedernder, pseudo-wissenschaftlicher "Analyse" der "unerträglichen Zustände" bewegen.

Liebe MitbürgerInnen, ersparen Sie mir (und anderen, die nicht in Ihre engstirnigen Denkmuster passen) in Zukunft bitte diese Art von Komplimenten. Diese, in Ihren Augen unzivilisierten, unangepassten, eben nicht "unsrigen" Anderen sind meine Eltern, FreundInnen, KollegInnen.

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e.kronberg
50
30.5.2011, 17:33
netter Hauptschulaufsatz.

*gähn*

adabei1001
31
23.4.2011, 03:27
es war als kompliment gemeint

nur so als anmerkung. bin zwar jung, verstehe die alte dame aber: komme mir in der u6 als österreicher manchmal wie ein fremder vor.

Barbarin
12
30.5.2011, 17:28
Komisch...

...in einer europäischen Hauptstadt wie Wien hört man nicht nur Deutsch/die heimische Sprache?

Hm...Sachen gibts!? :-)

Herzlich willkommen an dieser Stelle in der großen weiten Welt & Realität!

(Das haben größere Städte so an sich...also keine Panik bitte!)

test_eins_zwo
24
14.3.2011, 15:05
Beispiel von vor 10 min:

Auto bestellt bei bei bekannter Autovermietung - Dame am Telefon sehr freundlich und kompetent mit leichtem Akzent, wollte sich von mir partout den Vornamen Birgit nicht buchstabieren lassen - unterbrach mich mit "Sie WEISS, wie man das schreibt" - ich also gusch - nun hab ich die Bestätigung vor mir liegen, lautend auf Brigitte - blöd gelaufen...

Nevim
12
25.3.2011, 01:50

Klingt ja nicht besonders "freundlich und kompetent" - aber was genau wollen Sie uns damit sagen, liebe Birgit?

Quargelbrot
111

Welch schönes Leben muß das sein, wenn man solche Probleme hat, daß man diese "traumatischen" Erlebnisse gleich in Artikelform der Öffentlichkeit preisgeben muß.

Schon einen Psychologen zur Aufarbeitung konsultiert?

marcopolo1971
 
21

Komisch, so ein Spruch ist mir als Deutschem hier noch nie begegnet....

Barbarin
10
30.5.2011, 17:31
...so einer eh nicht...aber sicher ganz andere...

...als Deutscher im Ösi-Land! :-)

Hurrrrzn!
00
21.4.2011, 17:43
Deutsche werden aber auch nicht als "Tschuschn" bezeichnet.

Mynnia
00
31.3.2011, 00:29

Mir durchaus ein paar Mal.

Thank God I'm A Country Boy
00
17.3.2011, 18:21

mir als Deutsche permanent.

Beim Barte des Proleten!
02
Ich erleb das öfters

stören tuts mich nicht. Erlebe das sogar mit deutschen Kunden die verdutzt fragen ob ich den Österreicher bin weil ich akzentfrei Deutsch kann. Sachen gibts.
Man sollte halt ein bisschen tolleranter sein, in beide Richtungen.
Die Dame hat ja auch was gelernt, was Positives.

Die Postergemeinde muss auch verstehen das man sich fühlt wie ein Tier dem gesagt wird "pfoa der kann aufrecht gehen!"

skilp30
01
Es geht hier (aus meiner Sicht) nicht mehr um Toleranz!

Die Toleranzgrenze ist schon in den 80-ern und 90-ern längst überschritten worden.

Es geht nur noch um AKZEPTANZ! Auch in beiden Richtungen...

Der Waehlerwille
 
04
Wobei, lustiges detail am Rande, es sowieso kein Akzentfreies Deutsch gibt.

Was die Deutschen damit meinen ist dieses sehr uninspirierte und klanglich einschläfernde Hannoveraner deutsch.

Auch nix anderes als ein Dialekt unter vielen. Dessen Aussprache in Norddeutschland eben zu so einer art inoffizieller Norm wurde (Bühnendeutschbemühungen sind bekannt).

Die Präpotenz aber, vieler Norddeutscher, anzunehmen dass ihre Aussprache auch für Länder wie Österreich oder die Schweiz die einzig richtige wäre ist natürlich völlig unbegründet und nur vergleichbar mit dem Huaba Seppel (der irgendwann in dem 50ern gestorben ist) der annahm ausser seinem Goiserischen gäbs eh keine richtige Sproch. Sprich, zutiefst provinziell.

Barbarin
10
30.5.2011, 17:35
Ich komme aus dem Waldviertel...

...glauben Sie mir, Hannoveraner Deutsch ist Ihnen sicher lieber...mir auch! ;-)

rinden_mulch
55

ich bin zu tränen gerührt über so viel ungerechtigkeit und schäme mich wahnsinnig!!!!

scoutclau
110
I wohn im Fufzehntn ...

und wenn ich an Leuten vorbei gehe und sie deutsch reden höre, reißts mich immer ... es kommt einfach so selten vor, dass man es sofort bemerkt. Beginnst Du im meinem Bezirk mit jemandem ein Gespräch, so switscht die überwiegende Mehrheit in gutes Deutsch und haben mit der Konversation keine Probleme. Aber die Distanz bleibt. Es ist psychologisch gesehen eben nicht das Gleiche, ob Leute Deutsch können, in ihrer Sprache aber palavern, oder von Haus aus Deutsch sprechen, obwohl es nicht ihre Muttersprache ist.

Erstversuch
312
Könnte man auch als Langform von:

"Holtets die Goschen Österreicher!" interpretieren.

Zur Erinnerung: Wenn alles xenophob ist ist nichts mehr xenophob.

Erstversuch
04
Und dann 14 Tage später:

Grüne fordern mehr Steuergeld für soziale betreuungseinrichtungen weil sich immer mehr Alte " freemd und einsam " fühlen.

Meslier
62
Vielleicht sollte die geschätzte Autorin der alten Dame

zugutehalten, dass diese eventuell nach dem II. Weltkrieg mitgeholfen hat Österreich wieder aufzubauen und daher einen eigenen Bezug zu diesem, ihrem Land hat. Sie hat das sicher nicht diskrimierend gemeint. Danke für Ihr wertes Verständnis.

Nevim
02
24.3.2011, 20:42

Wtf? In den Fünfzigern auf der Welt gewesen zu sein, kann ja wohl keine Entschuldigung sein, um eine depperte Rassistin zu sein!

Barbarin
11
30.5.2011, 17:37
Stimmt...

...da sollte eigentlich das Gegenteil rauskommen.

Shoe Shine Pad
07
"Seids eh aus Wien oder seids Gscherde?"

Ist mir und einem Freund in einem Wiener Café passiert.

Barbarin
10
30.5.2011, 17:38
Ich bin auch eine...

...nicht kränken, wir G´scherten sind eh die besseren Wiener! ;-) So das musste mal gesagt werden!

Unter dem Pflaster
03

Nachdem unsere als unheimlich tolerant bekannte Landbevölkerung alle in ein Dorf Zugezogenen eh schon nach schlanken 5 Generationen vielleicht(!!) als Einheimische betrachtet, kann ich Ihre Empörung über diese Gemeinheit in Wien gut nachvollziehen.........

Ausserdem eine verständliche Frage, denn inzwischen sind wir vielleicht noch 20% gebürtige Wiener. Wo man hingreift, ein Gscherter.

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