Rezension

Let’s talk about Inländer!

Mascha Dabić, 4. März 2011, 14:35
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    foto: ueberreuter

Der Titel täuscht: "Wozu Ausländer?“ ist alles andere als eine Polemik. Der Autor Robert Dempfer wirft einen sachlichen, unaufgeregten, aber wohlwollenden Blick auf das Thema Integration

"Eigentlich kann ich das Wort Integration nicht mehr hören", erzählt eine 37-jährige iranischstämmige Juristin, die im Alter von sechs Jahren nach Österreich kam, im Interview mit Buchautor Robert Dempfer. Damit spricht sie Vielen aus dem Herzen.

Integration als medialer Dauerbrenner läuft Gefahr, sich totzulaufen und bei autochtonen Österreichern ebenso wie bei "Ausländern" nur noch Frustrationen und Irritationen hervorzurufen. Warum "Ausländer" unter Anführungszeichen? - Weil gerade die elf geführten Interviews mit den "Betroffenen" (wieder so ein Unwort) eindrucksvoll vor Augen führen, dass von "Ausländern" im eigentlichen Sinne keine Rede mehr sein kann. Die Menschen, mit denen der Journalist Dempfer über ihre Integrationserfahrungen spricht, sind alles andere als fremd, sie haben ihren Lebensmittelpunkt in Österreich, leben gerne in ihrem neuen Heimatland und denken nicht daran, in ihre jeweiligen Herkunftsländer zurückzukehren, allenfalls auf Urlaub.

Österreich und sein Inländer-Problem

Gleich zu Beginn konstatiert der Autor polemisch, dass Österreich ein veritables Inländer-Problem hat, und führt die inländische Bevölkerung so vor, wie normalerweise den „Ausländern" medial und politisch begegnet wird, nämlich defizit- und problemorientiert: „Sie begehen 70 Prozent aller Straftaten. Jeder zweite Mann bekommt im Laufe seines Lebens eine Strafanzeige. Nur knapp jeder fünfte ist Nettozahler in die Staatskasse. Von Bildung scheinen sie nicht viel zu halten, denn bei internationalen Schülervergleichstests und in den Universitäts-Rankings geht's bergab. Jedes Zehnte ihrer Kinder benötigt schon in der Volksschule sprachliche Förderung."

Ja, reden wir doch zur Abwechslung auch einmal über die „Inländer"! Meistens werden Ausländer- und Migrantenkinder für die schlechte Bildungs-Performance des österreichischen Bildungssystems verantwortlich gemacht. Aber Moment mal: Wie kann ein Kind, das schlecht lesen kann, ein anderes Kind konkret daran hindern, lesen zu lernen? Schlechte Mitschüler und sogenannte „bildungsferne" und/oder überarbeitete Eltern zu haben kann kein hinreichender Grund sein, um selbst ein schlechter Schüler zu werden. Die Verlockung, bei einem schlechten Ergebnis einen „Schuldigen" zu identifizieren - in diesem Fall die Migrantenkinder - ist groß, aber so einfach ist das nicht: Im österreichischen Bildungssystem ist wohl mehr faul als nur die unter Generalverdacht gestellten Migrantenkinder und ihre Eltern. Ein struktureller Wandel tut not, mehr und besser qualifiziertes Lehrpersonal.

Wer war zuerst da? Wer ist jetzt da? Wer bleibt da?

Was können Kanada und USA besser als Europa? - Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten, aber ein Rückblick auf die Gründungsmythen der jeweiligen Staaten lohnt sich. "[...] die lange Tradition der europäischen Nationalstaatlichkeit [führt] dazu, dass Personen, die nicht zur jeweiligen Mehrheitsgesellschaft gehören, als fremd gelten. So wie viele Länder der alten Welt versteht sich auch Österreich in erster Linie als Nation derer, die ‚ursprünglich schon da waren‘", zitiert der Autor den Bevölkerungsforscher Rainer Münz. Eine solche Sichtweise von Nation und Staatlichkeit stilisiert Migration immer zu einer Ausnahmeerscheinung der Geschichte hoch, anstatt anzuerkennen, dass Migration „ein strukturelles Element einer wachsenden Volkswirtschaft ist", wie der Geograph Heinz Fassmann analysiert. Vor dem Hintergrund einer solchen Grundstimmung sei es offenbar legitim, Barrieren zu errichten, die es Zuwanderern schwer machen, sich zu integrieren.
Dabei täte Österreich gut daran, sich zu überlegen, wie es für hochqualifizierte Zuwanderer attraktiv werden könnte, meint der Autor.

Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmung

Der nüchterne Blick auf die "Ausländerproblematik" bedeutet nicht, dass diese negiert wird. Natürlich gibt es Probleme, und natürlich wird man durch gelungene Integration nicht automatisch zum "Österreicher" - das muss auch nicht das Ziel sein. Ein 33-jähriger bosnischstämmiger Facharbeiter versteht sich als "gut integrierter Europäer", und fühlt sich bemüßigt, zu betonen, dass er ein Familienmensch ist: "Wenn meine Frau weg ist, kümmere ich mich komplett um die Kinder, ich koche auch. Den Haushalt machen wir gemeinsam. Pascha bin ich keiner." Das ist erfreulich und begrüßenswert; die Frage ist aber, ob auch auf einem durchschnittlichen autochton-österreichischen Mann der Rechtfertigungsdruck lastet, zu beweisen, dass er kein Pascha ist? - Vielleicht ist das der Hauptunterschied zwischen dem Leben als Inländer und dem Leben als Ausländer: Der zweitere muss seine Sache doppelt so gut machen, um anerkannt zu werden, er muss sich sein Dasein erst "verdienen".

Ein Buch über uns alle

Dempfers Buch ist kein Buch über "Ausländer", wie man auf den ersten Blick fälschlicherweise annehmen könnte. Es ist ein Buch über Menschen und Mitbürger, über das Zusammenleben im Alltag, über Pläne, Sehnsüchte, Ziele und Schwierigkeiten, die das Leben so mit sich bringt. Fernab von Exotisierung und Kulturalisierung untersucht Dempfer die sozialen Bedingungen, unter denen Menschen ausländischer Herkunft leben und setzt sie in Relation zur inländischen Bevölkerung. „Wozu Ausländer?" ist eine gelungene Bestandsaufnahme unserer Gesellschaft, die nicht polarisiert, sondern Unterschiede nebeneinander bestehen lässt, ohne zu hysterisieren und zu dramatisieren. Ein Buch, das der mitunter überhitzten Integrationsdebatte gut tut. (Mascha Dabić, 04. März 2011, daStandard.at)

Wozu Ausländer?
Eine Chance für unsere Gesellschaft
Robert Dempfer

ISBN: 978-3-8000-7497-6

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 28
1 2
zack de la rocha
 
10
24.3.2011, 14:07
viel blabla

um nichts her Dabic. Da ich jetzt aber keine Zeit habe, werde ich spaeter auf die Fehler ihrer Interpretation eingehen, die fast nichts mit der Realitaet zu tun hat.

palmström
13
11.3.2011, 22:38
70% der straftaten...

grins

wie hoch ist die "ausländer"quote noch mal?

15% in wien oder so?

schlechte eigenwerbung messieursdames...

Moist von Lipwig
11
24.3.2011, 11:47
Ja, schwer kriminell die Ausländer, vor allem die Deutschen.

Jene führen die Kriminalstatistik näml. an, vor den Serben.

Und kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Argument, dass hier relative / absolute Werte vermengt werden.

In Ö leben lt. Statistik Austria näml. nur 5.000 mehr Deutsche als Serben. ~192.000 gg. ~187.000

Ich fordere Ausweitung des Assistenzeinsatzes an Österreichs Westgrenzen, damit die Westblockbanden keine Chance haben in Ö Fuß zu fassen.

Was sagt eigentlich die FPÖ dazu?

palmström
00
12.3.2011, 12:04
15,4% ö-weit

1.1.2010

Norbert Dichand
216
Weder logisch schlüssig noch sachlich

"Aber Moment mal: Wie kann ein Kind, das schlecht lesen kann, ein anderes Kind konkret daran hindern, lesen zu lernen?"

Ganz einfach: Wenn die Mehrheit der Kinder Probleme mit der Unterrichtsprache hat, wird der Unterricht für alle langsamer und es geht weniger weiter. Nächste Frage?

"Was können Kanada und USA besser als Europa?"

Strengere Einwanderungsbestimmungen? Aber dieser Teil der Vorbildwirkung wird hierzulande ja gerne verschwiegen.

Pessimist-Realist
 
05

Naja, die Grünen wollten ja das can. modell übernehmen - zumindest den Teil, dass in Ö geborene Kinder automatisch die Staatsbürgerschaft haben. Alles andere nicht ...

fc_uk
123

ich mag die Österreicher einfach nicht. Im Grunde sind es primitve Bauern.

Nennt mich Loretta
 
01
10.3.2011, 16:36
Was machst Du dann hier?

Geh sonst wohin oder will Dich sonst niemand?

geilhuber
13

Als ein lebendiges Musterbeispiel der gelungenen Integration rate ich Ihnen dann , dieses Land schnell zu verlasen, dessen UreinwohnerInnen Sie nicht moegen.
Ich wuerde jedenfalls nicht bei einem Gastgeber bleiben, den ich nicht mag!

Lilith Boessse
 
03
sie sollten sich erkundigen, wieviele

Dipl.-Ing. es unter "den bauern" gibt!

Der Politiker
31

ich mag die Dipl.-Ing. einfach nicht, Im Grunde sind es primitive Bauern.

cannery row
01
ja, so ist das nun mal..

in der landwirtschaft. da wird in den meisten fällen kein wirtschaftsabschluss benötigt.

aber ich hab eine idee: fassen sie sich in herz, kaufen sie sich eine zugfahrkarte und fahren sie mal in eine grössere stadt.. sie werden staunen. wenn man seine zeit ausschliesslich auf einem bergbauernhof verbringt, verliert man leicht den überblick - so schön es dort sein kann.

fc_uk
00

wohne in wien.

zahnloser Tiger
05
na dann ab nach Ungarn...

ist net weit, aber die Menschen sind viiiiiiel gebildeter

und politisch doch soooo viel korrekter und Fremdenfreundlicher als die ÖsterreicherInnen...

oder in den Iran, da ist man sicher auch total willkommen als einwandernder Christ aus Europa....

total egalitär der Iran hab ich mir sagen lassen

vor allem bei den Steinigungen, da dürfen Männer und Frauen gleichermassen "Stana schlicken"

Adam Markus
64

Ich muss öfters in diversen Wiener Randbezirken mit den so genannten "Autochtonen" diskutieren. Es ist echt eine Schande wie viele nicht lesen und schreiben können und bei jedem, von der FPÖ geforderten Deutschtest durchfallen würden. Das sind dann jene die am schärfsten gegen die "Ausländer" herziehen und dass sie ihnen die Arbeitsplätze etc. wegnehmen.

Das ist zwar an sich schon tragisch, aber durch unser wunderbares Bildungssystem wächst die Gruppe dieser in der heutigen Wissensgesellschaft zu nichts zu gebrauchenden Menschen und ich frage mich wann die Regierung etwas für bessere Bildung für alle unternehmen will.

Weil gegen "Ausländer" Hetzen kann sie, aber in Bildung und Sozialsysteme investieren leider nicht.

politisch verfolgt
03
in Bildung und Sozialsysteme investieren leider nicht

wo leben sie?
es gibt kaum ein land auf der welt, das mehr für bildung und sozialsysteme ausgibt als österreich. was wollen sie denn noch?

Adam Markus
21

Nur das alle lesen und schreiben können.......

politisch verfolgt
13
und soll dabei

der unterschied "das" und dass" auch eine rolle spielen oder nicht?

Johannes Benn
13
.

kanada und usa würden ohne die echten nationen in europa nicht funktionieren. die zeit der vielvölkerstaate (udssr) und "willensnationen" von europäern auf neu entdecktem land (usa, australien) scheint vorbei zu sein, die zukunft gehört den ethnisch homogenen ländern (china, südkorea)

Frühlingsrolle
00
25.3.2011, 19:28

China ist überhaupt nicht homogen!
es gibt mehr als 50 verchiedene anerkannte Volksgruppen

papa_ratzi
20

Jede Nation ist Indoktrination! (Rudolf Burger)

Und wenn Sie so stolz auf die "echten Nationen" in Europa sind, wie erklären Sie dann die Schweiz, Belgien, oder Spanien (das linguistisch genauso gespalten ist)?

geilhuber
20

Linguistisch gespalten wie Oesterreich (Deutsch, Wienerisch, Steirisch,Tirolerisch, Kaernterisch...)?

Neuer Nick neues Glück
11

Was ist bitte an China ethnisch homogen?!?

geilhuber
00

Es ist so homogen wie Oesterreich.

zahnloser Tiger
05
91,59 Prozent der Bevölkerung Chinas sind Han-Chinesen

weisst eh wies ist:

wenn einer keine Ahnung hat....

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