"Eltern sind auch erziehungsverpflichtet"

Willi Kozanek, 9. März 2011, 16:04
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    In der Volksschule Neu-Arzl sprechen 171 von 270 SchülerInnen neben Deutsch eine weitere Sprache.

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    Volksschullehrerin Elisabeth Kathrein mit ihren SchülerInnen.

Wie es ist in Volksschulklassen zu arbeiten, in denen gut zwei Drittel der SchülerInnen mit nichtdeutscher Muttersprache sitzen, berichten Direktorin und Lehrerin der Volksschule Neu-Arzl

"Ich möchte aber trotzdem nirgendwo anders unterrichten", meint die Volksschullehrerin Elisabeth Kathrein, nachdem sie minutenlang über ihre Schwierigkeiten beim Unterrichten gesprochen hat. Es sind vor allem die Unterschiede in den Sprachlevels ihrer SchülerInnen und die damit verbundene Herausforderung das richtige Sprachniveau für die gesamte Klasse zu finden, die der Lehrerin zu schaffen machen. "Gerade heute merkte ich es wieder: Im Sachunterricht sprachen wir über Verletzungen und Krankheiten, als mehrere SchülerInnen meinten, dass sie das Wort 'Verband' nicht kennen. Ich erklärte dann das Wort, damit diese SchülerInnen dann wirklich weiter mitarbeiten konnten. Solche Wortschatzdefizite treten im Unterricht ständig auf und kosten viel Zeit. Ich versuche alle Kinder auf einen Mindestlevel zu bringen damit sie dem Unterricht folgen können. Dadurch findet leider manchmal eine Nivellierung nach unten statt."

Differenzierter Unterricht?!

In der Volksschule Neu-Arzl (Innsbruck) sprechen 171 von 270 SchülerInnen neben Deutsch eine weitere Sprache. Die Klassen sind bunt gemischt, es gibt unter anderem Kinder tschetschenischer, türkischer, serbokroatischer oder albanischer Muttersprache. Mit derart heterogenen Klassen zu arbeiten ist laut Elisabeth Kathrein nicht schwieriger, aber weniger effektiv als mit sprachlich homogenen. „Eine Gruppe zahlt immer drauf, ich kann nicht gerecht sein. Was für die einen zu leicht ist, ist für die anderen schon zu schwer." Der Forderung von Bildungsexperten differenzierten Unterricht zu gestalten, können sowohl Direktorin als auch Lehrerin wenig abgewinnen. "Bei einer Klassengröße von 24 Kindern ist es schlicht unmöglich, alleine einen solchen Unterricht effizient anzubieten. Wir bemühen uns sehr allen Kindern zu helfen, sind aber überfordert. In einer solch heterogenen und großen Klasse bräuchte es zumindest zwei LehrerInnen." Als zweite Option komme nur eine Senkung der Klassengröße auf maximal 20 Schüler in Frage.

Halbtagsjob VolksschullehrerIn

Erika Bucher meint, dass es ihrem Beruf außerdem auch an Ansehen in der Öffentlichkeit fehle. Die Ausbildung aller LehrerInnen sollte auf Masterniveau stattfinden und auch das Gehalt der VolksschullehrerInnen sollte die höhere Wertschätzung widerspiegeln. "Im so hochgelobten Finnland genießen VolksschullehrerInnen das höchste Ansehen in der Gesellschaft. Bei uns dagegen ist das Image noch immer das des Halbtagsbeschäftigten. Das ist vielleicht auf dem Land so, dort sind die Klassen kleiner und sprachlich nicht so unterschiedlich, aber ich weiß, dass viele meiner LehrerInnen geschlaucht nach Hause gehen." Elisabeth Kathrein beschreibt ihre Arbeit trotzdem als "spannend, toll, aber auch anstrengend". Sie meint, es sei schön, wenn sie in der Klasse Zahlen lernen und diese in zehn verschiedenen Sprachen aufzählen können. Im Sachunterricht lerne man viel über die anderen Bräuche der Mitschüler, sie sagt, ihre SchülerInnen werden weltoffener und toleranter sein, als Kinder die in vergleichsweise homogenen Klassen sitzen. Auch persönlich sei die Arbeit in der Volksschule Neu-Arzl horizonterweiternd: "Ich hatte vor fünfzehn Jahren keine Ahnung von islamischen Bräuchen und Festen."

It's all about the money

Das Wort, das die beiden Pädagoginnen am öftesten verwenden ist "Ressourcen". Es fehle an Team-LehrerInnen, LogopädInnen, BeratungslehrerInnen aber auch an personeller Unterstützung für die KindergartenpädagogInnen für eine bessere Vorbereitung der zukünftigen SchülerInnen im Kindergarten. "Der Spracherwerb müsste viel früher beginnen. Man weiß, dass Kinder zwischen drei und sechs Jahren am einfachsten Sprache erlernen und ein breiter Wortschatz ist die Voraussetzung für Bildungserwerb." Die Kinder bemühen sich zwar sehr, meint Elisabeth Kathrein, den Aufstieg ins Gymnasium habe bisher aber trotzdem erst eine ihrer türkischen SchülerInnen geschafft. Der schwache Wortschatz vieler Kinder hätte auch mit mangelnden Kenntnissen der Muttersprache zu tun. Aus der Hauptschule höre man, dass türkische Kinder dort mittlerweile besser Deutsch als Türkisch sprächen und dabei sei ihr Deutsch-Niveau nicht besonders hoch, ergänzt Erika Bucher.

Nicht nur die äußeren Umstände sind schuld

Erika Bucher meint, dass einerseits viele Probleme in den Volksschulen der Politik anzulasten sind: Man hätte Migration und Integration in der Vergangenheit besser steuern sollen und auch der heutige LehrerInnenmangel sei auf schlechte politische Planung zurückzuführen. Andererseits tragen aber auch die Eltern vieler SchülerInnen mit und ohne Migrationshintergrund Verantwortung für den oftmals mangelhaften Bildungserfolg ihrer Kinder. "Bildungsferne und Bildungsunwillen existieren, es gibt Eltern, die Analphabeten sind und die einfach nicht wissen, dass Bildung Grundvoraussetzung für sozialen und ökonomischen Erfolg ist. Heute muss auch ein Hilfsarbeiter lesen können, dessen sind sich vor allem einige Halbwüchsige anscheinend nicht bewusst. Eltern sind in meinen Augen nicht nur erziehungsberechtigt, sondern auch erziehungsverpflichtet." (Willi Kozanek, 9. März 2011, daStandard.at)

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18 Postings
carpediem99
 
02
10.3.2011, 18:50

genau das sind ein teil der kosten für zuwanderung - 2 stützlehrer pro kind ...kost fast nix....

baka
02
10.3.2011, 15:51
Krankes System

Entweder Du hast die Zeit und kannst als Elternteil mit Deinen Kindern am Nachmittag üben oder Du hast Geld und kannst Nachhilfelehrer dafür engagieren. Hast Du beides nicht, musst Du hoffen, ein überaus selbständiges, talentiertes Kind zu haben, das sich das alles selbst organisiert. Hast Du das auch nicht, fällt Dein Kind in Österreich mit Garantie durch den Rost, egal ob deutsche oder andere Muttersprache. Und dafür sind wir auch noch bereit, eine Menge Geld zu bezahlen. Dieses System ist unheilbar krank. www.ueber-land.eu

springflower
11
16.3.2011, 12:59
Mit seinen Kinder Deutsch zu sprechen wäre aber

nicht zu viel verlangt. Leider höre ich beim Einkaufen keine Migrantenfamilie mit ihren Kindern Deutsch sprechen. Es wäre die Verpflichtung dieser Eltern, die Kinder im Alltag mit der Sprache des Landes, in dem sie Leben vertraut zu machen. Dazu habe sie die Verpflichtung und sehe nicht dass diese wahrgenommen wird!

Spucks
00
30.3.2011, 12:33
Beschäftigen Sie sich mal mit Linguistik

Zum Glück für die Kinder sprechen diese Eltern NICHT Deutsch mit ihnen!
Es ist mittlerweile allgemein bekannt, dass Eltern mit den Kindern nur eine Sprache sprechen sollen, die sie auf Muttersprachenniveau beherrschen. Sonst lernen die Kinder nicht nur die Fehler mit, sondern wenn das in den ersten Jahren, in denen sich das Gehirn noch entwickelt, passiert, dann wird das Gehirn noch dazu falsch programmiert. Den Kindern fehlt dann 1. die Tiefe der Sprache und 2. erkennt das Hirn etwas Falsches als Muster an.
Das sind dann die Kinder, die NIE irgendeine Sprache perfekt beherrschen werden.

Das Beste, was Eltern für die Sprache (egal welcher) ihrer Kinder tun können ist es deshalb ausschließlich die Muttersprache mit ihnen zu sprechen.

samba cat
04
10.3.2011, 10:46
es kann imvho nicht stimmen,

dass es tatsaechlich eltern gibt, die nicht _wissen_, dass bildung voraussetzung fuer erfolg ist. jede noch so ungebildete mutter in jedem slum der welt wuenscht sich, das ihre kinder in die schule gehen koennen, damit sie es mal besser haben. es gibt aber sicher genug eltern, denen das wurscht ist, und genau die sind das problem, unabhaengig von der muttersprache.

ColdStorage
00
14.3.2011, 18:27
Nur wünschen reicht eben nicht ...

Vor allem für jene Kinder, die keine Hilfe von den Eltern erwarten können, sind unterstützende Maßnahmen sehr wichtig. Man kann nicht alles auf die Eltern abwälzen, weil diese aufgrund der eigenen fehlenden Bildung, oft gar nicht dazu fähig sind.

Könnten Sie ad hoc das Volumen und den Umfang eines Trapezes ausrechnen? Wenn ja, Glück gehabt für Ihre Kinder.

Simba
10
10.3.2011, 13:34
hmm,

dann warst aber noch im Würstlstandl und hast dort mit den Lagerhacklern über die Owagscheidn, Studiertn geredet. Die wollen definitiv nicht, dass ihre Kinder mehr lernen als sie selber.

samba cat
00
10.3.2011, 14:50
ja, sie wollen es vielleicht nicht

aber sie _wuessten_, wie es geht.

Werner Masslos
14
10.3.2011, 09:00
Wahnsinn

"Eltern sind in meinen Augen nicht nur erziehungsberechtigt, sondern auch erziehungsverpflichtet."

Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Weit sind wir gekommen, daß so etwas ausgesprochen werden muß.

Es wäre interessant, eventuell pro Bundesland, aufgeschlüsselt zu bekommen, in wievielen Familien wirklich "Erziehung" statt findet. Wobei natürlich zuerst einmal festgelegt werden müßte, was der Begriff "Erziehung" alles umfassen soll.

Wenn nämlich raus kommt, daß sowieso keine 50% der Kinder mehr daheim erzogen werden, müssen die Maßnahmen anders aussehen, als wenn 80% der Kinder erzogen werden.

Spannend. Und eigentlich fürchterlich.

anders and
 
00
10.3.2011, 15:03

wir werden uns nie darüber einigen, was eine sinnvolle Erziehung umfasst, und was nicht.

bibliothekar
00
10.3.2011, 09:24

"Weit sind wir gekommen, daß so etwas ausgesprochen werden muß" - tut mir leid, das zeigt eher, dass sie wenig geschichtswissen haben. Lesen sie z.b. einmal ein wenig über die zustände in Österreich in der ersten hälfte des neunzehnten jahrhunderts. Vor allem das landleben könnte sie in dieser hinsicht interessieren.

bibliothekar
00
10.3.2011, 17:14

Meinte natürlich das 20 jahrhundert. Immer diese 0-1-fehler ;)

Langschluss
015

Tja, nur leider sind viele Eltern davon ueberzeugt, dass sie, ausser 9 Monate vor der Geburt ihrer Kinder Spass zu haben und sie danch bis ins erwerbstätige Alter durchzufuettern, nichts weiter tun muessen damit aus ihren Kindern "was anständiges wird".
Dann darf man sich nicht wundern wenn es heisst "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm"

Minister der Ökomonie
25
10.3.2011, 06:12
Was?

Es gibt noch Eltern die sich mit ihren Kindern mehr befassen, als sich vor dem Schlafengehen im Badezimmer beim Zähneputzen zu treffen?

Es ist ja schon eine Zumutung, Kinder vor dem dritten Lebensjahr ertragen zu müssen... eh nimmer lang, dann kann man sie Flächendeckend mit 3 Monaten in die Kinderbetreuung stecken und die Indoktrination erfolgt restlos vom Staat.

Achso... äh... die Freiheit oder so.

==McMurphy==
91
die

sprache der schüler entscheidet in zivilisierten ländern über die sprachlichen vorgaben für die lehrer.

Sam Deer
 
06
10.3.2011, 06:27
Kasperle

Im angeführten Fall finden sich Kinder mit tschetschenischer, türkischer, "serbokroatischer" und albanischer Muttersprache in der Klasse - in meinem Fall kämen noch Phillipinisch, Spanisch, Russisch und Chinesisch dazu.

Und all diese Sprachen sollte die KlassenlehrerIn auf Unterrichtsniveau draufhaben?

Die einzig zielführende Lösung wurde im Artikel angesprochen, ab einem Migrantenanteil von 50% in einer Klasse sollte diese permanent doppelt besetzt sein. Eine Senkung der SchülerInnenzahl hingegen bringt relativ wenig.

salaam aleikum
11
Also quaso net in österreich...

no nick no name
01

???????

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