Vierzehn konkrete Ziele und Handlungsvorschläge wurden am ersten Österreichischen Integrationstag ausgearbeitet. Nun muss gehandelt werden
Rund 400 Menschen aus Bildungsinstitutionen, NGOs, Politik und Wirtschaft trafen sich vergangen Freitag, um im Rahmen des Österreichischen Integrationstages gemeinsam an "Integrationszielen" zu arbeiten. In mehreren Arbeitskreisen wurden konkrete Lösungen für die Bereiche Arbeitsmarkt, Bildung und Gesellschaft entwickelt. Die ausgearbeiteten Szenarien und Perspektiven wurden am Ende des Tages im Rathaus in Anwesenheit zahlreicher Vertreter aus Politik und Wirtschaft präsentiert. Die politischen Akteure sind es nun auch, die die Lösungsansätze weiterentwickeln und umsetzen sollen, wünschen sich die Organisatoren vom Verein für Wirtschaft und Integration.
"Unglaublich kreative Vorschläge"
Zwetelina Ortega, Geschäftsführerin des Vereins, war für die Koordination der Arbeitsgruppe "Bildung" zuständig und zeigte sich am Ende des arbeitsintensiven Tages von den Vorschlägen der TeilnehmerInnen "sehr beeindruckt und bewegt". "In vielen formulieren Zielen hab ich mich wieder erkannt und mich gefragt: Was wäre gewesen, wenn ich damals in der Schule gewesen wäre?", meint die gebürtige Bulgarin. "Besonders stolz" macht die Geschäftsführerin der Umstand, dass unter den ExpertInnen auch fast 50 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund waren. "Das sind Menschen, die persönliche Erfahrungen mit dem Thema Migration haben. Sie haben mit uns diese Erfahrungen geteilt und wertvolle, intelligente und unglaublich kreative Vorschläge eingebracht. Mit diesem Schatz müssen wir behutsam umgehen", so Ortega.
"Wir haben das Sagen!"
"Wie gut und erfolgreich der Tag wirklich verlaufen ist, werden wir in den nächsten Monaten und Jahren sehen", meint Georg Kraft-Kinz Obmann des Vereins Wirtschaft und Integration. Konkrete Projekte mit messbaren Ergebnissen zu entwickeln, sei der erste wichtige Schritt, außerdem müsse die Haltung zum Thema Migration und Integration verändert werden, plädiert Kraft-Kinz. Nur auf diese Weise können langfristig auch jene ins Boot geholt werden, die der Thematik negativ gegenüber stehen, darin sind sich die OrganisatorInnen und die TeilnehmerInnen einig. Die "Aufklärungsarbeit" müsse auch innerhalb der politischen Kreise geleistet werden, meint Kraft-Kinz. Der große Zuspruch und die konkreten Lösungsvorschläge seien ein deutliches Signal der Zivilgesellschaft an die Politik. Wir sind die Zivilgesellschaft, wir wählen die Politik, wir haben das Sagen. Es geht in erster Linie darum, wie konsequent wir in der Umsetzung unserer Ziele sind", betont Kraft-Kinz.
Grundgescheite Ziele
Bis zum zweiten Integrationstag im kommenden Jahr sollen messbare Erfolge erzielt werden. "Wir haben geschaut, dass wir umsetzbare, scharfe Forderungen stellen", so Ortega. "Jeder der den heutigen Tag miterlebt hat, spürt, dass unsere Ziele grundgescheit sind, und dass eine Veränderung notwendig ist", meint Kraft-Kinz zuversichtlich.
Eine der Teilnehmerinnen, Erika Tiefenbacherer konnte allerdings bereits mit einem erfreulichen Ergebnis nach Hause gehen. "Es war eine tolle Gelegenheit, um wieder einmal erfolgreich zu netzwerken. Ich habe heute einen neuen Sponsor für ein Projekt an meiner Schule gewonnen", erzählte die engagierte KMS-Direktorin.