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"Einander besser kennen"

Jasmin Al-Kattib, 15. März 2011, 10:39
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    foto: jasmin al-kattib

    Karin Kuttner, Leiterin der katholischen Privatschule in der Friesgasse, erklärt das interkulturell angelegte Schulkonzept.

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    Jährlich werden zehn bis fünfzehn Religionsbeauftragte vom Türkischen Präsidium für Religionsangelegenheiten für etwa fünf Jahre nach Österreich entsandt.

Im Rahmen einer Weiterbildung für Imame werden türkische Religionsbeauftragte für ihre berufliche Praxis in den österreichischen Moschee-Gemeinden geschult

Vorige Woche fand im Seminarraum des Schulzentrums Friesgasse im 15. Wiener Gemeindebezirk eine überaus charmant anzusehende Begebenheit statt: 20 türkische Religionsbeauftragte, davon 17 Männer in gepflegten dunklen Anzügen und drei Frauen mit farbenfrohen Kopftüchern, lauschen dem Vortrag einer katholischen Ordensschwester - ebenfalls in dunkler Kleidung und mit schwarzer Kopfbedeckung.

Zustimmendes Nicken und viel Lob erfährt Ordensschwester Karin Kuttner, Leiterin der katholischen Privatschule in der Friesgasse, von ihren Zuhörern. In ihrer Präsentation erzählt sie, wie sie ihren Bildungsauftrag sehe, erklärt das interkulturell angelegte Schulkonzept und betont die Offenheit der Schule gegenüber anderen Religionen. Am Ende ihres Vortrags gibt es zahlreiche interessierte Wortmeldungen aus dem Publikum.

Schwerpunkt Bildung und Schulsystem

Von 5. bis 10. März 2011 fand bereits zum dritten Mal eine landeskundliche Schulung für türkische Imame und Frauenbeauftragte aus Moschee-Gemeinden in Österreich statt. Initiiert wurde das Projekt vom österreichischen Außenministerium in Kooperation mit dem Türkischen Präsidium für Religionsangelegenheiten (Diyanet/ATIB). Ziel dieser speziellen Weiterbildung ist es, Wissen und Kompetenzen zu vermitteln, die es den Religionsbeauftragten in Österreich erleichtern sollen, mit den Herausforderungen der Migration und Integration in ihren Gemeinden besser umgehen zu können.

Neben Themen wie der österreichischen und europäischen Rechtsordnung, Menschenrechte, Demokratie oder Religionsfreiheit wurden gemeinsam mit diversen Beratungseinrichtungen auch Fragen zu Gewalt in der Familie und Frauenrechte beleuchtet. Die diesjährige Schulung rückte zudem den Schwerpunkt Bildung und österreichisches Schulsystem ins Zentrum ihres Dialogs, in Rahmen dessen auch die Exkursion in das für seine interkulturelle Kompetenz bekannte Schulzentrum Friesgasse organisiert wurde.

Nachholbedarf und große Verantwortung

"Im November 2008 haben wir nach einem längeren Vorbereitungsprozess die erste Schulung als Pilotprojekt gestartet", schildert Agnes Tuna, Projektkonsulentin und Mitarbeiterin der "Task Force Dialog der Kulturen" des Außenministeriums. Trotz vorausgesetztem Theologiestudium und einer in der Türkei absolvierten Vorbereitung für den Einsatz in Österreich seien bei den Imamen viele Grundvoraussetzungen für eine optimale Handlungskompetenz oft nicht vorhanden: "Zum Beispiel bezüglich Wissen über das Christentum und andere Religionen, da gibt es viel Nachholbedarf", erklärt Tuna.

Jährlich werden zehn bis fünfzehn Religionsbeauftragte von Diyanet für etwa fünf Jahre nach Österreich entsandt. Diese Imame und Frauenbeauftragten spielen als MultiplikatorInnen in ihren türkischen Gemeinschaften eine bedeutende Rolle, da sie für viele Menschen innerhalb der Moschee-Gemeinde eine Anlaufstelle für Probleme und verschiedenste Angelegenheiten darstellen. Dieser großen Verantwortung sind sich die Entsandten aus der Türkei sehr wohl bewusst.

Themen in Freitagspredigt integriert

Vildan Öz, eine der drei Frauen im Seminar, ist seit zwei Jahren Religionsbeauftragte in Bregenz und bezeichnet ihre Teilnahme an der Schulung als sehr "wertvolle Erfahrung" für ihre Praxis. "Das Seminar ermöglicht es uns zu sehen, wie es unseren türkischen Mitbürgern hier in ganz Österreich geht und welche Möglichkeiten der Integration und Lösungsansätze es geben kann. Das ist sehr wichtig", erzählt Öz.

Auch Erdal Ertorun, Imam im 10. Wiener Gemeindebezirk, hat bereits viel des erworbenen landesspezifischen Österreich-Wissens an seine Gemeinde weitergeben können. Er besuchte bereits 2008 die erste Imame-Schulung: "Danach habe ich die wichtigen Themen auch in meine Freitagspredigt integriert, jedes Mal bin ich auf etwas anderes eingegangen." Auch heuer drückt der Imam wieder begeistert die "Schulbank". Trotz der verpflichtenden Teilnahme (durch ATIB, Anm.) empfindet er das Seminar ganz und gar nicht als Zwang: "Ich sehe diese Weiterbildung nicht als Verpflichtung, sondern als meine Hausaufgabe." Ebenfalls zu seiner Aufgabe gehöre es, "die Gemeinde über Bildung, die Rechte der Migranten und Themen wie Spracherwerb in Österreich aufzuklären."

Thema Ausländerfeindlichkeit

Teilnehmerin Fatma Günay lebt und arbeitet als Frauenbeauftragte in Hallein in Salzburg und weist darauf hin, dass man auch das Thema Ausländerfeindlichkeit nicht ausklammern könne: "Ich glaube, es kommt daher, dass sich die Angehörigen beider Kulturen nicht besser kennen und kennenlernen. Es müssen Möglichkeiten geschaffen werden, wo wir alle uns besser verstehen lernen." Sie selbst werde in Zukunft vermehrt mit öffentlichen Stellen in Hallein zusammen arbeiten und auch in ihrer Moschee versuchen, mehr Kooperationen mit Schulen zu initiieren, um "in dieser Hinsicht voran zu kommen."

Eigentlich sollte das Projekt nicht lediglich für türkische Imame und Frauenbeauftragte in Österreich stattfinden. "Es war von Anfang an unsere Idee, es immer mehr auszuweiten", so Tuna. "Nur leider haben wir in Österreich die Problematik, dass wir in so einer kompakten Organisation eigentlich nur die ATIB-Imame zur Verfügung haben." Hier gebe es klare Kontaktpersonen, die bei der Koordination der Gemeinden und der Organisation der Seminarreihe helfen können. "Die anderen Moscheen sind teilweise so zerstreut, da ist es leider schwierig, einen Ansprechpartner zu finden."

Überwindung religiöser Grenzen

Zurück in die Friesgasse: Der Vortrag von Leiterin Kuttner wird durch eine Fragerunde mit einem der insgesamt vier muslimischen Religionslehrer der katholischen Privatschule unterbrochen. Wie selbstverständlich erzählt er von der Zusammenarbeit der Religionslehrer unterschiedlicher Konfessionen und den gemeinsamen Workshops, in denen die Kinder Einblick in die anderen Glaubensrichtungen bekommen sollen. Die Schule feiere interreligiöse Feste, am Schulbeginn und -ende finde eine Art "multireligiöser Gottesdienst" für alle statt, und auch sonst stehen interkulturelle Themen wie die Wertschätzung verschiedener Muttersprachen im Vordergrund. Ein Schulkonzept, das wohl nicht nur in den Köpfen der türkischen Imame für frischen Wind sorgt. (Jasmin Al-Kattib, 15. März 2011, daStandard.at)

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Posting 1 bis 25 von 28
1 2
Der Kluge
10
16.4.2011, 04:53

Noch etwas: Muslime haben eine Geburtenrate von 2,2 Kindern/Frau. Das ist weder viel, noch wenig. Die muslimische Bevölkerung bleibt gleich. Bei den Türken das gleiche: Das sind gesunde Gesellschaften.

Die Nicht-Muslime haben eine Geburtenrate von 1,3 Kindern. Das ist eine kranke und gescheiterte Gesellschaft.

Die Rassisten tun immer so, als hätten die Ausländer so viele Kinder. Das ist Unsinn. Das eigentlich Problem ist die Kinderlosigkeit der österreich. Gesellschaft/Kultur. Die Rassisten projezieren diese, unsere Krise auf unschuldige Sündenböcke. Wir müssen uns verändern, reformieren. Nicht die Türken!

Der Kluge
00
16.4.2011, 04:49

Man muss es positiv sehen: Diyanet und ATIB sind türkische Organisationen, die primär versuchen den türkischen Nationalismus zu fördern. Es sind nationalistische Kultur Vereine, die den Islam in diesem Auftrag miteinbeziehen.

Ist zwar nicht unproblematisch, aber wenigstens sind diese Leute keine Salafisten, die vom Krieg gegen den Westen träumen. Bei aller Kritik (Unterdrückung Aleviten...) Menschenrechte, Demokratie, Religionsfreiheit werden von den türkischen Nationalisten respektiert, sie sind mir 1000mal lieber als irgendwelche durchgeknallte Wahabis, die per youtube und Co. junge, ungeschulte Muslime radikalisieren.

Man hätte sich vorher die Einwanderungspolitik überlegen müssen. Jetzt muss man das akzeptieren. Religionsfreiheit.

Annata
01
16.3.2011, 17:41

Wir brauchen mehr Denker wie Hamed Abdel Samat! hier ein schönes Interview! sowas gibt doch Hoffnung für die Zukunft

http://www.youtube.com/watch?v=lCycMSuemCA

hatamatata
 
00
16.3.2011, 19:35

gutes video, und gut das er aus diesem klturkreis kommt, meiner meinung kann sich ein kulturkreis/land nur von innen heraus ändern, hört man abdl zu kann man hoffen das in der menschheit vernunft un tugend siegen, oft befürchte ich jedoch dass das siegt, was wir mit mittelalter verbinden. Vor allem wenn ich sehe dass es genügend opfer in unserer gesellschaft gibt, die nicht als solche erkannt werden, und die ohne information zu erhalten blauäugig der entstehenden intoleranz/unterdrückung/demütigung ins messer laufen müssen

Johannes Benn
01
16.3.2011, 11:18
.

"einander besser verstehen" wenn ein land menschen aus 170 anderen ländern aufnimmt, ist es dann wirklich aufgabe der bürger des aufnehmenden ländern 170 kulturelle trainings mitzumachen?

7._Zwerg
00
16.3.2011, 08:26

Das nenne ich einmal den Teufel mit dem Belzebub austreiben...

el puño rojo
 
13
15.3.2011, 17:20
Was um Alles in der Welt

hat das "Türkische Präsidium für Religionsangelegenheiten" in Österreich verloren ?
Wenn sich der türkische Staat auch in anderen Bereichen so um das Wohl seiner Bürger sorgen täte bräuchten diese nicht auswandern .

uruguay
 
50
16.3.2011, 01:20
Dann frage ich dich...

...warum bist du aus deiner Heimat ausgewandert?

el puño rojo
 
13
16.3.2011, 11:08
Bin nie irgendwo aus oder eingewandert

und sollte ich das jemals tun dann sind z.B. eine Zweigstelle der österreichischen katholischen Kirche oder Kärntner Schützenvereine das Allerletzte was ich dort sehen will während bei uns in Europa die muslimischen Heimatvereine nur so aus dem Boden schiessen .
Was würden die Leute in Uruguay sagen wenn in Montevideo ein Strassenzug nach dem anderen für Einheimische zu NoGo-Area werden würde ?

uruguay
 
21
17.3.2011, 13:39
Nun,

wo gibt es denn NO-Go-Areas in Austria? Das ist doch ein erfundener bzw von den Amerikanern übernommener Leitsatz, um die anti-türkischen und antimoslemischen Ressentiments rechtzufertigen!
Und vergleiche nicht Äpfel mit Birnen! Im Ausland gibt es keine große österreichische Minderheit und vor allem werden diese auch nicht in Randgebiete hingefercht bzw getthoisiert!
Und noch etwas...ich habe mich durch dein Nickname verleiten lassen so wie du dich von meinem!

Annata
10
16.3.2011, 17:19

Dios mio ?

Annata
310
15.3.2011, 15:59

Österreich wird immer säkularer, nur durch Einwanderung wird Religion am Leben erhalten!

Klar das sich da unserer Religiösen an den Islam heften um ihrer Religion den gesellschaftlichen Stellenwert zu erhalten!

Nein Danke!

Hans Müller1
 
20
15.3.2011, 23:46
Vielleicht benötigen wir gerade deshalb soviel Zuwanderung

weil wir so "säkulär" geworden sind (Nichts gegen Säkularität, aber eigentlich geht's ja nicht darum sondern dass das Christentum durch Materialismus verdrängt worden ist).
Vor lauter Egoismus ist kein Platz mehr für eigene Kinder, und dann glauben wir dass Zuwanderer die ja nicht dumm sind und sehen dass unsere Gesellschaft nicht funktioniert sich freudig unserer "überlegenen" Kultur anpassen. Wird wohl nicht so funktionieren, ist aber egal, unserer Egoistengeneration ist es eh wurscht wenn Europa in fünf Generationen muslimisch ist; die ehemals so religionskritische SPÖ hat hier schon eine neue aufstiegsresistente Kernwäherschaft entdeckt (75% der Türken in Wien wählten SPÖ) und ist hier plötzlich ganz supertolerant

Annata
01
16.3.2011, 17:17

Wenn sie mir jetzt zeigen wo außer dem Kinder kriegen Islamische Gesellschaften sonst noch funktionieren haben wir ne Diskussion ;)

Eine gescheite Kinder Politik mit einer fundierten Vermittlung rationaler aufklärerischer Werte würde hier auch viel Abhilfe schaffen! Anstelle verlassen wir uns auf antiquierte Institutionen, welche schon lange keine Antworten mehr liefern, außer den wenigen Anachronismen die noch wirklich an die heilige Abstammung diverser Bücher glauben

jesus mohamed von wien
02
15.3.2011, 15:22
das einzige was schulen mit religon zu tun haben dürfte, ist

das wissen das es sie gibt und wievile davon. es kann auch auf jede von ihnen speziell eingegangen werden. gebete und gebote der jeweiligen religion in einzelstunden sollen sich die jenigen die das wollen oder glauben zu brauchen selbst bezahlen. den klassenraum könnte man der jeweiligen religonsgeminschaft noch vermieten, die ihre gelder aber aus spenden ect. selbst aufbringen müssen.

sepp schilehrer
110
15.3.2011, 15:04

Die Damen mit den "farbenfrohen Kopftüchern" (ui, da muss die Brille wieder gaaaanz rosarot gewesen sein) schauen übrigens sehr gut integriert aus....

uruguay
 
10
17.3.2011, 13:41
und Sie haben ja soo ein tollen Kommentar hier

als ein "sinnvollen Beitrag" hier geschrieben! Bravo, welch eine intelligentsbestialische Leistung...!

jesus mohamed von wien
12
15.3.2011, 15:03
trotzdem sind die kopftücher der musliminen schöner und bunter als die der nonne.

ingesamt ist aber die farb zusammenstellung der bunten tücher sicher nicht immer in den modefarben der saison.
ist eher so wie die farben der ersten gastarbeiterfrauen. muss religion zu allem übel noch dazu so unmodisch sein?

jesus mohamed von wien
10
15.3.2011, 14:58
hoffentlich wird da nicht so wie bei behinderten pflegebedürftigen

auch geld gespart. es scheint ja wichtiger zu sein christen und moslems mit staatlicher hilfe zum glauben auszubilden, als diese fürs system unrelevante kranken-randgruppe. hoffe das dieses unmenschliche system bald gar nicht mehr relevant ist.

Annata
38
15.3.2011, 14:33

Mir macht das echt sorgen, wenn sich die Gschichterl Drücker verschwören.

dia_lektik
01
15.3.2011, 16:01

weiß nicht vor wem ich mehr fürchten soll...vor der resoluten nonne oder den religionsbeauftragten aus der türkei ;)

das entsenden von religionsbeauftragten aus der türkei sehe ich überhaupt sehr kritisch, die sollten in ö ausgebildet werden. am besten wär aber überhaupt keine finanzierung für religiöses aus öffentlicher hand.

rosentod
45
15.3.2011, 14:24

"Offenheit" gegenüber anderen Religionen interessiert niemanden => Schulen haben religionsfreie Zonen zu sein.
Wer seinem Kind religiöse Instruktion hineinhämmern möchte hat das gefälligst in seiner Freizeit und auf seine Kosten zu machen.

Religion hat mit Bildung nichts zu tun.
Religion hemmt, vermeidet und kämpft gegen Innovation und Wissenschaft.

Für die vollständige Trennung von Staat und Kirche.

http://www.kirchen-privilegien.at/

valtheWU
01
15.3.2011, 17:22
zu polemisch:

"Für die Schaffung eines Bundesverfassungsgesetzes:
1. Zur Abschaffung kirchlicher Privilegien
2. Für eine klare Trennung von Kirche und Staat
3. Für die Streichung GIGANTISCHER Subventionen an die Kirche
Für ein Bundesgesetz zur Aufklärung kirchlicher Missbrauchs- und Gewaltverbrechen"

rosentod
00
15.3.2011, 22:14

Was finden sie polemisch an den Forderungen?

valtheWU
00
16.3.2011, 10:11
GIGANTISCH

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