Femous – Machen wir sie berühmt!

Eva Zelechowski, 18. März 2011, 13:16
  • Artikelbild
    foto: femous

    16-köpfiges Iyasa Ensemble aus Zimbabwe

Das Festival femous will als "Plattform für famous female culture" den Frauenanteil in der Festivallandschaft gründlich anheben

Als Silvia Jura, Präsidentin der IG Worldmusic Austria und Susi Rogenhofer, freie Kuratorin und DubClub/Flex-Mitbegründerin im Juni 2010 einen kritischen Blick auf die heimische Musikszene wagten, war das Ergebnis nicht berühmt: Im Hinblick auf das 100-jährige Jubiläum des Internationalen Frauentages am 8. März 2011 war schnell erkannt, dass es an weiblichen Führungskräften mangelt - sowohl in der Musikindustrie als auch im Verwaltungsbereich.

"Festivals glänzen mit unauffindbarem Frauenanteil"

Es fehlen Festivalintendantinnen, Kuratorinnen, weibliche Jury-Mitglieder, Leiterinnen von großen Clubs und es gibt kaum Musik-Journalistinnen. "Wenn wir die Präsenz von Musikerinnen auf den Bühnen Österreichs - egal aus welchem Genre - ansehen, sieht es da auch ganz miserabel aus. Viele Clubs programmieren 80:20 und Festivals glänzen häufig mit einem unauffindbaren Frauenanteil", sagt Jura besorgt.

Es ist höchste Zeit

Femous soll als "Plattform für famous female culture" und als Antwort auf diese Missstände dienen. "Genug der Unsichtbarkeit!", fordert Silvia Jura gemeinsam mit ihren Veranstaltungs-Kolleginnen und sagt klipp und klar: "Es ist höchste Zeit, dass Frauen mehr Raum in allen Musikbereichen bekommen. Machen wir sie berühmt!" Das erklärte Ziel von femous ist, die Sichtbarkeit von Frauen in der Musik- und Festivalszene zu fördern. Ein wesentlicher Bestandteil des femous-Konzeptes ist außerdem die Einrichtung von DJ-Workshops und Produktionsklassen in Kooperation mit der Brunnenpassage in Wien Ottakring.

100 femous dates

Von März bis September 2011 lassen es Frauen an "100 femous dates" knallen und rufen zur Gender Balance auf. Gefordert wird die Sichtbarmachung der Frau in Sphären von Kommerz-Pop, elektronischer Musik oder künstlerischen Schnittstellen von Film, Wissenschaft sowie Literatur sowie das "Aufziehen verrosteter Uhren", die bisher gegen die Frauen tickten.

Von Bastardsound bis Fiktiv-Wienerisch

"Wien weist eine beachtliche Szene von Künstlerinnen mit Migrationshintergrund auf, die internationales Format haben und größtenteils auch außerhalb Österreichs bekannt sind", erklärt Jura. Für die große Auftaktveranstaltung in der Ottakringer Brauerei am Samstag, den 19. März, wurde deshalb bewusst auf Künstlerinnen der Wiener Szene gesetzt. Teil des Programms ist beispielsweise die Brasilianerin und Wahlwienerin Célia Mara, die mit ihrem "Brasilian Bastardsound" den Abschied vom Purismus angeht. Ebenfalls mit dabei ist die temperamentvolle Jazzsängerin und gebürtige Roma-Serbin Matilda Leko.

Ein weiteres Highlight verspricht ein Frauenpower-Balkanquartett: Die Bratschistin Jelena Popržan aus Serbien liefert gemeinsam mit Rina Kaçinari, Ljubinka Jokić und Maria Petrova aus Bosnien Herzegovina, dem Kosovo und Bulgarien mitreißenden Folk, der auf humorvolle und schräge Weise das Publikum mit Fiktiv-Wienerisch beeindruckt und zum Beben bringt.

Politische Vertreterin

Für die Moderation der Veranstaltung wurde mit der österreichischen Uganda-Slowakin Grace Latigo gezielt eine Künstlerin und politische Aktivistin mit Migrationshintergrund gewählt. Latigo lebt seit 20 Jahren in Wien, davon hat sie sieben Jahre aufgrund "nicht-übereinstimmender und bürokratischer Gesetze" in der Illegalität verbracht.

Für österreichweit bekannten Gute-Laune-Soul sorgen die Rounder Girls, die seit über einer Dekade auf heimischen Bühnen stehen und erfolgreich schwarze Musik und weibliche Körperlichkeit zelebrieren.

Traditionelle Rollenbilder aufbrechen

Mit dem Auftritt der 16-köpfigen Jugendformation Iyasa ("Sonnenaufgang" in Ndebele, einer Sprache im südlichen Afrika) wird im Rahmen des femous-Festivals Kulturarbeit aus Zimbabwe thematisiert. Projekte wie Iyasa sollen Mädchen auf die Bühne und in nicht-traditionelle Rollen bringen.

Für einen Hauch alpiner Kultur sorgt die Schweizerin Christina Zurbrügg. Die junge Wienerin Anna Dubina mit georgisch-russischen Wurzeln kreierte das Plakatsujet für femous.

"Frauenpolitik ist Divesitätspolitik"

In sämtliche Bereiche des Festivals eingebettet, hält das Motto "Vielfalt" was es verspricht: Beeindruckende Performance von außergewöhnlichen Künstlerinnen aus aller Welt, die sich - wie die Veranstalterinnen - für gelebte Diversität einsetzen. Ein wesentliches Schlagwort sei Vielfalt, sagt Jura: "Frauenpolitik ist Diversitätspolitik. Und wer sich gegen sexistische Diskriminierungen engagiert, muss sich auch gegen rassistische Ausgrenzungen einsetzen." (Eva Zelechowski, 18. März 2011, daStandard.at)

knievel
00
24.3.2011, 14:48

vielleicht bin ich dahingehend ja betriebsblind aber wozu brauchen frauen zb. einen einen eigenen dj-workshop?
man kauft sich zwei plattenspieler ein paar scheiben schaut zu und macht das einfach (üben,üben,üben). und wenn mans ausreichend gut kann geht man lokale abklappern.
haperts da am eigenengagement oder warum muss da immer alles in workshops und gruppen erarbeitet werden?
is ja nicht so das es keine djanes gibt...

emerson
00
15.4.2011, 22:09
betriebsblind

... wahrscheinlich simma das alle. ist doch klar, dass man in einer gruppe schneller was lernt, als allein zu haus zu üben.

post-ironic
00
18.3.2011, 17:05
Party in der Brauerei

Das Auftaktevent in der Ottakringer Brauerei verspricht ja wirklich einiges! Schon so ein Pflichtbesuch, und die nicht ganz unbekannte Peaches soll ja auch noch auftreten...

Löffi
00
18.3.2011, 18:12
oh ja

auf die Achselhaar-Peaches gfrei i mi a.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.