"Wir werden nicht vergessen"

Yilmaz Gülüm, 21. März 2011, 09:10
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    Bei der Kundgebung am 16. März waren sowohl Alt, als auch Jung vertreten.

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    Studenten hielten Transparente mit der Aufschrift: "AKP, nimm deine Hände von meiner Universität"

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    "Von Beyazıt bis Halabdscha mordet die Regierung. Wir werden den 16. März nicht vergessen und nach der Rechnung fragen" gezeichnet: 'Die revolutionären demokratischen Studierenden'"

In den vergangenen Tagen ist es immer wieder zu größeren Demonstrationen gekommen. Anlässe gab es verschiedene. Der gemeinsame Nenner war jedoch die Regierungspartei.

Der 16. März ist für die Istanbul Universität an der ich studiere ein historischer Tag. 1978 kam es an diesem Tag zu einen Anschlag, bei dem sieben Studierende vor der Pharmazie-Fakultät erschossen wurden. Über 40 weitere wurden durch Bomben und Maschinengewehre verletzt. Jedes Jahr treffen sich Menschen vor der Universität im Stadtteil Beyazıt und erinnern an jenen blutigen Tag.

Die Täter waren rechtsradikale Studenten und Mitglieder der "Grauen Wölfe", einer nationalistischen Organisation. Obwohl sie bekannt waren, wurden sie nie verurteilt. Der Prozess zog sich solange hinaus, bis die Taten verjährt waren. Manche HistorikerInnen gehen davon aus, dass der Anschlag vom 16. März eines der Schlüsselereignisse für den Militärputsch zwei Jahre später war.

Ebenfalls am 16. März, zehn Jahre später 1988, starben in der irakischen Stadt Halabdscha mehrere Tausend KurdInnen bei einem Giftgasanschlag. Auch für sie wurden Reden gehalten.

"Wir werden nicht vergessen, und lassen nicht in Vergessenheit geraten", riefen die DemonstrantInnen. Fast zufällig wurde ich in diese Kundgebung hineingezogen. Ich bin nicht umher gekommen zu bemerken, dass sich der Protest zu einem Gutteil auch gegen die regierende konservativ-muslimische AKP richtete.

Im Moment kommt es regelmäßig zu größeren Demonstrationen. Gemeinsam ist ihnen nur die Kritik am Kurs der Regierungspartei. Das hat zwar mittlerweile eine gewisse Tradition, jedoch nicht unbedingt in diesem Ausmaß. Ein Grund dafür sind wohl auch die Wahlen, die am 12. Juni in der Türkei stattfinden werden.

Verschiedene große Demonstrationen in Istanbul und Ankara

Vergangenen Sonntag waren laut Polizeiangaben 20.000 Menschen in Ankara auf der Straße. Sie protestierten gegen anstehende Änderungen im Gesundheitswesen. In den Medien war darüber wenig zu hören, denn zeitgleich demonstrierten in Istanbul Tausende für die Pressefreiheit. Auslöser waren die kürzlich inhaftierten JournalistInnen, wie Kollege Markus Bernath berichtete. Auch der geplante Bau von drei Atomkraftwerken war Anlass zu Kundgebungen.

Für mich steht jedenfalls eines fest: Der Wahlkampf hier wird spannend. Denn die AKP hat freilich auch viele AnhängerInnen, die wohl bereit sein werden auf die Straßen zu gehen. (Yilmaz Gülüm, 21. März 2011, daStandard.at)

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12 Postings
odrr
11
28.3.2011, 14:53

die akp hat viele anhängerInnen..

ein fall von "brot und spiele".....

auch in europa sitzen anhängerInnen, um deren stimmen die akp systematisch buhlt.

interessant, daß auch die späteinwanderer(türkeigeborene) in europa, fortschrittlicher und moderner sind, als die in europa geborenen nachkommen der früheinwanderer.....

also wird erdogan auch wieder genug stimmen aus europa, vor allem deutschland bekommen.........absurd......

byrig live
00
22.3.2011, 17:02

Die Wahlen werden sicher spannend. Ich glaube, die AKP wird es nocheinmal schaffen. Allerdings, hm, stimmt es, dass es nur konservative und nationalistische Parteien im Parlament gibt? Warum gibt es in der Türkei nicht so etwas wie eine sozialdemokratische Partei? Oder hab ich was übersehen?

,
00
22.3.2011, 17:33

Die Republikanische Volkspartei ist kemalistisch und sozialdemokratisch, von Mustafa Kemal gegründet. Sie ist die zweitstärkste Partei, waren früher die führende Kraft. Vor ein paar Monaten gab es seinen Streit, der sie fast gespalten hätte. Zur Zeit ist Kemal Kiliçdaroglu Parteivorsitzender, hinter ihm hat sich die Partei wieder konsolidiert.

byrig live
00
22.3.2011, 17:58

Ah, O.K., stimmt. Ich hab die wohl falsch eingeordnet, weil kemalistisch, nationalistisch. Worum ging's in dem Streit?

özcelik
00
25.3.2011, 19:58
nationalistisch...

... ist sicher nicht falsch.
zum "Streit": der bisherige langjährige Parteivorsitzende (Deniz Baykal) ist über eine "Affäre" (Video mit versteckter Kamera) gestolpert "worden"; ist aber dennoch irgendwie in der Partei verankert; hinter den Kulissen toben die Machtkämpfe, weil viele dem neuen Führungsstärke absprechen; wobei der "alte" hat die Partei "geführt", aber als Opposition versagt - und alle Wahlen verloren; auch dank ihm ist Erdogan so stark geworden (und geblieben).
Das einzig positive, das man an Kilcdaroglu sieht, ist, dass er als "Saubermann, ehrlich und anständig" gilt. Ausserdem dürfte er als Alevit viele seiner "Glaubensbrüder" anziehen, wobei diese traditionell bereits überwiegend die CHP wähl(t)en;

Yilmaz Gülüm
00
23.3.2011, 09:39
Machtkampf

Es ging in erster Linie um einen pareiinternen Machtkampf. Alles ein wenig kompliziert und hat auch Vorgeschichten usw.
Zwei Links kann ich dazu empfehlen:
http://library.fes.de/pdf-files... /07620.pdf
und: http://derstandard.at/129246213... -um-Listen

cuibono1
 
00
22.3.2011, 12:59
Merhaba,..

bitte mehr zu diesem Thema Herr Gülum. Die Studenten haben meine vollste Solidarität!

knievel
03
22.3.2011, 10:38

20.000 in einer 5 millionen stadt ist halt nicht grade viel.
um hier tatsächlich eine politische wende zu initiieren bedarf es wohl mehr als ein paar betroffener. diese breite unterstützung gegen die derzeitige regierung fehlt aber offenbar.

libefra
80
21.3.2011, 22:47

" fast zufällig wurde ich in diese kundgebung hineingezogen".woaooo, wahnsinn, und wem interresiert ?

Timagoras
 
00
22.3.2011, 15:47
"und wem interresiert ?"

.
vielleicht mich (mir)?

und vielleicht auch andere?

wo ist Ihr problem?

papa_ratzi
04
22.3.2011, 09:28

Mir!

pfarrwiese
04
22.3.2011, 08:21
Mich.

Ich finde den blog sehr interessant, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin, was Yilmaz so schreibt (zB in "Was es heißt..."). Es würde mich sehr reizen ihn persönlich kennenzulernen.

Und wenn es dich nicht interessiert ein Gratis-Tipp:
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