Vielfältiges Tirol

Willi Kozanek, 23. März 2011, 16:50
  • Artikelbild
    foto: land tirol/ schwarz

    "Vielfalt daheim in Tirol": Andrea Moser, Projektkoordination, Landesrat Gerhard Reheis, Johann Gstir vom Fachbereich Integration des Landes Tirol und Katerina Haller, die Kuratorin der Ausstellung.

  • Artikelbild
    foto: carmen reider

    Ausstellungsbesucherinnen betrachten Exponate des Fotoworkshops.

Die Ausstellung "Vielfalt daheim in Tirol" setzt sich mit Integration und Migration in Tirol auseinander - Bis Ende März kann sie noch in Kufstein besucht werden

"Vielfalt" ist wahrscheinlich nicht der erste Begriff an den man denkt, wenn von Tirol die Rede ist. Berge, Hüttengaudi oder Skifahren bestimmen das oftmals auch selbst gewählte Image, das vor allem im Ausland in den Köpfen vieler Menschen vorherrscht. Tirol als Ort der Vielfalt darzustellen und Integration als in großen Bereichen funktionierenden Teil des Lebens zu porträtieren ist das Ziel der Ausstellung "Vielfalt daheim in Tirol", die noch bis Ende März in der Fachhochschule Kufstein zu sehen ist.

Menschen aus 165 Ländern in Tirol

Die nackten Zahlen betrachtend ist Tirol tatsächlich ein sehr vielfältiges Bundesland. Insgesamt 165 Herkunftsländer finden sich unter den Bewohnern, 30.000 TirolerInnen wurden zum Beispiel in Deutschland geboren, 17.000 in der Türkei und 40 in Venezuela. 16 Prozent der TirolerInnen sind ausländischer Herkunft, wobei in den vergangenen Jahren nahezu ausschließlich EU-Bürger einwandern. Die Zahlen drücken sich auch in politischen Haltungen aus, wie Landesrat Gerhard Reheis kürzlich unterstrich: "Wir müssen unsere Gesellschaft fit für Vielfalt machen". Die Vielfalt ist vor allem in der Landeshauptstadt Innsbruck ausgeprägt, jede/r Vierte InnsbruckerIn hat nämlich ausländische Wurzeln.

Identität, Leistung, Diskurs

Für Johann Gstir, den Leiter der Organisation der Ausstellung, ist es vor allem wichtig aufzuzeigen, was MigrantInnen in Tirol leisten und sie am Integrationsdiskurs teilhaben zu lassen. "Wir haben die Orte für die Ausstellung bewusst ausgewählt. Ob Gymnasium, Fachhochschule oder Schloss - Menschen sollen über die Ausstellung bewusst auch drüberstolpern, wir wollten nicht nur in Museen ausstellen", meint er über die gewählten Ausstellungsräume. Er zeigt sich bisher zufrieden mit der öffentlichen Resonanz, vor allem die Workshops für Jugendliche und Schulklassen waren in den zwei zurückliegenden Städten der Ausstellung, Innsbruck und Wörgl, ausgebucht.

Oscar Thomas-Olalde von der Universität Innsbruck findet es dagegen wichtig, dass gehört wird, was MigrantInnen über ihre eigene Situation in Tirol zu sagen haben. "Viele haben ein fixes Bild von MigrantInnen: eine Türkin mit Kopftuch und ohne Bildung; Dabei kennen sie oft weder eine konkrete Person, die diesem Stereotyp entspricht, noch haben sie gehört was MigrantInnen über Integration zu sagen haben." Thomas-Olalde ist für die wissenschaftliche Begleitung zuständig und zeigt sich bisher mit der Resonanz zufrieden, obwohl er anmerkt, dass vor allem in Kufstein nur wenige Menschen extra zur Ausstellung fahren. Das Echo aus Schulen und Gemeinden dagegen sei durchwegs positiv.

Was gibt's wo zu sehen?

Zu sehen gibt es "Kunst, Fakten und Positionen". Das Exponat "transparent diversity" setzt sich zum Beispiel mit der Praxis auseinander, dass Drittstaatenangehörige Röntgenbilder vorweisen müssen, um eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen beziehungsweise zu verlängern. Daneben gibt es Tafeln, die Zahlen, Meinungen und Fakten präsentieren über Themen wie Kultur, Identität oder Unternehmen mit Migrationsgeschichte. Auf Bildschirmen kann man sich weiters Interviews und Positionen von Menschen mit und ohne Migraitonshintergrund anhören.

Die weiteren Stationen der Ausstellung sind Imst, Hall, Telfs, Schwaz, Landeck und Innsbruck. Am 29. März findet um 19 Uhr in der Fachhochschule Kufstein ein "Gespräch über Integration" statt. (Willi Kozanek/daStandard.at/23.3.2011)

Stupeia
02
25.3.2011, 09:05
"Vielfalt" ist wahrscheinlich nicht der erste Begriff an den man denkt, wenn von Tirol die Rede ist.

sollte man aber, weil es seit jeher tiroler gibt, deren muttersprache deutsch, ladinisch oder italienisch ist.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.