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Kein Migrationshintergrund in Tirols Politik

Willi Kozanek, 6. April 2011, 10:53
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    Norwegen erreicht in der Kategorie "Politische Partizipation" des Migrant Integration Policy Index 94 Prozent (von 100 Prozent). Österreich hingegen 33 Prozent.

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    "MigrantInnen aus der Sicht der Politik werden nicht als KandidatInnen oder WählerInnen berücksichtigt", meint Marko Miloradović, Vorstandsmitglied der europäischen JungsozialistInnen.

Regional- und Stadtpolitik in Tirol läuft weitestgehend ohne Teilnahme von Zugezogenen und ihren Nachkommen ab. Wollen, können oder dürfen Tirols MigrantInnen nicht politisch aktiv sein?

Null von 36 und Null von 40: So "viele" Politiker ausländischer Herkunft sitzen im Tiroler Landtag und Innsbrucker Gemeinderat. Dabei haben in Tirol über 16 Prozent der Bevölkerung migrantische Wurzeln, in der Landeshauptstadt Innsbruck liegt der Anteil bei knapp 25 Prozent.

Nur geringfügig höher liegt der Anteil der Politiker mit Migrationshintergrund in den nach Innsbruck größten Städten Tirols. Im Gemeinderat von Telfs zum Beispiel, wo jedes dritte Kind türkischen Familienbackground hat, ist Güven Tekcan der einzige allochthone Politiker. In Hall in Tirol stammen 15 Prozent der Einwohner aus dem Ausland, im Gemeinderat findet sich aber kein Politiker ausländischer Herkunft. Die gleiche Situation auch in Kufstein und Schwaz, Tirols zweit- beziehungsweise viertgrößten Städten. In beiden lebt eine beträchtliche Zahlan MigrantInnen und ihren Nachkommen, im Gemeinderat sind diese allerdings nicht vertreten.

Wo ist das Problem?

Man könnte einwenden, dass eine Politikerin, deren Familie seit Generationen in Österreich lebt, zugezogene Menschen ebenso gut repräsentieren kann, wie ein Politiker, dessen Eltern aus Polen nach Tirol gezogen sind. Dies wäre wünschenswert, ist aber problematisch, wie Marko Miloradović, Vorstandsmitglied der europäischen JungsozialistInnen, erläutert: "Es wäre sinnvoll, wenn sich RepräsentantInnen des Staates an den Verhältnissen in unserer Gesellschaft orientieren würden und ein reales Bild dieser abgeben." Die Optik ist also recht eigenartig, wenn Politiker über Integration diskutieren, ohne dass nur ein einziger von ihnen selber den Prozess der Integration gelebt hat. In Telfs zum Beispiel behauptet die Liste "Du und Wir": Integration bedeutet Chancengleichheit und Partizipation. Integration ist ein gegenseitiger Prozess, bei dem sowohl die inländische wie auch die ausländische Bevölkerung mit einbezogen ist. Auf ihrer Mitgliederliste findet sich allerdings keine einzige allochthone Person, die der beworbenen Partizipation entsprechen würde. In diesem Sinne ist es auch nicht verwunderlich, dass, wie in Kufstein, "Migrantenlisten" entstehen, die in Folge bei Einheimischen Bedenken wegen "politischer Segregation" entstehen lassen. Eine Ethnisierung von Parteilisten ist in der Tat alles andere als wünschenswert, es ist aber womöglich ein notwendiger (erster) Schritt, um auf die ausbleibende politische Teilnahme von Migranten und ihren Nachfahren in der regionalen und lokalen Politik Tirols aufmerksam zu machen.

Wollen, können oder dürfen sie nicht?

Migrantinnen sind in Tirols Sport, Wirtschaft und Kultur vertreten. Laut Wirtschaftskammer Tirol haben zum Beispiel 859 Unternehmer türkische Wurzeln und auch in Tirols bestem Fußballteam, FC Wacker Innsbruck, finden sich drei bereits eingebürgerte Spieler mit Migrationshintergrund. Wieso ist die Partizipation in der Politik also dermaßen ungenügend? Marko Miloradović meint, dass "MigrantInnen aus der Sicht der Politik nicht als KandidatInnen oder WählerInnen berücksichtigt werden, obwohl das realitätsfern und dumm ist". Andererseits ergänzt er, dass sich die Zuwanderer womöglich einfach zu gut integriert haben, teilen sie doch mit ihren alteingesessenen Mitbürgern eine negative Grundhaltung gegenüber Politikern und Politik allgemein. Güven Tekcan, Gemeinderat in Telfs und erster "türkischer" ÖVP-Gemeinderat Tirols überhaupt, meint allerdings, dass viele Einwohner Telfs einfach zu wenig Interesse für die Lokalpolitik zeigen und er problemlos in der ÖVP aufgenommen wurde.

Es geht auch anders

Wie die Situation in anderen österreichischen Bundesländern im Detail aussieht, wird daStandard.at in den kommenden Wochen beantworten. Es steht allerdings bereits jetzt fest,  dass in anderen europäischen Ländern mehr migrantische Partizipation in der (Regional)Politik existiert. Das beweist ein Blick nach Norwegen: Im Stadtrat von Oslo (27 Prozent Migrantenanteil) haben 20 Prozent der Politiker Migrationshintergrund und sind in fünf der sieben Parteien des Rates vertreten. Norwegen erreicht in der Kategorie "Politische Partizipation" des Migrant Integration Policy Index aber auch 94 Prozent (von 100 Prozent). Österreich hingegen 33 Prozent. (Willi Kozanek, 6. April 2011, daStandard.at)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
1 2
Roter Baron
11
im heilgen land türol

gibts ja nicht mal eine gewählten LH,
der jetzige wurde ja eingesetzt
von gott oder der övp,
was dort dasselbe ist.

roter baron

Erisian Liberation Front
02
Wollen, können oder dürfen sie nicht?

Über "wollen" oder "können" müssen andere entscheiden.

Aber dürfen tun sie.
Das ist gesetzlich geregelt und schon als Fragestellung eine Beleidigung.
Es gibt keine Quoten, wer in einer gesetzlichen Vertretung sitzen "darf" oder nicht.
Wen es stört, daß keine Migranten in der Politik sind, der möge selbst dafür sorgen, daß solche sich zur Wahl stellen und ggf. auch gewählt werden.
Auch bei den Autochtonen läuft das nicht anders.

Sepp Depp
00
FALSCH

Also, die Unterinntaler im Landtag haben einen Migrationshintergrund, denn sie kommen ja aus dem Unterland. Und die Oberinntaler im Landtag haben einen Migrationshintergrund, denn sie kommen ja aus dem Oberland. Die Osttiroler haben sogar einen gewaltigen Migrationshintergrund, denn die kommen von ganz weit weg. Die Ausserferner kann man sowieso als reine Migranten bezeichnen, denn die reden sogar eine andere Sprache. Bleiben also die Innsbrucker: da muss man allerdings die aus Hoetting, Wilten und Pradl abziehen, denn die kommen eben aus diesen Stadtteilen und sind also auch Migraten, nana, vielleicht nur Pendler. Und so bleibt im Landtag was? Richtig. Nichts. Also sind haben alle einen Migrationshintergrund!!!!!

Al Berto
00

nebenbei: unterhielten sich ein thaurer, ein stubaitaler und ein außerferner, dann bräuchten sie einen übersetzer. besonders cool wäre es, wenn solche drei versuchten, hochdeutsch zu reden.

Standardabweichung
01

Seine Zigarette stört mich. Ich mag rauchede Politiker nicht.

Winni Wahn
00
dafür ist er sehr attraktiv. das gibts sonst gar nicht bei unseren politikern!

teukros
01
VanStaa

ist Oberösterreicher.

Sand
00

Wie St. Jörgl.

polypus
11

Bei den tiroler Politgaunern ist es völlig und komplett wurscht ob die Migrationshintergrund haben oder nicht.
Voraussetzung ist Gaunertum und das ist immer schon multikulti gewesen.

Captain Ludd
44

Andreas Khol ist Italiener und in Dt geboren.

Matamoros
11

So ein Quatsch!

Die Eltern von Andreas Khol sind Südtiroler.

Captain Ludd
11
LOL

ja, eh.
sag ich doch.

anders and
 
10

was war seine (Migrations)Leistung?

Al Berto
01

es sind ja auch die (indigenen) tiroler in der politik nicht vertreten.

es gibt keine demokratie in tirol, nur einzelne machtgruppen.

Louis Adolphe Thiers
14
"familienbackground"

wirklich schlechter anglizismus :(

Erika Rothen
46
Ojemine...

der EINZIGE Kommunalpolitiker mit Migerationshintergrund, der in Tirol auszumachen ist, gehört ausgerechnet der ÖVP an.

Hoffentlich spricht sich das nicht bis ins Innenministerium durch, denn dann wird der (diesfalls bedauernswerte) Herr Teckan bald nichts mehr zu lachen haben...

(Randbemerkung: schön peinlich für die Tiroler SPÖ, hahaha)

weissseher
21
letzte meldung

die tiroler politik erreicht leider selbst im AUSTRIAN IMPORTANCE INDEX nur null komma sepp, ein beispiellos irrelevanter wert

Jussumen
49
in tirol gibt es also 859 dönerbuden?

das kann sich sehen lassen.
und zum artikel: journalismus, den das land nicht braucht. ich stimme meinem vorposter zu.

Alpensaga_Wurzel
39
Tirol...

hatte immerhin schon einen Landeshauptmann mit Migrationshintergrund. Es war Eduard Wallnöfer, der immerhin in Südtirol geboren wurde. Ebenso hatte man mit van Staa einen Bürgermeister und Landeshauptmann mit Migrationshintergrund. Und damit meine ich nicht, dass er aus Oberösterreich kommt.
Wenn jetzt jemand antwortet, dass ich an den Haaren herbei zerre, so antworte ich, dass eine Migrationsquote rassistisch ist.

jo eh
01
anhand welcher kriterien wird

migrationshintergrund definiert und als quotentauglich eingestuft? wird jeder migrationshintergrund gleich behandelt oder fällt jemand mit türkischen eltern leichter in die quote als jemand mit schweizer vater oder liechtensteiner mutter?
solche gutgemeinten pläne könnten ein schuss nach hinten sein - wenn herumseziert wird, ob der betreffende den "richtigen" oder ausreichend migrationshintergrund hat - sozusagen ein "a.rier-nachweis" mit anderen vorzeichen, wo leute beweisen müssen, dass ihr migrationshintergrund ausreichend vorhanden ist. andernfalls haben sie keine chance die vorteile der quotenregelung in anspruch nehmen zu dürfen.

ich bin gegen frauen- und migrantenquoten.
niemand wird abgehalten, sich in der politik zu engagieren.

anders and
 
10

dann ist eine Frauenquote sexistisch?
die Förderung von Jungpolitikern jugendfeindlich?
eine Quote nach Regionen gar provinzfeindlich?

In einer Demokratie sollten alle größere Gruppen in die Entscheidungsfindung mit einbezogen werden, wenn eine Gruppe strukturell von der Politik ausgeschlossen wird ist das bedenklich.

Senftube2
01
ich glaube sie verstehen da was nicht ganz richtig

ja eine frauenquote ist sexistisch und zwar den frauen gegenueber
und eien migrantenrat is rassistisch den nichtmigranten (um nicht heimischen zu sagen) gegenueber......
das heisst jetzt aber nicht das ich ein prolem mit frauen oder auslaendern haette es geht hier nur um die deffiniton der worte sexistisch un rassistisch

anders and
 
00
-wenn Sie meine Frage beantworten, dann bitte komplett!

sonst verstehe ich es tatsächlich nicht - ist eine Quote für Osttiroler oder für Waldviertler (die ja ebenfalls existiert) jetzt Provinzlerfeindlich - und wenn nein, warum nicht?

Gleiches gilt für die Förderung junger Abgeordneter: ist die pädoistisch?

Senftube2
00

nein ist es nicht
ich wollte nur aufzeigen das sexismuss nicht nur heißt das etwas ungerecht gegenüber frauen ist sondern auch heißen kann das die frau männern zum nachteil bevorzugt wird
rassistisch kann ähnlich auch den hass von schwarzen gegenüber weissen bedeuten und nicht nur umgekehret
die förderung von jugentlichen ist in keinem fall jugendfeindlich aber durchaus eine diskriminierung von älteren politikern, zumindestens in gewisser hinsicht(nicht das die eine staatliche förderung notwendig hätten da gibt es genug private)

Al Berto
02

ein migrant ist nicht, wer von hall nach innsbruck übersiedelt.

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