Juhu, wir sind nützlich!

Olivera Stajić, 6. April 2011, 16:27

Beim Durchblättern der Gratis-Tageszeitung Heute sind die Augenblicke der Freude rar gesät, aber heute früh war alles anders

Beim Durchblättern der Gratis-Tageszeitung Heute sind die Augenblicke der Freude rar gesät, aber heute früh war alles anders. Mit "Welcome to Vienna"-Berichten fiel Heute in Sachen medialer Integration bereits positiv auf, nun legte die Gratiszeitung nach und gestaltete eine ganzen Schwerpunkt zum Thema "Integration". In Kooperation mit dem Ethno-Magazin Kosmo gibt es knapp zehn Seiten über "ZuwandererInnen als unentbehrliche wirtschaftliche und kulturelle Ressource".

"Damit möchten wir der österreichischen Mehrheitsgesellschaft, welche die Tageszeitung Heute tagtäglich konsumiert, zeigen, wie viel Zuwanderer für den Wohlstand in Österreich mitverantwortlich sind", erklärt Kosmo-Chefredakteur Nedad Memić. Auch Heute freut sich über die Kooperation und möchte in Zukunft auch weiterhin "auf die positiven Aspekte der Zuwanderung für Wirtschaft und Gesellschaft" hinweisen.

Wenn man sich in der österreichischen Medienlandschaft nach der sogenannten medialen Integration umschaut, sollte man bescheiden und realistisch bleiben. Ähnlich wie in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen, kann von gleichberechtigter Partizipation keine Rede sein. Selten sind MigrantInnen Medienmacher und als Objekt der Berichterstattung finden sie sich in der Regel auf Chronik-Seiten als Täter oder in "gutgemeinten" Berichten über das Asylrecht und die unmenschliche Abschiebepraxis als unmündige Opfer.

Kein Wunder also, dass es nahezu erfrischend ist, wenn man als Mensch mit Migrationshintergrund nun als Konsument und "wertvoller Leister" anerkannt wird. Zumindest. Überblättern wir also die bezahlten Advertorials des Innenministeriums, die einen großen Teil des Heute-Schwerpunktes ausmachen und freuen uns, dass zumindest ein Boulevardmedium den "nützlichen" Migranten erkannt hat - wenn auch alles andere als uneigennützig.

Sumpfbiber
00
26.4.2011, 20:15

das geld, das da fliest, möchte ich mal haben.

Der Koch
00
28.4.2011, 19:07

Geld das Ich nicht hab, kauft des was ich nicht brauch.
oda ned?

knievel
21

wer 'heute' liest hat was bildung betrifft sowieso verloren...

wolf_vienna
00
19.4.2011, 17:25
Ich benütze immer den Vergleich...

Wer "Heute" und/oder die "Kronenzeitung" liest, der frisst auch kleine Kinder.

alexander mayr
16
stimmt nicht

man sollte sogar jedes medium lesen, auch boulevard. aber man muss sich eben im klaren sein, dass der boulevard seiner eigenen logik folgt. mit einem distanzierten blick darauf kann auch der boulevard viel zur analyse beitragen

definitive undefinable
 
01

Dem kann ich nur sehr begrenzt zustimmen.
Folgende zwei Gegenargumente will ich liefern:
1. Die Menge der Information die uns (vor allem auch unbewusst) beeinflusst ist sehr groß.
2. Die Anzahl der Medien und der Informationsausstoß tagtäglich ist so gewaltig, dass eine auch nur annähernde vollständige Aufnahme ausgeschlossen werden kann.

Daraus ergibt sich, dass man sehr, sehr gut auswählen sollte, aus all dem was sich vor uns erbricht.

knievel
11

das mag stimmen und trifft in österreich auf die krone zu.
'heute' und 'österreich' agieren allerdings auf einem niveau das man es nicht mehr als einmal lesen muss um die völlige sinnlosigkeit des mediums zu attestieren...schade um die lebenszeit...

Tannenelch
11

Das sehe ich auch so. Bei aller (berechtigter) gesellschaftspolitischer Kritik ist die Krone letztlich doch ein sehr professionelles Produkt, während sich die anderen beiden eher in zynischem Aberwitz verlieren.

Leider wird da in "korrekten" Kreisen ziemlich undifferenziert gebasht -- wobei, am sonntäglichen Frühstückstisch schaut die Sache in so manchem Haushalt dann oft ganz anders aus, als die übrige Woche vorgegeben wird.

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