"Orientalische Kultur abseits von Kebap“

Willi Kozanek, 3. Mai 2011, 09:30
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    foto: willi kozanek

    Onurlu und Mayr, die Clubgründer, spielen Backgammon.

Im Café Ararat bringt ein Backgammonturnier an jedem zweiten Sonntag im Monat ein bisschen orientalische Straßenkultur nach Innsbruck

"Backgammon ist ein universelles Spiel, das im Orient erfunden und im Westen perfektioniert wurde.", meint Güner Onurlu, Betreiber des Café Ararat in Innsbruck. Im Nahen Osten sei es als Denkspiel sehr populär, in den Straßen sehe man häufig Leute, die sich mit Backgammon die Zeit vertreiben. Diese Straßenkultur habe ihm gefehlt, ergänzt Onurlu. Deshalb gründete er zusammen mit Bernhard Mayr den ersten Backgammonclub Innsbrucks.

5000 Jahre altes Brettspiel

Tatsächlich ist Backgammon ein weltweit beliebtes Spiel. Heute ist es zum Beispiel im Iran, Armenien, Bulgarien oder Kroatien populär, auch wenn es oft unter anderen Namen - Tabla, Tavli oder Nardi - bekannt ist. Vorläufer des Spieles sind im Alten Rom oder in Arabien zu finden, verfeinert wurde Backgammon durch die Einführung des Verdoppelungswürfels in New York. Diese Regelmodifizierung bewirkte einerseits eine erhöhte Spannung im Spiel, andererseits wurde der Faktor "Glück" eingeschränkt. „Früher war Backgammon eher ein Spiel der oberen Klassen, heute spielen viele im Internet.", erklärt Bernhard Mayr. Er arbeitete am Entstehen des Backgammon-Clubs mit, weil es seine Frau gestört hatte, dass er „asozial" viele Stunden im Internet verbrachte, anstatt Backgammon so zu spielen, wie es seit Jahrhunderten der Fall ist - als Straßenspiel. Wobei der Begriff "Straßenspiel" oft zu kurz greift, denn Backgammon ist gleichzeitig auch ein Denksport, welcher den Spielern mathematische Leistungen und analytisches Urteilsvermögen abverlangt.

Erster kurdischer politischer Flüchtling

Güner Onurlu, der zweite Mitbegründer des Clubs, kam als 20-jähriger nach Österreich. Er fühlt sich heute durch und durch als Innsbrucker, ist vor allem stolz auf seinen Wohnbezirk Wilten und nennt sich selber einen „Innsbrucker mit schwarzem Schnurrbart". Im Jahr 1986 flüchtete Onurlu aus der Türkei nach Österreich und war der erste anerkannte politische kurdische Flüchtling hierzulande. Anfangs arbeitete Onurlu als Reinigungskraft und Abwäscher, dann als Kellner und Oberkellner in Hotels. Vor fünfzehn Jahren eröffnete er einen Kebapstand und vor zwölf Jahren erfüllte er sich den Traum vom eigenen Café. "Ich bin mit ganzem Herzen Gastronom und schon sehr stolz auf das Ararat. Wir hatten hier bereits über 200 Ausstellungen, jeden Freitagabend gibt es live Jazz zu hören, außerdem finden regelmäßig Lesungen statt." Stolz ist Onurlu außerdem darauf immer unabhängig von jeglichen öffentlichen Förderungen gewirtschaftet zu haben.

Symbolischer Name

Es sollen alle Kulturen im "Ararat" Platz haben, betont Onurlu. Der über 5000 Meter hohe Berg, der in der Türkei an der armenischen Grenze liegt, ist Namensgeber des Cafés. Die Spieler, die an den bisher fünf Turnieren teilgenommen haben, sind bunt gemischt. Sie stammen aus dem Iran, Deutschland oder Griechenland und bezahlen ein Nenngeld von sieben Euro. Neben diesem Einsatz kann noch in einen Sidepool einbezahlt werden, der dann unter den Teilnehmern ausgespielt wird. Für MigrantInnen ist die Teilnahme kostenlos. Am Turniertag gibt es außerdem Speisen zu verkosten, deren Rezepte ihre Ursprünge in klassischen Backgammon-Ländern haben. Beim Turnier im April war dies "Gefüllte Melanzani mit Basmati Reis".

 

Link:

Backgammonclub Innsbruck

Mitspieler willkommen

Das sechste Turnier findet am Sonntag, den 08. Mai statt. Anmelden kann man sich bis eine halbe Stunde vor Turnierbeginn bei Bernhard Mayr. Ihn und seinen Mitveranstalter würde es freuen wenn man zusätzlich zu den ungefähr zwanzig Stammspielern auch neue Teilnehmer begrüßen könnte.

 

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11 Postings
josefa maier449
10
weil es seine Frau gestört hatte, dass er „asozial" viele Stunden im Internet verbrachte,

und jetzt spielt er viele Stunden „asozial” mit anderen Männern, oder spielt seine Frau auch? Das wäre interessant zu wissen.

Bernhard BM
00
10.5.2011, 10:12
Mahzad Siegerin beim 6.BCI Turnier

Beim 6ten BCI Turnier hat Mahzad fulminant mit 100% gewonnen - Details unter:

http://taulajoe.blogspot.com/p/3-bci-t... rnier.html

josefa maier449
02
Für MigrantInnen ist die Teilnahme kostenlos.

Aha, aber er fühlt sich als in Innsbrucker. Was jetzt, warum die Differenzierung? Wo sind am Bild die Frauen?
Orientalische Straßenkultur, was soll das sein?
Finden die Jazzauftritte und Lesungen auf der Straße statt? Und wenn nicht, weil im Lokal, was hat das dann mit Straßenkultur zu tun?

Bernhard BM
01
für josefa maier

bitte schau Dir die Tunrierberichte an:

www.taulajoe.blogspot.com

dann siehst Du wieviel Frauen teilnehmen!!

Dirty Sanchez
 
01
Backgammon/Tavla ist ja ganz nett,

aber mir persönlich gefällt Okey besser. Kennt hier jemand ein paar Lokale in Wien, wo man das spielen kann (und vor allem Mitspieler findet)?
Wäre für Antworten dankbar.

MfG

Dirty Sanchez, esq.

Dhimmi
44
Was ist orientalische "Straßenkultur"?

In meiner hundertfach erlebten Erinnerung:
-Schmutz, streunende Katzen, voll aufgedrehte Soundboxen
-Belästigung durch "Händler" und Bettler, Geldbörse verstecken

Das mag man romantisch finden.
Die "orientalische Straßenkultur" anno 2011 sieht für Ausländer allerdings so aus: LEBENSGEFAHR

Strassenkaffees, Bazarbummel gehören in den meisten i.lamischen Ländern der Vergangenheit an.
Wer sich nicht dran hält - siehe Marrakesch vor ein paar Tagen.
Auch Ägypten und Tunesien sind unsicher. Dass man nicht nach Syrien, Jemen etc.reist ist eine Selbstverständlichkeit.

Was geht noch: Dubai, Abu Dhabi, Qatar, das wars dann. Und da gibts ohnehin keine "Straßenkultur".
Selbst in der Türkei hätte ich inzwischen ausserhalb der Clubs meine Bedenken.

dia_lektik
02

schmutz und streunende tiere auf den straßen finden sie auch in manchen gegenden italiens, in griechenland, rußland, bulgarien, rumänien, die liste sich lange fortsetzen...und das sind alles "christliche länder".

manche ecken chicagos sind auch sehr unsicher, in mexiko und kolumbien herrrscht ebenfalls hohe kriminalität, raten sie auch von reisen nach nord- und südamerika ab?

wie mein vorposter schon sagte, bleiben's in ihren eigenen vier wänden. nicht jeder mensch ist dafür geschaffen seinen horizont zu erweitern. aber machen sie sich nix draus, dafür haben sie ne menge angst und paranoia intus...

josefa maier449
01
Sie haben Recht, deshalb nein ....

Deshalb dies als Straßenkultur zu bezeichnen ist etwas Fehl am Platz. Oder sind die Italiener, Menschen aus Chicago, Mexiko stolz auf das?

Fremde & Heimat
10
Meine Bedenken

habe ich auch bei einem Urlaub in Deutschland -
check mal im Netz die Zahl der rechtsradikalen Übergriffe auf Ausländer dort! Die Zahl der Toten in D nach diesen Taten ist auch ziemlich beeindruckend, aber diese Anschläge schaffen´s nie auf die Krone-Titelseite - komisch, gell?

el Vasco
21

Dann bleiben so doch daham, wenn mann lang genug sucht findet man immer was zum nörgeln.

.........^^

Pessimist-Realist
 
00
"Dann bleiben so doch daham, wenn mann lang genug sucht findet man immer was zum nörgeln."

Stimmt, zweifelsfrei.
Doch wenn NICHT danach gesucht wird, sondern es eine/n direkt anspringt ... Das wäre dann wohl schon was anderes. ;-)

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