Der Rückkehrer-Stammtisch von Istanbul

Yilmaz Gülüm, 23. Mai 2011, 08:41
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    foto: emine sahin

    Am Rückkehrstammtisch in Istanbul treffen sich regelmäßig türkischstämmige Deutsche und ÖsterreicherInnen

Viele türkischstämmige Menschen sind in die Heimat ihrer Eltern zurückgekehrt. In Istanbul treffen sie sich monatlich an einem Stammtisch

"In Istanbul fühle ich mich eigentlich auch fremd" sagt Şükriye. In Deutschland war das zwar auch so, aber hier fühle sie sich trotzdem wohler. Denn es gibt einen Unterschied, der das Fremdsein erträglicher macht: In Istanbul verstehe sie es, weil sie hier vorher nie gelebt habe. Aber für Deutschland gilt das nicht. Dort sei sie schließlich aufgewachsen und kenne alles.

"Integration reicht eben nicht. Ich war sogar assimiliert und war immer noch für viele eine Fremde", sagt sie. Die Schauspielerin ist eine von etwa dreißig türkischstämmigen Deutschen, die diesmal am monatlichen Treffen der "Rückkehrer" teilnehmen. 2005 wurde die Initiative gegründet. Mittlerweile gibt es mehr als 1.000 Mitglieder aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.

Rückkehr oder Auswanderung?

"Rückkehrer" ist für viele streng genommen der falsche Begriff. Denn zurückgekehrt sind sie ja nicht. Viele sind in Deutschland oder Österreich geboren und leben nun zum ersten Mal in der Türkei. Şükriye bezeichnet sich selbst nicht als Rückkehrerin, sondern als Auswanderin. Eigentlich ist die Bezeichnung egal. Allen ist gemein, dass sie türkische Wurzeln haben und zumindest einige Jahre in einem deutschsprachigen Land verbracht haben.

Was mich an diesem Abend am meisten überrascht, ist, dass überwiegend Deutsch gesprochen wird. Auch die meisten der Kommentare in der Facebook-Gruppe sind auf Deutsch verfasst, ebenso wie die Einladung zum Stammtisch.
Dass Deutsch gesprochen wird hat wohl verschiedene Gründe. Manche sagen, das sei deshalb, weil sie auf diese Art und Weise ihre Deutschkenntnisse fit halten. Andere, weil sich darin das Heimweh zeigt.

Fest steht jedenfalls, dass sie ihre Verbindungen zur alten Heimat nicht aufgegeben haben. Viele reisen regelmäßig zurück, schließlich sind FreundInnen und Familie meistens noch dort. Auch wegen der Geschäfte zieht es einige immer wieder nach Deutschland.

Unterschiedliche Auswanderungsgründe

Die Geschichten der Auswanderung (oder Rückkehr) sind sehr unterschiedlich. Manche erzählen von Jobangeboten, die in der Türkei lukrativer gewesen seien. Andere sprechen von Anfang an von ihren Diskriminierungserfahrungen und wie sie es satt hatten, Teil der Integrationsdebatte zu sein, obwohl sie voll integriert sind. Bei anderen dauert es länger, bis sie auf diesen Punkt zu sprechen kommen.

Der Unternehmer Erkan Balkis erzählt eine Liebesgeschichte, wenn man ihn nach seiner Rückkehr fragt. Zuerst habe er sich in ein Mädchen verliebt, dann in Istanbul. Dann hat sich auch noch eine Jobmöglichkeit geboten und mehr brauchte es auch nicht. Er fühlte sich in Deutschland immer wohl, nie fremd. Aber dennoch: Beim Hockeyspielen darauf angesprochen zu werden, dass man so anders als "die Türken" sei, anders spricht, sich anders verhält, sogar anders riecht, sei doch störend gewesen. "Es war seltsam immer die Ausnahme 'der Türken' zu sein, wenn man doch einer von ihnen ist", so Balkis.

Rückkehr im Trend

Eines haben den vielen RückkehrerInnen und AuswanderInnen jedenfalls gemeinsam: Deutschland konnte sie nicht halten. Am Stammtisch sitzen keine SchulabbrecherInnen und "gewalttätige Machotürken", die in der medialen Berichterstattung oft beim Integrationsthema als "Argumente" herhalten müssen. Hier sitzen AnwältInnen, KünstlerInnen, UnternehmensberaterInnen, ManagerInnen. Die meisten jedenfalls haben ein Hochschuldiplom und werden auch in ihrer alten Heimat zwecks Fachkräftemangel benötigt. Der Rückkehrer Stammtisch ist somit auch eine Netzwerkplattform, bei der über Geschäfte gesprochen wird.

In Deutschland sind in den letzten Jahren mehr Menschen in die Türkei ausgewandert, als aus der Gegenrichtung kamen. Nach Österreich kommen zwar nach wie vor mehr TürkInnen, es zeichnet sich jedoch ein ähnlicher Trend ab: 2007 lag die Differenz zwischen Zu- und Fortzügen zwischen Österreich und der Türkei noch bei über 2.000 Menschen. 2010 waren es nur noch um 1.120 Menschen mehr.

An diesem Abend sind nur RückkehrerInnen aus Deutschland dabei. Ihre alte Heimat hat sie sichtlich geprägt. So sehr, dass ich mir aufgrund meines Wiener Dialekts den einen oder anderen lieb gemeinten Seitenhieb gefallen lassen muss. Gut zu wissen, dass ich auch in Istanbul nicht auf den Charme der "Lieblingsnachbarn" verzichten muss. (Yilmaz Gülüm, 23. Mai 2011, daStandard.at)

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Alles andere is primär oder irreregulär
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angesprochen zu werden, dass man so anders als "die Türken" sei, anders spricht, sich anders verhält, sogar anders riecht, sei doch störend gewesen. "Es war seltsam immer die Ausnahme 'der Türken' zu sein, wenn man doch einer von ihnen ist

Das kenne ich als türkisch Stämmiger gebürtiger Wiener nur gut.
Du bist kein "normaler" Türke, du bist der erste nette Türke denn ich kennenlerne, du bist der erste türkische Akademiker den ich kennenlerne oder so ähnliche Dinge höre ich nur all zu oft.

Alles andere is primär oder irreregulär
00
Lieber Yilmaz Gülüm !

Hast du Link oder Name der Facebook Seite von den "Rückkehrern"?
Nachdem ich eine Frau aus Istanbul geheiratet habe und mit meinem WU/LSE Abschluss sicher auch Job Chancen in Istanbul habe könnte ich auch bald zum "Rückkehrer" werden.

Yilmaz Gülüm
00

http://www.facebook.com/group.php... 973&ref=ts

Çigdem Kiliçkiran Akkaya und Emine Sahin sind die Gründerinnen des Stammtisches. Falls sie das Leben tatsächlich nach Istanbul verschlägt wünsche ich Ihnen viel Erfolg :)

fibiundchillie
00
26.5.2011, 12:10
Gut zu wissen, dass ich auch in Istanbul nicht auf den Charme der "Lieblingsnachbarn" verzichten muss

Lieber Yilmaz: Sie haben mit diesem Satz einen endgültigen und unwiderruflichen Beweis Ihrer absoluten, 100%igen Integration in Österreich gegeben.

:)))))

maxbz
00
25.5.2011, 21:18

Für die Türkei und ihre Ambitionen Richtung Europa ist es sehr gut, wenn sich gut gebildete, in Europa verwurzelte und sozialisierte Deutschtürken in guten Positionen in der Türkei wiederfinden. Auch das trägt auf einer höheren Ebene zur Völkerverständigung bei.

DJ Serbio Jovanovic
00
25.5.2011, 18:31

interessant zu sehen, dass hauptsächlich alkoholische Getränke am Tisch stehen.

Der Westen macht wohl wirklich ungläubig.

bibliothekar
00
24.5.2011, 08:44

Also für mich ist das fazit des tages: jedes gerede von migrationshintergrund und generationennummerierung boykottieren. Das ist ein kolossales eigentor.

Shelby
00
23.5.2011, 13:51
Ausgleich globaler Ungerechtigkeiten

Ich finde das toll, daß es so ein bißchen ein Ausgleich statt findet.
Zu uns kommen "ungebildete Ostanatolier" (siehe andere Posts), sie füllen schlecht bezahlte, unbeliebte Stellen aus.
Ihre Kinder oder Enkel sind dann gut gebildet und gehen zurück um in Istanbul Karriere zu machen.

(Klar: Vereinfacht formuliert & in vielen Fällen nicht anwendbar.)

jbt
03
23.5.2011, 23:49
ungebildete Ostanatolier

Sie wurden Sich wundern, wieviele Ausländer trotz hoher Bildung miese Jobs haben. Leider steht es nicht jedem Kebabverkäufer, oder jeder putzfrau auf der Stirn geschrieben, was für ausbildung die eigentlich haben. In vielen Unternehmen werden die unter dem vorwand, "sprachliche bariere", abgewiessen obwohl Amerikaner, Kanadier, Französen, Skandinawier, Tiroler die kein wort Deutsch sprechen, gerne genommen werden. Mit dennen spricht man halt englisch. Was wäre verkehrt daran mit Türken, Ukrainern, usw. auch englisch zu reden, die können es ja auch. Nur von "zweitklassigen" Ausländern wird halt erwartet das die gefälligst Deutsch sprechen? Deswegen kriegt man den eindruck das alle, oder die meisten, hier lebenden ungebildet sind.

hallo14
00
Thumbs up:)

Kann Ihnen in allen Punkten Recht geben!

1 Wolfgang 1
14
23.5.2011, 12:06

Ok, ein türkischstämmiger Österreicher wird am Stammtisch in Istanbul von türkischstämmigen Deutschen wegen seines Wiener Dialekts gehänselt...

Am Stammtisch in Istanbul reden fast alle deutsch, dafür spricht der durchschnittliche Türke am Wiener Brunnenmart türkisch, oft weil er gar nichts anderes kann.

Leute, einfach macht ihrs uns nicht :-)

Andre Resestoiserl
04
23.5.2011, 12:28

Ja genau richtig ! Solche Artikel lassen sich zwar wunderbar lesen, aber hier handelt es sich ja um keine bildungsferne Leut......das Gros bzw.der massiv überwiegende Teil an Türken in A & D sind ungebildete Ostanatolier, noch dazu mit großem Analphabetenanteil. Für diese Menschen ist Istanbul eine andere und auch unereichbare Welt.....

hallo14
00

Solche Kommentare, wie den Ihrigen finde ich immer besonders lustig...Haben wir es dann irgendwann einmal mit den "ungebildeten Ostanatoliern?" Ich kann diese dämliche Klischee schon bald nicht mehr hören...Wieviele von den "Ostanatoliern" kennen Sie den persönlich? Mit wievielen Türken haben Sie tatsächlich schon mal Kontakt aufgenommen? Mit kaum jemanden, nehme ich mal an...Und wie bereits ein anderer User geschrieben hat - nur weil wer im Kebapstand arbeitet, heißt es noch nicht dass er dämlich oder komplett ungebildet ist...Guten Tag...

meineipist
01
23.5.2011, 20:43

könnte es nicht auch sein, dass Sie die gebildeten "Türken" bei uns einfach nicht sehen (wollen), weil sie angepasster sind und Ihnen nur die "ungebildeten" auffallen?

Andre Resestoiserl
11
24.5.2011, 09:08
OH JA

ich würd die gebildeten bzw.integriertenTürken sehr sehr gerne sehen wollen, grad mit denen machts Spass zu reden. Aber vor lauter bildungsfernen und oft abgekapselten Landsleuten fallen die halt nicht so auf....

jbt
22
24.5.2011, 13:28

es macht aber ein unterschied ob die sich abkapseln, oder abgekapselt werden, ich habe nämlich den eindruck das viele die sprache nicht gelernt haben weil es eh keinen gibt der mit denen reden will, und es sind nicht die türkischen eltern die ihre kinder von den spielplätzen weg zerren weil zu viele österreichische kinder da sind, die abkabselung ist tatsache, nur die ursache ist ne andere als von ihnen vermutet, es gibt nicht wenige integrationsbemühungen, nur es ist immer einseitig und solange die geselschaft nicht bereit ist die menschen zu akzeptieren wird daraus nichts. Und kommen sie mir jetzt bitte nicht damit, die türken müssten dies und jenes. Fragen sie sich, was für ein beitrag sie leisten können, wenn es ihnen so an herzen liegt

Andre Resestoiserl
11
24.5.2011, 15:55

SPRACHE: Kann und darf nur eine Holschuld für die Zuzügler sein (und sicher keine Bringschuld der "anderen")
MEIN BEITRAG: Ist durch den Generationenvertrag eindeutig geregelt. Ich (als Höchstbemessler) muß auch für die bezahlen, die im Zuge der Familienzusammenführung seit etlichen Jahren hier leben (99% Frauen), keiner Tätigkeit nachgehen können, (weil ungebildet bzw.Anaphabeten) und aufgrund überdurchschnittlich vieler Geburten beziehen(und meistens davon leben).
TÜRKISCHE ELTERN: Ab Ende des Kinderwagenalters sind türkische Kinder unbeaufsichtigt in Parks unterwegs.

jbt
10
24.5.2011, 23:21

würde vorschlagen, sie reduzieren konsum von FPÖ Propaganda. Wird Ihnen sicher gut tun, es besteht sogar hoffnung das sich Ihr Gehirn regeneriert und wieder seine funktion aufnimmt, falls jemals einer vorhanden war.

hallo14
00

Der Herr Andre kennt vermutlich keinen einzigen Türken persönlich, verlässt sich nur auf seine persönlich unbehaglichen Gefühle, die ihm aufkommen, wenn er "die ach so anderen Ostanatolier" sieht und wird daher seinen Horizont vermutlich nicht erweitern...Falls es doch so sein sollte freue ich mich.

Gerhard Eigner
03
23.5.2011, 13:10
die leute die hier keine chance haben

haben dort auch keine und die türken dort sind sehr froh, dass die ungebildeten hier sind (und brauchen auch nicht zurückkommen).

F.O.S.i. ("unnötig"=>Begründung!)
11
23.5.2011, 12:04

Ich hab selbst türkische Wurzeln. Die Leute, die behaupten, sie wären ja ach so assimiliert gewesen und ach so integriert: Warum zieht ihr dann gerade in die Türkei? Ich kenne auch Leute die zurückgezogen sind, aber die sind zumindest nicht auch noch hier geboren. Dass sogar solche "zurückgehen" finde ich etwas drastisch, so gar arg schlimm ist das mit der Integrationsdebatte auch wieder nicht, es nervt, aber man hälts aus, deshalb wandert man doch nicht aus, das ist ja lächerlich.

Alles andere is primär oder irreregulär
00
Bin auch in Wien geboren und habe türkische Eltern...

.....kann mir auch durchaus vorstellen in die Türkei zurückzukehren. Wenn ich zb als Akademiker oder meine in Istanbul aufgewachsene Frau dort eine gut JOb bekommt. Oder aus privaten Gründen wäre es auch möglich.

1 Wolfgang 1
00
23.5.2011, 12:36

Wir kennen ja die Beweggründe, die noch dazu sehr unterschiedlich sein können, nicht.

Bei der wirtschaftlichen Entwicklung die die Türkei nimmt, ist es für manche gut ausgebildete wahrscheinlich reizvoll, in der Türkei zu arbeiten. Manche werden vermutlich von ihren deutschen, österreichischen Unternehmen auch als Expats entsandt und sind nur für ein paar Jahre in Istanbul.

So abwegig find ich das auch wieder nicht.

Andre Resestoiserl
21
23.5.2011, 12:30

Wen ein halbwegs strenggläubiger Kurde bzw. Ostanatolier das Foto mit den unverhüllten Frauen sieht, versteht er seine türkische Welt nicht mehr....

jbt
00
24.5.2011, 23:12

habe ich was perpasst?

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