Kontaktgarten

"Mit wem können wir Deutsch sprechen?"

Jasmin Al-Kattib, 24. Mai 2011, 16:34
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    foto: jasmin al-kattib

    "Die Idee ist, dass jemand mit deutscher Muttersprache jemandem, die oder der noch nicht so gut Deutsch kann, unterstützend zur Seite steht," erklärt Martina Sinowatz das Prinzip des Projektes.

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    "Die Idee ist, dass Leute, die Lust am Gärtnern haben, hier einen Ort finden, wo sie andocken oder plaudern können."

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    Das kleinen Beet im Einsiedlerpark im 5. Wiener Gemeindebezirk wird von der Nachbarschaft und den ParkbesucherInnen gepflegt.

Die Warteliste des Kontaktepools für interkulturelle Freundschaften besteht fast nur aus MigrantInnen, ÖsterreicherInnen sind kaum verteten

Es sind vor allem Kräuter und Blumen, die seit einem Monat in dem kleinen Beet im Einsiedlerpark im 5. Wiener Gemeindebezirk nicht von den StadtgärtnerInnen, sondern von Leuten aus der Nachbarschaft und den Mitgliedern des Projekts Kontaktepool gehegt und gepflegt werden. An diesem Donnerstag sind Martina Sinowatz und Ingrid Blasge vom Verein Station Wien bereits um 16 Uhr vor Ort, um ihre Gartengäste zu empfangen. "Wir versuchen öffentliche Orte vor allem auch für MigrantInnen zugänglich zu machen und als Begegnungsorte zu strukturieren," erklärt Ingrid Blasge auf der Parkbank unweit des Beets die Idee hinter dem kleinen Kontaktgarten.

Seit der Eröffnung Mitte April sind es mal mehr, mal weniger Besucher, die am wöchentlichen Jour fixe beim gemeinsamen Pflanzen anzutreffen sind. "Es wäre schön, wenn wir alle verschiedenen Gruppen der Parkbesucher auf das Projekt aufmerksam machen könnten," so Blasge. "Aber man braucht Zeit, um viele Menschen anzusprechen. Die Idee ist, dass Leute, die Lust am Gärtnern haben, hier einen Ort finden, wo sie andocken oder plaudern können."

Vermittlung an jemand "Passenden"

Das Projekt Kontaktepool, im Rahmen dessen auch der Kontaktgarten entstanden ist, soll Verbindungen zwischen Menschen verschiedener Kulturen herstellen, und zwar speziell Kontakte zwischen "Einheimischen" und Zugewanderten. "Die Idee ist, dass jemand mit deutscher Muttersprache jemandem, die oder der noch nicht so gut Deutsch kann, unterstützend zur Seite steht," so Martina Sinowatz, die das Projekt gemeinsam mit ihrer Kollegin Ingrid Blasge leitet. "Und zwar sollen wirklich enge Partnerschaften entstehen, wo sich die Leute im privaten Rahmen zum Beispiel einmal in der Woche treffen und voneinander lernen."

Die Vermittlung zwischen Interessierten funktioniert eigentlich genau so wie bei anderen "Kontaktagenturen" auch. Wer sich anmeldet, wird so bald wie möglich an jemand "passenden" mit ähnlichen Interessen vermittelt - und man kann auch Prioritäten der Freundschaftssuche angeben. "Wenn ich zum Beispiel an der tschetschenischen Kultur interessiert bin, kann man bei uns sicher auch eine Tschetschenin kennen lernen", so Sinowatz.

Unbedingt deutsch kommunizieren

Insgesamt melden sich weitaus mehr MigrantInnen, vorwiegend aus dem türkischen und arabischen Raum, als ÖsterreicherInnen. "Bei den MigrantInnen spricht sich das herum wie ein Schneeballeffekt. Viele sind einfach so glücklich, wenn sie eine österreichsiche Freundin haben", weiß Sinowatz aus ihrer mittlerweile sechsjährigen Vermittlerrolle. "Das gibt ihnen viel, sie empfinden das als Aufwertung ihrer Situation hier." Nur die ÖsterreicherInnen zieren sich nach wie vor ein wenig, und die Warteliste derer, die gerne neue interkulturelle Freundschaften schließen möchten, besteht fast nur aus MigrantInnen.

Dem Vorurteil, dass Zugewanderte unter sich bleiben wollen, kann die engagierte Projektleiterin erfahrungsgemäß nur widersprechen: "Das wird es zwar auch geben, aber die meisten kommen und wollen unbedingt Deutsch kommunizieren. Das Projekt ist ja auch aus den Deutschkursen heraus entstanden, weil die Frauen gesagt haben, wir lernen da Deutsch, aber bitte, mit wem können wir sprechen?" Im Supermarkt brauchen sie die Sprache kaum, und die paar Worte, um die Hausmeisterin um den Schlüssel für die Waschküche zu bitten, können sie längst. "Außerdem trauen sich viele auch nicht, jemanden anzusprechen, weil sie niemandem auf die Nerven gehen wollen," bemerkt Sinowatz.

Wenig Zeit für neue Kontakte

Bei den ÖsterreicherInnen ortet Sinowatz hauptsächlich Zeitmangel als Grund für das geringe Engagement. Momentan seien es hauptsächlich StudentInnen, viele davon aus Deutschland, aber auch pensionierte und arbeitslose Menschen mit deutscher Muttersprache, die sich melden. Also Personen, die genug Zeit haben, um via Kontaktepool ihren kulturellen Horizont zu erweitern. Dass aus der Vermittlung auch echte Freundschaften werden können, zeigen einige der am Beginn des Projekts 2005 vermittelten Kontakte, die nach wie vor bestehen.

Beim kleinen Garten im 5. Bezirk haben sich gegen halb fünf Uhr schon ein paar Kontaktfreudige eingefunden. Zum Beispiel Hussein aus Afghanistan, zwei Mütter mit ihren kleinen Mädchen, die sich beim Deutschkurs kennen gelernt haben, und ein paar neugierige Besucher, die den Jour Fixe zufällig auf Facebook entdeckt haben. Die Männer, die sich neben dem Garten immer zum Kartenspielen treffen, sind auch schon neugierig geworden. "Einer von ihnen hat schon ein paar Pflanzen mitgebracht und schaut auch immer, dass es ihnen gut geht und bindet sie hoch, wenn das notwendig ist", freut sich Sinowatz mit ihrer Kollegin über den langsamen, aber stetigen Zuspruch für ihren Nachbarschaftsgarten im Einsiedlerpark. (Jasmin Al-Kattib, daStandard.at, 24. Mai 2011)


Kontaktgarten Jour Fixe
jeden Donnerstag (außer an Feiertagen), 16 Uhr
bei der "Linse" im Einsiedlerpark, 5. Bezirk

Kontaktepool ist laufend auf der Suche nach kontaktfreudigen ÖsterreicherInnen oder Personen, die gut deutsch sprechen, und Interesse an interkulturellen neuen Freundschaften haben.

Link:

Station Wien

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Posting 1 bis 25 von 41
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Ebbinghaus
00
26.6.2011, 23:10
Ich bin völlig überrascht

dass Zuwanderinnen keine Möglichkeiten haben, Deutsch zu sprechen. Es gibt doch so viele Vereine, Weiterbildungsinstitutionen, soziale Initiativen, die Möglichkeit sich politisch zu engagieren, Kinderfreizeitangebote, Musikschulen, uvm. auch wenn man nicht berufstätig ist. Die Freundinnen kommen dann von selbst. Es wäre für mich völlig unverständlich, in einem anderen Land zu leben und die Sprache nicht zu erlernen.

Reversi
 
00
Die Warteliste für eine Spenderniere

besteht auch fast nur aus solchen, die eine Niere brauchen. Wer eine zu spenden hat, wird ja sofort einem Bedürftigen zugewiesen.

Wartelisten haben es eben so an sich, dass sie den Überhang abbilden.

laelve
00
27.5.2011, 12:51

Ich bin selbst seit über einem Jahr Mitglied im Kontaktepool und kann diesen nur weiterempfehlen!!
Aus meinen Kontakt ist inzwischen eine tiefe Freundschaft entstanden, welche mein Leben in vielerlei Hinsicht bereichert.

SULTAN SULTAN
00
26.5.2011, 12:42
miteinander leben heißt die Devise nicht auseinander driften

Integration funktioniert durch beidseitiges Entgegenkommen. Nur so kann man den Erfolg des Zusammenlebens erzielen. Durch abwertende Aussagen in der Öffentlichkeit durch perspektivlose Menschen driftet diese angestrebte Gesellschaft auseinander.

Zum Thema Kopftuch: BITTE MACHEN SIE DIESES THEMA NICHT DRAMATISCH!
Ein Kopftuch ist kein Zeichen der Unterdrückung einer Frau oder BELEIDIGUNG, es ist vielmehr ein Ausdruck der individuellen Religiosität.

Man soll nicht vergessen, dass auch in vielen biblizistischen oder evangelikalen Gemeinschaften des Christentums eine Kopfbedeckung für Frauen selbstverständlich ist.

ecologyst
00
26.5.2011, 22:23

Genauso wie ein Arschgeweih kein Zeichen von Proletentum ist.

Aber trotzdem werden viele Mütter ohne Arschgeweih, die auf der Suche nach einer Gesprächspartnerin sind, Mütter ohne Arschgeweih gegenüber Müttern mit Arschgeweih bevorzugen.

Würde ich persönlich schon allein deswegen, weil ich Müttern mit Arschgeweih eher zutraue in der Gegenwart der Kinder zu fluchen. Und das muss nicht sein.

Aber am besten befragt man die ÖsterreicherInnen, warum sie so zaghaft sind.

im Standard sind alle perfekt!!
11
25.5.2011, 22:01

würde mich sehr interessieren! wo meldet man sich da? wie kann man sich da beteiligen? :-)

lisalieschen
00
26.5.2011, 00:11
der link zum projekt

befindet sich in der untersten zeile nach dem Artikel...

maxbz
107
25.5.2011, 21:00
"Insgesamt melden sich weitaus mehr MigrantInnen, vorwiegend aus dem türkischen und arabischen Raum"

Wenn man diesen Frauen klarmachen würde, dass das Kopftuch nicht gerade integrationsfördernd und für viele Einheimische eher beleidigend ist, dann würden sie sich im Alltag viel leichter mit der Integration tun.

Das mag manchem nicht politisch korrekt erscheinen, hilft aber rein praktisch sehr.

emily_strange
00
16.5.2012, 21:31

ich kann noch immer nicht verstehen, warum man sich an den kopftüchern stößt??

und warum fühlt man sich wegen der kopftücher beleidigt??

kann mir das jemand an dieser stelle erklären?

peace maker
 
02
27.6.2011, 20:18

ich sehe keinen grund, mich zu ändern, damit das gegenüber nicht beleidigt ist: ich verletze kein einziges seiner/ ihrer rechte!
in so einem fall kann mir integration den buckel ummerutschen, zuerst gefällt dem mein kopftuch nicht, dann muss ich blaue linsen tragen, dann ist meine haarfarbe zu morgenländisch und schwuptiwupps bin ich ein anderer mensch... danke und tschüss!

Nick Tameer
11
26.5.2011, 23:44

Da gibt es also Leute in Österreich, Ausländer, die irgendwie andere Vorstellungen von manchen Dingen haben, aber das Bedürfnis haben, mit Österreichern in Gespräch zu kommen. Man könnte meinen, der seinerseits an solchen Gesprächen interessierte Österreicher sollte sich einmal anhören, wie sie die Dinge sehen, und mit ihnen über die verschiedene Standpunkte und Sichtweisen reden. Aber würde die Integregration förden? Mitnichten! Die liegen doch offensichtlich völlig falsch und sind integrationsunwillig! Man muss diesen Leuten daher zuerst einmal klarmachen, wie verkehrt ihre Einstellungen sind und anschließend, wenn sie endlich das verstanden haben, kann man vielleicht auch anfangen, sich mit ihnen vernünftig zu unterhalten.

die_eidechse
 
11
26.5.2011, 11:30
wenn sie so leicht beleidigt sind, sollten sie am besten ihr kellerloch gar nicht mehr verlassen.

trollvottel
00
26.5.2011, 11:08

Was bitte soll beleidigend sein, wenn irgendjemand sich in ein Kopftuch wickelt? Findest Unterwäsche und Socken auch beleidigend oder nur Kopfbedeckungen?

Natürlich müsste man das Kopftuch in der Schule verbieten, um die brutale systematische Diskriminierung muslimischer Töchter wegen ihrer religiös versponnenen Eltern zu beenden. Aber für Neonazis, Rassisten und anderen Abschaum bleibt eine Türkin auch dann "lebensunwert" und "Untermensch", wenn sie das Kopftuch ablegt, sich taufen lässt und einen Burschenschaftler heiratet!

SULTAN SULTAN
00
26.5.2011, 10:49
Integration? Kopftuch? Bitte nicht verwechseln!

Das Kopftuch ist kein Zeichen der Unterdrückung einer Frau, sondern ist vielmehr ein Ausdruck der individuellen Religiosität. Es entpricht der Tatsache, dass auch in vielen biblizistischen oder evangelikalen Gemeinschaften des Christentums eine Kopfbedeckung für Frauen selbstverständlich ist. Noch etwas:! Die Muslime haben vielmehr mit den Ängsten von Einheimischen zu kämpfen als mit der Integration. Integration funktioniert beidseitig. Hier ist aber keine Rede von Anpassung, sondern von Entgegenkommen! Bitte berücksichtigen dies bei Ihren Aussagen! Bitte und Danke!

King Of Wörschtlständ
00
15.12.2011, 20:40
Apropos Kopftuch...

...was ich schon lange von einem Experten wissen wollte und ich hoffe, Sie sind einer:
Warum behält das Kopftuch in geografischen Breiten in denen keine subtropischen Klimata herrschen, seine textile Struktur aus dünn gewebten Stoffen (dünne Seide o.Ä.) bei?
Klar kannte man früher in den Herkunftsländern keine wetterfesten Textilien, wozu auch. Selbst das osman. Reich importierte früher Pelze aus Russland und Wollstoffe aus England.
Jetzt aber ist das Kopttuch augewandert, in kältere Gebiete. Warum gibt es nicht längst schon Modelle aus Wolle, Leder, (wie Hüte) oder gefilzten Stoffen?
Die Ohren der Trägerinnen würden es im Freien sehr danken. Vielleicht eine Marktlücke?

palmström
01
das mit dem aufeinander zugehen

ist schon richtig, lediglich haben viele einheimischen den eindruck, dass zuwanderer gerade mal das minimum an integrationsleistung erbringen, dafür dann aber toll gelobt und mit füllhörnern überschüttet werden wollen...

die berechtigte frage ist: wenn jemand in ein anderes land zieht und jede anpassung als unangenehmes unterfangen sieht, wieso ist er/sie überhaupt hergekommen?

es gibt viele beispiele an leuten, die das heft selbst in die hand genommen haben und von sich aus ihren weiteren lebensweg im neuen land gestaltet haben (meist sind das sogar die, die nicht freiwillig ausgewandert sind...)

an diesen vorbildern sollten sich zuwanderer orientieren... und nicht immer jammern, dass die einheimischen so unfreundlich sind

Christoph ************
00

Sie haben wohl den Artikel nicht wirklich gelesen. Da stand nämlich ziemlich klar drinnen, dass von Immigrantenseite her deutlich mehr Interesse an dem Programm besteht als von Einheimischer Seite.

palmström
00
nun

dieses programm ist ja nicht die gesamte integrationsproblematik...

mein Nick: O´laus!
00
18.12.2011, 21:47
Das Programm ist überhaupt keine Problematik...

...sondern mehr die Lösung einer solchen.
Beim Beckmessern sollte man schon logisch vorgehen.

Spucks
34
26.5.2011, 08:07

Wieso sollte man sich beleidigt fühlen, wenn jemand ein Kopftuch trägt?

King of Cowards
03
26.5.2011, 11:49

"Beleidigt" ist vielleicht das falsche Wort, aber Frauen mit Kopftüchern versprühen eine Art von Konservativismus, den es in Österreich (zumindest in den Ballungsräumen) schon lange nicht mehr gibt. Dass sie den Kopf aufgrund religiösen und/oder kulturellen Ansichten bedecken bzw. verhüllen finde ich sehr schade. Der Umstand, dass in einigen Fällen Frauen sogar vorgeschrieben bekommen, ein Kopftuch zu tragen, ist natürlich abzulehnen (Zwang, usw.).

... und nein, das Argument, das Kopftuch sei ein modisches Accessoire, lasse ich nicht durchgehen.

Christoph ************
21

Es kommt mir vor gerade sie verspruehen einen Konservativismus den es eigentlich nicht mehr geben sollte. Wer Frauen vorschreiben will, wie sie sich anzuziehen haben, ansonsten sind sie Persona non grata, ist wohl ziemlich reaktionär.

Kopftuecher sind nicht bloß eine wie auch immer geartete Ansage sondern auch schlicht ein modisches Utensil und wer junge Muslima die es vorziehen Kopftuch zu tragen sieht, der sieht oft sehr modisch und farbenfroh gekleidete selbstbewusste junge Frauen.

Mag sein, dass das Kopftuch eine Trotzreaktion ist gegen genau solche Leute wie Sie, aber während man zB bei Punks sowas anscheinend schon akzeptiert hat, ist es bei jungen Muslima noch des Teufels.

Spucks
00
27.5.2011, 07:53

Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie sich noch nicht sehr häufig mit kopftuchtragenden Frauen unterhalten haben?

King of Cowards
01
27.5.2011, 23:14

Nein.

Nick Tameer
00
26.5.2011, 23:50

Ich nehme an, sie wissen das so genau, weil sie viele solcher Frauen genau kennen, sich schon mit vielen davon unterhalten haben und feststellen mussten, dass es einfach nicht geht.

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