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vergrößern 500x375Çiğdem spielt "wohnen" auf der Straße
vergrößern 500x375Viele der Gecekondus verfügen über keine adäquate Kanalisation oder Müllabfuhr.

Fremden gegenüber herrscht ein spürbares Misstrauen.
vergrößern 500x667Der Geburtsort der Kinder ist für viele schon die erste Vorentscheidung für den Verlauf des weiteren Lebens.
Istanbul bietet eine grenzenlos scheinende Auswahl an Sehenswertem aller Art. Wenn man BesucherInnen nach ihren Tagen in Istanbul fragt, erzählen sie einem oft von der aufstrebenden, modernen, bunten Metropole. Und das stimmt auch. Nur ist das nicht die ganze Wahrheit dieser Stadt. Das andere Gesicht findet man jedoch in keinem Reiseführer.
"Ich möchte einmal Lehrerin werden" sagt Çiğdem*. Weil sie gerne in die Schule geht, so die 7-jährige. Ihre Schwester Cemre dagegen möchte lieber Ärztin sein. Die Chancen stehen schlecht, denn die beiden haben Pech. Sie sind in einem System geboren, das schon sehr früh die Räder der sozialen Selektion ins Rollen bringt.
"Gecekondu"
Die beiden sind die ersten, die ich hier in einem der Gecekondu-Bezirke kennen lerne. Übersetzt heißt "Gecekondu" so viel wie "nachts gelandet". So werden jene Stadtteile genannt, in denen sich spontan entstandene Siedlungen finden. Blechhütten, zerfallene Häuser, oft kein einwandfreies Kanalisationssystem. Selbiges gilt für die Müllabfuhr oder Busverbindungen. Es sind die Ghettos von Istanbul.
Als ich Çiğdem und Cemre das erste Mal gesehen habe, haben sie auf der Straße gerade "wohnen" gespielt. Es war Anfang März, ein kalter Tag. Kalt genug jedenfalls, dass es mich trotz meiner Winterjacke immer wieder gefröstelt hat. Die beiden Schwestern sind am Boden gesessen und hatten nicht mehr als ein eine dünne Jacke, ein T-Shirt und eine Hose an. Çiğdem noch nicht einmal Socken.
Zusammenhalt im Armenviertel
Einheimische raten einem davon ab in diese Viertel zu gehen, auch bei Tag. Da gäbe es schließlich nichts zu sehen. Jedenfalls nichts, was man auf eine Postkarte drucken würde. Außerdem ist es gefährlich. Drogendealer, Diebe und sonstige zwielichtige Gestalten seien dort. Armut hat eben viele Gesichter. Mir wird der Zugang dorthin durch den Amateurfotografen Emre* ermöglicht, der es sich zum Hobby gemacht hat, eben die Gesichter in den Armenvierteln abzubilden.
Unsere Aufenthalte in diesen Gegenden bleiben nie lange unbemerkt. Seien es nun Jugendliche, ältere Männer oder Frauen, alle fragen sie: "Wozu die Fotos, wozu die Fragen. Wieso interessiert ihr euch für uns?" Aus unseren Erklärungen werden schnell Rechtfertigungen. Eine ungute, manchmal bedrohlich wirkende Situation, aber Emre ist das gewohnt. Er schafft es die Gruppe zu besänftigen und noch ein paar Fotos für seine Sammlung zu machen.
Çiğdems Mutter kommt vorbei. Sie ist zornig und will dass wir gehen. Gerade hätten Männer ihren Wasserboiler abtransportiert, weil sie die umgerechnet 15 Euro teure Rechnung nicht bezahlen konnte.
Neue Wohnsiedlungen
Die Stadt Istanbul hat sich in Kooperation mit privaten Baufirmen dem Problem der "Gecekondus" angenommen. Die Häuser und Hütten werden dem Erdboden gleichgemacht und durch moderne Wohnhäuser ersetzt. Wer eine Grundstücksurkunde besitzt bekommt für die Zeit des Umbaus eine Ersatzunterkunft und hinterher eine Wohnung in der neuen Siedlung geschenkt. Eine Verbesserung. Nur viele haben so eine Grundstücksurkunde nicht. Sie packen dann ihre Sachen und ziehen woanders hin. Auch deshalb weiß man nicht genau, wie viele in diesen Vierteln in Summe leben.
Wer glaubt diese Gegenden befänden sich ausschließlich in den äußeren Teilen der Stadt, der irrt. Kleinere Siedlungen kann man auch in der Nähe von zentralen Plätzen finden, wenn man sie sucht. Konfrontiert wird man mit der Armut in Istanbul allerdings überall. Es sind die Menschen, die an den U-Bahn Treppen Taschentücher verkaufen, Plastiksäcke einsammeln oder am Straßenrand Flöte spielen.
Arme Kinder gehen mit jenen aus wohlhabenderen Familien manchmal sogar in die gleiche Gesamtschule für sieben- bis 14-Jährige. Chancengleichheit besteht jedoch praktisch nur auf dem Papier.
Soziale Selektion
Jede Gesellschaft entwickelt eigene komplexe Mechanismen um Jobs zu besetzen, die keiner machen will. Hier funktioniert das unter anderem so:
Am Ende der Gesamtschule gibt es eine zentrale Prüfung, die entscheidet in welche Oberstufe man kommt. Wer gut abschneidet, kann auf gute Schulen gehen. Dasselbe wiederholt sich auch für die Aufnahme auf die Universitäten. Nun bekommen zwar alle die gleichen Fragen, jedoch sind die Bedingungen nicht gleich.
Denn um diese Prüfungen sinnvoll zu bestehen, schicken alle Eltern, die es sich leisten können, ihre Kinder teilweise schon Jahre vorher in Nachhilfeinstitute. Wer sich die besten Nachhilfeinstitute leisten kann, darf auch mit den besten Prüfungsergebnissen rechnen. Manche Bildungsexperten vermuten, dass privat mehr für Bildung ausgegeben wird, als öffentlich - offizielle Zahlen dazu gibt es jedoch keine.
Das hieße jedenfalls, der Staat schafft zwar die Rahmenbedingungen, der Erfolg im Bildungssystem ist jedoch statistisch gesehen vor allem vom Budget und Bildungsstand der Eltern abhängig. Eine Mutter, die die Wasserrechnung nicht bezahlen kann, kann sich auch kein Nachhilfeinstitut leisten. Ein Kind das tagsüber ein paar Münzen verdienen muss, kann nicht gleich viel Zeit in die Hausübungen stecken, wie andere. Die Schule wird oft schon vorher abgebrochen, die Oberstufe gar nicht besucht. Die Jugendlichen landen dann später in schlecht bezahlten Aushilfejobs oder in der Schattenwirtschaft Istanbuls. Das gilt natürlich nicht für alle. Erfolgsgeschichten von AufsteigerInnen gibt es natürlich.
Die Ärmsten leben gar nicht so weit weg von einer wohlhabenden oberen Mittelschicht. Nur zehn Minuten zu Fuß von Çiğdems Viertel befindet sich eines dieser großen, modernen Einkaufszentren. Eine Mutter schimpft auf dem Parkplatz mit ihrem Sohn, weil der mit seiner tragbaren Spielekonsole beschäftigt ist und sie es eilig hat. Sie steigen in ihren Mercedes Benz und fahren weg. Wahrlich eine andere Welt. (Yilmaz Gülüm, 30. Mai 2011, daStandard.at)
*Namen geändert
Meine Zeit in Istanbul ist vorbei. Die Prüfungen geschafft, die meisten KollegInnen längst zurückgekehrt. Da wird es auch für mich wohl oder übel Zeit, an das Ende meines Aufenthaltes hier zu denken
Im Pressefreiheits-Index schneiden der Irak und Ägypten unter Mubarak besser ab als die Türkei - Warum?
17.000 syrische Flüchtlinge kampieren entlang der türkischen Grenze. Muhammed F. ist einer von ihnen. Er will hier bleiben - "bis Assad geht"
Istanbul ist am besten Weg einer der globalen Hotspots zu werden. Das rasante Wachstum hat auch Schattenseiten
Für eine neue demokratische Verfassung müsste die AKP nach den Wahlen etwas machen, was sie nicht so gerne tut: Sich auf einen demokratischen Diskurs einlassen
In einer Woche finden in der Türkei Parlamentswahlen statt. Der Wahlkampf erreichte diese Woche seinen Höhepunkt
Viele türkischstämmige Menschen sind in die Heimat ihrer Eltern zurückgekehrt. In Istanbul treffen sie sich monatlich an einem Stammtisch
Eine Klasse mit 25 türkischen SchülerInnen wird von österreichischen LehrerInnen auf Deutsch unterrichtet. Nein, Schauplatz ist nicht Wien Ottakring, sondern am St. Georgs-Kolleg in Istanbul
Die Frage ob Österreicher oder Türke konnte ich in Istanbul für mich abschließen
ich frage mich, wie ein vernünftiger, in ruhigem ton gehaltener artikel zu einem ernsten thema solch einen thread auslösen kann.
"Perlen vor die Säue werfen" fällt mir dazu ein.
Wer will, kann das gern ins Portugiesische übersetzen.
oder in eine Zahlenreihe umwandeln und die im Lotto setzen.
Peinlich das Ganze
die so von 4 bis 25 Kommentaren bedacht wurde.
Es war mir ein "muss" seine Leistung mit mindestens 100 Kommentaren zu belohnen. Sie wollen doch nicht d seine Seite wegen Desinteresse fruehzeitig eingestellt wird, oder?
Warum nehmen Sie alles so ernst, sehen Sie aus dem Fenster es scheint die Sonne in Wien, d Postamt nimmt gerne Spenden fuer notleidende Kinder an. Oder bewerben Sie sich fuer ein Ferienkind aus dem Atom verstrahlten Weissrussland fuer 150 Euro Reisekosten sind Sie dabei. Tun Sie Gutes und reden Sie nicht nur von "ernsten Thema" !
Dann melden Sie sich wieder, OK ?
http://derstandard.at/130455232... er-den-IWF
Kommentar überflüssig, denke ich...
Jemand der 2009 selbst d dritt wichtigste Amt der UNO zurueckgelegt hat sollte man mit 63 Jahren nicht mehr aus den Kulissen holen.
Krisenfrey sagt doch selbst in den einleitenden Saetzen Fr. Christine Lagarde ist ein wichtiges Zeichen und kompetent.
nicht. hier werden akademiker vor allem jene, die aus akademikerfamilien kommen. die "bildungsferne" schicht bleibt auch in österreich überzufällig oft "bildungsfern". wenn sich die eltern die nachhilfe für ihre kinder leisten können, kommen sie auch hier im gymnasium weiter.
das problem in der türkei ist also offensichtlich auch, dass es sehr wenige möglichkeiten für arme menschen gibt, aus der armutsfalle rauszukommen. das ist in österreich auch noch ausbaufähig, aber immerhin im großen und ganzen halbwegs gewährleistet.
Ist die (zugegebenermaßen hohe) Hürde Matura geschafft, kann jede/r grundsätzlich werden/studieren was er/sie will. Mit nicht unbedeutenden Sozialleistungen, die übrigens Schul- und Studiumbesuch ermöglichen.
In der Türkei kann nur wer die Prüfungen besteht eine gute Oberstufe besuchen, die praktisch Grundvoraussetzung für erfolgreiche Studienzugangsprüfungen ist (die standardisiert und anspruchsvoll sind). Nur wer die Studienzugangsprüfungen besteht kann wiederum studieren. Hier im direkten Wettbewerb um begrenzte Plätze mit den Kindern derer zu stehen, die einen Riesenwettbewerbsvorteil finanzieren, ist ein RIESEN-Unterschied zum ö System. Mir schleierhaft, wie Sie den nicht sehen.
Aber Luciens Schlußfolgerung ist dennoch bullshit, das sind einfach rechtliche Gründe. Ohne explizite Zustimmung darf man den Namen nicht veröffentlichen(es gibt zwar Ausnahmen, wo das erlaubt ist, die treffen aber auf das Mädchen nicht zu).
Weiters liest man im Text, dass die Mutter des Mädchens eher abweisend war - und da sie wohl entscheiden durfte, ob der Name veröffentlich wird, oder nicht, ist es doch nicht so verwunderlich, dass sie den Namen nicht freigegeben hat, oder?
habe ich tatsächlich übersehen.
man kann sich aber in die situation der mutter versetzen. in einer situation, wo man nicht weiß, wie man den kindern und sich selber trinkwasser bereitstellen soll, ist es doch nachvollziehbar, dass man warum-auch-immer-interessierten ausländern nicht so gerne informationen zur familie geben möchte.
Abgesehen davon, dass das, was im Artikel gesagt wird, wahrscheinlich stimmt, frage ich mich, was GENAU der Zweck eines solchen Berichtes ist, denn ich kenne NIEMANDEN, der je behauptet hat oder behaupten würde, dass in Istanbul alles super wunderbar ist.
DIE GANZE WELT IST VOLLER ARMUT, und zwar wirklich überall und auch hier in Österreich gibt es genug (und eigentlich immer mehr) ELEND, worüber kaum berichtet wird, weil die Europäer es lieben, alles Schlechte in anderen Ländern zu zeigen, damit sie sich selbst besser vorkommen als andere.
Außerdem: Was genau ist Armut? Es ist erwiesen, dass "arme" Menschen oft glücklicher sind als die, die im Wohlstand leben.
...arm in Österreich...trotzdem voller Magen, sogar Unterkunft, auch Arzt, wenn Inländer und der Gang zum Sozialamt nicht zu beschämend ist (was ich nachfühlen könnte) Arm außerhalb der EU...es fehlt alles, kein Rettungsnetz.
http://www.deutsch-tuerkisch.net/suche/armut
Die letzten zwei Begriffe in der Liste. Jetzt weiß ich, dass der Spruch "Armut tut weh" ein Sager für Kopfschmerzen ist^^
http://www.salzburger-fenster.at/
(Bei geographischer Abweichung bitte entsprechendes Qualitätsblatt in Ihrer Nähe aufsuchen)
Da erfahren Sie immer interessantes aus der direkten Nachbarschaft, wie es den Polizisten am Gemeindeposten geht, was der Pfarrer sagt und wie des Maibaumaufstellen war.
Suchen Sie sich doch ihr Medium selbst aus - es könnte sein, dass Ihnen auf derstandard.at homepage des Öfteren Berichte aus dem AUSLAND unter kommen.
Und ich habe einen Link für dich und andere hier, die noch nicht verstanden haben, worüber GENAU ich spreche (was mir aber auch egal ist :-)): http://www.statistik.at/web_de/st... index.html
In einem SEHR KLEINEN Land wie Österreich sind EINE MILLION Menschen arm!
Ich meine... 1 MILLION!
But of course it brings such a joy every time some Austrians have the opportunity to bash Turkey or other countries...
Enjoy your bashing! :-)
Nicht einmal richtig kannst du meine Website zitieren, Opi. (danke übrigens für die Gratis-Werbung!)
Außerdem freue ich mich jedes mal ungemein, dass du in JEDEM deiner Postings nach meinen mir und dem ganzen Forum hier zeigst, wie WICHTIG ich für dich bin.
:-)
Ich zitiere aus Ihren Kommentaren, und verbessere mich auf 20 Jahre. Na noch schlimmer, da sollte man schon wissen was "armutsgefaehrdet" heisst.
Burli, man sollte sich nicht so ungemein wichtig nehmen, vielleicht steigt dann die Beliebtheitsskala und der CD Verkauf !!!
Um Gottes Willen! Ich will nicht, dass der CD-Verkauf steigt, sondern SINKT, da ich den vielen Bestellungen kaum nachkomme! Daher wird die CD bald von amazon angeboten werden, damit ich ein bisschen Ruhe habe. Ufff!
Ich bin für JEDE Gratis-Werbung deinerseits sehr dankbar und freue mich, jedes Mal, wenn du meine Postings kommentierst, denn das zeigt den Leuten hier, wie wichtig und gewichtig meine Meinung ist.
Weiter so, Opi!
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