Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Mirela Baciak, Jawid Najafi und Jacqueline Kornmüller (v.l.n.r) suchen 30 MigrantInnen für das Theaterprojekt "Die Reise".
Vor sechs Jahren konzipierte die Theaterregisseurin Jacqueline Kornmüller am Hamburger Schauspielhaus ein Stück zum Thema Altern. Sie castete Damen und Herren über 65 und entwickelte aus den Geschichten dieser Menschen ein dokumentarisches Theaterstück. Für ihr neues Projekt zum Thema Migration setzt sie ihr Konzept fort und sucht nun Menschen, die nicht in Österreich geboren, aber hier leben und eine Geschichte zu erzählen haben. daStandard.at hat Jacqueline Kornmüller und ihre KollegInnen Mirela Baciak und Jawid Najafi, die das Casting vorbereiten, zum Gespräch getroffen.
daStandard.at: Wie kam es zu der Idee, ein dokumentarisches Theaterprojekt zum Thema Migration zu machen?
Jacqueline Kornmüller: Für mich ist das momentan Thema Nummer eins, ehrlich. Es ist unsere größte Herausforderung. Wenn wir das nicht anpacken, und zwar richtig von Grund auf, und wenn nicht alles in Richtung Integration arbeitet, dann sind wir auf verlorenem Posten. Wir müssen ganz einfach lernen, die Menschen, die hier nach Österreich kommen, anzunehmen.
daStandard.at: Was gefällt Ihnen an Ihrem neuen Projekt?
Kornmüller: Das spannende ist, dass man viele unterschiedliche Menschen aus der ganzen Welt kennenlernt, die Geschichten zu erzählen haben, die bemerkenswert und besonders sind. Und wenn man diese Geschichten hört, fängt man an, sich mit den Menschen zu identifizieren, und dieses ganze Negative, das an dem Thema Migration haftet, ist wie weggeblasen. Ich habe das Projekt "Die Reise" genannt, weil es sich damit beschäftigt, warum Menschen ihre Heimat verlassen, aus welchen Motiven, wie sie hier herkommen, was sie hier erwartet und wie sich ihre Sehnsüchte und Hoffnungen dann erfüllen oder eben auch nicht.
daStandard.at: Der Begriff Reise ist ja sehr positiv konnotiert.
Kornmüller: Ja genau, das Stück heißt nicht "Die Flucht", sondern "Die Reise". Und auf der Reise befinden wir uns letztlich alle.
daStandard.at: Sie benennen Ihre Arbeit mit dem Untertitel "Ein Projekt für 30 MigrantInnen". Inwiefern ist das Projekt für diese Menschen?
Kornmüller: Es geht hier auch sehr um die Erfahrung. Es ist für diese Menschen, weil sie daran teilnehmen. Es ist nicht nur das Ergebnis wichtig, sondern auch der Weg, die Probe, oder der Moment, in dem jemand zum Casting geht. Jawid hat mir zum Beispiel erzählt, dass durch den Film, den er mit Nina Kusturica gemacht hat ("Little Alien", Anm.), in seinem Leben unglaublich viel Positives weiter gegangen ist. Man lernt jemanden kennen, mit dem man nicht gerechnet hätte, von einem ganz anderen Teil er Erde, und plötzlich fängt man an, sich mit dieser Person auseinanderzusetzen und unter Umständen sich mit ihr zu befreunden - das ist einfach nur ein Gewinn. Und das ist auch mein Wunsch, dass der Abend diese Brücke zum Zuschauer schlägt. Dass man nicht immer nur "die Migranten" hört, sondern dass das Menschen mit einer Geschichte sind, die ein Recht haben, für sich ein besseres Leben zu suchen.
daStandard.at: Wie erfahren die Menschen, die Sie gerne ansprechen möchten, von dem Casting?
Kornmüller: Das Problem ist eigentlich ein bisschen, dass die Leute, die wir suchen, kein wirkliches Medium haben. Die schlagen nicht den Standard auf und sehen dann die Anzeige zum Casting. Darum ist die Arbeit, die Mirela und Jawid machen, jetzt so wichtig. Sie gehen praktisch überall hin, wo man auf die Menschen, die wir suchen, trifft, in die Lugner City, an die Uni, in die verschiedenen Integrationsstätten.
Mirela Baciak: Viele Menschen wissen nicht, dass sie dafür geeignet wären, deswegen gehen Jawid und ich zum Beispiel auch zu verschiedenen Flüchtlingshäusern oder Häusern des Ute Bock Verein. Wir sprechen die Menschen persönlich an. Das macht einen riesen Unterschied und dadurch haben wir schon ziemlich viele interessante Menschen für das Casting gefunden.
Jawid Najafi: Genau, das läuft gut, aber es ist auch ein bisschen schwierig.
daStandard.at: Was genau ist schwierig daran? Wie läuft die Kontaktaufnahme ab?
Baciak: Am Anfang ist es immer schwer, weil die Leute kein Vertrauen haben, aber wenn eine Person zuhört und die anderen das sehen, dann kommen sie auch langsam dazu. Gestern hatten wir diesen Fall, am Anfang wollte uns niemand zuhören, und die Leute haben nur gesagt, "nein, nein, ich habe kein Interesse", und ganz plötzlich hatten wir 20 Frauen rund um uns.
Najafi: Ja, wenn wir in Flüchtlingshäuser gehen, sind die Menschen immer sehr zurückhaltend. Wir versuchen dann irgendwie, dass sie nicht gleich weggehen und uns zuhören. Sie haben Angst, wenn man fragt, woher sie kommen. Die eigene Geschichte zu erzählen, ist für viele ein Risiko. Sie denken sehr genau darüber nach, was mit ihnen passieren könnte, auch an die Polizei.
Kornmüller: In den Häusern von Ute Bock zum Beispiel gibt es immer wieder Polizei-Razzien, und dabei kollabieren die Menschen in den Wohnungen. Die haben solche Angst, dass sie abgeschleppt, in Schubhaft oder sonst irgendwo hin kommen. Das ist so eine unwürdige Situation, dass man diese Angst nur verstehen kann. Wir müssen natürlich immer erst mal sagen, dass wir nicht von der Polizei sind.
Najafi: Ich zum Beispiel komme aus Afghanistan und war am Anfang auch so, ich habe auch immer Angst gehabt, dass ich irgendwo etwas erzähle, das mir dann Schaden bereitet. Aber wir kriegen das mit dem Casting hin, wir haben genug Zeit, und die Leute zu überzeugen wird hart sein, aber nicht unmöglich.
Kornmüller: Über das persönliche Kennenlernen fassen die Leute natürlich Vertrauen und im Lauf der Zeit haben sie plötzlich keine Angst mehr, dann haben sie Lust, ihre Geschichte zu erzählen. Es gibt die unterschiedlichsten Geschichten, aber jede hat ihren Wert. Und darum geht es bei diesem Projekt. Dass man diesen Menschen, die sonst keine Stimme haben, eine Stimme gibt.
daStandard.at: Um eine Geschichte erzählen zu können, muss auch eine gemeinsame Sprache da sein. Müssen die Leute ein gewisses Niveau an Deutschkenntnissen mitbringen?
Kornmüller: Es gibt ja auf der Bühne glücklicherweise die nonverbale Verständigung! Aber natürlich ist es erst mal wichtig, dass sie ihre Geschichte erzählen können. Wie, das ist dann nochmal die ganz andere Frage.
daStandard.at: Wie geht es nach der Suche nach willigen Castingkandidaten weiter?
Kornmüller: Mirela und Jawid machen jetzt die Vorarbeit, legen den Kontakt und dann kommen die Leute zu mir zum Casting, das geht am 6. Juni los. Das Casting besteht aus einem 20-minütigen Gespräch mit mir und ist natürlich Vertrauenssache. Wenn mir jemand seine Geschichte erzählt, dann bleibt die auch bei mir. Es ist ja so zusagen auch meine Quelle, aus der ich dann schöpfe.
daStandard.at: Wie entsteht letztlich das Theaterstück?
Kornmüller: Das Stück gibt es natürlich noch nicht. Es entsteht aus diesen Gesprächen. Wenn ich auf bemerkenswerte Dinge stoße, notiere ich sie mir, diese Momente stechen heraus. Man spürt irgendwie gleich, ob jemand wirklich etwas zu erzählen hat und ob das etwas Wahrhaftiges ist. Das ist eine sehr schöne Arbeit. Und dann fängt man so langsam an, die Dinge zu sammeln, wie ein Tautropfensammler.
Nach drei Wochen Casting gibt es eine Woche Pause, in der ich mit meinen beiden Dramaturgen überlege, wie wir das Stück daraus bauen werden. Dann fangen am 4. Juli die Proben an, Mitte August trennen wir uns und machen Ferien, treffen uns Anfang September wieder und übertragen alles von der Probebühne auf die richtige Bühne. Und dann wird das Stück am 23. September zu sehen sein.
daStandard.at: Wie fühlt sich das an, noch kein Drehbuch zu haben, aber bereits einen Premierentermin?
Kornmüller: Auf der einen Seite hat man noch alle Möglichkeiten und auf der anderen Seite ist man sehr gespannt. Es ist natürlich pures Risiko. (Jasmin Al-Kattib, daStandard.at, 3. Juni 2011)
Die Reise
Ein Projekt für 30 MigrantInnen von Jacqueline Kornmüller
Eine Kooperation von Volkstheater mit "wenn es soweit ist"
Premiere: 23. September 2011
Casting (läuft noch bis Ende Juni 2001)
Interessierte melden sich bei Jawid Najafi und Mirela Baciak
Tel: 0676 537 11 40
Mail: kontakt@wennessoweitist.com
www.wennessoweitist.com
Einst denke ich, erwachsen ist man, wenn man nachts allein in Zügen aufwacht. Doch Jahre später, als mich der Besitz eines Automobils so richtig erwachsen macht, denke ich, erwachsen ist man, wenn man nachts alleine im Auto nicht einschläft
Ein Verein mit Kontakten zur rechtsextremen Szene beteiligt sich am Kampf gegen die "Veranglisierung" der deutschen Sprache
Richard Schuberths Balkanburleske "Trommeln" rechnet mit der kulturellen und wirtschaftlichen Verwertung des wilden Südens ab
Wenn Ivana, Jelena und Bülent ernst genommen werden wollen, müssen sie mehr als Klischees und Selbstexotisierung liefern
Klischeehafte und abgegriffe Konflikte im "Problembezirk" Ottakring: Die neue ORF-Serie "CopStories" - ein klassischer Fall von gut gemeint
Drei Menschen, ein Sturm und eine Trauminsel: Am 21. März wird die neue Produktion des Theaterkollektivs Plaisiranstalt, uraufgeführt. Die Mitwirkenden erzählen, was am Theater für Zweijährige so besonders ist
An diesem Mittwoch feiern mehr als 300 Millionen Menschen weltweit das Neujahrs- und Frühlingsfest Norouz - In Österreich sind es vor allem Iraner, Kurden und Afghaner
Sichtbar- und anders machen - Nachdenken über die Präsentation von Migrationsbewegungen
Zorica Rakić schildert, wie sie Jugendlichen das Rappen beibringt, was das Wort "Bitch" für sie bedeutet und weshalb Gangsta-Rap so populär ist
Das M-Media-Team ist bereits auf der Suche nach neuem Kooperationspartner
Bei der Anime- und Manga-Convention "Japancity" versammelten sich Lolitas, Cosplay-Fans und andere phantasievoll verkleidete WienerInnen
Mindestanforderungen des journalistischen Anstands sollten erfüllt werden. Auch in einem Gratisblatt
Gespräch einer Tochter mit ihrem Vater vor dem gemeinsamen Migrationshintergrund - Ein Dramolett
Berlin-Neukölln ist zum Synonym für misslungene Integrationspolitik geworden – Heinz Buschkowsky, der Bürgermeister des Bezirks, hat ein Buch über die Schattenseiten seines Stadtteils geschrieben
Die verschiedenen Formen der Jugo-Nostalgie sind viel mehr als nur Sehnsucht nach der vergangenen Zeit - und haben deshalb immer noch ihre Legitimation
Unter den Jugendlichen der zweiten Generation verbreitet sich unbeobachtet faschistisches und rechtsextremes Gedankengut
Die elfjährige Zlata Filipović führte während des Bosnienkriegs ein Tagebuch und wurde weltberühmt
Das zweitgrößte Filmfestival Wiens "This Human World" rückt das Thema Menschenrechte ins Zentrum seiner Projektionen. Von 29. November bis 9. Dezember 2012
In der Performance "Made in Austria" erzählen Menschen, warum sie in Österreich ihre zweite Heimat gefunden haben
Jung, schwul, migrantisch/deutsch, verliebt in den Klavierlehrer. Der Schauspieler Sascha Kekez spielt einen jungen Mann, der zu sich selbst stehen will
Journalistenlegende Peter Scholl-Latour arbeitet seit über 60 Jahren für Zeitung, Hörfunk und Fernsehen. In letzter Zeit hält er auch Vorträge - nah am politischen rechten Rand
In Kärnten wird derzeit die Fortsetzung zur Orwell'schen Parabel "Farm der Tiere" gedreht. Der bereits veröffentliche Trailer wirft zahlreiche Fragen auf
Die erfolgreiche europäische Koproduktion "Neprijatelj" fragt nach dem Wesen des Bösen und der Entfremdung zwischen den Menschen
Sexismus, Stereotype, Schamlosigkeit - so lautet das Erfolgsmotto des ATV-Quotenhits "Das Geschäft mit der Liebe. Frauen aus dem Osten"
Im Wodka-Glas ist Leitungswasser und die Hochzeit ist auch ein Fake. Wie K. zum Opfer ihres eigenen Traums von Ruhm und Liebe wurde
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.