Migration und Bildung

Schüler untersuchen Postings

Olivera Stajić, 9. Juni 2011, 09:00
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    foto: "migration.macht.schule"

    Poster-Analyse: SchülerInnen präsentieren ihre Ergebnisse.

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    foto: "migration.macht.schule"

    Das wissenschaftliche Projekt-Team: Rudolf de Cillia, Niku Dorostkar, Alexander Preisinger (v.l.n.r.)

Zusammen mit Wissenschaftlern untersuchen Wiener Gymnasiasten den Diskurs über Migration und Bildung in den Online-Foren

Die Schüler der Klassen 7A und 7B des Bundesrealgymnasiums Radetzkystraße haben ein abwechslungsreiches Schuljahr hinter sich. Zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften haben sie sich mit diskriminierendem und rassistischem Sprachgebrauch auseinandergesetzt und Gespräche mit Experten, Journalisten und Politikern geführt. Die beiden siebenten Klassen haben am Sparklig Science-Projekt "migration.macht.schule" mitgemacht und den Diskurs über Migration und Bildung in den Online-Foren der Tageszeitung derStandard.at untersucht.

Wissenschaftliches Werkzeug für den Alltag

"Wir haben ein Thema gewählt, mit dem Schüler auch in ihrer Lebenswirklichkeit etwas anfangen können. Zudem wollten wir auch neues Datenmaterial untersuchen. Leserkommentare oder sogenannte Postings haben sich sofort angeboten, weil sie einerseits sehr beliebt sind und oft zum Diskussionsgegenstand gemacht werden, anderseits wissenschaftlich kaum untersucht werden", erklärt Niku Dorostkar, vom Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien das Projektsetting. Den Schülern wurde im Laufe des Projektes mit der kritischen Diskursanalyse ein Werkzeug zur kritischen Analyse zur Verfügung gestellt, mit dem sie auch "im Alltag rassistische Diskurs- und Argumentationsstrategien erkennen können", so die Wissenschaftler.

Keine richtige Diskussion

Das Projekt widmete sich aber nicht ausschließlich trockener, computerunterstützter Textanalyse. Das Rahmenprogramm war sehr umfangreich und brachte Abwechslung in den Schulalltag. Jasmin Schuster fand vor allem den Workshop mit der NGO Zara interessant. Man redet und drückt sich bewusster aus, meint die Schülerin. Den Internet-Foren gegenüber sei sie aber jetzt sehr negativ eingestellt. "Ich finde es sehr traurig, was das geschrieben wird", meint Jasmin. "In den Foren findet keine richtige Diskussion statt", sind sich die SchülerInnen einig.

Subjektive Standpunkte

Die grundsätzliche und durchaus kontroverse Frage, ob Internet-Foren "sinnvoll oder nur ein Ventil sind", ob sie den Diskurs fördern oder behindern, sei auch intensiv diskutiert worden, bestätigen Dorostkar und sein Projekt-Kollege Alexander Preisinger von der Österreichische Akademie der Wissenschaften. Auch die subjektiven Standpunkte der Schüler seien im Rahmen der diversen Projekt-Aktivitäten besonders wichtig gewesen, betont Preisinger. Die Schülerinnen haben viel aus ihrer eigenen, bzw. aus der Migrationsgeschichte ihrer Eltern in Form von Kommentaren und Erörterungen in das Projekt eingebracht und auch den Umgang miteinander reflektiert.

"In den beiden Klassen sind junge Leute mit 15 verschiedenen Muttersprachen. Das Thema hat hier besonders gut gepasst", bestätigt die Lehrerin Christa Ertl. "Es fand eine sehr bewusste Auseinandersetzung mit der kulturellen Vielfalt statt".

Selbständiges Arbeiten

Abgesehen von der inhaltlichen Auseinandersetzung mit den spannungsgeladenen Themen Migration, Diskriminierung und Integrationsdebatte seien vor allem die neuen Arbeitstechniken für ihre Schüler bereichernd gewesen, meint die Lehrerin Susanna Söls. "Zahlreiche Gruppenarbeiten und die Möglichkeit sich selbst zu präsentierten, haben allen etwas gebracht", so Söls. Arbeiten, die sich deutlich vom Schulalltag unterscheiden, wie etwa das Durchführen von Interviews oder die Diskursanalyse, wurden freudig angenommen und mit großer Begeisterung gemacht, berichtet Christa Ertl. "Neue Arbeitsformen werden hier sehr geschätzt", so die Lehrerin.

Deadlines sind wichtig

Die Teilnahme am Projekt hat das selbständige Arbeiten sehr gefördert, bestätigt auch die Schülerin Julia Stanzel. "Das braucht man in Zukunft sicher im Studium und in der Forschung. "Ich weiß jetzt, was Deadlines bedeuten, obwohl ich sie nicht immer eingehalten habe", erzählt Julias Mitschüler Ammar Al Mihyawi lachend. Ammar wir nach der Matura Psychologie studieren und ist überzeugt, dass ihm die Arbeitstechniken, die er beim Projekt "migration.macht.schule" kennengelernt hat, weiterhelfen werden.

"Nicht kariererelevant"

Das Programms Sparkling Science will in erster Linie die Kombination hochwertiger Forschung mit Nachwuchsförderung an der Schnittstelle zwischen Schule und Universität verwirklichen. Schüler sollen sehr früh einen Einblick in die Wissenschaft bekommen. Der Wissenschaftsbetrieb profitiert aber auch davon, meint Rudolf de Cillia, der wissenschaftliche Leiter des Projektes "migration.macht.schule". "Hier bekommen wir eine andere Sichtweise. Die Wissenschaft wird auf den Boden der Realität geholt, und zwar der Realität der Jugendlichen", meint de Cillia. Kariererelevant sei die Teilnahme an solchen Projekten aber nicht. "Schaut man sich im Universitätsbetrieb um, sieht man, dass solche Projekte nicht Mainstream sind, aber die Wissenschaft muss praxisrelevant sein", plädiert der Sprachwissenschafter de Cillia. (Olivera Stajić, 8. Juni 2011, daStandard.at)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
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Lambert Oitzinger
00
Ca. drei Monate

... verfolgte ich täglich die Postings des Kuriers.

Ich war erstaunt mit welcher mehr oder minder versteckten Weise Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus dort ausgelebt wird.

Es wäre einmal faszinierend mit Rechtsexperten solche Foren gemeinsam zu analysieren.

Es stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, diesem Treiben eine Plattform zu bieten, auf der sich Personen anonym über andere auslassen.

Steak vom Milchlamm
00
27.6.2011, 20:51
ich, Ich, ICh, ICH.........

weiß wo der Bartl den Most her holt, und ihr meine JüngerInnen sollt daran teilhaben, dazu sind Foren da.

Simplicius Simplicissimus
00
Gibt es ...

... sinnlose Ventile?

Ira1
01
welche ergebnisse

hat die arbeit gebracht?? wo lässt sich das evtl. nachlesen?

Keyser
00

Die Studie ist lt. Homepage auf 2 Jahre ausgelegt. Daher wird so schnell nicht mit einem Ergebnis zu rechnen sein.

Der_Klingone
02

Ich verwende Foren auch nur dafür, um Menschen klar zu machen, daß meine Meinung die einzig Richtige ist! :-)

Zementierer
01
es ist ein sinnvolles Ventil

(man füge zusammen was zusammen gehört)

Was sagt eigentlich unser Ex-Wissenschaftsminister (Gio Hahn) zum Thema "Sinnvoll"

van.der.stiege
02
also dass ueberhaupt kein "diskurs" stattfindet... liegt aber wohl daran, dass auf die argumente der poster von den journalisten kaum eingegangen wird...

so nach dem motto: "weil ja nicht sein kann was nicht sein darf" - da wird dann lieber zensiert als mit fakten gekonntert.

und wenn die fakten ausgehn wird das thema von frau brickner auf ihrem blog, auf ihrer sehr persönlichen subjektiven weise, weiterverwertet und da muessen dann gerne begriffe wie "humanismus" und "solidarität" herhalten und "nutzen" bzw. "wirtschaftlichkeit" sind dann minder wichtig. dass hiermit, aufgrund 2 komplett unterschiedlichen denk- und sichtweisen, kaum gemeinsame nenner zu finden sind ist klar, wohl sogar gewuenscht, denn zeitgleich wo man sich ueber den "rassistischen" und "fremdenfeindlichen" sprachgebrauch der poster aufregt freut man sich dennoch ueber die unique hits + steigenden zugriffsstatistiken :-)

ama2deus
00
10.6.2011, 10:50

dass kein diskurs stattfindet, stimmt nicht - immerhin treten wir beide jetzt ja schon in diese phase ein.

aber es stimmt schon, dass es sich oft nicht nur um diskussionen handelt, sondern rein um gegenseitiges niedertrollen - da spielt die auflösung der ORF-foren meiner ansicht nach eine große rolle.
zwar gab es natürlich auch schon vorher sehr oft trollende user, die nicht diskutieren wollten oder konnten, aber gesteigert hat sich deren anzahl seit jahresbeginn meiner ansicht schon.

dass man nicht auf postings eingeht würde ich auch nicht sagen. es wird häufig ein artikel überarbeitet wenn user auf fehler hinweisen. häufig antwortet man auf fragen mit einem posting.

zensiert wird, ja, aber nicht so extrem, meine ich, wie behauptet.

-Lucien-
21

volkswirtschaftlicher Nutzen gleich 0...

ama2deus
01
10.6.2011, 10:56

würden die schüler stattdessen zb goethes faust vom ersten bis zum letzten buchstaben analysieren hätte das sehr viel mehr volkswirtschaftlichen nutzen?

man setzt sich in schulen seit einigen jahren oft mit neuen medien auseinander - bei deutsch-schularbeiten wird als teilaufgabe oft gefordert zum arbeitsthema ein posting zu verfassen.

ich weiß nicht was daran falsch sein sollte. sprache ist wichtig, meinung ist wichtig, diskurs ist wichtig. für jeden einzelnen und für eine gesellschaft in einem demokratischen rechtsstaat, der sich als res publica bezeichnet.

schüler sollten meiner ansicht nach natürlich mit diesen themen in kontakt treten. das würde dazu beitragen sie zu reifen diskussionswürdigen mitglieder der gesellschaft zu machen.

Reversi
 
11
"migration.macht.schule"

schule.macht.rechtschreibung?

hotspots
42
Wenigstens haben sich die Kindlein mit den

echten Meinungen des (meist anonymen) Poster-Volkes auseinandersetzen müssen.
Sie dürften daher hoffentlich gelernt haben, dass es einen immer größer werdenden Unterschied zwischen dem verlogenen "Gutmenschentum" und der harten Realität gibt.

Spark1
00
11.6.2011, 09:31

keine Kindlein.

Spark1
00
11.6.2011, 09:30
Wir sind

Nathaniel Winerib
1617
Ich kann's nicht mehr hören...

Projekte mit Titeln wie Migration.Macht.Schule oder Sprache.Wissen.Macht u.dgl. sollten von ÖAW und FWF ungeöffnet zur gefälligen Überarbeitung an den Absender zurückgeschickt werden.

ama2deus
00
10.6.2011, 11:00
migration

es ist unbestritten dass es aufgrund von migration häufig zu problemen in unserer gesellschaft kommt.

was soll nun so schlecht daran sein wenn sich unsere jugend, die häufig migrationshintergrund hat - die schulklassen setzen sich heute aus personen mit verschiedesten migrationshintergründen zusammen (siehe das erste bild!) - mit diesem thema beschäftigt?

totschweigen fördert eine sache nicht, erst wenn darüber geredet wird kann man positives bewirken.

besser man fördert projekte mit den von ihnen angesprochenen themen, als projekte über das leben von popsternchen und fußballhelden.

man jammert darüber, dass sich die jugend häufig mit belanglosigkeiten beschäftigt, und wenn sie es einmal nicht tut, passt es auch wieder keinem.

Ira1
01
und mir hängen

die unwidersprochenen normalitäten, die dann vermeintlich ideologiefrei als programmatik wirksam werden, zum hals raus. worüber wir tatsächlich reden sollten, ist, dass "migration" in den wissenschaften boomt, aber großteils von mehrheitsösterreicherInnen betrieben wird und das genau nichts an machtverteilung, ressourcen und partizipationsmöglichkeiten verändert.

elcomandantezero
21
Kaklakariada, Kaklakariada konn da irgendwos dazöhn wias geht..

Die Klankariadn dan se darauf konzentriern,
des Eigane dans feiern und des Ondare negiern,
diese gonzn Patriotn, nationale Idiotn,
bitte sads so guat und stöllts eich in am Schwimmbod aufn Bodn,
und pinkelts bis zum Hois eich olle gegenseitig on,
und dann tauchts nu amoi unta, und dann nehmts an schluck davon,
und spuckts eich on damit solang bis das eich schlecht is von der Kacke,
und wählen Sie die Nummer neben ihrer Landesflagge.

Wonns dann a Problem hom und sie komman durchanond,
dann kummans mit dem Ärgsten und des is da Hausvastond,
mit dem kennans da ois erklärn, mit sämtliche Vazierungen,
im Häusl drin, im Fernseher, im Fernseher Regierungen,.....

Natchez
411

Und wissen Sie, was ich nicht mehr hören kann? Dieses ewige Gesudere und Genörgel, sobald hier mal über ein geistes- oder sozialwissenschaftliches Projekt berichtet wird. Reflexhaftes "eh alles sch..., nicht mehr fördern" ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss!

Joe - Mitarbeiter des Tages! (bis zur Jause)
21

aber ziemlich nahe dran.

;)

Kemma aufhern mit de Probn?
44
Ich kanns nicht mehr hören..

weil ein Projekt mit holprigen namen, ja auch gleich schlecht sein muss...

Gratuliere.zu.geglückten.Nick

Nathaniel Winerib
34

Es ist ja bekannt, dass der Dativ dem Genitiv sein Tod ist. Doch wer hat seinerseits den Dativ am Gewissen?

ama2deus
01
10.6.2011, 11:02

es ist bekannt, dass in diskussionen der diskussionspartner, dem die argumente ausgehen, sofort allfällige tippfehler, fallfehler oder ortografische schwächen des gegenübers aufgreift um die diskussion auf eine subjektive ebene zu lenken und den gegenüber als unwissenden, daher nicht glaubhaften, menschen darzustellen.

Kemma aufhern mit de Probn?
00
;)

i-düpferl-reiter

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