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Als Zwanzigjähriger kam der aus Serbien stammende Aleksandar Ivanović* nach Wien, wo er seither lebt. Mit daStandard.at hat er sich über Respektlosigkeit, schlecht bezahlte Schwarzarbeit, protzige Paläste und Bestechung unterhalten.
daStandard.at: Herr Ivanović, Sie sind im Jahr 1978 nach Wien gekommen - wieso?
Ivanović: Ich war damals 20, hatte meine Lehre und den Militärdienst absolviert. Im Frühjahr habe ich meine ältere Schwester, die mit ihrem Mann schon in Wien gelebt hat, besucht - und bin einfach geblieben.
daStandard.at: Sind Sie geblieben, weil Sie gleich einen Job gefunden haben?
Ivanović: Nicht direkt. Ich habe, wie mein Vater, eine Ausbildung als Schneider gemacht und in Wien eine Zeit lang versucht, eine Stelle als Schneider zu finden. Leider erfolglos.
daStandard.at: Wieso hat es damit nicht geklappt?
Ivanović: Das hört sich vielleicht seltsam an, aber niemand wollte einen Schneider, also einen schneidernden Mann, einstellen, wie ich resigniert feststellen musste.
daStandard.at: Welchen Beruf haben Sie stattdessen ausgeübt?
Ivanović: Mein Schwager war damals Vorarbeiter, hat mich eines Tages auf die Baustelle mitgenommen und seinem Chef vorgestellt. Minuten später war ich Maurer, ohne je zuvor eine Spachtel in der Hand gehalten zu haben. Zuerst habe ich nur gelegentlich ausgeholfen und gerade so viel Geld verdient, um meiner Schwester nicht auf der Tasche zu liegen. Mit der Zeit wurde zwar ein regelmäßiger Job, aber trotzdem kein angemeldetes Dienstverhältnis daraus.
daStandard.at: Wieso wurden Sie nicht ordnungsgemäß angemeldet?
Ivanović: Der Chef hat sich zuerst auf den Papierkram, den die Anmeldung bringt, herausgeredet. Danach hieß es immer ‚Für so etwas habe ich keine Zeit‘. Es ging ihm natürlich nur um seinen Vorteil, er hat uns, unsere Situation eiskalt ausgenutzt. Ein halbes Jahr später habe ich dann übrigens aus seinem Mund zum ersten Mal das Wort 'Tschusch' gehört.
daStandard.at: In welchem Zusammenhang?
Ivanović: Es ging wieder um die Schwarzarbeit und er wollte wohl ein für alle Mal klarstellen, was seine diesbezügliche Position war: ‚Was glaubst du, wie viele andere Tschuschen bei mir arbeiten wollen. Deine Entscheidung: Entweder so, oder gar nicht.‘
daStandard.at: Wie haben Sie entschieden?
Ivanović: Ich habe ihn beschimpft und bin gegangen. Schlecht bezahlte Schwarzarbeit, die ständige Angst, dabei erwischt zu werden - und dann noch ein respektloser Mensch, der in dir nur ein billiges, bedürfnisloses Arbeitstier sieht. Das konnte ich nicht länger mitmachen.
daStandard.at: Wie ging es danach weiter?
Ivanović: Kurze Zeit später habe ich von einem Bekannten erfahren, dass seine Firma dringend Fliesenleger sucht. Ich hatte natürlich keine Ahnung vom Fliesenlegen, habe aber schnell gelernt und die Arbeit ganz gut gemeistert.
daStandard.at: War das denn eine legale Arbeitsstelle?
Ivanović: Die ersten Monate nicht, danach schon. Der Chef hat gesehen, dass ich mich bemühe, immer gut und vor allem sehr genau arbeite - ein Bonus meiner Schneider-Ausbildung. Ich bin jetzt seit über 30 Jahren in derselben Firma. Über den inzwischen pensionierten Seniorchef kann ich nichts Schlechtes sagen, aber seitdem seine Tochter Chefin ist, ist alles nur noch mühsam.
daStandard.at: Wieso?
Ivanović: Die junge Chefin ist so eine, die auch von Tschuschen spricht. Sie nimmt mich nicht für voll, weil mein Deutsch nicht so gut ist und behandelt mich ohne Respekt. Sie versucht zu sparen, wo es nur geht. Wenn ich früher Werkzeug gekauft habe, hat der Chef mir das Geld immer zurückgegeben. Wenn ich heute Werkzeug kaufe, sagt die junge Chefin nur 'Das kann sich die Firma nicht leisten'.
daStandard.at: Wie gehen Sie mit der neuen Situation um?
Ivanović: Innerlich tobe ich und sage der Jungchefin die Meinung. Aber ich kann nichts anderes tun, als alles hinzunehmen. Was soll ich denn machen? Ich bin Mitte 50, wo soll ich denn eine neue Arbeit finden?
daStandard.at: Und ein klärendes Gespräch mit der Chefin?
Ivanović: Ist nicht möglich. Wenn sie mit mir redet, dann eigentlich nur in Befehlsform: 'Fahr auf diese Baustelle und mach dort das ...'
daStandard.at: Sie sind per du?
Ivanović: Sie mit mir: Ja. Ich mit ihr: Nein. Mit mir kann sie das ja machen. Mit meinen Kindern oder auch mit Ihnen würde sie nicht so reden. Aber sprechen wir doch von netteren Dingen, zum Beispiel von der Heimat.
daStandard.at: Fahren Sie regelmäßig nach Serbien?
Ivanović: Jeden Sommer für mehrere Wochen. Wir haben dort viele Verwandte und auch ein Haus. Aber es ist nicht einer dieser Paläste, wie ihn viele Gastarbeiter in ihren Heimatdörfern haben.
daStandard.at: Gibt es denn solche Paläste in ihrem Dorf?
Ivanović: Eine ganze Menge! Der protzigste ist ungefähr so groß und auch so gelb wie Schloss Schönbrunn. Er steht direkt neben unserem Haus, das im Vergleich dazu wie ein Gartenschuppen aussieht. Die Nachbarn glauben, dass wir neidisch sind.
daStandard.at: Sind Sie es denn?
Ivanović: Wieso sollte ich? Wir haben eine schöne Wohnung in Wien und ein schönes Haus in Serbien. Die Nachbarn haben im Sommer Schloss Schönbrunn und die restlichen 300 Tage des Jahres verbringen sie in ihrer winzigen Hausmeisterwohnung. Die perfekte Verkörperung des Gastarbeiterklischees.
daStandard.at: Was gehört denn noch zu diesem Klischee?
Ivanović: Eben ein protziges Haus im jugoslawischen Heimatort um dort allen zu zeigen "Wir haben's geschafft. Wir können uns das leisten". Auch ein teures Auto darf nicht fehlen, also BMW, Mercedes oder Audi. Dann natürlich großzügige Geldgeschenke zu feierlichen Anlässen, die sind sehr wichtig.
daStandard.at: Was muss man sich unter einem großen Geldgeschenk vorstellen?
Ivanović: Nehmen wir eine Hochzeit her: Das Brautpaar bekommt Geldgeschenke und je nach Verwandtschaftsgrad erhöht sich die Summe, die man schenkt. Als meine Nichte geheiratet hat, haben wir ihr 500 Euro geschenkt und meine Schwester war beleidigt, weil sie sich vom Bruder aus dem Ausland das Doppelte erwartet hätte. Auch bei Behörden oder bei Arztbesuchen erwarten sich alle gleich Geld, wenn man als Auslandsserbe erkannt wird.
daStandard.at: Wie meinen Sie das?
Ivanović: Wenn ich hier zum Arzt gehe sehe ich, wer vor mir gekommen ist und weiß, nach welchem Patienten ich dran komme. Wenn ich in Serbien zum Arzt gehe sagt die Sprechstundenhilfe mir indirekt: '10 Euro und Sie können gleich ins Behandlungszimmer'. Das ist in Serbien in vielen Bereichen so. Bestechung und Korruption sind zentrale Probleme.
daStandard.at: Nicht nur in Serbien.
Ivanović: Nein, natürlich nicht. Hier sind ja im letzten Jahr viele große Bestechungsskandale aufgedeckt worden. Der Unterschied zu Serbien ist, dass man sich oft nicht die Mühe macht, es zu vertuschen. Ein Beispiel: Mein Neffe hätte die Matura nicht bestanden, weil er in Mathematik schlecht war. Sein Lehrer hat ihm ganz offen gesagt: 'Fünfhundert Euro und du kriegst deine Matura'. Das wäre hier undenkbar. (Meri Disoski, daStandard.at, 15. Juli 2011)
*Name von der Redaktion geändert
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"Die junge Chefin ist so eine, die auch von Tschuschen spricht. Sie nimmt mich nicht für voll, weil mein Deutsch nicht so gut ist und behandelt mich ohne Respekt. "
wieso sollte man jemanden auch für voll nehmen der es in 32 jahren nicht schafft die landessprache die ihm seinen lebensstil ermöglicht (wohnung hier, haus in der heimat) zu erlernen?
der mann hat zwei jobs bekommen für die er jeweils - nach eigenen angaben - genau null qualifikation hatte. welchen respekt erwartet er da?
was ich weiters nicht nachvollziehen kann ist der gebliebene nationalstolz der im interview mitschwingt. wie kann man auf ein land stolz sein in dem ich in meinem gelernten beruf weniger verdiene als als völlig ungelernter hilfshackler im nachbarland?
ok, serbien, ich möcht sie mal sehen wie schnell sie türkisch oder einen arabischen dialekt lernen, na gut vielleicht können sies eh, sprachkurse sind teuer. österreicher sprechen mit ausländern ungefähr wie folgt du macha du tua. das ist kommunikation? null qualifikation: na ja sie bekommen halt nur aushilfsjobs so ist das, nationalstolz: bei meinen wiener mitmenschen krieg ich auch einen gewissen nationalstolz ich bin aus nö
sucht man halt einen markanten Punkt mit dem man Ihn abwertet, sei es nun Tschutsch Piefke Neger oder Wiener.
Es ist einfach ein Zeichen das demjenigen Argumente fehlen und ist eher Menschen mit begrenztem Horizont und ohne Anstand, als Rasissten zuzuschreiben(Wobei Rasissten eentweder keinen Anstand oder kein Hirn haben).
... andere Menschen nicht für voll nehmen, weil deren Deutsch nicht so gut ist, und sie ohne Respekt behandeln, indem sie ungefragt mit ihnen "per du" sind:
Sauprolet bleibt Sauprolet.
So, das mußte sein.
Dr. Heinz Anderle, Freigeist
wieso bekommt ihr posting nur rot? ist der alltagsfaschismus in österreich tatsächlich so weit fortgeschritten?
ich bewerte im normalfall nie, weil......naja lass' ma das, aber jetzt ist mir ein grün einfach ein bedürfnis.
weil sich seine aussage keinen deut von der einstellung der dame unterscheidet!
er sieht halt auf die autochtone bildungsferne schicht herab! diese autochtone bildungsferne schicht schaut ihrerseits auf die bildungsferne schicht mit migrationshintergrund herab! ist die gleiche dumme, kleingeistige einstellung!
anstatt sich zu fragen wie kommt die frau zu diesen ausgeprägten vorurteilen, gibt sich halt der selbsternante freigeist der selben geisteshaltung hin!
... doch so egal wie eine dürre Wiener oder ein Kärntner Hauswürstel!
"Chefin ... Des war vor vierzig Jahren aa ka Chefin g'wesn ..." (Helmut Qualtinger/Carl Merz, "Der Herr Karl", 1961)
Dr. Heinz Anderle, Freigeist
gewürfelt??
wer alle menschen aus einem bundesland als homogene gruppe bezeichnet, hat höchstens die sonderschule absolviert!
die türken sind keine homogene gruppe. kroaten, slowner, bosnier, oder was auch immer ebensowenig!!
wir sind alle heterogen!
da bin ich aber schon um lichtjahre vor dem selbst ernantern freigeitst herrn hondraschek!
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