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Wie bereits aus dem Titel hervorgeht, befasst sich der von Heinz Fassmann und Julia Dahlvik herausgegebene Band "Migrations- und Integrationsforschung - multidisziplinäre Perspektiven" aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Disziplinen mit Migrations- und Integrationsprozessen.
Die vierzehn im Band versammelten Beiträge sind aus einer an der Universität Wien gehaltenen Ringvorlesung zum Thema hervorgegangen. PolitikwissenschaftlerInnen, Literatur- und SprachwissenschaftlerInnen, SoziologInnen, HistorikerInnen, GeografInnen und KommunikationswissenschaftlerInnen nähern sich darin den Themen Migration und Integration mit unterschiedlichen Methoden an und geben so einen umfassenden und übergreifenden Überblick über Grundlagen und Methoden der Migrations- und Integrationsforschung.
Integration : Macht : Schule
So setzt sich etwa der Bildungswissenschaftler Mikael Luciak in seinem Beitrag "Integration : Macht : Schule", mit integrationsfördernden bzw. -hemmenden institutionellen Faktoren an Österreichs Schulen auseinander. Er diskutiert, "was im Schulwesen und in der Bildungspolitik unter Integration verstanden wird" und analysiert in Verbindung mit Migration stehende Phänomene der nationalen, ethnischen, kulturellen und sprachlichen Vielfalt im Schulbereich.
Nachdenklich stimmt dabei Luciaks auf einen Bericht der OECD gestützte Beobachtung, nach welcher die Wahrscheinlichkeit für MigrantInnen, eine ihren Qualifikationen entsprechende Arbeitsstelle zu erhalten, mit zunehmender Qualifikation abnimmt: "Mit anderen Worten: AkademikerInnen und AbsolventInnen mit höheren Berufsausbildungen haben die geringsten Chancen, einen ihren Qualifikationen entsprechenden Arbeitsplatz zu erhalten."
Nachrichtenfaktor Negativität
"Wie soll im 21. Jahrhundert die öffentliche Kommunikation zwischen Mehrheit und ethnischen Minderheiten organisiert werden?"- dieser Frage geht die Kommunikationswissenschaftlerin Petra Herczeg in ihrem Beitrag "Massenmedien und Integration"nach.
Herczeg verweist dabei auf die "Ambivalenzen in Bezug auf die Rolle der Medien bei der sozialen Integration". In (Massen) Medien, die bei der Integration eine wichtige Rolle spielen, würde - so Herczeg - ein problemorientierter Zugang zum Thema Migration überwiegen. Medien würden MigrantInnen häufig als problematische Gruppe, die besonders oft kriminell ist, zeigen. Bestimmte Nationalitäten seien überrepräsentiert oder würden nur in bestimmten, stigmatisierten Rollen gezeigt werden. Die Berichterstattung über MigrantInnen würde" vor allem unter Verwendung des Nachrichtenfaktors Negativität'" akzentuiert werden.
Migration und Sprache/n
Aus sprachwissenschaftlicher Sicht befasst sich Rudolf de Cilia mit den Themen Migration und Integration, wobei er die Bereiche Sprach/en/politik, Sprachförderung für MigrantInnen und Diskursanalyse fokussiert. Denn, so de Cilia: "Die drei Bereiche illustrieren gleichzeitig die Situation der Sprachenvielfalt und Sprachenpolitik in Österreich." Die offizielle, in Österreich praktizierte Sprachpolitik gegenüber Sprachen von offiziell nicht anerkannten zugewanderten Minderheiten fasst der Linguist dabei so zusammen: "Es gibt weder gesetzliche Regelungen, die sprachliche Rechte (etwa vor Ämtern und Behörden etc.) garantieren, noch existiert in der Praxis der Sprachenpolitik - außer in den Schulen - eine nennenswerte Förderung der sprachlichen und kulturellen Identität der Zuwanderungsminderheiten."
Diskursanalytisch untersucht de Cilia, wie sprachlich die Gruppe der "ÖsterreicherInnen" und die Gruppe" NichtösterreicherInnen" konstruiert wird. Anhand von FPÖ-Wahlkampfslogans und -plakaten zeigt der Sprachwissenschaftler dabei, dass sich die "Opposition Deutschsprachige - Nichtdeutschsprachige (...) wie ein roter Faden" durch die Wahlkämpfe der FPÖ zieht. Österreich werde dabei als monolinguales Land dargestellt, die lebensweltliche Mehrsprachigkeit als Bedrohung inszeniert.
Fazit
Mit "Migrations- und Integrationsforschung"legen Heinz Fassmann und Julia Dahlvik einen interessanten Band vor, der (aktuellen) Fragen aus der Migrations- und Integrationsforschung aus unterschiedlichen Disziplinen auf kompetente Weise nachgeht.
Dass mit dem Band auch eine neue, bei der Vienna University Press erscheinende Reihe zur Migrations- und Integrationsforschung eröffnet wird, ist erfreulich. Erfreulich wäre allerdings auch gewesen, wenn im ersten, nun vorliegenden Reihenband mehr als nur ein WissenschaftlerInnen mit Migrationshintergrund als Autor hätte gewonnen werden können. (Meri Disoski, daStandard.at, 18. Juli 2011)
Fassmann, Heinz u. Julia Dahlvik (Hg.Innen): Migrations- und Integrationsforschung - multidisziplinäre Perspektiven. Ein Reader. Wien: V&R unipress 2011.
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... bis auf den letzten satz: "...mehr als nur ein WissenschaftlerInnen mit Migrationshintergrund als Autor hätte gewonnen werden können"
wieso? was hätte er / sie bahnbrechend anderes dazu beitragen können?? gilt 'migrationshintergrund' schon als qualifikation, dass man was 'besser', 'anders' oder sogar 'richtiger' sieht??
- darum geht's. solange sich mehrheitsösterreicherInnen auf minoritätenthemen draufsetzen, wird sich in der macht- und ressourcenverteilung für ebendiese minoritäten genau nichts ändern.
"Mit anderen Worten: AkademikerInnen und AbsolventInnen mit höheren Berufsausbildungen haben die geringsten Chancen, einen ihren Qualifikationen entsprechenden Arbeitsplatz zu erhalten": quod erat demonstrandum.
Ich wuerde mal beim Autor: Erpressung, Gehirnwaesche, Markenvorschriften und Sprachvorschriften durchsetzen und zwar mit Finanzzwang und die Gesundheits- und Sozialversicherung streichen, dann darf er ein Buch schreiben und ich lese es. Bis dahin lese ich keine Naziforscher.
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