Tanzgruppe "Rangila“

Bollywood im Blut

Reportage | Jasmin Al-Kattib und Eva Zelechowski, 22. Juli 2011, 15:00
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    foto: jasmin al-kattib und eva zelechowski

    "Der indische Tanz ist das Feiern eines Teils meiner Seele", sagt Tänzerin Mirjam Ghakhar.

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    foto: jasmin al-kattib und eva zelechowski

    Die Tanzgruppe "Rangila" besteht derzeit aus drei Tänzerinnen: Mirjam Ghakhar, Linda Stadelmann und Helin Köse. Nur noch ab und zu dabei sind Gründungsmitglied Svetlana Blum Briscella, die gerade nach New York gezogen ist, und Selina Morrison, die derzeit in Hochzeitsvorbereitungen steckt.

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    Im Rangila-Proberaum im 22. Bezirk gaben die jungen Frauen nach dem Interview auch eine tänzerische Kostprobe.

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    foto: jasmin al-kattib und eva zelechowski

    Hier geht es zur Ansichtssache mit Rangila und weiteren Infos zum Thema Sari.

Im Bollywood-Tanz werden erzählerische Momente mit modernen Einflüssen, sei es Bauchtanz, Flamenco oder HipHop vermischt

An diesem Nachmittag im Juli brennt die Sonne im 22. Wiener Gemeindebezirk erbarmungslos herunter. Man müsste meinen, ein Sari, der aus immerhin fünf bis acht Metern Stoff gefertigt wird, gäbe Grund genug für heftige Schweißausbrüche. Aber Mirjam, Linda und Helin strahlen mit ihren bunten Gewändern um die Wette, keine Spur von Hitzekoller. Während die 31-jährige Mirjam Ghakhar von den Anfängen der Tanzgruppe "Rangila" erzählt, die sie mit ihrer Freundin Svetlana 2008 ins Leben gerufen hat, führen uns ihre Kolleginnen einige Tanzschritte vor.

Tanzend eine Geschichte erzählen

Man fühlt sich wie in ein Märchen gezaubert, in diesem Fall, ein Bollywood-Märchen. "Der Grundbaustein von Bollywood ist die indische Kultur, die indische Mimik und Gestik, das Verhalten und die Körpersprache. Darin verschmelzen diverse Tanzstile aus einer langen Tanzkultur", erzählt Mirjam. Sie meint damit die in der modernen (und hippen) Musik-Kultur verstaubte "übertriebene" Mimik und Gestik. "Hier aber sind sie noch elementarer Teil des Darstellungskonzepts. Wir erzählen in unseren Auftritten eine Geschichte und wir erzählen sie mit jedem Teil unseres Körpers, den Augen, dem Mund bis hin zu den Fingerspitzen", führt Mirjam fort.

Eigene Choreografien

Sofort ist die Leidenschaft, die die Medizinstudentin zu Kultur und zum Tanz hinzieht, spürbar. Die erzählerischen Elemente werden im Bollywood-Tanz mit modernen Einflüssen, sei es Bauchtanz, Flamenco, HipHop oder RnB-lastigen Rythmen, vermischt. Mirjam achtet darauf, dass immer mindestens drei Mädchen fix in ihrer Tanzgruppe dabei sind, da die Synchronität mehrerer Tänzerinnen bei einem Bühnenauftritt für einen starken optischen Effekt sorgt. "Für die meisten Bühnen sind drei Tänzerinnen mehr als ausreichend, außerdem mag ich es auch, große Bewegungen zu machen und mich durch den Raum zu bewegen." Mirjam lässt sich gerne von Bollywood-Filmen inspirieren, die Choreografien sind aber immer ihre eigenen.

Von Festtags- bis Alltagssari

Neben der ausdrucksstarken Körpersprache liegt es wohl auch am Sari, der indischen Tracht, die auch in Bangladesch, Pakistan, Sri Lanka, aber auch Nepal verbreitet ist, der den jungen Tänzerinnen diesen besonderen Glanz verleiht. "Ja, der Sari beeinflusst definitiv meine Art zu gehen und mich zu bewegen", sagt die 19-jährige Linda. Die Modelle variieren je nach regionaler Herkunft, und auch davon, ob die Frau, die ihn trägt, ledig oder verheiratet ist. Je nach Anlass gibt es auch Festtags- oder Alltagssaris. Besonders die nepalesischen Saris unterscheiden sich im Muster stark von jenen aus Indien.

Meterlange Stoffbahn

"Alltagssaris werden meist aus Baumwolle hergestellt, werden aber in Pakistan weniger getragen. Dann eher die Festtagsmodelle zu besonderen Anlässen", erklärt Mirjam. In Indien sind so genannte Alltagssaris lediglich verheirateten Frauen vorbehalten. Anstatt den Sari, also die meterlange Stoffbahn, nur mit Nadeln zu stecken, wie das traditionell der Fall war, bevorzugen viele junge Mädchen einen Rock daraus zu nähen. Das Endteil wird über die Schulter geschlagen und weist die meisten Verzierungen auf. Weil viele Sari-Stoffe durchsichtig sind, wird oft auch ein Unterrock getragen. Dazu kommt ein Choli, eine unprätentiöse Bluse, die aus etwa einem Meter des gleichen Stoffs genäht wird und dem Gesamtbild des Saris einen modernen Touch verleiht.

Vorarlbergerin meets Pakistani

Mirjams Wurzeln liegen in Österreich und Pakistan. Ihr pakistanischer Vater und ihre vorarlbergische Mutter haben sich in Bregenz kennengelernt. Nachdem ihr Vater seine Heimat nach der Verlobung mit einer Frau, die er nicht heiraten wollte, verlassen hat, gründete er mit Mirjams Mutter in Österreich eine Familie. Zehn lange Jahre gab es keinen Kontakt zur Familie in Pakistan, bis sich Mirjams österreichischer Großvater ein Herz fasste und einen Brief samt Foto des ersten Kindes zu den Großeltern in Pakistan schickte. Seitdem ist die Familie wieder versöhnt.

Feiern der pakistanischen Seele

Die beiden unterschiedlichen Kulturen, mit denen Mirjam aufgewachsen ist, prägen das Leben der gebürtigen Vorarlbergerin. Obwohl sie sich als waschechte Vorarlbergerin bezeichnet, fühlt sie sich auch zur pakistanischen und indischen Kultur sehr hingezogen. "Ich bin mit den ganzen Bollywood-Filmen und der Musik aufgewachsen, und ich spreche ja auch die Sprache und verstehe die Texte", schildert Mirjam ihren Zugang zur Kultur ihres Vaters. "Der indische Tanz ist das Feiern eines Teils meiner Seele, da ist einerseits Österreich und andererseits die pakistanische Seite mit den indischen Wurzeln. Das gehört für mich dazu, das spricht einen Teil von mir natürlich sehr an."

Der Sari passt jeder Frau

Mirjam liebt den Sari, weil er so vielfältig ist. Der Sari ist zwar ein traditionelles Kleidungsstück, kann aber trotzdem perfekt mit der Zeit gehen. In Bollywood-Filmen tragen die Stars zum Beispiel oft Bikini-Oberteile statt der Bluse. Darüber hinaus gibt es weit mehr als hundert verschiedene Bindetechniken, und auch dem Stoffdesign sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Schließlich ist er für jede Frau das perfekte Kleidungsstück, meint Mirjam: "Er passt eigentlich zu jeder Figur, wenn eine Frau dünner ist, kann sie ihn tiefer tragen, aber auch bei Frauen mit mehr Kurven sieht er irrsinnig schön aus. Der Sari steht einfach jeder Frau." (Jasmin Al-Kattib & Eva Zelechowski, daStandard.at, 22. Juli 2011)

Links:

Mehr über den Sari gibt es in unserer Ansichtssache "Die Welt der Saris".

Rangila auf Facebook

David H. Pfeffer
40
23.7.2011, 11:50

Ich finde Dirndl besser - aber nicht die, die in München an Oktoberfesttouristinnen verkauft werden- mit einem Ausschnitt bis Irgendwohin.

Rahoul
30
23.7.2011, 04:42

"Der Sari passt jeder Frau".

Hm, von der Form her sicherlich.
Optisch sieht der nordische Frauentyp in einem Sari "eigenartig" aus (milde ausgedrückt).

Rainer Werner Trollberger
02
23.7.2011, 08:52

das liegt an deiner Erwartungshaltung.

Eine 60jährige Porsche Fahrerin sieht doch auch milde gesagt "eigenartig" aus, obwohl es nichts besonderes ist.

Rahoul
01
23.7.2011, 09:51
Hierbei irren Sie.

Es liegt natürlich nicht an meiner "Erwartungshaltung".
Falls Sie meinen Nick beachten, können Sie erahnen, daß für mich Begegnungen mit Frauen (auch "westlichen") in Saris nichts Ungewöhnliches sind. Eine hellhäutige Blonde im Sari zu sehen, ist also nichts Unerwartetes.
Eigenartig sieht es trotzdem aus:
http://www.sumangali.org/wp-conten... TSH_09.jpg
Finden Sie nicht?

suche prov.freie(!) 3ZiWhg in/um Wien
02
23.7.2011, 13:55

Auf dem Bild ist wohl weniger die Kombination "Sari" + "hellhäutige Frau" das "Eigenartige", sondern vielmehr der Umstand, dass diese Farben mit einem (europäisch-)hellem Teint nicht so gut harmonieren wie mit der Hautfarbe von Frauen, deren genetische Wurzeln eine dunklere Hautfarbe mit sich bringen.
Würden die Damen auf dem Bild Farben tragen, die besser zu ihrem Hautton passen, würde das "Eigenartige" schnell verschwinden.

Standardnormalverteilung
00
6.12.2011, 06:59

Na, find ich nicht.
Es gibt auch sehr hellhäutige Inderinnen, Pakistani, entscheidend für den optischen Effekt ist eher die Haarfarbe, würd ich sagen...

Alf von Melmak
 
00
23.7.2011, 09:39
obwohl es nichts besonderes ist

'
doch, is' es!

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