McLanguage und Code-Switching

Meri Disoski, 25. Juli 2011, 08:57
  • Mit Ethnolekten sind von MigrantInnen gesprochenen Varietäten einer Sprache, die Merkmale einer anderen Mutter- bzw. Erstsprache tragen.
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    Mit Ethnolekten sind von MigrantInnen gesprochenen Varietäten einer Sprache, die Merkmale einer anderen Mutter- bzw. Erstsprache tragen.

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Wie hängen individuelle bzw. gesellschaftliche Mehrsprachigkeit und Kreativität zusammen? Ein interdisziplinär angelegter Sammelband sucht nach Antworten

In 23 Beiträgen aus unterschiedlichen Disziplinen wird in dem von Michaela Bürger-Koftis, Hannes Schweiger und Sandra Vlasta herausgegebenem Band "Polyphonie - Mehrsprachigkeit und literarische Kreativität" den Zusammenhängen zwischen individueller oder gesellschaftlicher Mehrsprachigkeit und Kreativität im Allgemeinen bzw. literarischer Kreativität im Besonderen" nachgegangen. Jedes der neun Kapitel, in die der Band gegliedert ist, widmet sich einem bestimmten Forschungsgebiet, aus dessen Sicht das Verhältnis von Mehrsprachigkeit und Kreativität analysiert wird. Das Spektrum der dabei vertretenen Disziplinen reicht von der Biografie- und Mehrsprachigkeitsforschung über die Kognitionswissenschaft, Neurolinguistik und Hybriditätsforschung bis hin zur interkulturellen Linguistik und Komparatistik.

"Isch habe Jacke"

Mit Ethnolekten, also mit von MigrantInnen gesprochenen Varietäten einer Sprache, die Merkmale einer anderen Mutter- bzw. Erstsprache tragen, beschäftigt sich Michaela Bürger-Koftis in ihrem Beitrag "Ethnolekte und McLanguage. Zum Kreativpotential von Sprachhybridität". Als grundlegende Merkmale von Ethnolekten führt Bürger-Koftis dabei neben der "Simplifizierung und Reduktion grammatischer Kategorien" und der Sprachmischung auch das bewusste "Übernehmen von emotional besetzten" Wörter aus der jeweiligen Mutter- bzw. Erstsprache an. Kommt es bei Ethnolekten zur "Koronalisierung des ich-Lauts (ich > isch) und zur Artikeltilgung", sind Sätze wie "Isch habe Jacke" das Ergebnis. Auch widmet sich Bürger-Koftis dem unter dem Begriff McLanguage subsummierten Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache. In diesem Zusammenhang weist sie auf das so bezeichnete "Globish", also das "weltweit gesprochene Bad simple English" hin. Abschließend zeigt sie anhand mehrerer Texte von Dragica Rajčić und Feridun Zaimoglu auf, wie sich "AutorInnen der transkulturellen Literatur sprachhybride Varietäten kreativ zu Nutze machen".

Code-switchende Nischen

Verwenden mehrsprachige SprecherInnen Elemente zweier Sprachen gemischt bzw. abwechselnd, ist von code-switiching bzw. code-mixing die Rede. Diesem Phänomen widmet sich Dagmar Winkler aus neurolinguistischer Perspektive. Winkler bezieht sich dabei auf aktuelle Ergebnisse neurolinguistischer Forschung die nachweisen konnte, dass für die Erst- sowie weitere erlernte Sprache Nischen im Gehirn ausgebildet werden, die sich durch spezifisch dafür neu bildende Neuronen einen Verbindungsweg schaffen und somit das code-switching ermöglichen: "Diese Nischen können untereinander kommunizieren, ‚code-switchen‘, aber jede Nische ist in andere Situationen eingebettet, mit anderen Gefühlen, Erlebnissen, Erfahrungen und Lernsituationen verbunden und das macht ihre Andersheit, ihr Getrenntsein aus." Anhand mehrerer Texte von Marica Bodrožić geht Winkler in ihrem Beitrag der Frage nach, ob dieser Prozess in literarischen Texten mehrsprachiger AutorInnen nachzuweisen ist.

Literarische Mehrsprachigkeit

Das letzte Kapitel des Bandes beleuchtet aus einem komparatistischen Blickwinkel die Frage, ob bzw. wie die Erstsprache/n von AutorInnen deren Schreiben in der jeweils gewählten Literatursprache (hier: Deutsch) beeinflusst und sucht nach den Spuren, die die Erstprache/n in den Texten hinterlassen. In fünf Fallstudien untersuchen ForscherInnen, die jeweils auch mit der Erstsprache der AutorInnen vertraut sind, den Zusammenhang von Mehrsprachigkeit und literarischer Kreativität. So analysiert etwa Peter Holland welche Rolle dem Motiv des Erlernens und des Erinnerns der arabischen Sprache in Semier Insayifs 2009 erschienenen Roman Faruq zukommt. Und Cornelia Zierau zeigt anhand der Texte von Emine Sevgi Özdamar und Yoko Tawada, wie sich Mehrsprachigkeit konkret in literarischen Texten äußert.

Fazit

Mit "Polyphonie - Mehrsprachigkeit und literarische Kreativität" legen die drei HerausgeberInnen einen Band vor, der als Einstieg in ein größer konzipiertes Gesamtprojekt zum Thema fungiert. Eine sich in Vorbereitung befindende Homepage zum Thema soll dabei nicht nur Plattform für wissenschaftliche Publikationen sein, sondern auch eine (als Ausgangspunkt für neue Forschungen zum Thema gedachte) Datenbank beinhalten, auf der Interviews mit AutorInnen, aber auch mit Schreibenden aus Medien und Wissenschaft, deren Sprachbiografie durch Mehrsprachigkeit geprägt ist, abrufbar sind. Aber es ist nicht erst die Einbettung in ein größeres Gesamtprojekt, die den Band für all jene, die sich mit Mehrsprachigkeit auseinandersetzen oder dafür interessieren, lesenswert macht. Durch das multidisziplinäre Design des Bandes erhält man Einblick in eine breite Palette an Forschungsfragen zum Thema, das in all seinen vielfältigen Facetten kompetent beleuchtet wird. Und das übrigens in den meisten Fällen von BeiträgerInnen, die selbst aus mehrsprachigen Kontexten kommen. (Meri Disoski, daStandard.at, 24. Juli 2011)

Polyphonie - Mehrsprachigkeit und literarische Kreativität. Hg. v. Michaela Bürger-Koftis, Hannes Schweiger u. Sandra Vlasta. Wien: Praesens Verlag 2010.

Während das sog. "Bad Simple English" ja noch erträglich ist (es entsteht ja, vereinfacht gesagt, durch finden eins gemeinsamen kleinsten Nenners von Muttersprachlern unterscheidlicher Herkunft), ist dieser sog. "Ethnolekt", den man ständig auf der Straße hört, (im Beispiel "Isch habe Jacke") einfach nur grausam und eine Beleidigung für das Ohr.

Vor allem sind das ja nicht neu eignewanderte Personen, sondern solche, die hier geboren sind (bzw. auch schon deren Eltern).

Es gibt immer verschiedene Dialekte, Jugendsprachen und so weiter. Aber es macht wenig Sinn, zB auf die Österreicher mit türkisch sprechenden Eltern hinzuhauen, weil die "isch abe Jagge" sagen, und dabei zu ignorieren, dass zB Kinder mit steirischen Eltern Grausamkeiten a la "i houb ea Jouppal" und Kinder kärntner Eltern "Hob i lei a Jackale gö" sagen könnten.

Würdest du die beschimpfen von wegen "Es produzierts nur sprachlichen Sondermüll es Gfraster"? Nein? Warum aber die Jungtürken?

-> Das Problem ist nicht, wie die Sprache klingt; sondern dass du keine Türken magst; deshalb sorgt dein Gehirn dafür, dass dir Dönergewürz nicht schmeckt und du den dazugehörigen Soziolekt hasst. Unsre Großeltern hätten auf Jiddisch änlich reagiert, oder?

"A Eitrige mid an Bugl und a Oaschpfeiferl" - ist ok ?

Hoppala! Das Posting unten sollte eine Antwort auf trollvottels Posting sein.

Nun gut, es mag schon sein, dass hauptsächlich Türken diesen Ethnolekt sprechen, aber auf Grund meiner Aussage hochzurechnen, dass ich keine Türken mag, ist doch weit über das Ziel hinausgeschossen.

Ich mag diese Sprache nicht, dazu stehe ich, aber es bedeutet nicht, dass ich eine ganze Gruppe von Zuwanderern nicth mag.

Ich kenne zugegebenermaßen auch nur eine (hier geborene) Österreicherin mit türkischem Migrationshintergrund, die spricht aber OÖ-Dialekt (trägt jedoch - leider, wei ich finde - ein KT).

Heasst Oida, des hasst "Atrige" oder Oitrige" zur Not.
Bei dera Verschriftsprachlichung vagehts an jA (A mit Ringerl oben drauf denken, bitte; danke.).

danke für den hochinteressanten hinweis.

und so

entdecken immer mehr Disziplinen, was gerade en vogue ist. Wollen hoffen, dass all diese Arbeiten auch zu einem politisch demokratischeren und offeneren Klima beitragen. Wie notwendig das ist, hat dieses Wochenende sehr, sehr leidvoll gezeigt.

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