Tarek Fatah im Interview

Kein Platz für mittelalterliche Vorstellungen

Interview | Willi Kozanek, 1. August 2011, 18:00
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    foto: privat

    "Wir haben in Kanada aber Kulturen, die teilweise mittelalterliche Vorstellungen haben, zum Beispiel im Umgang mit Homosexualität."

Einer der schärfsten Kritiker der multikulturellen Politik Kanadas fordert eine strengere Trennung von Staat und Religion und eine klare Ablehnung des Islamismus

Seit den 1970er-Jahren gilt Kanada als Musterland für eine gelungene Multikulturalismus-Politik. Das Land hat weltweit die höchste Zuwanderungsrate pro Einwohner, in Toronto gehört fast jeder zweite Einwohner einer (sichtbaren) Minderheit an. Tarek Fatah kritisiert in Büchern, Zeitungen und Radiosendungen seit Jahren Teile dieser liberalen Politik.

daStandard.at: Sie meinten im Februar 2011, dass Kanadas Multikulturalismus-Politik scheitern wird. Spaziert man durch Toronto, entsteht kaum der Eindruck, dass die Stadt ein Problem mit friedlichem Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen hätte.

Fatah: Wenn es um ein multiethnisches Zusammenleben gehen würde, hätten wir kein Problem. Alle ethnischen Gruppen sind gleich. Wir haben in Kanada aber Kulturen, die teilweise mittelalterliche Vorstellungen haben, zum Beispiel im Umgang mit Homosexualität. Diese Kulturen kann man nicht als gleichwertig betrachten. Rechte für homosexuelle Menschen zu verankern, ist eine der höchsten Formen von Akzeptanz. Wenn westeuropäisch geprägte Gesellschaften wie Kanada oder Großbritannien heute sagen, dass alle Kulturen gleich sind, dann bestrafen sie Anstrengungen von Menschen der letzten 400 Jahre.

daStandard.at: In Europa wird Kanada dennoch als Vorbild für eine funktionierende multikulturelle Gesellschaft angesehen. Worin stimmen unsere Vorstellungen also ihrer Meinung nach nicht?

Fatah: Diese Vorstellungen sind sehr oberflächlich. Kanada ist heute an dem Punkt, wo Großbritannien vor 30 Jahren stand. Damals sagte die erste Generation von Muslimen in Großbritannien, dass sie Mitglieder des Parlaments sein wollen. Die Loyalität derer Enkelkinder gehört heute aber nicht dem König und dem Land, sondern der weltweiten muslimischen Bewegung. Wir haben heute in Großbritannien oder Kanada Menschen der zweiten oder dritten Generation, die überzeugt sind, dass die westliche Kultur böse ist. Frauen der zweiten Generation akzeptieren es, degradiert zu werden. Warum fordern die Frauen nicht die Männer auf, ihr Gesicht zu verhüllen?

daStandard.at: Michael Adams, Präsident des Environics Institute, fand in einer Umfrage heraus, dass kanadische Muslime zufriedener mit dem Leben in Kanada sind als andere Bevölkerungsteile.

Fatah: Lassen Sie mich etwas einwenden! Michael Adams ist ein Verteidiger der islamistischen Bewegung, er ist das, was Lenin einen „nützlichen Idioten" nannte. Als er in einer Umfrage herausfand, dass 12 Prozent der kanadischen Muslime die geplanten Terrorattacken von Toronto als gerechtfertigt ansahen, heuerte er muslimische Interviewer an, damit die Ergebnisse anders ausfallen. Ich sehe ihn als Teil der islamistischen Bedrohung für das Land. Ich teile mit ihm eine linke politische Gesinnung, er ist aber ein „Scharia-Bolschewik".

daStandard.at: Eigentlich wollte ich über die Probleme des Multikulturalismus in Kanada sprechen. Wir sprechen jetzt aber über Muslime. Ist es nicht gefährlich, ein Scheitern des Multikulturalismus und eine Radikalisierung von kleinen Teilen muslimischer Einwanderer zu vermischen?

Fatah: Nein, weil es bei muslimischen Einwandern und der Multikulturalismus-Politik den einzigen Widerspruch gibt. Eine ganz andere Frage ist Rassismus. Wenn wir aber über Multikulturalismus sprechen, dann sind diejenigen, die die Scharia-Gesetzte verteidigen oder den Dschihad nicht entschieden von sich weisen, die größte Gefahr für die westliche Zivilisation, weil sie aus dem Inneren der Gesellschaft agieren können. Wie kann es sein, dass wir in Toronto pro-Dschihad-Demonstrationen haben? Wenn man der zweiten Generation von Zuwanderern angehört, ist man gewöhnlich bereits voll integriert. In England sind die Hindi oder die Sikh der zweiten Generation bestens integriert. Sie werden nie einen Inder finden, der Großbritannien attackiert, weil Indien von Großbritannien kolonialisiert wurde. Großbritannien hat Saudi Arabien nie kolonialisiert, aber sie sind es, die die westliche Zivilisation angreifen. Wir dürfen uns nicht hinter dem Wort „Multikulturalismus" verstecken!

daStandard.at: Was sollte Kanada also ändern? Die Multikulturalismus-Politik existiert hier seit über 40 Jahren.

Fatah: Ganz einfach: Es sollte multiethnisch statt multikulturell sein. Eine Kultur kann man verändern, seine Ethnie nicht. Ich kann meine Hautfarbe nicht ändern. Das ist der Grund, weshalb Ethnien gleich sind, nicht Kulturen. Eine Kultur, in der jedes Jahr eine Million Bücher gedruckt werden, ist einer Kultur, in der nur hundert Bücher gedruckt werden, überlegen. Kanada muss sich gegen den Islamismus gleich auflehnen, wie es sich gegen den Kommunismus als Ideologie aufgelehnt hat. Nirgendwo in Kanada sollte es eine öffentliche Schule geben, deren Cafeteria in eine Moschee umgewandelt wird. Das ist nur aufgrund einer naiven Beschwichtigungspolitik möglich.

daStandard.at: Das klingt wie aus dem Kanon von europäischen rechten Parteien, zum Beispiel Geert Wilders oder...

Fatah: ... diese Leute haben keine Antwort auf die Probleme. Sie identifizieren Probleme, haben aber keine Lösungen parat. Die einzige mögliche Antwort ist eine strengere Trennung von Kirche und Staat! Was will Wilders denn tun - den Koran verbieten?! Achtzig Prozent der Muslime können den Koran gar nicht lesen. Der Koran ist also nicht das Problem. (Willi Kozanek, 2. August 2011, daStandard.at)

Tarek Fatah wurde 1949 in Karachi, Pakistan geboren. Er studierte in Pakistan Biochemie und arbeitete später als investigativer Journalist. Bevor er nach Kanada auswanderte, lebte er in Saudi Arabien. Er ist Autor, Begründer des "Muslim Canadian Congress", und Mitarbeiter bei einer kanadischen Radiostation.

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Posting 1 bis 25 von 29
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Pflaster ohne Trost
00
24.8.2011, 16:36
John Belushi lebt?

Annata
03
Tarek Fatah ist selber Moslem

Auch wenn ihn natürlich einige seiner Glaubensbrüder schon der Apostasie beschuldigt haben und er auch andauernd Todesdrohungen bekommt.

Was hier in den Kommentaren abgeht ist ja nicht normal.

the.fux
40
ich hab mal gehört

dass die katholische Kirche auch was gegen Homos hat...

Pflaster ohne Trost
00
24.8.2011, 20:16

ja, und deswegen macht sie diese auch zu Bischöfen!

palmström
01
14.8.2011, 15:32
und deswegen

brauchen wir den islam dahingehnd auch nicht kritisierern?

Gendo
02

Natürlich beides kommt aus der selben Quelle und beides hat sich seit ihrer Entstehung (im Namen eines Gottes, aber entsprungen verkrüppelter Geister alter Männer) nicht verändert.

Panzerverband
02
Aha und das relativiert jetzt die Ansichten der rechten Islamisten oder wie?

Haben Sie auch mal gehört, dass 12% der kanadischen Katholiken die Anschläge in Oslo gutheißen? Nein? Ich auch nicht.

the.fux
21

wenn kritik an mittelalterlichen vorstellungen, dann bitte nicht nur an denen von moslems. es gibt da ultrakatholische gruppen in europa, dass der sau graust. (buchtipp: david berger, der heilige schein)

gabs denn eine umfrage unter katholiken in kanada? in norwegen? wenn nein, wieso nicht? vielleicht weils nicht so interessant ist? (und da wären wir wieder bei medien und bühne) irgendwie is das thema radikale christen untergegangen, aber weg is es nicht.

-e!-
02

Ihre Kritik mag berechtig sein, der Herr ist anscheinend auf Islamismus spezialisiert und hat sich eben diese Gruppe herausgesucht, weil es da (seiner Meinung nach) "Integrationsdefizite" gibt und westliche Werte angegriffen werden.

Im Übrigen macht das eine Übel das andere nicht besser. Dennoch wäre ein Artikel zum Thema interessant.

dia_lektik
10

und woher haben sie die zahl, dass 12% der muslime terroristische anschläge gutheißt - aus diesen rechtsrechten "wahrheitsblogs"?

ich hoffe ihr nickname ist nur virtuell panzer-, militär- und gewaltverliebt.

Panzerverband
02
Dieser Mann

hat nach Robert Misik eindeutig Mitschuld am Massaker in Norwegen.

knuuuut
16

der mann hat absolut recht.

Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs
111

Danke für die klaren Worte!

100% Zustimmung.

Ali Ovissi
 
18

Das Problem ist das viele reflexartig Rassist schreien wenn jemand von kultureller Überlegenheit spricht. Dies ist natürlich auch Ansichtsache und subjektiv aber zumindest meiner pers. Meinung nach definiere ich eine Kultur als überlegen wenn diese eine aufgeklärte Tolerante Lebensweise fördert, Minderheitenrechte Religionsfreiheit und persönliche Rechte bzw. die indiv. Freiheit achtet. Dies schliesst per se eine Trennung von Religion und Staat mitein(sonst gäbe es keine Religionsfreiheit). Und natürlich unabhängig Wissenschaften fördert.

Da kann ich dem Autor zustimmen das solche Kulturen zB anderen, die Menschen diese Freiheiten nicht gewähren überlegen sind.

Cet
162
Muss man jedem anti-islamischen Hassprediger eine Bühne bieten?

Und das so kurz nach den Attentaten in Oslo?

Ali Ovissi
 
14

Er ist nicht anti-islamisch sondern anti-islamISTISCH

Und ich gebe dem Artikel 100% Recht, besonders dem letzten Absatz:
"Die einzige mögliche Antwort ist eine strengere Trennung von Kirche und Staat!"

hanslblasta
00
18.8.2011, 21:05
die Frage ist, wie diese strengere Trennung von Kirche und Staat

"in den Köpfen" passieren kann?
legistisch ist es einfach - und man kann auch den Religionsunterricht in die Hinterzimmer der Sonntagsschulen verweisen - auf dass dort dann jene Masse an Wahlvolk heranwächst, die einen Gottesstaat fordert;

nein, das Mittel der Wahl ist, was sowieso geschieht: die beharrliche intellektuelle Auseinandersetzung - wobei diese Beharrlichkeit auch des ständigen Verweises auf Intellekt und Ratio bedarf - übungsweise kann man sich dazu mit EsoterikerInnen aller Coloeurs unterhalten ...

ein entwaffnendes "aber ich spüre das so" wird nicht leicht zu überwinden sein ...

youmakemefart
210

Das ist genau das Problem

Jemand argumentiert sachlich und spricht Probleme an und schon beginnt die alte Leier mit "Hassprediger", Rassismus und "Islamophobie"

Ihr habt genau so viel Verantwortung für Oslo wie die rechtsradikalen Hetzer.

dia_lektik
31
also sachlich finde ich diesen herrn nicht wirklich...wer sachlich ist hat es nicht nötig andere als "nützliche idioten" und "scharia-bolschewiken" zu verunglimpfen.

außerdem mutet seine aussage "eine Kultur, in der jedes Jahr eine Million Bücher gedruckt werden, ist einer Kultur, in der nur hundert Bücher gedruckt werden, überlegen" schon rassistisch an.

damit widerspricht er auch sich selbst, einerseits verlangt er nicht von multikulturell, sondern von multiethnisch zu sprechen, im nächsten atemzug faselt er aber selbst was von einer überlegenen kultur.

das kann doch nicht die antwort gegen kulturrelativismus sein. ich bin auch religionskritisch, aber solche hansln, die sich selbst widersprechen und total blasiert daherkommen, die nutzen islamkritik nur aus um sich selbst zu profilieren.

p.s. ein blick auf die hp des "canadian muslim congress" zeigt, dass sich dort seit 2006 nix getan hat.

daStandard.at live
16
Liebe/r Cet,

das Interview wurde vor den Attentaten geführt und steht eigentlich in keinem Zusammenhang dazu.

Beste Grüße,

das daStandard.at-Team

Cet
90
Und was ändert diese Tatsache daran, dass ihr so kurz nach dem Terror in Oslo einem anti-islamischen Hassprediger eine Bühne bietet?

Ihr werdets euch nicht aus eurer Verantwortung stehlen können, denn ohne euch, die Massenmedien, gäbe es keinen Resonanzboden für solche geistigen Brandstifter.

Gendo
01

Ich hoffe sie haben ein Posting von fast identen Hinhalt nach jedem Anschlag von einem Islamisten gepostet in dem sie jeden der Antiwetsliche Argumente vorbringt, als Hassprediger anprangern und den Islam als geistigen Bodensatz erkennen auf dem der Islamismus gedeit.
Sorry aber wenn man Idilogisch verbländet ist sieht man die Unausgewogenheit und Doppelmoral seiner Aussagen oft nicht mehr, wohin das führt kann man in Oslo oder NY sehen, Faschisten bleiben faschisten egal ob sie sich auf eine Rasse oder einen Gott berufen!

knuuuut
13

der ist kein anti-islamischer hassprediger, kapieren sie das endlich, sie witz!

Cet
51
Sie würden einen anti-islamischen Hassprediger nicht mal dann als solchen erkennen, wenn er Ihnen auf die Füsse steigen würde.

Für Breivik war dies sicher auch kein anti-islamischer Hassprediger, sondern einer, der nur die "Wahrheit" aussprach. Ich bin mir sicher, er hätte hier nicht so viele rote Striche bekommen. Wer weiss, ob seine Postings hier überhaupt aufgefallen wären. Wer weiss, ob man ihn, Breivik, bei einem Interview überhaupt als eine Gefahr erkannt hätte oder ihm nicht genauso zugestimmt hätte. Schliesslich ist doch angeblich der Islam und die Multikultur das Problem, nicht?

knuuuut
03

geh bitte! sie haben sowas von nix verstanden, das ist nur noch peinlich. lesen's das interview nochmals, vielleicht nutzt's was.

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