Affirmative Action

Chancengleichheit durch positive Diskriminierung

Interview | Willi Kozanek, 24. August 2011, 08:30
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    Unter Affirmative Action versteht man institutionalisierte Maßnahmen, die soziale Diskriminierung durch Vorteile verhindern oder vermindern sollen.

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    "Affirmative Action entstand, weil wir in unserem Land eine Geschichte von Diskriminierung gegen nicht-weiße Ethnien hatten, im Besonderen gegen Afroamerikaner", erklärt Dean Sparlin die Entstehung von Affirmative Action in den USA.

Ist die Bevorzugung von Minderheiten noch zeitgemäß? Ein Gespräch mit dem Berater Dean Sparlin

daStandard.at: Wie entstand Affirmative Action in den USA?

Sparlin: Affirmative Action entstand, weil wir in unserem Land eine Geschichte von Diskriminierung gegen nicht-weiße Ethnien hatten, im Besonderen gegen Afroamerikaner. Bis in die 1950er-Jahre gab es Gesetze, die die Segregation förderten. Zur gleichen Zeit hatten aufgeklärte Menschen den Wunsch diese Diskriminierung und Segregation aufzuhalten und umzukehren. Jene, die diskriminiert wurden, sollten die Chance erhalten aufzuholen.

daStandard.at: Nehmen wir an ich bewerbe mich für ein Masterstudium und werde abgelehnt. Ich finde später heraus, dass mein Freund, der Afro-Amerikaner ist, trotz schlechterem Notendurchschnitt die Aufnahme bestanden hat. Wie würden Sie mir erklären, dass das fair ist?

Sparlin: Neben dem Notendurchschnitt gibt es andere Kriterien, die die Aufnahme beeinflussen. Universitäten haben die Pflicht nicht nur auf Notendurchschnitte oder Testergebnisse zu achten, sondern auch der Gesellschaft zu dienen. Allen Teilen der Gesellschaft! Die Studenten einer Universität sollen außerdem mit einer möglichst heterogenen Gruppe zusammen studieren können, weil sie nach ihrem Studium mit sehr unterschiedlichen Menschen zu tun haben werden. Und dort, in der „echten" Welt, wird der Erfolg nicht in Notenschnitten und Testergebnissen gemessen. Außerdem sind Testergebnisse sehr davon bestimmt, wo man herkommt und können nicht als Indikatoren für späteren Erfolg dienen.

daStandard.at: Ist es denn fair, dass es bei Universitätsaufnahmen eine Rolle spielt woher jemand kommt? Sollten Universitäten nicht "farbenblind" sein?

Sparlin: Universitäten sollten Menschen nicht aufgrund ihrer ethnischen Herkunft aufnehmen. Aber Universitäten haben die Pflicht zu gewährleisten, dass Menschen nicht aufgrund ihrer ethnischen Herkunft ein Universitätszugang verweigert wird. Ich gebe zu, dass dies ein Balanceakt ist. Aber Sie sind kein besserer Kandidat, nur weil Sie einen Notenschnitt von 2,89 haben und jemand anderer hat einen Notenschnitt von 2,99 hat.

daStandard.at: In den letzten Jahren haben Afroamerikaner in Punkto Bildung und wirtschaftlicher Position sehr aufgeholt. Wie lange soll Affirmative Action noch aufrecht gehalten werden?

Sparlin: Es gab zwar Verbesserungen in dieser Hinsicht, doch Barrieren existieren immer noch. Außerdem geht es hier nicht nur um Afroamerikaner. Denken Sie nur an die Migrationsströme von Südamerikanern in die USA. Heute haben Afroamerikaner und Menschen lateinamerikanischer Herkunft immer noch geringere Gehälter und geringere Universitätsabschlüsse. Um diese Situation zu verändern, müssen Universitäten auch auf andere Kriterien als Notenschnitte achten.

daStandard.at: Und wie lange wird es Ihrer Meinung nach noch dauern bis es Affirmative Action nicht mehr braucht?

Sparlin: Ich bin in meinen Fünfzigern und denke, dass es in meiner Lebenszeit noch Affirmative Action geben sollte. Es gibt allerdings Bewegungen innerhalb der Bevölkerung, die Affirmative Action kippen könnten. Unsere Organisation kämpft dagegen.

daStandard.at: Der afroamerikanische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Sowell meinte, dass positive Diskriminierung in den USA falschen Gruppen helfe, zum Beispiel Kindern von afroamerikanischen Multimillionären. Er meinte außerdem, dass Affirmative Action Minderheiten nicht anspornt Selbstverantwortung für die Verbesserung ihrer Situation zu übernehmen. Was würden Sie diesen Ansichten entgegnen?

Sparlin: Affirmative Action hilft nicht automatisch nur weil man einer bestimmten ethnischen Gruppe angehört. Affirmative Action will nicht Ungleichheit schaffen, indem bestimmten Gruppen von Menschen geholfen wird. Man bewirbt sich nicht für Affirmative Action, sondern für die Aufnahme an eine Universität, wie jeder andere auch. Affirmative Action heißt, dass die Universität gewährleistet, dass alle Gruppen die Möglichkeit haben zu studieren.

daStandard.at: In Harvard zum Beispiel sind ein Drittel der schwarzen Studenten Kinder von afrikanischen Immigranten. Sollten nicht eher alteingesessene Afroamerikaner, also Nachfahren von Sklaven, von Affirmative Action profitieren?

Sparlin: Der Geburtsort sollte nicht entscheiden welche Möglichkeiten du im Leben hast. Harvard sollte nicht auf Geburtsurkunden schauen und ermitteln wo jemand auf die Welt kam. Wenn diese Studenten aufgenommen wurden, dann waren sie eben gut qualifiziert.

daStandard.at: Wie funktioniert das im Detail - würden auch Kinder von Einwanderern aus Chile, der Ukraine oder Japan von Affirmative Action profitieren?

Sparlin: Sie missverstehen das. Bei Affirmative Action haben wir keinen Kriterienkatalog von Ethnien, der beurteilt, ob ihre Ethnie von Affirmative Action profitieren kann. Die Ethnie ist nur einer Faktor von vielen. Was Sie sich in Erinnerung rufen sollten ist, dass ein Universitätsabschluss darauf vorbereiten sollte in einer globalisierten Welt zurechtzukommen.

daStandard.at: Glauben Sie, dass die Bevorzugung von Minderheiten in der Mehrheitsbevölkerung Ressentiments gegen jene Minderheiten wecken könnte?

Sparlin: In einem Teil unserer Bevölkerung gibt es diese Ressentiments bestimmt.

daStandard.at: Wie sollte Affirmative Action sich verändern? Was ist die Zukunft?

Sparlin: Es geht darum den Menschen zu erklären, dass Affirmative Action nicht einzelne Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe bevorzugt. Das Ziel ist allen die gleichen Möglichkeiten zu bieten.

daStandard.at: Warum engagieren Sie sich für Affirmative Action?

Sparlin: Ich arbeite als Berater und lerne persönlich sehr viel. Ich lerne neue Menschen kennen, sehe was andere tun. Weiters glaube ich einfach daran, dass alle Menschen die gleichen Möglichkeiten verdienen. (Willi Kozanek, 24. August 2011, daStandard.at)

Dean Sparlin ist Anwalt bei "Sparlin Law Office". Er berät die "American Association for Affirmative Action".

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
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-gaddafi-
 
34
25.8.2011, 08:48

man kann es drehen und wenden wie man will, man kann die behauptung noch so oft wiederholen und selbst wenn man das mantra täglich herunterbetet, diskriminierung wird niemals positiv sein

schade dass da standard als angebliches qualitätsmedium solchen hirnlosen eine dauerbühne bietet

catfish eyes
32
25.8.2011, 05:16

Sehr schade, dass auch in dieser Zeitung jeder Artikel, der das Thema Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit anspricht, von minderbemittelten Nationalegoisten zugepostet wird.

(Warum minderbemittelt? Weil jeder, der nur ein paar Gramm Hirnschmalz hätte, verstehen würde, dass sich jede Diskriminierung anderer langfristig gegen ihn selbst richtet.)

Nennt mich Loretta
 
11
26.8.2011, 15:12
Jeder, der ein bisserl Hirnschmalz hat, weiss, dass die Bevorzugung des einen, gleichzeitig die Diskriminierung des anderen zur Folge hat.

PS: "Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit" kommt aus dem nationalistischen Lager.

catfish eyes
10
27.8.2011, 19:42

Na, das ist noch ein bisserl zu wenig Hirnschmalz. Ein ganz klein wenig müssen wir uns schon herausbemühen aus dem untersten Loch, bevor wir beginnen die Leute zu belehren, gell?

Der Kluge
11
25.8.2011, 12:19

Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit?
Hier geht es um Rassismus, Rassimus gegen die weiße Mehrheitsbevölkerung in Zeiten, wo der Arbeitsmarkt äußerst angespannt ist!

In Japan oder Saudi Arabien gibt es auch keine Quoten für Europäer, wieso wird überhaupt daran gedacht, hier rassische Kritierien einzuführen?

Die Schuld an schwächere Bildungserfolge mancher Communities/Kulturkreise werden wieder einmal der angeblich rassistischen Mehrheitsgesellschaft aufgebrummt und eine rassistische Ungleichbehandlung gefordert.

Besonders zynisch ja, weil Asiaten in den USA bessere Noten als Europäer haben und auch ein höheres Einkommen. Sollen die in Zukunft auf per affirmative action gleichgemacht werden? Diese Asiaten sind zu fleißig und klug...

Johannes Benn
01
25.8.2011, 14:16
.

und es wird immer schlimmer in den usa:
http://www.amren.com/mtnews/ar... _obama.php

dia_lektik
00
26.8.2011, 14:09

na der link zu einer fanatischen "white supremacy" group, die von der genetischen veranlagung von afro-amerikanern und "hispanics" als minderbemittelte kriminelle und der überlegenheit der "weißen rasse" in pseudo-wissenschaftlicher manier faselt und auch dem anti-semitismus nicht abgeneigt ist, passt zu ihnen ja wie die faust aufs aug.

aber höchstens auf der von ihnen genannten seite wird sarrazin gelobt und gegen nicht-weiße gehetzt, mehr braucht es wohl nicht um sie zu überzeugen.

diese renaissance-typen haben übrigens verbindungen zu den "stormfront"-neonazis in amerika und der tea party...wirklich tolle gesinnungsbrüder.

Wolkengedanken
00
26.8.2011, 14:31

Kleine Anmerkung in aller Freundlichkeit: "passt wie die Faust auf´s Aug" = passt gar nicht.

Ich glaube, Sie wollten das Gegenteil sagen

dia_lektik
00
26.8.2011, 14:57
danke für die anmerkung...

ich wollte damit eigentlich sagen, dass es zu dem poster doch passen könnte, weil er ja auch immer gegen immigration und von den bedrohten weißen spricht etc.

die redewendung wird umgangssprachlich auch verwendet, um aufzuzeigen, wenn etwas gut zusammenpasst, hatte aber ursprünglich die entgegengesetzte bedeutung. da treffen dann wohl beide konnotationen zu.

by the way...wo sind unsere postings von unserer letzten unterhaltung über der, die, dastandard geblieben ;)

Wolkengedanken
00
26.8.2011, 15:06

Ja, ja unsere postings sind offensichtlich zensuriert worden. Find ich auch arg !

Zensur wird auch nix daran ändern das "DaStandard" eine gelinde gesagt unglückliche Bezeichnung ist ....

dia_lektik
10
25.8.2011, 12:58
manchen menschen tut die hitze nicht gut...

bleiben sie am besten zuhause in den eigenen vier wänden, dort sind sie vor der sonne geschützt und menschen, die nicht diesselbe hautfarbe und herkunft haben wie sie, sind dann vor ihnen und ihrem rassismus geschützt.

finden sie es nicht bisserl widersprüchlich wenn sich die "weiße mehrheitsbevölkerung" von minderheiten bedroht fühlt. die welt wird bunter, auch die bevölkerungen werden sich vermischen, ob sie das wollen oder nicht.

@jobs: sie würden durch dreck und müll waten, wenn es "die ausländer" nicht gäbe, die den dreck wegputzen. am bau, im restaurant, im spital, im pflegeheim, beim billa an der kassa, bei mcdonalds etc...alles jobs, für die sich viele österreicher zu schad sind.

Johannes Benn
01
25.8.2011, 11:14
.

das ist falsch. eine benachteiligung anderer birgt fuer einen selbst meistens vorteile.
genau so hat auch kein europaeischstaemmiger amerikaner von der diversitaet an amerikanischen unis etwas. denn wenn er ordentlich studiert, und nachher in einem entsprechenden bereich arebeitet wird auch da wieder die diversitaet wieder nicht vorhanden sein. es sei denn natuelrich ein student arbeitet wieder in irgendwelchen buergerrechtszusammenhaengen oder in der verwaltung, wo mittlerweile europaeischstaemmige unterrepraesentiert sind, aber da beißt sich die katze ja in den schwanz.

Der Kluge
22
25.8.2011, 00:31

Quoten ob für Frauen oder Migranten sind einfach nur absurd.

stopfgm
21
25.8.2011, 21:46

möchte mensch meinen, leider ist das noch fern der realität u quoten sind notwendig, um bewusstsein, vorbilder, umdenken zu schaffen.

Pflaster ohne Trost
23
24.8.2011, 16:32
Der Herr Sparlin hat auch sicher einem Afro-Amerikaner bei seinem Studienplatz den Vortritt gelassen und 2 Semester später begonnen!

Ludwig Andreas von Khevenhüller
43
24.8.2011, 16:22
Chancengleichheit bei der Polizei

Da fällt mir doch spontan der Innenminister von Bad.Wü. in Deutschland ein. Der will Chancengleichheit bei der Polizei - konkret mehr Polizisten mit Migrationshintergrund. Dafür müssen aber erst die Standards bei der Aufnahme verändert werden, sonst schaffen es die zu Beglückenden nicht. Der Deutsch- und Sportteil beim Eignungstest muß vereinfacht werden, sonst könnte man beim besten Willen keine positive Diskriminierung erreichen! Rot/Grün regiert und Leistungstandards( weil Rechts, diskriminierend, und gegen Multikulti) werden abmontiert. Die Verbrecher und deren Anwälte wird´s freuen!

Johannes Benn
00
25.8.2011, 11:15
.

das migranten schlechter beim sprttest abschneiden als deutsche halte ich fuer ein geruecht. auf der welt muss man lange suchen um so ein verweichlichtes und unsportliches volk zu finden wie die deutschen

dia_lektik
24
24.8.2011, 23:54

also auch autochthone anwärter fallen bei den tests durch. ich seh/hör auch genug autochthone polizisten mit geringem wortschatz und dicker wampe...

diese fpö-kampfposter mit ihrer fremden- und frauenfeindlichkeit (siehe gin-tonic-geschwafel vor meinem posting) werden ja immer lächerlicher. vor kurzem wurde erst einer der ihren in kärtnen verurteilt...und da sind dann auf einmal die richter die verbrecher und die verurteilten/angeklagten die opfer.

und ein ehemaliger blauer verkehrsminister hat mächtigen korruptions-dreck am stecken...aber da sind ja wieder die anderen schuld nicht wahr.

Ein Sonnenschirm und ein Gin-Tonic
12
25.8.2011, 09:53
Machen Sie nicht soviel Wind wenn Sie keine

Ahnung haben. Ich hab's Ihnen rausgekramt:
http://www.bundespolizei.gv.at/lpdreader... ts/656.pdf - SPORTMOTORISCHER LEISTUNGSTEST

Ahja, und Präsenzdienst müssen die Kandidaten auch geleistet haben; die männlichen natürlich nur.

Bittegerne. Welche Wisssenslücken gilt es noch zu schliessen?

dia_lektik
00
24.8.2011, 23:55

edit: sollte natürlich kärnten heißen...

Ein Sonnenschirm und ein Gin-Tonic
22
24.8.2011, 22:56
Auch hierzulande wurden die Aufnahmetests

für Frauen wesentlich erleichtert, damit man ein paar Damen in Uniform bekommt; zum Heer wollen unsere Prinzessinnen ja nicht.

Denen muß man dann jeweils einen Mann zur Seite stellen, damit der im Ernstfall seine Kollegin beschützt - und natürlich auch noch den Job erledigt.

Gendern auf Kosten unserer Sicherheit!
Die Politik der pc-Schwachköpfe!

Notwehrwahl 2013!

Bitte bewerten Sie mit "rot"
00
24.8.2011, 14:27
Ich finde das Interview auch widersprüchlich

aber Gerechtigkeit ist ein Balanceakt, da stimme ich zu

Johannes Benn
25
24.8.2011, 10:25
.

was fuer ein wirres gebrabbel.
einerseits behauptet er die unis sollten nicht auf urkunden schauen, wenn kinder afrikanische einwanderer es auf die uni schafften seien sie eben gut gewesen, andererseits sagt er man muesse auf die herkunft achten, wegen der nicht vorhanden chancengleichheit.
und dann versteigt er sich auch noch zu der behauptung es ginge nicht um verschiedenen ethnien, um was denn sonst?

Bodo Steinbrech
03
24.8.2011, 20:31
... um was denn sonst?

*) Um seinen persönlichen Job - um den zuallererst! Er hat ja deffinitiv Angst, dasss es noch zu seiner aktiven Zeit abgeschafft werden könnte! Und anderes als diese Art von "Lobbying" kann er anscheinend nicht.

*) um die Aufträge für seine und andere Anwaltskanzleien mit ähnlich guten Beziehungen

*) um die Verwaltungsfritzen, die das alles für viel Geld - und gegen gute Beziehungen - koordinieren müssen

*) .... einfach dem Geld folgen! Wem nützt es? - den Minderheiten nur bedingt - obwohl es ihnen immerhin nicht schadet - is ja auch schon was ...

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